Breath of the Wild



Schreibwettbewerb 2006 - A Shadow's Summoner

Der Hylianer rieb sich den Schweiß von der Stirn. Seine zittrigen Hände fuhren wieder zu dem, an dem seine Seele so hing, ihn festigte, ihn Halt gab und doch... sein Untergang war. Er drückte es an sich, spürte die dunkle Aura die davon ausging. Und doch... war es sein Wunsch gewesen was mit Hyrule passierte? Oder der Wunsch von ihm?
Er sah zerfetzte Banner, Blut, grausam hingeschlachtete Menschen, das Massaker zweier aufeinander prallenden Welten...
Brauchte es nur jemanden, der den Wunsch aussprach? Seine Hände zitternden. Er hätte die Macht, wenn er den Wunsch aussprach und doch... wäre er nur eine Marionette. „Tu es!“, drang die verführerische Stimme aus dem, was er vor sich hielt. Langsam dämmerte ihm, was für ein Wissen er haben könnte, wenn er es tun würde. Doch in Wirklichkeit wäre er... „Du wärst der Herrscher über alle!“, kamen die Worte. Sie fluteten seinen Körper durchdrangen jede sowieso schon angefressene Barriere, fraßen sich in sein Gehirn und blieben dort hängen, als wären sie in das klebrige Netz einer Spinne geraten.
Dem Mann schwindelte. Ein Satz, ein ganz normaler Satz. Er würde das Weltbild zu seinen Gunsten verändern. Er hängte sich das verführerische Medaillon um und sprach den Wunsch... den Wunsch, der ihn alles kosten sollte, was ihm je etwas bedeutet hatte.
„Ein Wunsch, der tief aus deinem Inneren kommt, kann dich zerstören, wenn er tatsächlich wahr wird.“
Bald würde er die Bedeutung dieses Satzes verstehen, den sein Lehrmeister immer wieder gesagt und den er immer als Mumpitz abgetan hatte. Bald würde er begreifen, doch im Moment starrte er nur verzückt auf die schwarzen Strudel, die sich um ihn herum erhoben, sah nicht, dass sein Körper sich verzerrte, auflöste, sah nicht, dass alles Licht und Leben aus ihm wich wie Dampf aus einem Kessel. Er sah seinen Lehrmeister nicht, der im selben Moment mit verzerrtem Gesicht in die Kammer stürzte, hörte dessen Stimme nicht, die ihm zurief, dass er zu schwach wäre, um zu kontrollieren, was er entfesselte.
Er merkte nicht einmal mehr, dass er sich ihm an den Hals warf, ihn aus dem Strudel zu zerren versuchte, er spürte nur vage, wie ihn noch etwas fortriss, in ein Vakuum der Realität.
Dann spürte er gar nichts mehr.



"The Legend of Zelda
A Shadow's Summoner"


Kapitel 1

Link fröstelte ein wenig, als er zum ersten Mal seit langer Zeit wieder die Treppen des Schlosses hinaufstieg, die zum Thronsaal führten. Es war ungewöhnlich kühl für die Jahreszeit, der Himmel war grau und kein Vogel war zu hören, obwohl die Schlossgärten normalerweise vor Vögeln nur so wimmelten.
Dennoch bereute Link nicht, zurück nach Hyrule gekehrt zu sein - er blickte aus einem hohen Fenster nach draußen in den Schlossgarten, in dem er damals die Prinzessin zum ersten Mal getroffen hatte und musste dabei ein wenig lächeln. Oh, sie war so ein Wildfang gewesen - und zu solch einer edlen Frau hatte sie sich gewandelt. Fast war er nervös bei dem Gedanken, ihr wieder gegenüberzutreten, doch sein Entschluss stand fest. In Hyrule wurde er dringender gebraucht als in den Wäldern.
Er blieb vor dem hohen Tor stehen, ein Soldat erkannte ihn, nickte ihm freundlich zu und öffnete das Tor.
Link betrat den Thronsaal, in dem er zu seiner eigenen nur die Prinzessin vorfand, die auf ihrem Thron neben dem des Königs saß. Sie erhob sich, als Link eintrat. "Link!", sagte sie erfreut, raffte ihr vortnehmes Kleid etwas zusammen und kam die Stufen vom Podest herab, um ihm entgegen zu gehen. "Was für eine Freude, das der Wind dich wieder hergetragen hat. Wie ist es dir ergangen?"
„Ich kann nicht klagen, Eure Hoheit“, antwortete Link und verbeugte sich. „Doch in den Wäldern wird meine Anwesenheit nicht länger benötigt und der Deku-Baum meinte auch, dass es notwendiger wäre, hier im Schloss zu sein. Er drückte sich wie immer etwas rätselhaft aus.“ Er zuckte mit den Schultern. „Und wie sieht es hier in Hyrule aus?“
"Etwas knappe Ernte im Süden wegen des vielen Regens", sagte Zelda lächelnd. "Aber nichts Ernstes." Sie zögerte. "Ich wollte gerade ein wenig im Garten spazieren gehen... möchtest du mich begleiten?"
„Sehr gerne, Hoheit.“ Link war immer froh, in der Nähe der Prinzessin zu sein - auch wenn es lange gedauert hatte, bis es ihm gestattet worden war, sich ihr überhaupt zu nähern, bei seinem Rang. Er war nicht einmal offiziell zum Ritter geschlagen worden, doch inzwischen schienen ihn die Meisten im Schloss akzeptiert zu haben.
Gemeinsam gingen sie über die glänzenden Marmorkorridore hinaus in den Garten, dessen Farben etwas blass wirkten, was allerdings nur am grau verhangenen Himmel lag. „Ich hoffe, Ihr könnt meine Dienste hier gebrauchen“, meinte er, nur um die Stille zu brechen.
"Selbst wenn nicht, du kannst dich auch gerne einfach mal ein wenig ausruhen, du musst erschöpft sein vom ganzen Umherreisen", sagte Zelda und öffnete eine Türe, die hinaus in den Schlossgarten führte. "Ich werde Ihre Majestät einfach bitten, dir bitte ein Zimmer herrichten zu lassen, dann kannst du so lange bleiben, wie es dir beliebt." Sie lächelte ihn an.
„Ich danke Euch, Prinzessin“, antwortete er und lächelte zurück. Ihm gefiel, wie sie ihn behandelte, so völlig anders als die hochrangigen Ritter und Soldaten, die ihn einfach nur für einen Störenfried hielten. Er sah in ihre strahlend blauen Augen, so schöne, klare Augen - Link lief etwas rosa an und wandte den Kopf ab, wobei sein Blick auf eine Statue fiel, die in seiner Nähe stand. „Ach ja, an dieser Statue habe ich mich einst vor den Wachen versteckt, als ich damals in das Schloss eingedrungen bin“, lächelte er. „Du unten, am Fuß des Sockels gibt es nämlich eine kleine…“ Hier stutzte er allerdings, wandte den Kopf zur wolkenverhangenen Sonne und wieder zurück zu der Statue. „Das ist merkwürdig, der Schattenwurf ist völlig falsch…“
"Hm?" Zelda folgte seinem Blick und sah dann auf ihre eigenen, schwachen Schatten hinab. "Du hast Recht... Der Schatten ist auch viel stärker als unserer. Eigenartig." Sie wandte sich um, um nach eventuellen anderen Lichtquellen zu suchen.
Das gefiel Link nicht besonders, auch wenn er nicht genau sagen konnte, warum. „Ich weiß nicht, Hoheit… mir wäre lieber, wenn wir wieder hineingehen würden.“ Er schüttelte misstrauisch den Kopf. „Schwarze Magie tarnt sich auf vielerlei Art und Weise - vielleicht sollten wir Impa um Rat fragen…“
Er wandte sich um und drängte die Prinzessin sanft wieder in Richtung des Eingangs, dabei war ihm einen Augenblick lang, als hätte er hinter sich ein Flüstern gehört, doch als er sich umdrehte, war da niemand.
Er grinste schief - scheinbar wurde er tatsächlich schon paranoid. Kopfschüttelnd folgte er Zelda, die auf ihn wartete, sich aber scheinbar keine weiteren Gedanken darum machte. Sie war froh, dass er wieder an seiner Seite war, und erzählte ihm, was alles in seiner Abwesenheit geschehen war, und als sie ihn bat, ihr doch zu erzählen, was er erlebt hatte, konnte er gar nicht anders, als sie anzulächeln und ihr alles zu erzählen, was sie wissen wollte.

Nur Tage später waren es Tausende von ihnen. Sie kamen aus jedem Fleck Schatten, der existierte, und verbreiteten ebenjenen nur weiter. Link bereute es, sich von Zelda abgelenkt haben zu lassen, dann hätte man vielleicht noch etwas unternehmen können. Er wusste, dass er sich auf seinen Gefahreninstinkt verlassen konnte.
Nun hatte er ein Problem, stellte er nüchtern fest, als er mit letzter Mühe unter den sirrenden Klingen der schemenhaften Gestalten hindurchtauchte und seinerseits einen Schwerthieb gegen das Wesen führte. Es war ein Volltreffer, wie schon unzählige Male vorher, doch diese seltsamen Schattenkreaturen schienen nicht zu wissen, wie man umfiel und starb. Link dagegen wurde langsam müde und er rettete sich mit letzter Kraft durch eine schmale Tür in einen sichereren Teil des Schlosses, einen der noch von Impas Bannkreisen geschützt war.
Er schlug im letzten Augenblick die Tür zu und erschrak, als er hinter sich eine Bewegung erahnte und fuhr herum - aber es war nur die Prinzessin, Zelda.
Sie schrak zurück, als er die Klinge gegen sie richtete. "Ich bin es nur", sagte sie dann ruhig. "Link, hier sind wir noch eine Weile sicher. Impa und ich können das Siegel noch halten, aber ich weiß nicht für wie lange." Der weiße Rock der Prinzessin war an einigen Stellen eingerissen und Blut quoll ihr aus einer Platzwunde an der Stirn über das schöne Gesicht.
Er ließ die Klinge sinken, lehnte sich an die Wand und rutschte langsam daran herunter. "Ich hoffe, zumindest für ein paar Stunden. Ich muss zugeben, dass ich am Ende bin. Sie... sterben einfach nicht, egal, was ich ihnen antue..."
Er vergrub das Gesicht in den Händen und atmete tief durch, dann hob er den Kopf und lächelte schwach. "Weiß man zumindest schon, was genau diese... Dinger eigentlich sind?"
"Nein", sagte Zelda leise und schritt über den Marmorboden zu ihm und setzte ich dann ganz langsam neben ihm. Sie legte ihm tröstend die Hand auf die Schulter. "Du bist uns eine große Hilfe. Wir haben noch eine Chance, zu gewinnen. Durch die Bannkreise kommen sie nicht durch."
Link griff nach der Hand, die auf seiner Schulter lag und seufzte. "Ja, aber... es schmerzt mich bei dem Gedanken, was sie einstweilen in der Stadt anrichten könnten. Sie machen keine Gefangenen, das ist jedenfalls klar..."
Sein Blick fiel auf die Blutspuren auf dem Kleid der Prinzessin. "Seid Ihr... schwer verletzt?"
Sie schlug für einen Augenblick die Augen nieder. "Nichts schlimmes, es geht mir gut." Sie musterte ihrerseits seine zerrissene Kleidung. Der Schild hatte viele Kerben mittlerweile. "Komm", sagte sie dann. "Ich werde mich um deine Wunden kümmern."
"Sind nur Kratzer", winkte er müde ab. "Nayrus Umarmung hat das Schlimmste abgehalten..." Er erhob sich und schien für einen Moment nicht zu wissen, was er sagen wollte.
"Prinzessin, ich... es tut mir leid, aber auf dem Weg durch das Schloss habe ich Euren Vater gesehen. Er hat es nicht geschafft." Erwandte sich ab. "Tut mir Leid."
Zelda starrte einen Moment lang zu ihm hinauf, ihre wunderschönen, himmelblauen Augen weit geöffnet. Dann wandte sie ihr Gesicht zum Boden, ihr Schmuck klimperte leise, ein seltsam zartes Geräusch in der bedrückenden Stille, die über Hyrule gekommen war. Sie vergrub das Gesicht in den Händen, und ihre schmalen Schultern bebten ein wenig. Aber ehe Link etwas tun konnte, erhob se sich doch wieder. Tränenspuren glänzen neben dem dunklen Blut auf ihren Wangen. "Lass uns eines der höher gelegenen Zimmer aufsuchen. Dort ist es nicht so gefährlich wie hier." Sie wandte sich um und schritt vor.
Link fühlte sich hilflos. Gerne hätte er etwas Tröstendes gesagt oder Zelda Hoffnung gegeben, aber alles, was er sagen wollte, blieb ihm im Hals stecken, also nickte er nur, schob sein Schwert zurück in die Hülle und folgte ihr.
Wer war für den Angriff verantwortlich? Und was war der Grund dafür? War Ganon zurückgekehrt? Aber nein, das konnte nicht sein - das passte nicht zu dem ehemaligen Gerudokönig. Dieser mochte grausam sein, keine Frage. Herrschsüchtig und wahnsinnig, aber selbst er hatte einen gewissen Sinn für Menschlichkeit und Gnade behalten.
Link schüttelte seine Überlegungen ab und bemerkte, dass er einige Schritte zurückgefallen war. Rasch holte er die Prinzessin ein und sah sie vorsichtig von der Seite an. "Wie sieht es mit den Überlebenden in diesem Teil aus?", fragte er, nur um etwas zu sagen.
"Besser", sagte die Thronerbin kurz angebunden. "Die Schatten sind noch nicht in den Katakomben. Durch Felsen können selbst sie nicht durch. Selbst wenn das Schloss eingenommen wird, können wir durch die Katakomben in die Berge fliehen. Ich werde keine weiteren Opfer dulden."
Er nickte erleichtert. "Gut, wenn ein paar der alten Goronenschächte noch begehbar sind, können wir vielleicht die Bergbewohner um Hilfe bitten. Niemand kennt das Gebirge besser als Darunias Volk und wenn wir sogar noch hoch zur..." Er hielt inne, als sie gemeinsam einen Korridor betraten, durch dessen schön verzierte Glasfenster das trübe Sonnenlicht groteske Schemen auf den kalten Marmorboden warf. Links Hand kroch vorsichtig in Richtung seines Schwertgriffs.
"Prinzessin... wie stark ist das Siegel hier an dieser Stelle...?", wisperte er. Hier stimmte etwas nicht... warum bewegten die Schatten sich? "Gibt es noch eine zweite Route nach oben?"
Auch Zelda hatte es bemerkt und war stehen geblieben. Ihre Augen verharrten auf den bunten Glasscheiben. "Ja, aber dafür müssten wir durch den Ballsaal, und dessen Siegel ist heute Nacht gebrochen. Wir müssen hier entlang..." Sie raffte ihren Rock zusammen. "Komm. Schnell."
Link folgte der Prinzessin durch einen schmalen Gang, immer wieder Blicke über seine Schulter werfend, doch noch war alles ruhig. Noch. "Verdammt, wie schaffen es diese Dämonen nur, jede noch so kleine Schwachstelle in den Bannkreisen zu finden?", brummte er in sich hinein und wäre beinahe in Zelda gelaufen, als diese abrupt vor dem beeindruckenden, halboffenen Tor des Ballsaals stehen blieb.
Flüsternde Stimmen waren aus dem Raum zu hören, die flüsternden Stimmen, die nichts bedeuteten und die die seltsamen Kreaturen ununterbrochen von sich gaben.
Und dem Geräusch nach zu schließen waren es viele Stimmen...
"Link, hier können wir nicht durch. Es sind zu viele, das schaffen wir niemals." Sie drehte sich zu ihm um. "Lass uns zurückgehen und... pass auf!"
Gerade im letzten Augenblick hatte sie ihn zu Boden gedrückt, ehe einer der Schatten durch ihn hindurchgeglitten wäre. Zelda hatte erst einmal gesehen, was mit einem Menschen passierte, durch den einer dieser Dämonen geglitten war, und das hatte ihr gereicht.
Link hatte kaum Zeit, der Prinzessin einen dankbaren Blick zuzuwerfen, denn das schemenhafte Wesen reagierte schneller, als ihm lieb war. Etwas Klingenartiges zuckte in seine Richtung, ob Schwert, Klaue oder Arm konnte er nicht feststellen, jedenfalls war es erschreckend präzise und nur dank seiner schnellen Reflexe schaffte Link es, dem Hieb auszuweichen und das Wesen mit seiner eigenen Klinge niederzuschlagen.
"Der steht gleich wieder auf", keuchte Link atemlos. "Lasst uns verschwinden - habt ihr noch einen anderen Weg in Reserve?"
"Wir können nur wieder zurück", sagte Zelda, "aber das ist wahrscheinlich besser, als stehen zu bleiben." Sie wartete erst gar nicht auf seine Antwort, sondern drehte sich wieder um und eilte die Treppen hinauf. "Sobald wir in der Bibliothek sind, sind wir in Sicherheit."
Die Bibliothek... natürlich, das erschien logisch, hier waren einige sehr mächtige alte Zauberbücher aufbewahrt und Impa verstand es meisterlich, jede noch so kleine magische Strömung in einen undurchdringlichen Schild zu verwandeln. Vermutlich wartete die Shiekah bereits dort auf sie.
Link konnte es nicht erwarten, dorthin zu kommen, vor allem, da hinter ihm bereits das kalte Zischen des niedergeschlagenen Schattens ertönte. Hals über Kopf stürmte er der Prinzessin hinterher.
Es war erstaunlich, wie viel Energie die Prinzessin an den Tag legen konnte, wenn es darauf ankam. Sie hatte ihren weißen Rock mit beiden Händen fest umklammert, als sie vor Link herlief. Die bunten Fiberglasfenster warfen verzerrte Muster auf ihren Körper und immer wieder zuckten schwarze Schatten durch die Gänge; leise Vorboten der Gefahr, die allgegenwärtig war.
Eine Treppe folge der nächsten, und irgendwann brannten wieder Fackeln an den Wänden. Sie waren der Gefahrenzone entkommen. Zelda stieß eine schwere Holztüre auf und stolperte durch einen Hintereingang in die Bibliothek.
Krachend fiel die schwere Tür ins Schloss, unverhältnismäßig laut für eine einzelne Tür - sie musste zigfach mit allen möglichen Sorten Magie verstärkt worden sein, vermutete Link.
Ein Blick in die Mitte des Raumes bestätigte seinen Verdacht - ein komplizierter Runenkreis war in die Mitte der Bibliothek gezeichnet worden, in dessen Mitte die rätselhafte Shiekah saß, regungslos, in ihre Beschwörungen versunken.
Immer wieder erstaunte den Hylianer ihre Macht, Dunkles abzuwehren, aber wie sie selbst einmal gesagt hatte - "Wer in den Schatten lebt, kennt auch ihre Schwächen."
"Die Flure sind nicht mehr sicher, Impa", sagte Zelda atemlos und stolperte, unsicher auf den Beinen, nach vorne. Link eilte schnell an ihre Seite, stützte sie etwas, und sie warf ihm einen dankbaren Blick zu, den er zaghaft erwiderte. "Es ist wieder ein Kreis gefallen. Und ich habe das Gefühl, dass es immer mehr werden."
Die Shiekah seufzte nur leise und öffnete dann die Augen. "Ihr solltet Euch nicht zu sehr verausgaben, Hoheit. Ihr habt seit vier Tagen nicht geschlafen. Ihr seid am Ende Eurer Kräfte."
"Ich werde das Schloss nicht aufgeben", sagte Zelda und ließ sich auf einen Sessel sinken, lehnte ihre Hand an den Kopf. Ihre Wunde pochte.
Link biss sich auf die Lippen, ließ den Blick über den großen Raum schweifen, in dem sich rund zwanzig Überlebende gesammelt hatten - keine Soldaten, sondern Bedienstete, Küchenpersonal, Zeldas Kammermädchen und zwei oder drei alte Veteranen, die kaum noch für den Schwertkampf tauglich waren. Kinder und alte Leute, überlegte er bitter. Nichts, was einem Ansturm standhalten würde.
Er warf Zelda einen Seitenblick zu. "Ihr solltet euch wahrlich ausruhen, Prinzessin. Ihr werdet Eure Kraft noch brauchen..."
Wenn er nur wüsste, wer für den Angriff verantwortlich war…
"Ich kann mich nicht ausruhen. Ich muss mein Volk beschützen." Zelda stand wieder auf, knickte aber zur Seite weg. Sie fing sich am Sessel und zog dann missmutig einen ihrer Schuhe aus -- ihr war der Stöckel abgebrochen. "Auch gut. Ich werde auch barfuss dieses Schloss beschützen, wenn es sein muss."
"Ihr werdet niemandem helfen können, wenn Ihr mitten während eines Kampfes umkippen solltet", seufzte Link und drückte die Thronerbin sanft in einen Sessel. "Wir sind hier vorerst sicher, Ihr solltet wirklich zumindest für einige Stunden schlafen", meinte er mit einem Seitenblick auf Impa, die in letzter Zeit sicher kaum mehr Schlaf gefunden hatte als die Prinzessin, aber nicht müde, sondern nur sehr konzentriert wirkte.
"Auch ich werde mich zumindest für kurze Zeit niederlegen", meinte er. "Es hilft niemandem, wenn man halbtot in den Kampf zieht."
Zelda überlegte sich einen Augenblick lang, ob sie protestieren sollte, aber sie wusste, dass er Recht hatte. Sie ließ sich zurücksinken und seufzte. "Wahrscheinlich hast du Recht..." Dann sah sie ihn an und schenkte ihm ein Lächeln, ein kurzes nur, aber voller Wärme.
Er lächelte schwach zurück, wandte dann aber den Blick ab, schloss die Augen und ließ sich in einen freien Stuhl fallen. Bei den Göttinnen, er war wirklich am Ende seiner Kräfte, jetzt konnte er Herzklopfen wirklich nicht gebrauchen. Und das bekam er immer, wenn sie ihn anlächelte.
Jedenfalls würde er sie bis zum Allerletzten verteidigen, egal um welchen Preis...
Aber dafür musste er erst einmal wissen, wie diese Schattenkreaturen umzubringen waren, verdammt noch mal! Er knirschte mit den Zähnen, entschloss dann aber, sich einfach nur auszuruhen.
Hier in der Bibliothek schien es tatsächlich noch sicher zu sein. Keine Schatten waren zu sehen oder zu hören und den Menschen, die noch hier waren, war noch nicht alle Hoffnung genommen. Impa hielt sich abseits, und niemand störte sie. Prinzessin Zelda selbst blieb ein paar Minuten mit geschlossenen Augen in ihrem Sessel sitzen, aber irgendwann stand sie wieder auf und lief geschäftig herum, verteilte den Proviant, den man hatte retten können, versorgte mit ihrer heilenden Magie Wunden und sprach ihrem Volk Mut zu. Ihr eigenes Wohl kam ihr immer zuletzt, und solange nicht der letzte Säugling in den Schlaf gewiegt war, würde sie selbst auch keine Ruhe finden.
Der Tag ging vor den Fenstern dahin, und man entzündete Öllampen. Licht, so vermuteten Link, Zelda und Impa jedenfalls, müsste die Schatten abschrecken. Es würde ruhig im Lager.
Irgendwann kam die Prinzessin zu Link und hielt ihm ein paar Scheiben Brot und einen Krug Wasser hin. „Hier, nimm“, sagte sie sanft. „Und dann lass mich deine Wunden sehen.“
Er lächelte ihr dankbar zu und nahm den Krug und das Brot entgegen. "Es ist nur eine Schnittwunde an meiner Schulter", meinte er. "Eines dieser Biester war mir zu schnell und hat mich erwischt." Er zeigte auf einen Riss in seiner Tunika. "Seltsamerweise blutet es aber nicht und tut auch kaum weh, fühlt sich nur ein wenig taub an..."
"Hmm." Zelda strich die Tunika beiseite und befühlte vorsichtig Links Haut. "Ja, ich habe diese Wunden schon gesehen. Sie sind wirklich seltsam. Bisher scheint meine Magie sie aber heilen zu können. Ich hoffe, es bleibt so." Sie ließ die Hände in den Schoß sinken. "Würdest du die Tunika bitte ausziehen?" Wenn es sie in irgendeiner Art und Weise bewegte, das zu sagen, ließ sie sich nichts anmerken.
Link jedoch zögerte und wurde etwas rosa um die Nase, kam der Aufforderung aber nach. Gleichzeitig verdrehte er den Kopf, um selbst einen Blick auf seine Verletzung werfen zu können, was daran scheiterte, dass sie sich über seine Schulter hinunter über seine Schulterblätter zog. "Könnt... könnt Ihr sehen, wie schlimm es ist?", fragte er zögerlich. "Ich kann es nicht sehen und spüren auch nicht wirklich..."
"Mir wäre es fast lieber, das hier wäre eine richtig böse Fleischwunde", seufzte Zelda. "Da weiß ich wenigstens, wie schlimm es ist. Aber das hier..." Sie strich über Links nackte, blässlich wirkende haut. Es war keine Wunde zu sehen, nur war die Haut kalt und farblos. "Tut das weh?", fragte sie und zwickte ihn leicht.
"Kaum", schüttelte Link den Kopf. "Ich kann es zwar spüren, aber nur sehr dumpf, als wären mehrere Schichten Stoff darüber..." Er seufzte. "Ich möchte nicht wissen, was passiert wäre, wenn dieses Ding mich am Kopf erwischt hätte, oder womöglich an..."
Weiter kam er nicht, denn in derselben Sekunde krachte jemand durch die Holztür in die Bibliothek, ein Soldat mit völlig zerrissenem Kettenhemd, fehlendem Helm und mehreren scheußlich schwarzen Schnittwunden im Gesicht, diesen Wunden, die nicht bluteten... aber bei ihm sahen sie zehnmal schlimmer aus als bei Link, als seien die Schatten von allen Seiten auf ihn eingestürzt. Er sah nicht aus, als sei er überhaupt noch in der Lage zu stehen, doch er kämpfte sich tapfer weiter, in die Richtung der Prinzessin.
"Hoheit... Hoheit... es gibt... Neuigkeiten! Bitte... hört mich an!" Er kniff das Gesicht zusammen, als müsse er sich schwer beherrschen, nicht in Ohnmacht zu fallen. "Jemand... jemand ist hier. Hier im Schloss!"
Zelda kam schnell wieder auf die Füße und stützte den Mann. "Schon gut! Beruhige dich. Hier bist du in Sicherheit. Gebt ihm etwas zu trinken! Bitte, setz dich und erzähl, was du gesehen hast."
Der Soldat schob den angebotenen Krug ungeschickt beiseite und schüttelte den Kopf. "Nein... nein, keine Zeit, Hoheit. Ihr müsst fliehen, so weit ihr könnt." Er hustete, dabei quoll schwarzer Qualm aus seinen Mundwinkeln... nicht sehr viel, aber Link hatte es dennoch gesehen. "Diese... Monster gehorchen ihm, er behandelt sie, als wären sie seine Kinder... und sie... gehorchen ihm, versteht Ihr...?" Er blinzelte und starrte für einen Augenblick an die Decke, als hatte er vergessen, was er sagen wollte, riss sich aber dann zusammen. "Und er... verlangt, dass Ihr Euch ergebt und freiwillig zu ihm kommt..."
Zelda schwieg einen Moment. "Wo hast du ihn gesehen? Wer ist er... Ein Mensch? Es ist nicht Ganon, oder? Bitte, reiß dich zusammen", sagte sie, als sie merkte, dass der Blick des Mannes entrückte. Sie fasste nach seinen Schultern, wollte ihm ihre heilende Hand auflegen -- doch zu spät. Der Soldat war tot. Zelda schloss ihm die Augen, legte ihn sacht zurück und schwieg.
"Ich werde gehen", sagte sie dann und erhob sich.
"Das kommt überhaupt nicht in Frage!", fuhr Link hoch und zwängte sich ungeschickt in seine Tunika zurück. "Wenn Ihr Euch ergebt, dann hat der Angreifer bekommen, was er wollte und ich glaube kaum, dass es etwas Gutes ist." Er griff nach seinem Schwert. "Lasst mich gehen. Wenn es ein Mensch ist, kann ich ihn töten."
"Unter der Voraussetzung, dass unser Angreifer das Königreich in Ruhe lässt, bin ich durchaus bereit, mich zu opfern", sagte Zelda ruhig. "Und wenn er das nicht tun sollte, hat Hyrule noch immer dich. Wenn du sofort gehst, rennst du nur in deinen eigenen Tod. Link, bitte bring diese Menschen in die Katakomben und beschütze sie, so gut es geht."
"Das kann ich nicht zulassen", schüttelte Link den Kopf. "Wer weiß, was er mit Euch anstellen wird?", fügte er mit einem Seitenblick auf den toten Soldaten hinzu. "Ihr seid immerhin nun die Königin, die Menschen hier brauchen Euch!" Er warf einen hilfesuchenden Blick in Impas Richtung. "Impa, bitte, sagt uns, was Eure Meinung dazu ist!"
Impa stand langsam auf, verließ aber den auf den Boden gezeichneten Bannkreis nicht. "Hoheit, ich muss dem Herrn der Zeit zustimmen. Wir können nicht verantworten, Euch zu verlieren. Ihr seid die einzige Überlebende des Königsgeschlechtes. Euer Volk braucht Euch."
"Aber..." Zelda brach ab, sah hinüber in die ängstlichen Gesichter der Menschen. Dann sah sie zu Link und zurück zu ihrer Amme. "Also gut." Ihre Gestalt straffte sich wieder. "Wir fliehen zusammen in die Katakomben. Aber Link..." Sie wandte sich wieder ihm zu. "Du kommst mit uns. Solange wir nicht wissen, mit wem oder was wir es zu tun haben, erlaube ich dir keinen Kampf, es sei denn, es ist unverzichtbar für unser oder dein Leben. Kommt jetzt. Wir müssen eilen."
Link nickte grimmig. "Gut, wir werden ohnehin Mühe haben, jeden hier sicher aus dem Schloss zu geleiten. Ich weiß nicht, wie sicher die Wege zu den Katakomben sind..."
Er biss sich auf die Lippen. Genaugenommen waren die Wege überhaupt nicht sicher, aber das Risiko mussten sie wohl eingehen. Zelda hatte Recht, wenn sie sagte, dass es zu riskant war, gegen etwas anzutreten, das man noch nicht einmal kannte.
Link warf noch einen letzten Blick zu der Leiche des Soldaten und wurde das Gefühl nicht los, dass damit etwas nicht stimmte. Verdammt, aber was war es bloß?
Egal. Darüber würde er später nachdenken, jetzt galt es erst einmal, von hier zu verschwinden.
Eilig wurde das bisschen Gepäck zusammengepackt, was man hier gelagert hatte. Impa blieb zurück, sie wolle nachkommen, sobald die Gruppe im nächsten Bannkreisgebiet war. Einige der älteren Soldaten, darunter ein ausgedienter Offizier, leiteten die Gruppe vorne, Link und Zelda gingen als Nachhut.
Obwohl auf den Gängen zum Gebirge hin keine Fackeln mehr brannten und keine Bannkreise errichtet waren, begegneten sie keinen der offensiven Schatten. Es begleitete die Gruppe ein stetes leises, wortloses Flüstern aus allen Ecken und Winkeln, aber es kam zu keinem Zwischenfall.
Sehr zügig hatten sie die Keller erreicht und den Eingang zu den Katakomben. Zelda löste das magische Siegel auf der Türe und verschloss sie fest wieder, als sie alle in dem schmalen, unbeleuchteten Gang standen.
"Ich hoffe, Impa kommt schnell nach", sagt Zelda leise.
"Ich hoffe es auch", brummte Link besorgt und starrte die Türe an. "Ich weiß nicht, wie groß unsere Chancen ohne sie sind..." In ihm sträubte sich etwas, einfach loszugehen, aber er hatte wohl keine andere Wahl. Impa würde schon klarkommen, schließlich hatte sie Erfahrung mit dem Reich der Dunkelheit.
Trotzdem beschlich ihn ein unbehagliches Gefühl, als er Zelda durch den schummrigen Korridor folgte.

Impa stand alleine in der dunklen Bibliothek. Der Bannkreis brach und bröckelte. Nicht mehr lange, und er würde ganz brechen. Aber sie würde nicht weichen. Die Prinzessin und Link brauchten Rückendeckung. Und es wäre nicht das erste Mal, dass sie gegen die Schatten kämpfte. Sie war ja eine davon, die letzte vom Schattenvolk. Sie hatte keine Angst vor der Dunkelheit.
Sie pustete die letzte Kerze aus und schon merkte sie, dass die Schatten um sie waren. Sie glitten um sie herum, flüsterten und zischten, griffen jedoch nicht an, als hätten sie Angst vor ihr.
Oder als hielte sie jemand zurück.
"Ah. Eine Shiekah", durchschnitt urplötzlich eine ebenso flüsternde, aber messerscharfe Stimme den Raum. "Ich dachte mir bereits, dass Prinzessin Zelda, Auserwählte der Dunkelheit, nicht ohne Schutz sein wird..."
Die Dunkelheit flackerte, verbog sich und offenbarte eine schmale Gestalt, die plötzlich mitten im Raum stand, nicht weit von Impas gezeichnetem Bannkreis. Sie war ebenso schwarz und wabernd wie die Schattenkreaturen, wirkte aber dennoch auf seltsame Art und Weise menschlich, auch wenn es unmöglich war, Details an der Erscheinung zu erkennen. Trug er einen Mantel oder einen Umhang? War es Stoff oder nur ein weiterer Schatten? Waren das seine Haare, die ihm ins Gesicht hingen, oder auch wieder nur rauchige Schemen, die sein aschfahles Gesicht umspielten?
"Shiekah, Shiekah...", säuselte der Besucher, als erinnere er sich an etwas Angenehmes. "Vermutlich kennt Ihr mich nicht persönlich, aber ich bin mir sicher, dass Ihr schon einmal von mir gehört habt... In sehr alten Büchern vielleicht, alten Shiekah-Legenden oder Gruselmärchen für Kinder?"
"Ja. Ich hatte schon so eine Befürchtung, als ich die ersten Schatten sah." Impa blieb ruhig. "Ich hätte nicht gedacht, dass es Euch wirklich gibt. Also stimmen die Geschichten, die man sich unter meinem Volk erzählt hat?"
"Das Meiste ist frei erfunden, um kleine Kinder zu erschrecken", zischte die Erscheinung, schritt langsam auf Impa zu und zog dabei einen Strudel aus Dunkelheit mit sich. "Aber es stimmt, dass Euer Volk mich einst einfach in der Dunkelheit zurückgelassen hat, als ich es brauchte. Ihr seht ja, was aus mir geworden ist... Shiekah!" Diesmal spie er das Wort beinahe aus. "Aber ich bin bereit, euch zu verzeihen, immerhin hat meine Macht so um ein Vielfaches zugenommen." Der Schatten streckte eine Hand aus. "Ich lege keinen Wert darauf, Euch zu töten - lasst mich einfach nur durch, alles was ich will, ist die Prinzessin, sonst nichts..."
"Ihre Majestät ist meine Schutzbefohlene und ich werde Euch nicht weichen, solange noch ein Funken Licht und Leben in mir stecken. Ich werde Euch so lange aufhalten, wie ich es muss, um Prinzessin Zeldas Sicherheit zu gewähren." Impa machte sich zum Angriff bereit. "Im Übrigen habt Ihr mit Euren Schatten keine Chance gegen sie. Die Prinzessin trägt die Kraft des Lichtes in sich."
"Genau deshalb, Shiekah. Genau aus diesem Grund suche ich sie!" Die leeren Augen der Erscheinung weiteten sich. "Seid nicht dumm, flieht, solange Ihr noch könnt!"
Als Impa sich nicht rührte, nickte der Schatten, beinahe zufrieden. Gleichzeitig schien es in dem Raum sogar noch dunkler zu werden und der Schatten flackerte, als er auf merkwürdige Art und Weise an Kontrast, ja, an Präsenz zunahm. "Ganz wie Ihr wollt, Schattenkriegerin." Er streckte einen Arm zur Seite aus, mit einem schnappenden Geräusch erschienen drei unterschiedlich lange Klingen zwischen den Fingern des Schattens. "Dreipunktklingentechnik, eine uralte Shiekahkampfkunst... vielleicht seid Ihr damit vertraut?"
"Mein Meister beherrschte sie." Über Impas Lippen zuckte für einen Moment ein Lächeln. "Und ich bin nicht ganz ungeübt darin, diese Technik zu parieren, Schattenherr." Sie zog eine Klinge aus einem Halfter an ihrem Rücken. "Kommt, wenn Ihr euch traut."
"Dann brauche ich mich ja nicht zurückzuhalten..."
Plötzlich stand der Schatten direkt vor ihr und griff erbarmungslos an, dabei wechselten die Messer so schnell von einer Hand zur anderen, dass ein Normalsterblicher keine drei Sekunden lang überlebt hätte. Mal hielt er alle Klingen in der linken, dann wieder in der rechten Hand, ab und zu hielt er auch in jeder Hand jeweils ein oder zwei Messer. Schwarzes Metall sirrte, schlug gegen Impas silberne Schneide, doch diese schien eine nahezu undurchdringliche Verteidigung zu haben.
Leider kam sie auch nicht dazu, anzugreifen, aber sie hatte eine Technik. Selbst, wenn die alten Märchen ihrer Mutter damals gelogen gewesen sein mochten, jede Legende trug Wahres in sich. Und Schatten konnten nicht dort sein, wo Licht war. Impa musste nur zweit gewinnen, biss die Prinzessin und Link in Sicherheit waren.
Sie machte einen Satz und landete sicher auf einem der alten Bücherregale, und gerade, als der Schattenherr ihr nachsetzen wollte, warf sie ihm weißes Pulver entgegen, dass jeder Shiekah bei sich trug. Es gab einen gleißenden Lichtstrahl und für einen Augenblick, in dem alles weiß war, waren alle Schatten aus der Bibliothek verschwunden. Diesen Augenblick nutzte Impa, um aus der Bibliothek zu verschwinden. Sie floh zu den Katakomben.
Sie konnte den Schattenherren aufhalten. Töten konnte ihn niemand.
Wütendes Fauchen, als das gleißende Licht langsam verklang und die Dunkelheit zurück in die Bibliothek kehrte. Schatten krochen über den Boden, als der Schattenherr sich erhob und einen Blick in die Richtung warf, in die seine Gegnerin verschwunden war.
Flüsternd sammelten sich die Schattenkreaturen um ihren Herrn, der geistesabwesend durch die schwarzen Schemen strich, als streichle er ein Haustier. "Nein, nein, ist schon in Ordnung, meine Kinder. Sie ist gut, aber es ist nur eine Einzige. Wir machen das eben anders..." Er sah sich um. "Vorerst bleiben wir hier, wir haben alle Zeit der Welt. Die Prinzessin wird früher oder später zu uns kommen müssen, bis dahin werden wir es einfach genießen, wieder einmal physische Erscheinung zu besitzen, nicht wahr?"
Zischen war die Antwort, doch der Schattenherr schien es zu verstehen, denn er nickte nur, drehte sich um und verschmolz mit der Dunkelheit um ihn herum.
Und unaufhaltsam versank das ganze Schloss in einem Strudel der Schwärze.

Kapitel 2

Zelda blieb stehen und sah zurück. Der niedrige, kühle Gang der Katakomben in Richtung des Todesberges schien kein Ende zu nehmen, und Zelda meinte immer, einen modrigen Lufthauch zu spüren. Oder war das nur Einbildung?
Sie hatten Fackeln entzündet, aber hinter ihnen krochen ihre Schatten lang und zuckend über die grauen Tunnelwände. Es waren nur ihre Schatten, nicht die, die sie zu fürchten gelernt hatte. Aber für wie lange würde das wohl so bleiben?
Zelda wandte sich wieder um. Link war ebenfalls stehen geblieben und wartete auf sie. Sie waren ein Stückweit zurückgefallen, und endlich fand Zelda den Mut, um zu sagen, was ihr auf dem Herzen lag. „Wenn ich diesen Tunnel verlasse, werde ich meinem Volk Rechenschaft schulden“, sagte sie. „In Goronia haben ich die Leute aus Kakariko versammelt. Sie werden eine Rede hören wollen. Aber ich... ich weiß nicht mit welchen Worten ich ihnen Mut zusprechen soll.“
"Mit Ansprachen habe ich wenig Erfahrung", antwortete Link leise und senkte den Blick. "Aber vielleicht solltet Ihr ihnen einfach sagen, was passiert ist und welche Gefahren es gibt. Die Menschen müssen wissen, worauf sie sich vorbereiten müssen."
Er warf einen zögernden Blick über die Schulter. "Ich hoffe, dass Impa nichts zugestoßen ist", meinte er und stutzte, als er seinen eigenen Schatten sah, den er warf, der aber seltsam dünn wirkte, zu blass. Aber das war wohl nur Einbildung, er kniff die Augen zu und wandte sich wieder um. "Wir werden sie brauchen, wenn wir den Goronen die Situation erklären wollen..."
"Es ist sehr lange her, dass Hyrule unter einer solchen Bedrohung war." Zelda raffte ihren Rock wieder zusammen und schloss zu Link auf. Sie war noch immer barfuss, und langsam stach die Kälte in ihren Zehen. "Und Impa ist meine geringste Sorge. Sie ist eine Shiekah. Sie hat schon einiges überlebt. Und ich wüsste, wenn sie stürbe... Los, komm. Der Abstand zu den anderen sollte nicht zu groß werden."
Link folgte der Prinzessin und war erleichtert, als der scharfkantige Felsboden flacher und die Kälte weniger schneidend wurde. Sie näherten sich eindeutig Goronengebiet - es wurde wärmer und der Boden begehbarer. Blieb nur zu hoffen, dass die Goronenstadt noch unberührt von den Schatten war, aber die urtümliche Magie der Felsenbewohner stand Impas Bannkreisen glücklicherweise nicht viel nach, also bestand Hoffnung.
"Wir werden Darunia um Unterstützung bitten müssen", meinte Link um die Stille zu brechen. "Ich hoffe nur, dass er die Situation auch begreift..."
"Wenn nicht, werde ich ihm das Schloss zeigen. Ohne meine und Impas Magie wird es mittlerweile eingenommen worden sein." Zeldas Blick war starr auf den Boden vor sich gerichtet. "Ich kann ihm nicht erlauben, mein Land in einer Situation wie dieser im Stich zu lassen. Er mag der Häuptling der Goronen sein, aber ich bin noch immer die Königin dieses Reiches!" Stolz hob sie das Kinn an und schritt weiter.
Link schwieg, denn er kannte die Launen des Goronenhäuptlings gut. Er war zwar gerecht und stolz, konnte aber oft sehr zurückweisend sein, kam ganz darauf an, in welcher Laune man ihn vorfand.
Link hoffte einfach, dass die Tatsache, der Blutsbruder des Felsbewohners zu sein, ausreichen würde, um ihn um Hilfe zu bitten.
"Ähm... Er ist anfällig für Schmeicheleien und Musik", fügte Link hinzu. "Vielleicht könnt ihr ihn so mild stimmen..."
"Er steht unter meinem Befehl, sollte dir das entgangen sein", sagte Zelda streng. "Und wenn er uns Hylianern die Hilfe verweigert, werden auch die Schutzwälle der Goronen nicht lange halten. Wenn wir nicht zusammen halten, wird Hyrule schneller gefallen sein, als er Felsenfilet sagen kann. Ich werde mit ihm reden, und er soll einen Botschafter zu König Zora schicken. Und zur Not werde ich selbst die Gerudo um Hilfe bitten. Aber ich werde mein Königreich beschützen, und wenn es am Ende doch mein eigenes Opfer bedeutet."
Link hob abwehrend die Arme, als hätte die Prinzessin ihn persönlich angegriffen. "Ich bin sicher, er wird sich nicht weigern, wenn er verstanden hat, worum es geht."
Er blieb kurz stumm und sah Zelda nach, die vor ihm durch die Gänge stolzierte, todmüde aber zu stolz, es zuzugeben. "Es wird nicht Euer Opfer erfordern", meinte er dann plötzlich. "Dafür sorge ich."
"Wollen wir es hoffen", sagte Zelda leise, konnte aber nicht verhindern, dass sie lächeln musste. Er zeigte seine Zuneigung nicht oft, und wenn, dann eher in seinem Beschützerdrang, aber sie nahm es zur Kenntnis. "Ich werde mit Darunia reden, und dann sehen wir weiter."
Kaum, dass sie ausgesprochen hatte, erklang von vorne ein Ruf. Sie hatten die Katakomben hinter sich gebracht. Es fiel Fackelschein in den Gang und man hörte das Stimmengewirr von Hylianern und Goronen in der Ferne.
Langsam wechselten die Temperaturen auch von warm zu heiß - Goronia war nahe am Todesberg erbaut, viel zu nahe, fand Link. Aber die Goronen scherten sich ja bekanntlich nicht um Hitze.
Sie betraten die Goronenstadt durch einen schmalen, gut versteckten Gang, vorbei an einigen Donnerblumenknospen, an denen Link besonders vorsichtig vorbeiging. Bei diesen Gewächsen konnte man nie wissen.
"Es scheint so, als wüssten sie bereits, dass wir kommen", meinte er nüchtern, als er die runden, dauerlächelnden Gesichter der Felsenbeißer sah, die sich ihnen interessiert, aber keineswegs überrascht zuwandten. "Wir sollten so schnell wie möglich Darunia aufsuchen und dann erst einmal rasten."
Zelda sorgte erst einmal dafür, dass die Goronen gut auf die Überlebenden aus dem Schloss aufpasste, ehe sie, von Link gefolgt und von einem Goronen geführt, die Kammer des Häuptlings aufsuchte.
Der Gorone kündigte sie an und hielt dann den Stoffvorhang mit dem Emblem der Goronen beiseite, um die zwei Hylianer eintreten zu lassen.
Zelda blieb in der Mitte des Raumes stehen. Es war lange her, dass sie dem Weisen des Feuertempels gegenüber gestanden hatte, und seine imposante Gestalt schüchterte sie doch etwas ein, aber sie besann sich schnell. Sie knickste kurz und suchte dann mit straffer Haltung den Blick aus den schwarzen Augen des Goronen. „Es sind traurige Umstände unseres Treffens, Darunia“, sagte sie.
Link sah schon beim Eintreten, dass der Häuptling nicht unbedingt in fröhlichster Laune war. Er bedachte Zelda und sogar Link mit einem wahrhaft finsteren Blick - jemand, der ihn nicht kannte, hätte vermuten können, er wäre eben tödlich beleidigt worden.
"Graphit und Bimsstein!", fluchte der Gorone urplötzlich los und hieb mit seiner riesigen Faust gegen die Wand. "Traurige Umstände, traurige Umstände - bringt mir denn niemand gute Nachrichten?" Ebenso plötzlich jedoch schien er sich wieder zu beruhigen - zumindest verhältnismäßig. "Nun, sprecht, Prinzessin von Hyrule. Und sprecht schnell, ich habe meine Zeit nicht gestohlen!"
Zeldas Miene änderte sich nicht einen Deut. „Zuerst einmal, Häuptling, bin ich die Königin von Hyrule. Mein Vater ist einem unbekannten Angreifer zu Opfer gefallen. Offenbar steht Hyrule vor einer Invasion. Das Schloss dürfte mittlerweile eingenommen sein. Ich weiß nicht, wie es um Kakariko steht, aber angesichts der Tatsache, dass fast das ganze Dorf sich hierher geflüchtet zu haben scheint, dürfte sich auch diese Frage von allein beantworten. Ganz offenbar hat ihr Anführer – wer auch immer das ist – es auf mich abgesehen. Eine Wache, die leider verstorben ist, hat mir berichtet, dass man mich ausgeliefert sehen will. Wir brauchen alle Unterstützung, die wir bekommen können.“
Darunia brummte etwas in goronischem Dialekt in sich hinein und rieb sich das Kinn. "Das klingt nicht besonders erfreulich, Prinzessin… oder Königin... was auch immer." Er schien für einen Moment mit den Gedanken weit entfernt zu sein. "Nun, Eure Familie hat uns immer unterstützt, ihr könnt auf unsere Hilfe zählen. Doch zuerst erzählt mir mehr, ich brauche nähere Informationen." Er lehnte sich zurück und Link dachte schon, er sei völlig ruhig, doch im nächsten Moment fuhr der bullige Gorone wieder auf. "Und was soll das hier eigentlich, beim tollwütigen Dodongo! Wir haben Gäste, bringt ihnen Erfrischungen, zum Drachen noch mal!"
Zelda zuckte diesmal ein wenig zurück, aber dann versuchte sie an einem brüchigen Lächeln. "Vielen Dank für deine Unterstützung. Was unsere Angreifer angeht... Nun..." Sie warf Link einen hilfesuchenden Blick zu. "Ich kann mir gar nicht erklären, woher sie kommen. Sie waren einfach da, wie wenn sich eine Wolke vor die Sonne schiebt. Sie haben keine Materie und nichts scheint sie zu verletzen. Mit Bannkreisen und Licht haben wir sie einigermaßen unter Kontrolle halten können, aber im Grunde können wir nur vor ihnen weglaufen."
Darunia warf den - für Goronenverhältnisse - äußerst hektisch hereinwuselnden Goronen einen bitterbösen Blick zu, wandte sich dann aber zurück an Zelda. "Habt Ihr alles probiert? Wie genau sehen sie aus?"
Link nahm mit gemischten Gefühlen den glatt geschliffenen und reich verzierten Steinbecher entgegen, den einer der Goronen ihm reichte. Er kannte dieses goronische Getränk - es war scharf wie die Hölle und knirschte zwischen den Zähnen, aber es abzulehnen wäre unhöflich gewesen. "Wie... Schatten", antwortete er anstatt der Prinzessin, die ihren eigenen Becher ebenfalls nicht sehr begeistert musterte und nahm einen kleinen Schluck. "Sie haben annähernd menschliche Form, aber können durch die kleinste Ritze schlüpfen und aus ihren Armen Klingen formen und Ähnliches." Weiter kam er nicht, denn der goronische Sake brannte wohl soeben ein Loch in seine Magenwand - zumindest fühlte es sich so an.
Zelda beobachtete Links Reaktion auf das Getränk beunruhigt und starrte dann auf ihren eigenen Becher. "Sie scheinen nicht durch Wände zu kommen, daher ist Gononia wohl vorläufig noch sicher. Wir haben die Türen zu den Katakomben wieder hinter uns geschlossen, aber ich bin mir sicher, dass sie früher oder später einen Weg durch die Türschlitze finden. Wahrscheinlich ist es nur eine Frage der Zeit, bis auch Goronia fällt. Wir müssen dringend die anderen Völker benachrichtigen."
Link hustete und versuchte krampfhaft zu lächeln, obwohl ihm die Tränen in den Augen standen. Woraus brauten die Goronen dieses Teufelszeug nur? "Jedenfalls wäre es ratsam, wenn Eure Schamanen die Eingänge versiegeln, das hat sich bisher als recht wirkungsvoll erwiesen."
Darunia antwortete nicht, sondern wandte sich um - eine gute Gelegenheit für Link, den Sake in einen Topf zu kippen. "Das erinnert mich an eine alte Geschichte... Sagt, ist Impa in der Nähe? Ich wünsche, sie zu sprechen..."
"Sie hat uns Rückendeckung gegeben und wird nachkommen." Zeldas Tonfall ließ erahnen, dass sie nicht duldete, dass etwas anderes passierte. "Ihre Bannkreise waren neben meiner Magie das Wirksamste, was wir bisher angewandt haben. Ich möchte, dass du jede Ahnung, die du über unseren Feind zu haben glaubst, auch mir erzählst. Stolz und Egoismus ist das Letzte, was ich in Zeiten der Bedrohung sehen möchte."
Link zog vorsorglich schon mal den Kopf ein und bereitete sich auf den kommenden Wutanfall vor - der aber ausblieb. Darunia warf Zelda nur einen sehr ernsten Blick zu.
"Seid Ihr mit der Geschichte Hyrules der achten Dekade unter König Girdion II bekannt? Es ist etwa tausend Jahre her, daher wird die Geschichte heute kaum noch jemand kennen..."
"Ich glaube, als kleines Mädchen darüber gelesen zu haben", sagte Zelda. In der Tat hatte sie in ihrem jungen Alter schon beträchtliche Teile der königlichen Bibliothek durchgelesen und war in der Geschichte Hyrules, seinen Mythen und legenden bewandert wie kaum ein anderer. Niemand verdiente das Triforcefragment der Weisheit so sehr wie sie.
"Gut, dann habt Ihr gewiss von dem Krieg gehört, der seinerzeit das Land durchzog. Nun, Impa kann Euch sicherlich mehr erzählen, aber laut den alten Schriften war es ein Krieg um ein einziges Artfakt, das ähnlich dem Triforce unbegrenzte Macht verleihen sollte. Aber das war eine Lüge." Hier machte der Goronenhäuptling eine Pause und seufzte. "Man weiß bis heute nicht wie, aber ein junger Shiekah schaffte es tatsächlich, seine Finger auf das Artefakt zu legen..."
Zelda ließ vor Schreck ihren Becher fallen, und das Getränk verteilte sich auf ihrem weißen Rock und dem Boden. "Oh... entschuldigt..." Sie kniete sich hin und nahm mit zitternden Händen den Krug wieder auf, aber schon waren zwei Goronen an ihrer Seite und baten sie, ihnen die Arbeit zu überlassen. Zelda blieb erst einmal sitzen. "Du redest vom Schattenherrn", sagte sie tonlos. "Jenem Shiekah, der die königliche Familie verraten hat. Der erste und einzige Verrat des Königshauses durch einen Shiekah. Bei den Göttinnen. Impa hat mir davon erzählt. Ich dachte immer, es sei wirklich nur ein Märchen gewesen. Und hieß es nicht in den Geschichten, er sei für immer im Land der Schatten eingesperrt?"
Für einen Augenblick machte Darunia einen hilflosen Eindruck. "Ihr fragt mich zuviel, ich bin mit der Geschichte der Shiekah nicht so vertraut... Wenn ihr stattdessen über die Goronischen Schlachten der sechsten Dekade hören wollt, dann..." Er fing den Blick der Prinzessin auf. "Schon gut. Alles, was ich weiß, ist dass derjenige, den man heute den Schattenherrn nennt, im Reich der Schatten verschwunden ist, kurz bevor er die Chance nutzen konnte, mit der Macht, die er bekommen hatte, alles zu unterwerfen. Ich weiß nicht wie und warum und auch nicht, was er hier suchen könnte..."
"Die weiße Magie, er ist hinter meiner Lichtmagie her." Zelda vergrub das Gesicht in ihren Händen. "Wir müssen auf Impa warten. Sie wird mehr wissen. Oh Nayru, hoffentlich ist sie ihm nicht begegnet." Es war das erste Mal, dass Zelda wirklich Angst um ihre Amme und Angetraute hatte, aber sie hatte die Legenden und Gruselmärchen der Shiekah schon als Mädchen gelesen und erinnerte sich gut daran.
Auf einmal fühlte sie sich unglaublich müde und hilflos.
"Sie kommt zurück. Ich bin mir sicher", meinte Link leise, der während Darunias Erzählung nur still dagesessen hatte und für einen Augenblick lang verspürte er das dringende Bedürfnis, eine Hand beruhigend auf Zeldas Schulter zu legen, hielt sich aber noch rechtzeitig zurück. Sie war eine Adelige und er höchstens einer ihrer Ritter. Also versuchte er es weiter mit Worten, obwohl er kein Freund großer Reden war. "Wir wüssten, wenn ihr etwas zugestoßen wäre, ganz besonders Ihr. Hat sie Euch nicht selbst ausgebildet?" Shiekah und ihre Schüler hatten immer eine spezielle Verbindung, das wusste er.
Zelda warf Link einen verzweifelten Blick zu und nickte dann ein wenig. "Ja, sie wird wohl noch kommen." Sie kam wieder auf die Beine und ordnete schnell ihre Haare ein wenig. "Ich... werde mich für heute zurückziehen, wenn es recht ist", sagte sie und versuchte, sich nicht anmerken zu lassen, wie verzweifelt und verängstigt sie war. "Ich brauche dringend Ruhe und Zeit zum Nachdenken..."
"Daran tätet ihr gut, Hoheit", antwortete Link mit einem besorgten Blick auf die schlanke und zerbrechlich aussehende junge Frau, auch Darunia nickte.
"Ihr müsst Euch ausruhen, wer weiß, was noch passieren wird", meinte er freundlich, nur um dann wieder urplötzlich wutschnaubend nach seinen Untergebenen brüllend. "Und warum sind meine Schamanen noch nicht bei der Arbeit, Gips und Vulkanasche noch mal!"
Darunia schien also wieder seine alte Laune wiedergefunden zu haben, so machte Link, dass er die Prinzessin schleunigst nach draußen begleitete. Sie brauchte Ruhe, und ein cholerischer Gorone war das Letzte, das sie nun brauchte.
Link ging dicht hinter Zelda, als sie den Tunnel vom Darunias Häuptlingskammer in Richtung der Stadt entlanggingen. Auf der andern Seite hatte sich eine beträchtliche Traube aus Hylianern und Goronen gebildet, die eine Gasse bildeten, als Link und Zelda aus dem Tunnel in den sanften Fackelschein der unterirdischen Stadt traten. Die Prinzessin sah ihren Untertanen in die Augen, als sie sich Schritt für Schritt vorwärts kämpfte. Überall sah sie Angst und Schecken in den Gesichtern von Jung und Alt. Diese Leute brauchten sie, wollten Rat und Trost von ihr hören, aber sie fühlte sich so unglaublich müde.
Sie riss sich zusammen. Sie musste an ihr Volk denken und ihr eigenes Wohl zurückstellen.
Mitten unter den Bürgern blieb sie stehen und erhob die Stimme: „Goronia ist erst einmal sicher. Vorläufig werden wir hier bleiben bis alle Wunden geheilt und alle Mägen gefüllt sind. Es werden Boten zu den anderen Städten geschickt werden, damit jeder von der Lage unseres Landes erfährt. Die Stadt ohne Erlaubnis, Begleitung und künstliches Licht zu verlassen ist untersagt. Jedwede ungewöhnlichen Vorkommnisse haben sofort mir, Link oder dem Goronenhäuptling gemeldet zu werden. Wenn jemand die Shiekah Impa sieht, möge man sie zu mir schicken.“ Sie zwang sich mit aller Kraft zu lächeln. „Ich werde nicht zulassen, dass Unheil wieder über dieses Reich kommt. Lasst die Schatten der Angst nicht euer Herz einnehmen.“ Damit senkte sie den Blick und ging langsam durch die tuschelnde Menge.
Link folgte ihr, darauf bedacht dass niemand ihr zu nahe kam, so wie sie aussah, brauchte sie dringend Schlaf und jetzt sollte sie niemand mit Bitten oder Fragen belästigen.
Jetzt bist du also wirklich zu ihrem Leibwächter geworden, überlegte der Hylianer halb bitter, halb schmunzelnd. Nun war es wirklich seine Aufgabe geworden, auf Zelda aufzupassen, vor allem da dieser rätselhafte Schattenherr hinter ihr selbst her zu sein schien.
Link sah der Prinzessin nach, die eines der Gästezimmer - oder vielmehr eine der Gästehöhlen - betrat und setzte sich dann neben die Türe hin, als der weiße Leinenvorhang davor hinter Zelda zugefallen war. Solange er hier etwas zu sagen hatte, würde sie ihre Ruhe haben.
Aber er hatte noch nicht lange dort gesessen, als er hörte, dass sie nach ihm rief. Als er aufstand und langsam den Vorhang beiseite strich, saß sie im Dämmerlicht der kleinen Kammer auf einem Feldbett, dass die Goronen wohl den Hylianern zuliebe aus Kakariko hatten herbringen lassen, denn Goronen schliefen bekanntlich nicht in Betten.
Zelda hatte die Krone und ihren Goldschmuck abgelegt und saß mit gefalteten Händen und offenen Haaren angelehnt an der Wand. Ihre Füße waren verdreckt vom langen Weg durch die Katakomben, ihr Kleid war an einigen Stellen eingerissen. Aber obgleich sie geschunden und müde aussah, war sie selbst jetzt noch, wie sie dort mit geschlossenen Augen ruhig an der Wand lehnte, majestätisch und wunderschön.
"Setz dich zu mir, bitte", sagte sie, sehr leise, und hob langsam die Lider. "Mir wäre jetzt unwohl, allein sein zu müssen. Ich hoffe, es macht dir nichts aus..."
"Natürlich nicht", beeilte Link sich zu versichern, obwohl ihm immer noch unbehaglich war, wenn er Zelda zu nahe kam - nach wie vor war es ihm eigentlich verboten, sich allein in einem Raum mit der Thronfolgerin aufzuhalten - auch wenn ihn jetzt wohl niemand mehr hinauswerfen würde, so wie damals, als er noch ein Kind gewesen war. Außerdem war Link in der Nähe der Prinzessin immer unsicher und gehemmt, was nun wirklich nicht nur an ihrem sozialen Status liegen konnte. Auf eine sehr seltsame Art und Weise schüchterte dieses blasse, schlanke Mädchen ihn ein - etwas, was nicht einmal der Großmeister des Bösen selbst damals geschafft hatte. Vorsichtig ließ sich der Krieger neben Zelda nieder, auf einen kleinen Sicherheitsabstand bedacht. "Ist alles in Ordnung mit Euch?", fragte er leise. "Ihr wirkt so... zerschlagen auf mich."
Sie seufzte schwer und sank etwas in sich zusammen. "Ich bin vollkommen ratlos", sagte sie. "Wenn Darunias Vermutungen stimmen, steht Hyrule ein schreckliches Unheil bevor, vielleicht noch ein schrecklicheres als Ganondorf seinerzeit. Ich mache mir furchtbare Sorgen um Impa. Der König ist gestorben und ich bin innerhalb von Minuten Verantwortliche für dieses Land geworden. Ich bin unglaublich müde... und ich habe Angst. Große Angst."
Link nickte langsam und wünschte sich, er wüsste mehr über dieses Schattenmonstrum - neben Zelda, Impa und Darunia kam er sich wie ein Idiot vor. "Das verstehe ich, Prinzessin... " Er warf ihr einen Seitenblick zu. "Oh, verzeiht, ich muss ja nun Königin sagen..."
Er blieb wieder für einige Sekunden still und nestelte an seiner Mütze herum. "Nun, Ihr sollt aber wissen, dass ich stets an Eurer Seite sein werde, solange ich noch ein Schwert führen kann..."
Sie lächelte ihn an. "Vielen Dank, Link", sagte sie. "Das weiß ich sehr zu schätzen. Glaub mir, das Wissen, dass du an meiner Seite bist, lässt mir mein Schicksal etwas leichter erscheinen, denn ich weiß, dass du es nicht leichter hast..." Sie schloss wieder die Augen, und es wurde erneut still.
Als Link sich nach einer Weile zu ihr umsah, war sie ein wenig zur Seite gerutscht, die Stirn an die Felsenwand gelehnt, und schlief tief und fest.
Link sah die Prinzessin noch lange an, wie sie da lag, von einer Sekunde auf die andere in Tiefschlaf gefallen. Sie musste wirklich zu Tode erschöpft sein. Zaghaft streckte er eine Hand nach ihr aus, wusste, dass er das eigentlich nicht durfte - aber nun war ihm das egal. Vorsichtig hob er sie ein wenig von der Felswand weg, legte sie sanft auf das Bett und breitete die dünne Felldecke über ihr aus. Auf Zehenspitzen schlich er dann zum Ausgang des Raumes und schlüpfte durch den Vorhang, nicht ohne ihr noch einen letzten Blick zuzuwerfen.
Doch dann verließ er die Höhle fast hastig. Für ihn lautete die Aufgabe nun, auf sie aufzupassen.
Er rannte fast jemanden um, als er sich hastig entschuldigen wollte, sah er, wen er vor sich hatte: Impa.
Ihre Haut war aschfahl, aber sie hatte den gewöhnten konzentrierten, strengen Gesichtausdruck. Doch ihre Augen verrieten Link sofort, dass sie Furchtbares gesehen haben musste. Ihr Brustharnisch war stark beschädigt, aber sie hatte keine offenen Wunden am Körper. Sie trug ihr Messer noch in der Hand, unter dem anderen Arm hatte sie ein dunkles Bündel geschlagen.
"Ist die Prinzessin wohlauf?!", fragte sie sofort, als sie Link sah.
"Sie schläft", entgegnete er, mit einem Blick über die Schulter. "Und sie braucht wirklich dringend Ruhe. Ihr auch, schätze ich", fügte er hinzu, als er den Zustand ihrer Rüstung sah, aber seine Neugier war dann doch stärker. "Was ist geschehen? Habt ihr gesehen, wer für den Angriff verantwortlich ist?"
"Sie schläft? Nayru sei Dank, ist sie doch zur Vernunft gekommen." Impa seufzte auf und entspannte sich merklich. "Lassen wir sie ruhen. Sie hat viel zu verkraften. Warte einen Augenblick." Impa trat in Zeldas Kammer und blieb dort eine Weile. Als sie herauskam, hatte sie das Stoffbündel nicht mehr bei sich und schien, da sie ihren Schützling mit eigenen Augen unversehrt gesehen hatte, noch zusätzlich beruhigt. "Sie wird sich zwar aufregen, aber was ich zu berichten habe, kann nicht warten, bis sie aufwacht. Komm mit, ich muss zum Häuptling."
"Da waren wir heute schon..." Link fühlte sich unbehaglich bei der Vorstellung, die Prinzessin alleine zurückzulassen. Andererseits, was sollte schon passieren, wenn er für ein paar Minuten gehen würde? "Schön, ich möchte ohnehin erfahren, was passiert ist", nickte er dann und streckte sich. "Ich muss wissen, wer verantwortlich ist und was man gegen ihn tun kann."
"Das ist es ja, Link", sagte Impa düster und schritt voran zu Darunias Kammer. "Ich befürchte, wir können nichts tun. Aber das werde ich mit der Prinzessin besprechen, sobald sie wieder bei sich ist. Hoffentlich geht es ihr danach besser, sie hat seit Tagen nicht geschlafen." Sie strich den Vorhang zur Häuptlingskammer beiseite. "Darunia. Es gibt schlimme Neuigkeiten."
"Das habe ich befürchtet." Darunia saß in seinem Thronsaal in der Mitte eines selbstgezogenen Runenkreises - viel urtümlicher und grober als die feinen Linien eines Shiekah-Siegels, aber nicht minder kräftig, dessen war sich Link sicher. Der Gorone öffnete eines seiner schwarzen Augen und erhob sich halb. "Bestätigt sich der Verdacht, dass der Körperlose wieder einen Weg zurück in unsere Welt gefunden hat?"
"Leider ja." Impa setzte sich dem Weisen gegenüber in den für Shiekah typischen Schneidersitz und stützte die Hände auf die Knie. Sie deutete auf einen kleinen Schnitt auf ihrem rechten Oberarm. "Die Wunden sprechen für sich. Ich kann mir nicht erklären, wie er es geschafft hat, aber ganz offensichtlich ist der Schattenherr aus den Legenden in unser Reich gedrungen. Und soweit ich das herausfinden konnte, ist er hinter der Königin her, um mit ihrer Lichtmagie nicht nur sich aus dem Schattenreich zu befreien, sondern unser Reich auch noch zu unterwerfen."
Darunia stieß einen goronischen Fluch aus und hieb mit einer Faust in seine flache Hand, was sich anhörte, als schlüge ein Felsen gegen einen anderen. "Wenn ich gewusst hätte, dass das möglich ist..." Er schielte Impa und Link an. "So, er ist also hinter der Zelda her, richtig? Haben wir eine Möglichkeit, ihn zu töten oder zumindest zu vertreiben?"
Link warf der Shiekah einen zweifelnden Seitenblick zu. "Sagtet Ihr nicht eben, man könne gar nichts tun? Gibt es denn nicht das Geringste, was wir ausrichten können?"
Impa hob schwach die Schultern und seufzte schwer. "Wie bekämpft man einen Schatten? Wenn ich nun die Möglichkeit hätte, in der Bibliothek nachzulesen, aber das Schloss ist gefallen. Niemand, der sein Leben liebt, sollte einen Fuß hineinsetzen. Ich habe die Katakomben mit mehren starken Siegeln versehen, wir sollten aus dieser Richtung also vorläufig sicher sein, bis uns etwas Besseres einfällt. Darunia, du solltest Boten ausschicken und die anderen Weisen und deren Völker verständigen. Wir brauchen allen Rat, den wir kriegen können. Und obwohl ich es bezweifle, vielleicht wissen Prinzessin Ruto und Nabooru noch etwas über diese alte Legende. Besonders die Zora waren immer stark mit dem Hylianischen Königshaus verknüpft, und ich habe mir sagen lassen, dass die Gerudo eine beachtliche Bibliothek im Geistertempel besitzen. Und, lasst uns realistisch sein, in die Wüste werden die Schatten nicht so leicht vordringen."
"Das stimmt, die Wüste gehört den Gespenstern, und diese sind den Schatten sicher ebenbürtig", nickte der Gorone und strich sich durch den drahtigen Bart. "Und der uralte Clan der Garo sorgt auch schon seit Jahrtausenden für die endlosen Sanddünen..." Er nickte. "Ich werde die anderen Völker warnen lassen, und glaubt mir, wir sind schneller als es den Anschein hat."
Dann jedoch warf er Link einen seltsamen Blick zu. "Blutsbruder... die Sicherheit der Prinzessin seien jedoch dir und Meisterin Impa überlassen, ich denke, ihr seid am geeignetsten dafür."
Link nickte. "Ich tue mein Bestes."
Impa wandte sich auch Link zu. "Link, ich werde das Schicksal der Prinzessin vorläufig gänzlich in deine Hände legen. Ich werde zu den Gerudo reisen und sie bitten, mir ihre Bibliothek ansehen zu dürfen. Wenn jemand weiß, wonach gesucht werden muss, dann bin ich das. Als Schattenweise ist es meine Aufgabe, über ebenjene die Ordnung zu bewahren. Außerdem heißt es, der Schattenherr sei einmal einer meiner Rasse gewesen, und ich werde nicht zulassen, dass jemand, dessen Aufgabe es ist, die königliche Familie bis in den Tod zu schützen, der Prinzessin etwas tun wird. Ich denke, es ist am besten, wenn ihr zwei vorläufig hier bleibt. Unter deinem Schutz und den Bannkreisen der Goronen seid ihr vorläufig sicher. Für dich bedeutet es dennoch gesteigerte Aufmerksamkeit. Verstanden, junger Held?" Sie lächelte ein wenig. Sie vertraute ihm.
Link gefiel der Gedanke zwar nicht, die einzige Person, die dem Gegner halbwegs etwas entgegenzusetzen hatte, jetzt gehen zu lassen, aber er nickte langsam. "Ihr könnt Euch auf mich verlassen - Ihr wisst, dass ich eher mein Leben geben würde, als die Prinzessin im Stich zu lassen."
Und das war die Wahrheit, wie er still zugeben musste. Er hatte versprochen, auf sie aufzupassen, und das würde er auch einhalten. Darunia schien beinahe zu erraten, was er dachte, denn er grinste fast vergnügt. "Oh, auf meinen Blutsbruder ist Verlass, darauf könnt Ihr einen Dodongo fressen!" Er griff nach einem eisernen Armreif, den er Impa reichte. "Hier, nehmt das und setzt es in die Statue am westlichen Ende von Goronia ein. Wir haben dort einen Geheimgang, der fast direkt in die Wüste führt."
Impa nahm den Reif an und bedanke sich mit einer Verbeugung. „Ich werde nur noch einige Vorkehrungen treffen und sofort aufbrechen. Es gilt, keine Zeit zu verlieren. Link, dir brauche ich es ja nicht zu sagen, aber behalt die Prinzessin im Auge. Ich habe die Befürchtung, dass sie sonst etwas Unüberlegtes anstellt. Entschuldigt mich und... hoffen wir, dass die Göttinnen uns beistehen.“ Damit verließ sie die Kammer und eilte durch Goronia zurück zu Zeldas Kammer. Die junge Prinzessin schlief noch immer, aber diesmal sah Impa sich gezwungen, sie doch zu wecken.
"Prinzessin..." Sie berührte Zelda sacht an der Schulter. "Prinzessin, wacht auf. Ich bin es, Impa." Als sie langsam und widerstrebend die Augen öffnete, lächelte Impa. "Ich bin froh, dass Ihr wohlauf seid."
"Impa!“ Zelda richtete sich auf. "Farore sei Dank, du bist unversehrt. Wie lange bist du schon hier?"
"Nur wenige Augenblicke. Bitte, Zelda, hört mir zu." Impa setzte sich zu ihrer Schutzbefohlenen auf das kleine Bett. "Das Schloss ist komplett eingenommen und ich müsste lügen, wenn ich sagen würde, dass ich Gornonia als allzu sicher erachten würde. Und der Schattenherr ist definitiv hinter Euch her, auch wenn ich seine Gründe nur erraten kann. Wisst Ihr..."
"Darunia hat vermutet, dass es sich um den Schattenherrn handelt, ja. Der Shiekah, der die Hylianische Königsfamilie verraten hat und das Mediallon an sich gerissen hat."
Impa nickte. "Ihr seid in höchster Gefahr – mal wieder. Ich habe Euch... zu Eurer Sicherheit etwas mitgebracht." Impa beugte sich vor und langte nach dem dunklen Stoffbündel auf de Boden, das sie vom Schloss hergebracht hatte. Sie faltete den Stoff auseinander und hielt ein langes, graues Cape in den Händen.
Zelda griff langsam danach. Der Stoff war kühl und sehr weich. Weiße Verzierungen waren an den Säumen, und das Emblem der Shiekah prangte auf dem Rücken. "Was... ist das?"
"Ein Erbstück aus meiner Familie", sagte Impa und legte Zelda das Cape um die Schultern, band es vorne zusammen und zog ihr die Kapuze tief ins Gesicht. "Ich könnte es ein traditionelles Kleidungsstück meines Volkes nennen, aber das ist gelogen. Diese Umhänge sind sehr selten und sehr kostbar. Sie beschützen vor den Schatten und den Gefahren aus der Dunkelheit. Legt ihn nicht ab. Lasst am besten sogar die Kapuze auf. Ich denke, damit seid ihr sicherer als ohne. Ich muss jetzt gehen, ich werde zu den Gerudo reisen und ein wenig in ihrer Bibliothek lesen. Vielleicht haben sie alte Schriften der Shiekah und ich kann etwas über unsere Gefahr herausbekommen." Sie küsste die Prinzessin sanft auf die Stirn. "Link wird hier bleiben, um Euch zu beschützen. Hört auf alles, was er sagt. Ich sehe den Mut in seinem Geist und die Stärke in seinem Körper. Vertraut auf ihn. Die Göttinnen sind bei Euch, Zelda, vergesst das nicht."
"Danke, und viel Glück!", rief Zelda ihrer Amme nach, als die in gewohnt schnellem Schritt die Kammer verließ.

Zur selben Zeit war das Schloss von Hyrule buchstäblich nur noch ein Schatten seiner selbst. Die einst stolzen, festen Mauern des Königshauses waren nun schwarz verfärbt von all den Schattenwesen, die darüber krochen, die Fenster waren geborsten, die Fahnen zerrissen und die ehemals von Leben und Fröhlichkeit erfüllten Hallen waren nun dem ununterbrochenen Flüstern der Schatten gewichen. Tod und dumpfe, körperlose Kälte krochen träge durch die Gänge, kein Licht brannte, kein Siegel war mehr intakt und niemand mehr war am Leben.
Der Schattenherr selbst war davon nicht ausgenommen - Jahrhunderte war es nun her, dass sein Herz geschlagen hatte oder er so etwas wie Wärme empfunden hatte. Er spürte weder Schmerz noch Angst, aber auch nichts Angenehmes. Er hatte alles verloren, er hatte nichts mehr. Nicht einmal sich selbst, sogar seinen eigenen Namen hatte er inzwischen vergessen. Doch es schien ihn nicht zu berühren - nicht mehr. Er lungerte nur auf der Lehne des umgestürzten Throns herum und lauschte den zischenden, toten Worten der Schatten, die wie schmeichelnd um ihn herum strichen.
"Ihr habt sie nicht gefunden, richtig?" Er horchte in das tonlose Flüstern und nickte dann, als wäre eine Befürchtung eingetreten. "Ich weiß, meine Kinder, aber sie kann nicht ewig vor uns davonlaufen."
Kurze Pause. "Habt doch Geduld, meine Freunde! Ich verspreche euch, dass wir nicht mehr in die Leere zurückkehren müssen..." Er steckte eine Hand aus und fuhr mit seinen tauben Fingern durch eine der schemenhaften Kreaturen, eines der wenigen Dinge, die er auch tatsächlich spürte, wenn auch nur schwach. "Das Vergessen soll ein Ende haben, wir werden alle wieder lernen, Menschen zu sein. Menschen mit der Macht der Schatten..."
Langsam wichen die Schatten von ihm, als seien sie beruhigt, der Schattenherr erhob sich langsam von seinem Sitz und glitt lautlos durch die kalte Halle, in Richtung der Treppe, die ihn in die hohen Türme führen würde.
Früher oder später würde die Prinzessin freiwillig zu ihm kommen, wenn er sie richtig einschätzte.


Kapitel 3

Zelda wachte erst spät auf, da ihr noch immer die Müdigkeit und Erschöpfung in den Knochen saßen. Müde kämpfte sie sich aus der dünnen Decke und schlug die Kapuze des Umhanges zurück, auch wenn Impa sie gebeten hatte, das nicht zu tun.
Sie trat blinzend aus der Kammer heraus und sah sich um. Die Gastunterkünfte der Goronen lagen im höher gelegenen Teil der Stadt, und vorsichtig tat Zelda an das Geländer heran und sah hinab. In Goronia sah noch alles so friedlich aus, obwohl Darunia sein Volk gestern noch über die aufziehenden Gefahren gewarnt hatte. Die Goronen gingen ihren üblichen Aktivitäten nach, Zelda sah sie Metalle und Erze aus der Handelskammer unten vor Darunias Kammer hinaus- und hineintragen, es wurden Donnerblumen mit höchster Vorsicht abgetragen und gepflanzt. Zelda sah sogar eine Mutter ihr Kind füttern. Selbst bei den Neugeborenen waren die Unterkiefer schon mit enormer Kraft ausgestattet, stellte Zelda fest. Wenn Goronen nicht von Grund auf so friedlich wären, wären sie sicherlich gefährliche Gegner im Kampf...
Alles wirkte so normal. Und wenn Zelda dann an sich herabsah, den blutigen, zerrissenen Rock betrachtete und ihre nackten, wunden Füße, musste sie feststellen, dass all dies nur gute Miene zu bösem Spiel war.
Link lehnte nicht weit entfernt an der Felswand, offenbar soeben in ein Gespräch mit einem Goronen vertieft, der ihm ein kleines Paket überreichte. Link fing den Blick der Prinzessin auf, lächelte zaghaft und ging dann zu ihr hinüber, ihr das Paket entgegenhaltend. "Ich habe es geschafft, etwas Frühstück für Euch zu ergattern - es ist sicher nicht vergleichbar mit dem Essen, das ihr im Schloss bekommen habt, aber goronisch zubereitetes Fleisch ist weitaus genießbarer als der Sake..." Er räusperte sich. "Soweit es aussieht, scheinen die Siegel noch unberührt zu sein, wir haben also Zeit, um genug kraft zu sammeln", meinte er dann.
"Eine gute Nachricht, wie schön", sagte Zelda und lächelte erschöpft. Sie drehte sich um und strich energisch den Vorhang beiseite. "Lass uns zusammen essen, du brauchst die Energie genauso wie ich", bat sie und trat zurück in die Kammer, wo sie sich auf ihr Bett setzte. "Gibt es sonst irgendwelche Neuigkeiten?"
"Nein, eigentlich nichts, die Nacht war völlig ruhig." Link überlegte und rieb unwillkürlich seine Schulter - sie schien ihm plötzlich etwas steif zu sein. Ob er zu lange an der Wand gelehnt hatte? "Die Schatten scheinen sich nicht vom Schloss zu entfernen... Wir wissen noch nicht, ob das gut oder schlecht ist."
Er warf einen Blick auf das fast zu gut durchgebratenene Fleisch, das zwar annehmbar roch, aber nicht so aussah, als wolle er genau wissen, von welchem Tier es stammte und seufzte, dann jedoch fiel ihm etwas ein. "Oh, Hauptmann Viscen wollte Euch sehen, er meinte, sein Bein sei taub geworden, ob Ihr wüsstet, was los sei..." Link war es zwar unangenehm, die Prinzessin schon wieder zu strapazieren, aber außer ihr beherrschte nun niemand die Heilmagie. "Man sieht die Wunde nicht mehr, aber... nun, vielleicht wurde ja ein empfindlicher Muskel verletzt."
"Ein armer, geplagter und sehr tapferer Mann", seufzte Zelda und ließ sich von Link etwas Fleisch geben, sah es skeptisch an. "Ich werde mir seine Wunde mal ansehen. Ihn zu verlieren wäre ein schrecklicher Verlust. Er hat viel gesehen und eine gute Moral." Sie biss vorsichtig in das warme Fleisch und stellte fest, dass es besser schmeckte als aussah.
Link schwieg hier und kaute an seinem Stück Fleisch. Er hatte schon viele Kämpfe gesehen, hatte selbst an einigen teilgenommen und eines dabei gelernt - wenn man eine Verletzung nicht spürte, war das selten ein gutes Zeichen. Andererseits war am Bein des Soldaten eigentlich nichts zu sehen, außer dass seine Haut an Farbe verloren hatte.
"Vielleicht ist es nicht so schlimm - zu wünschen wäre es ihm jedenfalls..." Er machte eine kurze Pause und warf Zelda einen - wie er glaubte - unbemerkten Blick zu. Weiß der Teufel, warum es ihm gerade jetzt auffiel, aber sie war schön - ungeschminkt und geschunden wie sie war. Vielleicht so sogar schöner als mit all der Schminke und dem aristokratischen Benehmen, das sie am Hof so oft an den Tag gelegt hatte.
Zelda jedoch fing seinen Blick auf, errötete etwas und senkte schnell den Blick wieder, nahm einen Bissen. Sie war nicht oft mit ihm allein und hätte sich gewünscht, es nun unter anderen Umständen sein zu können, aber die Göttinnen wollten es offenbar nicht so. Sie aß schnell auf und strich sich die fettigen Finger unbeholfen am Rocksaum sauber. Normalerweise würde sie so was niemals tun, aber ihr Kleid war eh schon unbrauchbar geworden und auf Etikette konnte sie ein anderes Mal Wert legen. Sie war barfuss! Man sah ihre Knöchel! Besonders Link, der vor ihr saß, konnte fast schon ihre Waden sehen. Viel unziemlicher konnte sie sich wahrscheinlich schon gar nicht mehr benehmen.
Link bemerkte ihre Verlegenheit und bemühte sich, in eine andere Richtung zu sehen, konnte dann aber nicht anders, als seinen Blick wieder auf ihr schmales, schönes Gesicht zu richten.
"Ich... wollte euch noch etwas sagen, Hoheit...", fing er dann etwas unsicher an. "Es ist womöglich der falsche Zeitpunkt, aber..." Er fing ihren Blick auf und zog den Kopf ein. "Es ist nur so, weil ich nun doch schon lange in Eurer Nähe verbracht habe, da..."
Weiter kam er nicht, denn in derselben Sekunde polterte ein dicker Gorone in den Raum - Link war sich nicht sicher, ob er über die Unterbrechung froh war oder nicht. "Majestät... ich will Euch nicht stören, aber... ihr solltet Euch das ansehen..."
Zelda fuhr erschrocken herum, sie war ganz in Links Anblick versunken gewesen und ärgerte sich nun, dass er nicht hatte aussprechen können. "Was ist denn!", sagte sie, ein wenig ungehalten.
"Ich b- bitte vielmals um Verzweiflu... ähm, Verzeihung!", stammelte der Gorone, der sich offenbar sehr unbehaglich fühlte. "Aber es ist wichtig... es geht um den Menschen, den Soldaten... da pa- pa- passiert etwas mit ihm, ich weiß nicht, wie ich es beschreib- b- ben soll..." Er biss sich auf den Knöchel, wurde aber von Link angeherrscht. "Jetzt sag schon!"
"Ich glaube er... löst sich auf, Hoheit. Bitte, kommt mit!" Ohne ein weiteres Wort rollte sich das Wesen zusammen und purzelte aus dem Raum.
Jetzt war Zelda doch alarmiert und folgte dem Goronen schnell, Link dicht hinter sich. Sie wurde in eine der weiteren Kammern gebracht, wo der Hauptmann auf einem der Betten lag. Zelda schrie leise auf, als sie ihn sah – er war kaum mehr als eine durchsichtige Hülle seiner selbst. Sie konnte die falten des Laken durch ihn sehen.
„Bei Nayrus Weisheit, Viscen, was passiert nur mit dir!“ Sie kniete sich neben dem Bett nieder und wollte nach einer Hand greifen, fasste aber nur nach Luft.
Verzweifelt sah sie in sein Gesicht – oder dem Schatten, der davon übrig geblieben war. „Viscen, kannst du mich hören? Ich bin es, Prinzessin Zelda...“
"Prinzessin... Zelda?" Viscen öffnete mühsam die Augen, schien sie aber nicht zu sehen. "Wo seid ihr? Ich sehe nichts... es ist zu dunkel..."
Link warf einen beunruhigten Blick auf die Fackeln, die in dem Raum aufgestellt waren - es war taghell. Ein unangenehmes Gefühl beschlich ihn, als er den nur noch verschwommen sichtbaren Hauptmann sah. "Ich weiß nicht, vielleicht sollten wir besser..."
"Es ist... kalt", fuhr Viscen fort. "Ich weiß nicht, warum, aber seit heute Nacht fühle ich mich plötzlich so... schwach, so ausgelaugt." Er blinzelte, und für einen Moment lang verfärbte er sich schwarz, aber nur kurz. "Prinzessin? Seid Ihr noch da? Ich kann Euch nicht sehen..."
„Ich bin hier, ich bin hier!“, sagte Zelda beruhigend und stich mit ihren Fingern über Viscens Arm und Hände, auf der Suche nach etwas, wo sie mit ihrer Magie ansetzen konnte, aber da war nichts, kein Funken Leben. Es war, als sei der Hauptmann schon längst gestorben. „Ich werde dir helfen...“, flüsterte sie und spürte, dass ihr Tränen in die Augen stiegen. Sie konnte nichts tun.
"Bitte… helft mir!", flüsterte der Soldat und versuchte, sich aufzusetzen, doch er sank zurück. "Wo seid Ihr denn... ich sehe doch nichts..."
Er sackte regungslos zusammen und rührte sich nicht mehr, gleichzeitig begann seine Gestalt noch weiter zu verschwimmen und gleichzeitig trüb zu werden, rauchartig, fast so schwarz wie ein...
"Vorsicht, das gefällt mir nicht, Prinzessin", meinte Link plötzlich alarmiert, fasste Zelda an der Schulter und zog sie ein Stück zurück - nicht eine Sekunde zu früh, denn in der nächsten Sekunde zischte der Arm des Soldaten vor, doch es war kein Arm mehr, sondern die dunkle Klinge eines Schattens. Im buchstäblich letzten Augenblick konnte Link die Klinge mit seinem eigenen Schwert parieren und die Prinzessin aus der Reichweite des Schattens ziehen.
"Viscen!", brüllte er los. "Erinnert Euch, Ihr seid der Wachmann von Hy-..."
Ein weiterer Angriff ließ Link verstummen und er sah sich zurückgedrängt. Aus dem Hauptmann war plötzlich einer der flüsternden Schatten geworden, der nicht einmal mehr wusste, wer er war. "Viscen! Ich bin es, Link!"
Sinnlos, der Schatten griff an, ohne Gnade.
„Link! Das hat keinen Zweck, mit materiellen Waffen kannst du sie nicht besiegen!“, rief Zelda, die zurückgewichen war, als Link sein Kurzschwert gezogen hatte. Tatenlos musste sie mit ansehen, wie Link verzweifelt versuchte, den Schatten zurück zu halten. Sie hätte eingreifen können, aber nicht, ohne Link dabei zu treffen.
Sie wollte gerade einen Zauber wagen, als Link von dem Schatten zu Boden gerissen wurde und sich einen Augenblick lang fürchterliche Dunkelheit in der Kammer ausbreitete, und alle Fackeln erloschen. Zelda hob in purer Verzweiflung beide Arme über den Kopf, eine Lichtkugel zwischen den Handflächen tragend.
Sie konnte nur noch sehen, wie der Schatten auf sie zuschoss und sie an der Brust traf. Ein kalter Schauder überkam Zelda und es fühlte sich an, als würde der Schatten in ihren Körper dringen und sich in ihr ausbreiten, kalt und leblos. Dann sank sie zu Boden.
Link kam fast schneller wieder auf die Beine, als er umgerissen worden war.
"Prinzessin! Ist alles in Ordnung?" Er stürzte auf sie zu, im Hinterkopf ununterbrochen die Erinnerung daran, was mit Menschen passiert war, die von den Schatten verletzt worden waren. Es durfte nicht sein, es durfte einfach nicht! Viscens Schicksal von eben brannte zu stark noch in seinem Kopf...
Seltsamerweise - den Göttinnen sei dank - schien die Prinzessin allerdings völlig unversehrt, wie durch ein Wunder. Sie hustete nur einmal, als er vorsichtig ihren Körper aufrichtete und ihren Kopf stützte.
"Mir... mir geht es gut", sagte sie und hustete wieder. "Danke..." Sie richtete sich etwas auf und strich sich zittrig durch die wirren Haare. "Ist... Ist der Schatten fort?"
"Es scheint zumindest so." Link zog die Prinzessin behutsam auf die Beine und sah sich in dem Raum um. Nein, die Fackeln verbreiteten normales, angenehmes Licht und die Schatten, die sie warfen, waren von der völlig harmlosen Sorte. Viscen war fort, aber wo, das war Link ein Rätsel.
"Da haben wir allerdings wirklich Glück gehabt, wer weiß, was hätte passieren können?" Er hielt einen Moment inne. "Gott sei Dank ist Euch nichts passiert", fügte er dann leise hinzu.
"Ich glaube", sagte Zelda, die etwas entkräftet an der Wand lehnte, "ich glaube, er ist in mir drin..."
Link fühlte seinen Herzschlag aussetzen und für einen Moment lang konnte er Zelda nur fassungslos anstarren. "Das ist doch nicht Euer Ernst, oder?"
Horrorszenarien taten sich vor seinen Augen auf - gleich würde sich die Prinzessin in ein Schattenmonster verwandeln, oder sie würde einfach umkippen...
Zelda hustete nur wieder und winkte ab. "Mir geht es gut", sagte sie wieder. "Ich fühle mich wohl... Nur..." Sie presste die Hände auf die Brust und atmete tief durch. "Kannst du mir bitte etwas zu trinken besorgen?"
"Ja.. selbstverständlich.."
Verwirrt, besorgt und etwas planlos wandte er sich um und schickte sich an, den kleinen Raum zu verlassen, wandte sich am Ausgang aber noch einmal um, als befürchtete er noch eine verspätete Reaktion auf den Angriff des Dämonen. Doch der Prinzessin schien es tatsächlich soweit gut zu gehen, darum huschte er aus dem Raum, auf der Suche nach einem Goronen, der ihm sagen konnte, wo er etwas Wasser besorgen könnte.
Als er wiederkam, saß Zelda auf dem Bett, auf dem eben noch der Hauptmann gesessen hatte. Sie hatte die Hände im Schoß gefaltet und sah blicklos an die Wand.
Erst als Link ich den Tonkrug mit etwas klarem Wasser reichte, blinzelte sie und lächelte ihn an. "Vielen Dank", sagte sie und leerte den Krug gierig. "Ah, das tat gut." Sie reichte Link den Becher wieder. "So, und bevor wir noch einen dieser unangenehmen Zwischenfälle haben, gehe ich mir die anderen Verletzten ansehen. Vielleicht ist noch jemand infiziert. Möchtest du mich begleiten?"
"Ich möchte auf jeden Fall dabei sein", nickte er nachdenklich. "Wer weiß, wie viele der Leute hier verletzt wurden und ich möchte auch nicht darauf vertrauen, dass jeder Angriff so glimpflich endet wie der letzte hier..." Er kratzte sich geistesabwesend am Kinn und schien über etwas nachzudenken. "Was glaubt Ihr, ist mit Viscen passiert?", fragte er dann. "Wir können ihn nicht einmal begraben... es ist ja nicht einmal ein Leichnam zurückgeblieben - furchteinflößend, oder?"
"In einer der Legenden der Shiekah heißt es, dass eine zweite Bewusstseinsebene auf unserer Welt liegt", sagte Zelda ernst und erhob sich, um das Zimmer zu verlassen. "Ich muss zugeben, dass ich mich nicht genau erinnere, aber wenn Impa wieder hier ist, wird sie mir einige Fragen beantworten müssen. Vorerst reicht es mir, zu wissen, dass ich mit meiner Lichtmagie etwas gegen sie ausrichten kann. Und Link, für dich muss ich mir etwas ausdenken. Dein Schwert ist nur ein temporärer Schutz..."
Link schielte über seine Schulter hinweg den Schwertgriff an. "Es vermag sie nicht zu töten, das ist wahr, aber zumindest vermag ich sie damit abzuwehren..." Er zog eine Augenbraue hoch. "Es sei denn, Ihr habt eine bessere Idee?"
"Lichtpfeile", sagte Zelda nur. "Ich brauche aber meine Energie vorher für die Menschen. Danach werde ich die Pfeile, die du bei dir hast, mit meiner Magie belegen. Vielleicht haben die Goronen auch noch einige Pfeile hier -- du wirst sie brauchen."
Link erinnerte sich zufrieden an diese magische Waffe, die seinerzeit den Großmeister des Bösen effektiv von ihm ferngehalten hatten. "Stimmt, das heilige Licht sollte den Schatten mehr schaden als simples Metall." Blieb nur noch die Schwierigkeit, dass die Goronen kaum Gebrauch von Pfeilen machten und wohl auch nicht viele auf Lager hatten, aber darum würde er sich später kümmern. "Gut, lasst uns also nachsehen, ob noch Verletzte hier sind, wir sollten Überraschungen vermeiden, solange es noch nicht zu spät ist."
Sie fanden nichts, offenbar war Viscen der Einzige gewesen, der einen Kampf nur verletzt überstanden hatte, der Rest war unversehrt - oder tot im Schloss zurückgeblieben.
Dennoch hatte Link das schneidende Gefühl, dass er etwas übersehen hatte.

Als Zelda in dieser Nacht erwachte, war es in Goronia noch immer taghell. Man hatte überall Fackeln aufgestellt, die Luft war verbraucht und stickig, aber bisher war noch kein einziger Schatten durch die Katakomben oder den Haupteingang, geschweige denn den Todeskrater in die Felsenstadt gelangt.
Zelda richtete sich ein wenig auf und stockte dann. An ihrem Fußbett saß Link, den Kopf auf die Brust gesunken, und schlief. Er musste sehr erschöpft gewesen sein. Seit die ersten Schatten Hyrule überfallen hatten, hatte er wahrscheinlich kaum Zeit gehabt, um sich auszuruhen. Sie mutete ihm zu, das gewöhnt zu sein – aber heute war es doch vergleichsweise so friedlich gewesen, dass ihm wahrscheinlich irgendwann die Augen zugefallen waren.
Ohne ein Geräusch glitt Zelda von dem dünnen Bettchen. Sie kniete sich neben Link auf den kühlen Boden und legte ihm zärtlich die Decke um die Schultern.
Er tat ihr so Leid. Andauernd geriet sie in irgendwelche Schwierigkeiten und er musste ihr helfen. Langsam wurde es Zeit, dass sie all dies wieder gutmachte.
Link regte sich ein wenig im Schlaf, und einen Moment lang dachte sie, er würde aufwachen. Tatsächlich öffnete er für einen Augenblick die Augen, und einen stillen Moment lang sahen sie einander an, wie sie waren: Erschöpft, ratlos, mutlos. Und ganz nah beieinander. Sie spürte seinen Atem auf der Haut.
Dann sanken ihm wieder die schweren Lider hinab, und mit einem Seufzen sank er etwas mehr in sich zusammen.
Zelda lächelte. Dann beugte sie sich vor und hauchte ihm vorsichtig einen Kuss auf den Mundwinkel. "Warte hier auf mich, Link", flüsterte sie.
Dann stand sie auf und eilte aus der Stadt, ohne dass sie jemand gesehen hätte.

Kapitel 4

Es musste bereits heller Tag sein, als Link wieder aufwachte - natürlich konnte er das nicht sehen, so weit unter der Erde, aber das Goronenvolk schien schon seit Stunden auf den Beinen zu sein und zwischen ihren rollenden, kehligen Stimmen ließ sich auch die ein oder andere helle Menschenstimme vernehmen.
Fluchend richtete Link sich auf, verärgert darüber, einfach eingeschlafen zu sein wie ein Knappe bei seiner ersten Nachtwache - und bemerkte die Decke, die über ihm ausgebreitet gewesen war. Hatte ihn tatsächlich jemand zugedeckt? War etwas dran an dem Traum, den er gehabt hatte...?
Link warf einen vorsichtigen Blick auf das Bett der Prinzessin - aber sie war verschwunden. Einfach nicht da. Ihr Bett sah aus, als wäre es seit Stunden unberührt.
Einen weiteren leisen Fluch auf den Lippen eilte er aus der Höhle. Verantwortungslos von ihm, einfach einzuschlafen - hoffentlich war sie nicht weit weg...
Das zweite Mal in wenigen Tagen rempelte er Impa an. "Großartig, Herr der Zeit, großartig!", fauchte sie und packte ihn am Ohr wie einen kleinen Jungen. "Ich dachte, man kann sich auf dich verlassen! Hast du gar nichts dazugelernt?!"
Link fühlte sich hin- und hergerissen zwischen einer wütenden Entgegnung und schuldbewusstem Seufzen, aber am Ende siegte einfach nur der Schock darüber, das er am Ohr gepackt wurde und mit entsetztem Gesichtsausdruck riss er sich los und blickte in Impas finsteres Gesicht.
"Ihr seid zurück?" Mehr fiel ihm in dieser Sekunde nicht ein. Er wollte sich rechtfertigen, entschuldigen und sich über die Rückkehr der Shiekah freuen, aber alle Wörter blieben scheinbar in seinem Hals stecken. Stattdessen gab er nur ein einsilbiges "Ich muss die Prinzessin finden" von sich und rieb sich das schmerzende linke Ohr. Warum mussten Hylianerohren auch so spitz und lang sein...?
"Zu spät. Sie ist längst über alle Berge -- wortwörtlich. Ich wünschte, Nayru würde dir ein wenig ihrer Weisheit in den Kopf prügeln, mit Dins Kraft!" Impa schlug die Hände über dem Kopf zusammen. "Die Prinzessin ist so gut wie verloren. Das hast du wunderbar gemacht, Link, hervorragend. Hol deine Ausrüstung. Wir brechen unverzüglich zum Schloss auf. Vielleicht finden wir sie noch lebend."
"Was soll das heißen, zum Schloss!" Link fiel aus allen Wolken. "Wieso sollte sie denn dorthin gegangen sein, sie weiß doch, was dort lauert!" Er blickte Impa nach, die an ihm vorbeistolziert war und folgte ihr hastig. "Wartet doch, woher wisst Ihr das überhaupt?"
"Ich kenne dieses Mädchen seit ihrer Geburt. Sie ist pflichtbewusst bis in den Tod. Und ich habe ihr auch noch den Umhang gegeben... natürlich musste sie ausreißen! Sie wird von mir zu hören bekommen, wenn ich sie finde..." Energisch band sich Impa die Haare zu ihrem gewohnten, kurzen Zopf. "Link, stell dich nicht dümmer, als du bist. Ihr Königreich ist in Gefahr, und mit ihrer Lichtmagie hat sie eine aktive Chance, Hyrule zu verteidigen. Du kannst mir nicht erzählen, dass du dir nicht vorstellen kannst, dass sie versuchen würde, das Land im Alleingang zu retten. Gerade weil wir so ratlos dastehen! Sie hasst es, tatenlos zusehen zu müssen. Fragmentträgerin der Weisheit, hah! Eher der Torheit! Aber das habt ihr alle drei gemeinsam..." Impa rieb sich die Stirn. "Ich weiß nicht, wen ich zuerst verwünschen soll."
Link gingen in derselben Sekunde ähnliche Gedanken durch den Kopf und er biss sich wütend auf die Lippe, während er seine Ausrüstung schulterte. Wie hatte er nur so unachtsam sein können? Und wie hatte Zelda einfach so gehen können, und das gerade dann, als er geschlafen hatte? Er vermied es tunlichst, Impa ins Gesicht zu sehen und rempelte unhöflich einen Goronen an, der ihm zufällig in den Weg kam und ihm ein verblüfftes "Goro?" hinterher gluckerte.
"Schön, nehmen wir den Tunnel, durch den wir gekommen sind?", fragte er, etwas ruppiger, als er es beabsichtigt hatte. "Und sagt mir bitte, wenn ich noch etwas wissen sollte..."
"Ich werde dir alles auf der Reise erzählen." Die Shiekah schnallte sich grimmig zwei Klingen um und griff nach einigen Fackeln. "Wir gehen durch die Katakomben – die Bannkreise der Goronen halten noch. Aber freu dich nicht zu früh, je näher wir dem Schloss sind, desto fürchterlicher wird es. Ich hoffe, du hast keine Angst im Dunkeln", fügte sie bitter hinzu, ließ ihm aber keine zeit für eine Antwort. "Dein Schwert wird dir nichts nützen. Hast du keine magischen Waffen?"
"Ich habe meinen Bogen, mit Lichtpfeilen", antwortete Link knapp. Gestern noch hatte Zelda ihm diese Waffe gegeben, kurz bevor er eingeschlafen war und bevor sie verschwunden war... Wie verdammt noch mal pflichtbewusst konnte man eigentlich sein?
Aber mit Zeldas Magie an seiner Seite fühlte er sich sicherer, das stand schon einmal fest. Er musste nur mit den Pfeilen ein wenig aushalten...
Auf Impas fragend hochgezogene Augenbraue reagierte er nicht. "Ich nehme trotzdem mein Schwert mit - ohne es würde ich mir fast nackt vorkommen..."
"Glaub mir, das Gefühl kenne ich nur zu gut. Wenn man immer die Klingen am Körper hat, kann man irgendwann nicht mehr ohne sie schlafen..." Impas Lächeln war bitter. "Also dann, Held der Zeit. Es ist mir eine Ehre, mit Euch zu kämpfen. Auch wenn ich lieber darauf verzichtet hätte." Sie deutete auf den Durchgang, der zu den Katakomben führte. "Die Dunkelheit ist unser Ziel."

Zelda wusste mittlerweile, dass die Schatten ihr nichts anhaben konnten. Sie hatte den Weg durch die Katakomben heil überstanden, und auch hier im Schloss war es, als hätten die Schatten schnell verstanden, dass man sich mit einer wütenden, entschlossenen Prinzessin nicht anlegen sollte.
Durch Impas Umhang konnten die Verletzungen der Schatten ihr nichts mehr anhaben, und mit ihrer Lichtmagie nahm sie einen nach dem anderen in sich auf, um aus ihnen noch mehr Energie zu gewinnen. Sie fühlte sich großartig, als sie wie eine der Göttinnen selbst, gehüllt in ihr gleißendes Licht, durch das Schloss schritt und es von allen Schatten säuberte. Bald schon wichen sie vor ihr zurück, wenn sie kam, aber sie erwischte dennoch viele von ihnen. Ihr Licht war schneller.
Ein zufriedenes Lächeln schmückte ihre Lippen. Sie würde ihr Schloss zurückerobern, ganz ohne Impas und Links Hilfe. Sie war diesmal nicht die hilflose Prinzessin. Diesmal nicht.
Der Thronsaal schien ihr der Wirt der Dunkelheit zu sein. Zwar hatte sie etwas Angst, als sie den langen Korridor entlangging, aber dennoch vertraute sie in ihre Stärke. Sie hatte den Umhang und ihre Magie. Und das Triforce der Weisheit. Sie war die Weise des Lichts.
Sie würde den Schattenherrn dahin vertreiben, wo er hergekommen war. Und niemand würde jemals mehr wagen, Hyrule einnehmen zu wollen, solange Zelda hier herrschte.
Entschlossen stieß sie die großen Torflügel auf.
Er wartete bereits auf sie, im Schneidersitz auf der Lehne des Throns sitzend und ohne mit einer Wimper zu zucken, als sie in den Raum krachte.
"Oh, Eure Hoheit. Es ist schön, dass Ihr mich hier aufsucht... langsam habe ich Angst bekommen, Ihr würdet den Weg hierher nicht mehr finden..." Er erhob sich, wobei erheben nicht das richtige Wort war, er rutschte mehr von seinem Sitz hinab, um über den Boden zu gleiten wie ein Gespenst. Hunderte Schatten folgten ihm, halb durchsichtig, wild durcheinander kriechend und permanent aufgeregt flüsternd. "Und wie ich sehe, tragt Ihr sogar einen der Shiekah-Mäntel... die sind selten und ziemlich wertvoll, wisst Ihr das?"
"Ich bin die Königin dieses Landes und Weise des Lichts. Geht, oder ich werde Euch vertreiben müssen", sagte Zelda ungerührt und blieb in der Mitte des Raumes stehen. Die Schatten bildeten einen Kreis um sie, doch Zelda beachtete sie gar nicht. "Ihr wisst, dass mein Licht Eurem Schatten überlegen ist. Ergebt Euch. Vielleicht lasse ich Gnade walten."
Der Schattenherr erstarrte für einen Augenblick und schien tatsächlich zu perplex zu sein, um darauf zu antworten, denn er stoppte etwa drei Meter von Zelda entfernt und starrte sie einfach nur an - brach dann aber urplötzlich in lautes, hohles Gelächter aus. "Das meint Ihr nicht ernst, oder? Das glaube ich einfach nicht!" Genauso plötzlich jedoch beruhigte er sich wieder und schüttelte mitleidig den Kopf.
"Hört zu, Prinzessin... ich glaube, ihr habt die Situation nicht ganz verstanden. Hier geht es nicht um schwach oder stark, um die Überlegenheit des Lichts und die Unterlegenheit der Dunkelheit." Er hob beide Arme, schwarzer Qualm umströmte ihn wie ein weiterer Mantel, wie hunderte Bänder - vielleicht war es auch sein Körper, der sich stetig veränderte. "Nein, genau wegen Eurem Licht bin ich ja hier... Verströmt es, gebt mir alles, was Ihr habt... Tötet mich, lehrt mich Schmerz und Angst, bezwingt mich so oft Ihr wollt!" Kaltes Grinsen umspielte seine farblosen Lippen. "Ihr wisst nicht einmal, wer ich bin, oder...?"
Falls Zelda verwirrt war, ließ sie sich nichts anmerken. Stolz schob sie ihr Kinn ein wenig nach vorne und machte nicht einen Schritt zurück, als schwarze Schwaden an ihrem Mantel und dem weißen Kleid darunter zerrten. "Ich weiß, wer Ihr seid. Aber Ihr scheint nicht zu wissen, wer ich bin. Ich habe schon schlimmere Monster als Euch überlebt, Schattenherr!"
"Das bezweifle ich auch nicht, Hoheit." Der Schattenherr nickte, fast höflich. "Ich glaube Euch gerne, dass Ihr die Flammen der Hölle bezwingen könnt, wenn ihr wollt und ihr könnt mich garantiert ebenfalls ohne große Anstrengung zerstören..." Es schien dunkler zu werden im Thronsaal, gleichzeitig schien der Schattenherr zu wachsen und auf seltsame Art und Weise stabiler zu werden. "Aber so begreift doch, dass Euch das nichts nützen wird... Wie wollt ihr etwas auslöschen, das nicht einmal lebt? Ich sagte es bereits... Ich wünsche es mir, dass Ihr mich vernichtet, so oft ihr meinetwegen wollt... Aber ich werde jedes Mal wieder zurückkehren." Er hob seine schemenhaften Hände auf Augenhöhe und führte sie langsam zusammen, so dass er seine eigene Faust umklammern konnte. "Verschmelzung, Hoheit, Verschmelzung. Ihr gebt mir Eure Kräfte, ich Euch die meinen. Und so werde ich die gesamte Welt... verändern."
Jetzt wich Zelda zurück. Sie hatte begriffen, aber zu spät.
Mit einer Explosion aus weißem Licht jagte sie alle Schatten von sich, sei es auch nur für diesen Moment. Sie floh aus dem Thronsaal, und all ihre Gedanken waren bei Link. Ob er sie hören könnte, wenn sie nach ihm rief?

Der Weg war länger gewesen, als Link ihn in Erinnerung gehabt hatte - vielleicht lang das aber auch an seiner Angst um die Prinzessin, die jede Sekunde sterben konnte, und das alles auch noch wegen ihm. Und irgendetwas sagte ihm, dass sie dringend Hilfe brauchte. Hoffentlich fand er sie rechtzeitig...
"Impa", begann er, als sie gemeinsam die Wendeltreppe des Geheimgangs hinaufstiegen, die direkt in die Bibliothek führte. "Was genau ist unser Gegner? Weder Darunia noch Zelda konnten mir etwas Genaues sagen."
Impa schwieg, bis sie endlich am Kopf der Treppe standen. Dort drehte sie sich zu Link um. "Es ist viele Jahrhunderte her. So viele, dass es kaum noch jemand davon weiß. Die Prinzessin weiß vage davon, durch meine Lehren. Ich weiß es von meinem Meister. Du weißt sicherlich, dass es viele Artefakte gibt, die die Kraft der Göttinnen in sich tragen, nicht wahr? Die Okarina der Zeit und das Meisterschwert sind zwei davon. Aber es gibt noch wesentlich mehr. Die meisten davon hat man im Auftrag der Könige im Laufe der Jahre zusammentragen und wegschließen lassen. Eines davon war ein Medaillon. Das Medaillon, so sagt die Legende, war eines der stärksten Artefakte der Göttinnen. Aber niemand konnte es jemals finden.“ Impa seufzte leise. "Ein... Mann aus meinem Volk, ein Shiekah, hat das Medaillon in der Schattenwelt gefunden. Nun ja, du kennst die Geschichte ja. In den Händen einer bösen Seele bringen die Artefakte nur Unglück und Verderben. Unser Schattenherr... ist eine weniger größenwahnsinnige, aber viel ältere Version Ganondorfs. Er strebte nach Macht und fand sie in diesem Medaillon. Eine Quelle in der Bibliothek des Geistertempels sagte, dass das Medaillon die Schattenwelt nicht verlassen kann... Das heißt, solange der Schattenherr das Medaillon nicht aus der Schattenwelt befreien kann, ist er an sie gebunden. Und hier kommt Zelda dazu. Schattenherr und Weise des Lichts. Ich denke, du kannst es dir denken..."
Link senkte den Kopf. "Er könnte dann in beiden Welten dauerhaft existieren, ist dem nicht so? Er würde hier bleiben und alles in ein Reich des Zwielichts verwandeln..." Link dachte an Viscen und in welche Kreatur dieser sich verwandelt hatte und er fröstelte unwillkürlich. "Wie können wir ihn aufhalten? Wenn er wirklich direkt aus dem Schattenreich kommt - kann man ihn überhaupt töten?"
Impa lehnte sich leicht gegen die Ausgangstür des Geheimganges. "Ich weiß es nicht", sagte sie. "Aber ich befürchte, diesmal kannst du uns kaum helfen. Aber ich habe einen Plan. Hör zu." Sie drehte sich zu ihm und fasste Link fest an den Schultern. Sie fühlte die Kälte in seinem linken Arm und wusste, wie sehr die Zeit drängte. "Mit Schatten bin ich mehr vertraut als du. Dafür bist du mit der Prinzessin verbunden. Wir werden uns aufteilen. Ich kenne einen Weg, um ins Schattenreich zu gelangen; jedem Shiekah wird er gelehrt. Ich werde versuchen, von dieser Seite den Schattenherrn zu hindern. Aber du wirst die Prinzessin suchen. Und beeil dich, ich habe ein furchtbares Gefühl bei der Sache. Er ist hinter ihr her, und wahrscheinlich wirst du ihm vor ihr begegnen. Bring sie in Sicherheit und beschütze sie, falls nötig, mit deinem Leben. Ich werde dich unterstützen, so gut ich kann."
Link begann langsam zu ahnen, was ihm bevorstand - ein Kampf mit einem Gegner, den Waffen kaum bis gar nicht verletzen konnten. Vielleicht würden ihm die Lichtpfeile helfen, aber diese reichten auch nicht ewig… Dennoch nickte er. "Ich werde sie retten. Ich verspreche es."
Er sah Impa nach, die sich wortlos zurückzog und wandte sich dann von ihr ab. Sie würde ins Reich der Schatten wechseln und er war sich nicht sicher, ob er sehen wollte, wie sie das machte. Nein, außerdem galt es nun, Zelda zu finden - Link umklammerte nervös seinen Schwertgriff und verließ dann den Geheimgang, direkt in die Bibliothek. "Ich verspreche es!", flüsterte er noch einmal.
Dumpf schob sich die Tür hinter ihm zu, ohne einen Schatten zu Impa in den Geheimgang durchzulassen. Sie wartete einen Moment und hörte auf seine Schritte, die sich rasch entfernten. Sie wünschte dem jungen Krieger viel Glück, vom Grunde ihres Herzens. Wiedereinmal hing das Wohl des Landes von ihm ab. Wenn er die Prinzessin nicht retten konnte, wäre wohl alle Hoffnung für Hyrule verloren.
Impa malte einen kleinen Bannkreis auf den Boden des Geheimganges und fragte sich, ob Hyrule, in dem seit Anbeginn der Zeit Krieg um das Triforce und andere Artefakte geherrscht hatte, wohl jemals Frieden finden würde – und was werden sollte, wenn die zwei übriggebliebenen Fragmentträger stürben. Ganondorf war, Zusammen mit dem Fragmentstück der Kraft, in den Abgrund der Hölle verbannt, aber er konnte wiederkommen. Was, wenn es in Zukunft niemanden wie den Herrn der Zeit und die Weise des Lichtes gab, um ihn aufzuhalten?
Impa setzte sich im Lotussitz mitten in ihren Bannkreis, faltete die Hände auf Shiekah-Art und schloss die Augen.
Jeder Shiekah lernte, wie man das Schattenreich betrat. Die wenigsten taten es jemals in ihrem Leben. Impa war schon einmal dort gewesen, vor langer Zeit, als das Monster aus dem Brunnen in Kakariko ausgebrochen war.
Es war dunkel dort und kalt, und die Schatten waren überall. Sie waren nicht so bösartig wie hier, und als Shiekah konnte man sich dort einigermaßen sicher bewegen, aber das Schattenreich bedeckte jeden Lebenden, der es betrat, mit einem Mantel aus Schwermut, sodass manch einer es aufgegeben hatte, ins Lichte zurückzukehren.
Aber das war egal; Impa war die Weise der Schatten. Wenn jemand dies hier tun konnte, dann sie.
Sie hielt die Augen fest geschlossen, als sie in die Schatten hinabrutschte. Es war ein seltsames Gefühl, als würde man einen Teil von sich verlieren – als rutsche man aus dem eigenen Körper und ließ alle Farbe und Freude hinter sich.
Erst, als Impa nicht mehr schwindelig war und sie wieder das Gefühl hatte, sicher auf dem Boden zu sitzen, öffnete sie langsam die Augen.
Alles um sie war schwarz.
Impa erhob sich langsam. Auf dem Boden schien ihr Bannkreis ganz schwach in dunklem grau zu schimmern.
Sie wartete einen Augenblick, bis sich ihre Sicht klärte. Das Schloss sah noch aus wie vorher, aber... wie eine Silhouette seiner selbst. Alles schien wie eine uralte Sepiazeichnung. Es gab keine Farben mehr, nur noch unterschiedliche Kontraste.
Impa stieß die Türe zur Bibliothek auf und schloss sie fest hinter sich. Kein Schatten war hier zu sehen.
"Wo fängt man eine solche Suche an?", fragte Impa in die Stille hinein, zog ihre Messer aus den Halftern am Rücken und machte sich auf den Weg. Zuerst würde sie die offensichtlicheren Orte aufsuchen; den Thronsaal, die königlichen Gemächer, die Schatzkammer.
Er saß einfach nur da und starrte ihr entgegen, bewegte sich nicht einmal einen Millimeter, als Impa in sein Blickfeld trat.
Hier, an diesem Ort sah die dunkle Version des Schlosses seltsam unfertig aus, als hätte der Architekt keine Lust mehr gehabt. Statt der Wand mit den Fenstern war hier nur ein Loch, das scheinbar in die Unendlichkeit selbst führte, auch im Boden waren einige präzise quadratische Löcher, die nur Leere unter sich trugen.
Der ausgediente Shiekah, der am Fuß einer grotesk entstellten Statue saß, schien das als Tatsache akzeptiert zu haben, jedenfalls schien Impas Erscheinen ihn mehr zu irritieren. Jedenfalls, nach einer endlos scheinenden Phase der Regungslosigkeit hob er unendlich langsam den Kopf. "Wer auch immer Ihr seid… Ihr kommt spät…"
Alarmiert ging Impa in Abwehrpose. Der Mann ihr gegenüber war ein Shiekah, das sah sie sofort, aber es machte sie nicht weniger wachsam. Er trug die Ohren mit silbernen Ringen durchstochen; viele davon, er musste also dem Königshaus treu gedient haben. Am meisten erstaunte es Impa jedoch, dass er noch immer menschliche Gestalt hatte. Er sah kaum älter aus als sie, trotz der verwischten Konturen der Schattenwelt, doch sein Blick war leer.
"Wer seid Ihr? Sprecht!", befahlt Impa und überspielte ihre Überraschung mit der ihr gewohnten Schroffheit.
Der Shiekah sah sie an, als hätte sie ihn nur nach dem Weg gefragt und machte noch immer keine Anstalten, sich zu bewegen, doch sein verbliebenes Auge funkelte sie plötzlich erstaunlich lebendig an - vielleicht war das aber auch nur, weil das andere Auge vollends erloschen war. "Hier gibt es andere Dinge, die Ihr fürchten solltet, Fremde. Ein ehrloser Shiekah wie ich wird Euch nichts tun." Plötzlich kam doch etwas Bewegung in ihn, ein einzelner Finger fuhr über die dunkle Narbe, die ihn sein rechtes Auge gekostet hatte und sich bis hinunter zu seiner Lippe zog. "Doch falls Ihr wegen dem Medaillon gekommen seid... Ihr seid zu spät. Es wurde bereits genommen."
Impa lockerte ihre Haltung langsam, hatte die Hände aber noch immer fest um ihre Klingen gekrallt. Es war nichts ungewöhnliches, das Schattenvolk im Reich der Schatten anzutreffen, aber er war gänzlich unbewaffnet – zumindest konnte Impa keine Waffen sehen, was aber nicht zwangsweise bedeuten musste, dass er keine hatte – und wirkte... viel zu... ruhig. Als sei ihm egal, was auch immer passierte.
"Ihr habt mir meine Frage nicht beantwortet, Shiekah", sagte Impa schließlich und schob die Klingen zurück in ihre Halfter. "Wer seid Ihr, warum seid Ihr hier – und was wisst Ihr über das Medaillon? Ich bin in königlichem Auftrag unterwegs, also sprecht lieber freiwillig, eh ich Euch zwingen muss."
"In Euch steckt noch immer das Feuer der Lebenden, Shiekah…" Einen Moment lang schien er mit den Gedanken völlig abzuschweifen, doch als Impa bereits Anstalten machte, sich auf ihn zu zu bewegen, erhob er sich überraschend grazil und deutete eine Verbeugung an. "Atax ist mein Name, ich war einst Shiekah-Lehrmeister, bis mein Versagen mich meinen Körper und meine Kraft zurückzukehren kostete… Sagt mir, junge Kriegerin, welches Jahr ist auf der hellen Seite?", fügte er hinzu, mit einem ängstlichen Funkeln in seinem gesunden Auge, als fürchtete er die Antwort.
"Das dritte der hundertzehnten Epoche", sagte Impa nach einem kurzen Zögern. "Unter der Herrschaft der Triforcefragmentträgerin der Weisheit, ihrer Königlichen Hoheit Zelda die Erste. Nach dem Ableben des Königs Daphnos Johanson von Hyrule vor ein paar Tagen. Er fiel den Schatten zum Opfer."
"Bei den Göttinnen!" Atax wich unwillkürlich einen Schritt zurück. "Das heißt, es müssen… Jahrhunderte vergangen sein, seit…" Er hielt inne und wurde noch blasser, sofern das überhaupt möglich war, doch dann hob er den Blick und fixierte Impa mit einem fast panischen Gesichtsausdruck. "Aber Ihr seid von der hellen Seite… Ihr seid durch Shiekah-Magie hierher gekommen, nicht wahr? Ihr wurdet weder getötet noch verbannt… ist das richtig?"
"Der Schattenherr hat es geschafft, aus diesem Reich auszubrechen. Es ist eine Frage der Zeit, bis Hyrule fällt. Wir müssen schnell handeln. Wenn Ihr mir helfen könnt, Atax, solltet Ihr das lieber tun." Impa wandte sich zum Gehen. "Dass Ihr offenbar hier ein Geisterdasein führt, tut mir leid. Aber die Schatten darf niemand unterschätzen."
"Ich weiß, junge Kriegerin, denn ich bin selbst einer", nickte er ruhig. "Ich hätte auch längst selbst etwas unternommen, doch ein Schatten kann nicht seinen Ursprung töten. Und deshalb ist es sehr wichtig, dass Ihr hier seid." Er streckte sich und für einen kurzen Moment flackerte seine Gestalt, die danach allerdings viel schärfer und deutlicher schien als zuvor, als wäre er eben aus dem Halbschlaf erwacht. "Ihr müsst das Medaillon zerstören – denn es ist der Ursprung, der all die schwarzen Abbilder der Hylianer erschaffen hat. Ihr müsst schnell handeln, denn wenn mein Schüler auf der hellen Seite eine Lichtquelle gefunden hat, wird er nicht mehr davon abhängig sein…" Er griff in die leere Luft und materialisierte mit zischendem Geräusch einen schwarzen Kampfstock. "Ich werde Euch begleiten, zu Eurem Schutz… Es heißt, der Schattendämon Bongo-Bongo selbst treibt sich zur Zeit in der Nähe herum – und Ihr wisst, dass er der Hüter der Schwarzen Artefakte ist…"
"Ihr habt ihn um ein paar Jahre verpasst, Shiekah", sagte Impa mit eiskaltem Lächeln. "Der Herr der Zeit hat ihm vor ein paar Jahren den Garaus gemacht." Sie wandte sich wieder um und ging mit sicherem Schritt den gang entlang. "Und übrigens brauche ich keinen Schutz. Ich bin nicht umsonst die Weise der Schatten."
"In Eurer Welt mag er tot sein, doch die Dämonen sterben nie endgültig. Schon gar nicht, wenn es eine Ebene gibt, in der die Zeit nichts bedeutet", entgegnete Atax fast heiter und wies mit einer Hand auf eine Tür, die etwas weiter hinten in dem Korridor mitten im Raum stand, ohne Wände um sie herum. "Das Medaillon ist wie einst in der Schatzkammer, doch mir müssen einen Umweg über die Kerker machen." Auf Impas verwundertes Stirnrunzeln hob er beschwichtigend eine Hand. "Hier gelten die Regeln von Raum und Zeit nicht, hier kann jeder Raum auf jeden folgen – ich möchte nur sichergehen, den Kreaturen aus dem Abyss zu entgehen, darum möchte ich den direkten Weg vermeiden, Ihr versteht?" Er wartete auf keine Antwort, sondern wandte sich um und schlich auf die Türe zu.
Ohne zu widersprechen, folgte Impa ihrem unfreiwilligen Begleiter. "Ihr... wart Ihr auch einer, auf der Suche nach dem Medaillon? In den Legenden heißt es, dass viele Shiekah im Schattenreich gefangen wurden, weil sie die Macht suchten, aber nie wieder ins Helle zurückfanden... Seid Ihr einer von Ihnen? Man sagt eigentlich, dass die Schatten körperlos sind..." Fast verspürte Impa das Bedürfnis, die Hand auszustrecken und sich selbst zu überzeugen, ob Atax einen massiven Körper hatte.
Er lächelte ihr über die Schulter hinweg zu und schien ihren Gedanken erraten zu haben. "Hier in dieser Welt ist alles so massiv, wie es sein will… es mag schwer zu verstehen sein, aber selbst der Boden, auf dem wir stehen, ist nichts anderes als die Überreste menschlicher Seelen, die einfach vergessen haben was sie sind und nur mehr Bruchstücke alter Erinnerungen sind. Erinnerungen an ein… Schloss, beispielsweise. Wenn auch nur unvollständig." Er wies mit einer ausladenden Geste auf die so unfertig wirkende Version des hylianischen Schlosses, griff dann nach dem Türknauf und zog die Tür auf. Dahinter war nichts als Schwärze, er seufzte resigniert, schlug die Türe zu und fing an, eine Rune in die Luft vor dem Schlüsselloch zu zeichnen. "Da hier die Zeit nicht existiert, sammeln sich hier alle Seelen, die aus allen möglichen Gründen und in allen möglichen Zeitaltern verloren gegangen sind – wer weiß, vielleicht war selbst Bongo-Bongo einst ein Hylianer?"
Die Rune knisterte, Atax öffnete den Zugang und lächelte sanft, als sich diesmal dahinter ein schmaler, aschgrauer Steg offenbarte, der über das Nichts hinwegführte. "Seid ab hier vorsichtig, junge Kriegerin… Das sind die Erinnerungen an die Kerker, und sie sind nicht angenehm… aber weniger bewacht als die königlichen Hallen…"
Impa hasste es jetzt schon, wie er sie behandelte, als sei sie ein Laie. Sie war immer schon eine der Besten ihres Volkes gewesen -- alleine die Tatsache, dass sie den Großen Krieg überlebt hatte, in dem fast alle Shiekah ihr Leben hatten lassen müssen, bewies das. Aber dennoch hatte sie wahrscheinlich keine andere Möglichkeit, als ihm zu vertrauen. Wenn er hier wirklich schon seit so langer Zeit existierte, kannte er sich wohl auch am besten aus.
Sie hielt ihre Messer attackier- und abwehrbereit und folgte Atax dicht in den leeren Raum hinein.
Hier war es totenstill, obwohl der Raum endlos zu sein schien, in jede Himmelsrichtung. Außer dem schmalen Weg, der sich vor ihnen irgendwo in der Dunkelheit verlor, schien es hier nichts zu geben, bis auf einen schwachen Sog, der von unten heraufdrang und den Shiekah das Gefühl vermittelte, sich in schwindelerregender Höhe zu befinden. "Leere und Einsamkeit", summte Atax geistesabwesend und wankte vorwärts, wie ein Schlafwandler. "Konzentrier dich", fügte er hinzu und fiel unbewusst in seine alte Rolle als Ausbildner zurück – vermutlich merkte er es selbst nicht einmal. "Lass diesen Ort dich nicht mit sich zerren, folge einfach nur dem Weg…"
Er ging weiter, einen Weg ohne Ende, ohne Unregelmäßigkeiten, ohne Anhaltspunkte.
Hinter ihnen, am Anfang des Weges, fiel die Tür sanft klickend ins Schloss – und stürzte dann lautlos in die unendliche Tiefe.
Impa hatte sich geduckt und halb umgewandt; ob vor Schreck oder einfach nur Kämpferreflex, war nicht zu sagen. "Wisst Ihr überhaupt, wohin ihr geht?", zischte sie, als sie, rückwärts gehend, noch immer geduckt, weiter auf dem Balken balancierte.
"Nein. Erinnerungen sind schwach, der Weg ist jedes Mal anders", antwortete der Shiekah in einem Ton, als spräche er über das Wetter. "Und die Entfernung… wenn ein Menschenleben eine Maßeinheit für Strecken wäre, stellt euch ein Leben völlig allein in einem dunklen Kerker vor – so lang ist der Weg in etwa." Er lächelte freudlos. "Aber habt keine Sorge, hier vergeht Zeit nicht so wie auf der hellen Seite – es ist alles genauso wie euer Gefühl Euch sagt." Er ging weiter. "Es liegt also an Euch, wie lange wir brauchen… wenn die Tür vor uns auftaucht, sind wir da…"
Wenn es nach Impa ginge, wären sie schon lange da. Sie hatte furchtbare Sorge um die Prinzessin und auch um Link. Wer weiß, was ihnen alles zustieß, während sie Atax hinein ins Nichts folgte.
Auf einmal hielt sie inne. "Hört Ihr das auch?"
Atax blieb stehen und lauschte in die Leere. "Ich höre die Stimmen der Schatten, die hier geblieben sind – sonst nichts. Ist eine vertraute Stimme darunter?"
Impa starrte ihn kurz feindselig an, aber nichts trübte den lethargischen Blick seines einzelnen, blutroten Auges. Dann lauschte sie wieder in die Stille. "Ich weiß nicht, es klingt fast wie... wie... Zelda, seid Ihr das?"
"Wer ist Zelda?", fragte Atax nach und drehte sich im Kreis. "Wenn es sich um einen Schatten handelt… die wenigsten kennen noch ihre menschlichen Namen, ich weiß nicht, ob Ihr auf diese Wei-…" Doch dann hielt er abrupt inne und streckte eine Hand aus, als griff er nach etwas in der Luft. "Wartet, da stimmt etwas nicht… jemand ist da. Jemand, der noch kein Schatten ist." Sein Auge glomm erstaunt auf und wirkte für einen Moment so lebendig und aufmerksam wie noch nie zuvor. "Das ist aber erstaunlich… kennt Ihr dieses Mädchen, junge Kriegerin?"
"Das ist unsere Königin!", sagte Impa verzweifelt und versuchte zu lokalisieren, woher die schwache Stimme... die bloße Idee der Stimme Zeldas kommen mochte. "Das kann nichts Gutes bedeuten... Wisst Ihr, wo sie ist?!"
Atax schloss sein gesundes Auge und horchte auf die Stimme, lange, viel zu lange für Impas Geschmack, doch dann hob er den Kopf. "Sie ist im Schloss… im höchsten Turm, ganz oben… mit vielen Schatten…" Er wandte sich Impa zu und lächelte verträumt. "Interessante Königin habt Ihr da… sie ist selbst noch nicht zu einem Schatten geworden, kann aber Kontakt zu uns aufnehmen, hier unten… sehr interessante Königin." Er schulterte seinen Stab und richtete seinen Blick wieder in die Ferne, wo die Tür zur Schatzkammer sein sollte. "Aber wir müssen uns beeilen, ich kann nicht sagen, wie lange sie noch durchhält…"
"Sie ist die Weise des Lichts! Sie muss durchhalten! Der Herr der Zeit ist auf dem Weg zu ihr!", sagte Impa und musste im selben Moment daran denken, was nur passierte, wenn Link scheiterte.
Sie warf einen Blick hinab in die Tiefe, sah dann nach oben. Dunkelheit und endlose Leere, wohin sie sah.
So würde Hyrule enden, wenn Link scheiterte.
Und über allem schwebte kaum hörbar Zeldas um Hilfe rufende Stimme.

Zelda stolperte und schlug hart auf den Steintreppen auf. Sie spürte, dass ihr Blut über die Stirn rann, aber sie rappelte sich wieder hoch und eilte, eine Hand als Stütze an der Wand, weiter, weiter, höher in den Turm hinein. Hinein in eine Sackgasse und ihr sicheres Scheitern.
Sie hatte schon lange verloren, sie zögerte nur den Moment ihrer Resignation hinaus.
Schatten griffen nach ihr und ihrem Umhang. Zelda zerrte daran, aber es waren so viele... hinter ihr verlor sich alles in absoluter Dunkelheit. Als sie an ihren Beinen ihren Körper entlang krochen, warf sie den Umhang und damit ihren letzten Schutz einfach fort und rannte weiter. Lieber den Umhang als ihre Menschlichkeit lassen.
Die Zimmer im Turm standen leer und verlassen, als sie endlich oben angekommen war. Obwohl es nichts nütze, schob Zelda Riegel vor die schweren Holztüren, schob Möbiliar davor, obwohl ihre Arme zitterten. Sie fand ein paar Kerzen, entzündete sie, und stellte sie wie eine Barriere um sich herum auf.
Sie war verloren und in die Enge getrieben. Aber niemals würde sie aufgeben.
"Ihr seid ein mutiges Mädchen", flüsterte die Stimme des Schattenherrn aus dem Nirgendwo. "So kämpferisch… so lebendig. Ihr gebt nicht auf, auch wenn Ihr verloren habt…" Schwarze Nebelschwaden steigen zwischen den Bodenfliesen hervor und formten in der Luft die Umrisse ihres Verfolgers, der sie fast anzulächeln schien und ihr einladend eine Hand entgegenstreckte. "Ihr habt Euren Mantel verloren, Ihr seid erschöpft und niemand ist hier, der Euch helfen könnte… Macht es Euch einfach und kommt mit mir." Der Schatten materialisierte sich in dem Raum, der sofort fast stockfinster wurde, und sank elegant zu Boden. "Es tut auch nicht weh - und wird Euch das Ewige Leben gewähren… Ich verstehe nicht, warum Ihr Euch noch immer widersetzt…"
"Ich werde niemals eine von euch werden!", rief Zelda und wich weiter zurück, an das bunte Fiberglasfenster hinter ihr. "Vielleicht kann ich Euch nichts mehr entgegensetzen, aber ich weiß, dass ich nicht allein bin! Ich habe die Schlacht verloren, aber Ihr verliert den Krieg, Schattenherr!"
"Ich mache Euch keinen Vorwurf, Hoheit", meinte er ruhig und schloss die Augen. "Aber Ihr werdet alles verstehen, wenn Ihr erst die Welt durch unsere Augen seht… und wir durch Eure. Habt keine Angst…", fügte er hinzu und lächelte diesmal wirklich. "Ihr werdet verstehen… meine Quelle des Lichts…" Einen Moment lang stand er nur regungslos vor ihr und sah sie an.
Und dann schossen die Schatten durch den Boden empor und rissen Zelda mit sich, nach oben in den Turm. Das Letzte, was sie wahrnahm, war die unglaubliche Schwärze, die ihr in Mund, Augen und Ohren drang, sie lähmte und Besitz von ihr nahm.

Kapitel 5

Es war nur ein Gefühl in seinem Inneren, doch es nagte an ihm. Biss an ihm herum, fraß ihn innerlich.
Er hatte schon verloren. Er kam zu spät.
„Nein“, ermahnte Link sich selbst immer wieder, „du kommst rechtzeitig. Du wirst sie retten, du hast es versprochen.“ Doch sein Gefühl ließ sich nicht einfach so beschwichtigen, und es wurde sogar noch stärker, als er den Saal betrat und endlich denjenigen erblickte, der für die Katastrophe verantwortlich war.
Er hatte schon verloren.
„Du kommst zu spät“, meinte der Schattenherr, in einer Denkerpose am Sockel eines Königsdenkmals niedergekauert, neben sich drei lange Messer am Boden, und warf Link einen langen, traurigen Blick zu. „Du brauchst dir deshalb keinen Vorwurf zu machen, du hast es ja auch wirklich versucht – aber dennoch hast du verloren.“
„Selbst wenn, Schattenherr“, erwiderte Link ruhig und zog sein Schwert, das nach wie vor glänzte und das wenige Licht in dem Raum reflektierte – im Gegensatz zum Rest des Schlosses, der grau und stumpf geworden war. „Selbst wenn… ich habe einen Schwur geleistet, den ich einhalten werde.“ Trotzdem fühlte Link, wie etwas sich in ihm zusammenkrampfte… es musste noch Hoffnung geben.
„Das ist sehr ehrenhaft.“ Der Schattenherr erhob sich mühsam und hob seine Messer umständlich auf, die er sich lose zwischen die Finger klemmte. Damit schlurfte er langsam in die Mitte des Saales. Er wirkte müde, fand Link, auch waren keine Schatten mehr um ihn herum und er selbst wirkte auch ungewöhnlich dürr und substanzlos, fast, als sei er schon am Ende seiner Kräfte. „Aber leider wird es dir nichts helfen, Triforceträger des Muts. Sollte ein wahrer Krieger nicht wissen, wann er verloren hat?“
Der Triforceträger achtete nicht darauf, er ging in Position, bereit, jederzeit anzugreifen oder einen Angriff abzuwehren, doch der Schattenherr schien kein Interesse an einem Kampf zu haben, er stellte sich nur einige Meter entfernt von Link hin und breitete die Arme aus. „Du denkst, ich bin ein Monster, und aus deiner Sicht bin ich das wohl auch – aber du kannst mich nicht dazu bewegen, aufzugeben. Ich habe ein Versprechen einzuhalten. Millionen an Schatten warten darauf, endlich wieder das Licht sehen zu dürfen.“ Jetzt stiegen doch einige der Schattenkreaturen zwischen den zersprungenen Marmorfliesen hervor und strichen flüsternd um die Beine ihres Herrn, wie Katzen das bei ihren Besitzern taten. Der Schattenherr lächelte schwach und fuhr mit den Fingern durch die wabernden Schemen. „Sie haben all ihre Hoffnung auf mich geladen – es ist meine Verantwortung, ihre und meine Wünsche zu erfüllen, da kann ich keine Rücksicht auf das Leben einiger weniger Sterblicher nehmen.“
„Als seien diese Kreaturen fühlende Wesen!“ Link spürte, wie der Zorn in ihm hoch kochte, er umfasste den Schwertgriff fester und machte einige Schritte auf seinen Gegner zu, der ungerührt stehen blieb. „Ich werde nicht zulassen, dass du die Prinzessin und das Königreich einem Rudel an Monstern opferst!“
„Große Worte, Triforceträger… und ich verstehe deinen Standpunkt sogar.“ Der Schattenherr seufzte. „Doch all die Schatten, die du so verabscheust… sie waren alle einst Menschen.“
Kurz sah Link sich verwirrt. „Wie bitte?“
„Nicht jeder Sterbliche findet den Weg zum Licht der Götter, nachdem er vergeht“, nickte der Schatten und betrachtete nachdenklich die nachtschwarzen Klingen zwischen seinen Fingern. „Viele versinken in einem Reich, das nur aus Dunkelheit und Einsamkeit besteht… wie du es bald tun wirst, mein Freund.“
Unwillkürlich wandte Link den Kopf zu seiner linken Schulter, die inzwischen völlig gefühllos geworden war und schöpfte einen furchtbaren Verdacht, der sich in der nächsten Sekunde bestätigte.
„Ja, Triforceträger“, nickte sein Gegenüber, „Denkst du, du wärst so weit vorgedrungen, wenn du nicht ohnehin schon halb einer von uns gewesen wärst? So wie die Weise des Lichts selbst?“
Einen Moment lang war Link sprachlos, doch dann riss er sich aus seiner Apathie und stürzte sich brüllend auf seinen Gegner, seine Klinge raste sirrend auf den Schattenherrn nieder, der seinen Angriff fast lässig mit seiner Klingenhand parierte. Link taumelte, fing sich, griff weiter an, wehrte einen Gegenangriff ab, konterte – und stellte erfreut fest, dass sein nächster Treffer saß, seine Klinge riss die Kehle des Schattenherrns auf und versprühte schwarzes Blut – das sich in schwarzen Qualm verwandelte und verdampfte, noch ehe es den Boden berührte. Links Gegner hustete und glitt einige Meter zurück, machte aber keine Anstalten, zu sterben, er wischte nur mit seiner freien Hand über seinen Hals. Die beiden Schatten zischten bedrohlich, aber beruhigten sich sofort wieder, als ihr Herr eine beschwichtigende Handbewegung machte, und zogen sich zurück, durch die Mauern des Schlosses.
„Das war gut, Triforceträger“, nickte er, „Wäre ich noch am Leben, hätte mich das jetzt sicher umgebracht…“
Link antwortete nicht, er stürmte nur weiter auf den Schattenherrn los, hieb einige Male zu, Funken sprühten, als die Klingen aufeinander trafen, doch diesmal gelang dem Schattenherrn der Gegenangriff, er fing Links Schwertklinge zwischen seinen Messern auf, zerrte daran und zwang Link damit, sich bis auf wenige Millimeter seinem Gesicht zu nähern, wenn er seine Waffe nicht aufgeben wollte. „Das hat keinen Sinn, Triforceträger!“
„Lass Zelda frei! Lass sie in Ruhe, lass uns alle in Ruhe!“, quetschte Link verbissen zwischen den Zähnen hervor, doch er merkte selbst, dass er nur trotzig klang. Und natürlich imponierte er seinem Gegner nicht einmal ansatzweise, dieser lächelte nur und stieß den Herrn der Zeit nur unsanft von sich, der hart zu Boden fiel.
„Ich bewundere deine Entschlossenheit“, meinte der Schatten ungerührt. „Aber du kannst mich nicht töten. Um einen Schatten zu vernichten, musst du denjenigen töten, der ihn wirft, nicht wahr?“
Link rappelte sich auf und bereitete sich auf einen neuen Angriff vor. „Jeder Schatten lässt sich mit Licht vertreiben!“, erwiderte er düster, im Hinterkopf das nagende Wissen, nur noch wenige Lichtpfeile zur Verfügung zu haben. Doch wenn er richtig traf…
„Nein, völlig falsch…“ Die Klingen rotierten zwischen den Fingern und zeigten nun direkt auf Links Gesicht, der Schattenherr grinste triumphierend und hob belehrend einen Zeigefinger. „Licht ist notwendig, damit ein Schatten überhaupt existieren kann!“ Der Klingenarm schoss vor, Link schaffte es im letzten Moment, seinen Schild hoch zu reißen und die Messer abzuwehren, doch er sah sich trotzdem zurückgedrängt und das bleiche Gesicht des Schattenherrn grinste ihn über den Rand des Schilds hämisch an. „Da stellt sich doch die Frage – kann die Sonne eigentlich die Schatten sehen, die sie selber wirft, hm? Fragen wir doch Zelda!“
„Was hast du mit ihr gemacht!“, schrie Link und stieß seinen Angreifer zurück. Impa hatte ihm gesagt, dass der Schatten sie für irgendetwas missbrauchen wollte, aber was bei den drei Göttinnen war dieses „irgendetwas“?
„Willst du das wirklich wissen?“ Der Schattenherr ließ den Arm sinken, die Klingen verschwanden mit scharf metallischem Schnappen unter dem Ärmel seiner wabernden Kleidung und er wandte sich um. „Gut, wenn du schon so mutig warst, dich ernsthaft gegen mich zu stellen… ich warte auf dich. Auf dem Dach des höchsten Turms…“
Link hob sein Schwert ein weiteres Mal und wollte sich auf seinen Gegner stürzen, doch dieser zerfiel in derselben Sekunde zu schwarzen Rauchschlieren, die sich binnen Augenblicken verflüchtigt hatten.
Auf dem höchsten Turm… ich warte dort auf dich, Triforceträger…

Von einem Moment aus den anderen wurde es laut, und aus der Tiefe schien eisige Luft zu kommen. Impa blieb stehen, automatisch in Abwehrpose wie immer, und starrte an dem schmalen Steg vorbei in die Tiefe. "Was..."
Weiter kam sie gar nicht, denn tausende und abertausende von Schatten zogen auf einmal an ihnen vorbei, ohne ihnen etwas zu tun. Eiskalt waren sie und schienen direkt durch sie und Atax hindurch zu gleiten und dann waren sie so schnell gegangen, wie sie gekommen waren. "Was.. bei Nayru.. war das?", stieß Impa hervor.
„Die Schatten haben eine Lichtquelle gefunden!“, antwortete Atax hastig und blickte nach oben, so alarmiert wie noch nie. „Das bedeutet, dass sie das Mädchen haben!“ Er fuhr sich entgeistert über das Gesicht. „Bei den Göttinnen, ich hätte nicht gedacht, dass es möglich wäre, dass er…“ Er wandte sich um. „Wir müssen uns beeilen, Kriegerin! Wenn wir das Medaillon rechtzeitig zerstören können, hat sie vielleicht noch eine Chance!“ Er griff hinter sich – an den Knauf der Tür, die plötzlich hinter ihm erschienen war. „Ah… es ist soweit!“
Impa fragte sich noch, wo auf einmal diese Tür hergekommen sein musste, aber dann schloss sie zu Atax auf. "Was soll das heißen, sie 'haben sie'? Hat er die Königin umgebracht oder nur in Gefangenschaft genommen?", fragte sie, als sie neben dem seltsamen Shiekah stehenblieb.
„Weder noch“, antwortete Atax hastig und rüttelte am Türknauf. „Vermutlich nützen sie sie als Lichtspender, um auf der anderen Seite Gestalt annehmen zu können – das ist weitaus schlimmer, als nur getötet zu werden!“ Er fing an, wieder verschiedene Runen in die Luft zu zeichnen, als die Türe sich nicht öffnen wollte. „Und nun richtet sich jeder einzelne Schatten hier auf die Lichtquelle… das erklärt auch, warum der Ausgang plötzlich hier ist – es gibt hier nichts mehr, das unseren Weg aufhalten könnte.“ Auf den fragenden Blick seiner Begleiterin meinte er: „Ich sagte, die Länge des Weges richtet sich nach den Erinnerungen und deinem Willen – aber die Erinnerungen versuchen bereits, nach oben zu fliehen, auf dieser Seite werden sie schwächer.“ Mit einem Fluch stieß er die Pforte schließlich auf und zerrte Impa durch, eine Sekunde, bevor der Steg urplötzlich unter ihnen wegbröckelte. „Und darum wird auch unser Weg zwar leichter, aber über kurz oder lang verschwinden. Wir müssen uns beeilen…“ Er blickte auf. „Ah… ich denke, wir sind da.“
"Da?", wiederholte Impa und machte eine ausladende Geste. "Wo?!"
Um sie herum war nichts als Schwärze. Wieder standen sie auf einem schmalen Pfad, der aber alles andere als stabil aussah, zumindest verglichen zum letzten. Irgendwo in der Ferne, am Ende des Steges, schien etwas zu schimmern. Oder zumindest nicht ganz so dunkel zu sein wie der Rest. "Was ist das hier?", fragte Impa, als sie Atax folgte. "Erinnerungen an Räume? Das sind keine Erinnerungen, das ist mehr wie das Vergessen von Räumen! Es gibt keine Wände!"
„Ja“, nickte Atax traurig und tippte den Boden prüfend mit einem Fuß ab. „In dieser Welt geht alles verloren, auch die schwächsten Erinnerungen. Normalerweise werden sie ersetzt, wenn neue Erinnerungen dazukommen, aber jetzt, wo eine Möglichkeit besteht, in die Oberwelt zu wechseln, wird sich das Gleichgewicht verschieben.“ Er ging los, immer darauf bedacht, sicheren Boden unter den Füßen zu haben, was sich als nicht gerade einfach herausstellte – außerdem knirschte der Boden bei jedem Schritt unangenehm. „Die Oberwelt wird ein Refugium des immerwährenden Zwielichts werden, eine ganze Welt, die untot ist! Und das Schattenreich wird zu einer Einzigen Leere werden.“ Er schüttelte den Kopf und blinzelte dem kaum erkennbaren Objekt entgegen, das noch weit vor ihnen lag. „Das muss es sein… es hat sich hier so verändert, seit dem letzten Mal. Damals war das noch als Schatzkammer zu erkennen…“ Er kratzte sich am Kopf, stutzte dann aber und griff langsam nach seinem Stab.
Vor ihm erschien der Umriss eines Soldaten.
Dahinter noch einer. Und noch einer.
„Ah… es wäre ja auch zu einfach gewesen…“
"Es hätte mich auch gewundert, wenn der Schattenherr die Wurzeln seiner Existenz unbeachtet lassen würde..." Impa wog ihre Messer in den Händen und warf einen Blick hinab in die Tiefe. Sie wollte nicht erleben, dort hinabzustürzen, also war es wohl wieder an der Zeit für etwas Shiekah-Akrobatik.

Es war windstill.
Das war sogar noch untertrieben, es regte sich buchstäblich kein Lüftchen. Der Himmel war wie alles hier völlig farblos und man konnte die Umgebung weder als warm, noch als kalt bezeichnen. Als Link auf die Turmspitze hinaustrat, hatte er fast das Gefühl, selbst bereits im Schattenreich zu sein, so unwirklich erschien ihm der Ort. So tot.
Genau in der Mitte der kreisrunden Turmplattform wartete wie versprochen der Schattenherr auf ihn, im Schneidersitz in der Luft schwebend – aber etwas an ihm war anders. Er wirkte nun weniger wie ein Schatten als schon beinahe wie ein Mensch, detaillierter, kontrastierter und greifbarer als zuvor. Je näher Link ihm kam, desto mehr Details konnte er nun erkennen – dass der rauchige Mantel eigentlich des schlichte Gewand eines Shiekah-Adepten war, dass er eine Halskette trug – ja, sogar die Haare waren nun als solche zu erkennen: Dünne, schwarze Haare, die fast bis auf die Schulter fielen. Bei den Göttinnen - als er zum Schatten geworden war, hatte er unmöglich älter als sechzehn sein können, überlegte Link angesichts des schmalen, jugendlichen Gesichts.
„Du bist gekommen“, nickte der Beherrscher der Schatten und schwebte sacht zu Boden. „Natürlich kannst du nicht gewinnen, aber du wirst das Privileg haben, die Neugeburt einer ganzen Welt mitzuerleben! Es dauert nicht mehr lange…“
„Außer ich kann es verhindern!“, knirschte Link, riss sein Schwert aus der Hülle und stieß zu – diesmal spürte er deutlich, wie die Klinge auf Widerstand traf, sie durchbohrte den Schattenherrn bis zum Heft, schwarzes Blut spritzte auf den Boden, das sich diesmal nicht in Qualm auflöste… doch Links Gegner blieb so ungerührt stehen, als habe er ihn mit einem Stöckchen gepiekst, wankte nicht einmal ansatzweise, lächelte sogar noch!
„Ah, Herr der Zeit… das war gut. Ich habe das gespürt!“, summte er sacht erstaunt, griff an die Klinge, die aus seiner Brust ragte und hob seine von pechschwarzem Blut verschmierten Finger auf Augenhöhe. „Bei den Vergessenen Göttern, ich bin fast wieder vollständig…“
„Was hast du mit Zelda gemacht!“, brüllte Link, riss das Schwert aus der Brust des Schattenherrn und versetzte diesem einen harten Schlag mit dem Schild, den der Schattenherr allerdings kaum zu registrieren schien, sein Kopf ruckte nur für einen Moment zur Seite, kehrte aber sofort wieder in seine ursprüngliche Position zurück.
„Sie ist ein edles Kind… sie spendet uns ihre Kraft, die uns Schatten endlich wieder Substanz zurückgibt“, antwortete er mit glänzenden Augen. „Wir werden unsterblich sein – halb Licht, halb Schatten.“ Ein weiterer, brutaler Schwerthieb schlitzte sein Gesicht auf, doch er bewegte sich immer noch nicht. „Nein, Herr der Zeit – das hat keinen Zweck, und ist auch nicht notwendig. Du wirst bald denselben Status erreichen wie ich… und deine königliche Freundin…“ Diesmal machte er einen Schritt zur Seite, dunkle Qualmwolken quollen aus dem Boden und verzogen sich – und offenbarten eine Gestalt, die apathisch in schwarzen Schlieren wie an Schnüren in der Luft hing und ihm aus leeren Augen entgegenstarrte.
Zelda.
Link schrie auf.
Wie geschunden sie aussah. Link konnte eine Wunde an ihrer Stirn erkennen, dort, wo normalerweise das edle Goldgeschmeide auf ihrer Stirn sitzen sollte. Ihr Kleid war noch zerrissener, als es gewesen war, als er sie das letzte Mal gesehen hatte. Überall an ihrem Körper schien sie Verletzungen zu haben, Schnittwunden und Prellungen, als sei sie vollkommen kopflos einfach nur auf der Flucht gewesen -- auf der Flucht vor ihrem eigenen Untergang.
Das Schlimmste aber waren ihre Augen. Sie schienen alle Farbe verloren zu haben und die Pupille war riesig groß. Sie schien nichts mehr um sich wahrzunehmen und wehrte sich dementsprechend nicht, als der Schattenherr ihr sanft ans Kinn fasste und in ihr Gesicht sah.
„Oh so rein… so klar… und so willensstark“, flüsterte er, fast wie ein Liebhaber zu seiner Angebeteten. „Sie wehrt sich immer noch, die Kleine…“
„Nein“, hauchte Link fassungslos. „Nein. Nein, nein. Das hast du nicht getan. Sag mir, dass du das nicht getan hast.“
„Es war notwendig, mein Freund“, seufzte der Schattenherr entschuldigend.
„Das hast du nicht getan.“
„Man könnte meinen, ich hätte sie umgebracht.“ Er schüttelte den Kopf, seine schwarzen Haare wehten dabei sacht, obwohl kein Wind wehte. „Keine Sorge, ich bin kein Monster… ihr Beide werdet wie ich als Schattenmenschen weiterleben können. Auf ewig… ist es denn so schlimm, was ich getan habe?“
„Das… hast… du… nicht… getan!“ Das letzte Wort schrie Link hinaus, Tränen in den Augen – er kannte keine Zurückhaltung mehr, brüllend stürmte er auf seinen Gegner los, ohne ansatzweise an seine Deckung zu denken oder sich eine Kampfstrategie einfallen zu lassen, er rannte einfach nur los.
Und brüllte vor Zorn und Frustration auf, als der Schattenherr nur müde eine Hand hob und Links Kräfte ihn schlagartig einfach verließen. Seine Knie gaben nach, seine Hände konnten weder Schwert noch Schild länger halten, er stürzte einfach ungelenk zu Boden, vor die Füße seines Gegners und war unfähig, sich zu erheben.
„Wie oft denn noch? Es hat keinen Sinn – alleine schon dadurch, dass du von einem Schatten verletzt wurdest, habe ich Macht über dich…“ Er seufzte, zuckte mit seiner Hand und Link sah sich brutal von einer unsichtbaren Faust in die Höhe gerissen und auf Augenhöhe des Schattenherrn gezerrt.
„So viel Hass in dir…“
„Verrecke“, zischte Link nur kalt und spuckte seinem Gegner wütend ins Gesicht. „Verschwinde. Lass sie gehen und wage es nicht…“ Ein weiterer Ruck und der Held der Zeit wurde meterweit rückwärts gegen eine Zinne des Turmes geschleudert, fiel zu Boden und schnappte mühsam nach Luft, während er sich aufzurappeln versuchte.
„Oh Link…“ Die Spucke in seinem Gesicht verdampfte wie Wasser auf einem glühenden Stein. „Wo viel Licht ist, ist auch viel Schatten. Du hast keine Chance.“

Impa konnte gerade noch nach Atax' Hosenbund greifen, als der einen Fehltritt tat und beinahe vornüber in die Dunkelheit gefallen wäre.
"Ihr schuldet mir was, Lehrmeister", sagte sie, eine ihrer Klingen zwischen die Zähne geklemmt, um mit der anderen Hand einen Bannkreis in die Luft zu zeichnen. Ihre Finger, von violetten Funken umsprüht, zerschnitten die Luft. Nur ein temporärer Schutz gegen dieses wahre Heer der Schattensoldaten, aber genug, um kurz zu Atem zu kommen und sich weiter zu kämpfen, weitder den Steg entlang, zu der Plattform, auf der klein und unscheinbar das Amulett der Schatten lag. Noch immer so furchtbar weit entfernt...
"So geht das nicht", sagte Impa und schloss ihren Zauber ab, und sie hechteten weiter, bis dahin, wo der Bannkreis aufhörte. "Wir brauchen eine andere Taktik!"
Atax schlug einen Schatten beiseite, der soeben von unten auf den Steg gekrochen war und nun ohne einen Ton in die Leere stürzte, und stellte sich breitbeinig zwischen die wütend zischenden Schatten und Impa. „Taktik hat keinen Zweck bei Gegnern, die nicht sterben können!“, knirschte er, wies dann aber Impa mit einer Hand, alleine weiter zu gehen. „Egal, Ihr lauft so schnell wie möglich zum Amulett und zerstört es – ich bleibe hier und halte die Soldaten auf! Die Zeit drängt!“, fügte er mit einem hastigen Blick über die Schulter hinzu. „Macht Euch keine Sorgen, mir kann nichts passieren, schließlich bin ich ihresgleichen!“
Impa wollte noch fragen, wie sie das Amulett überhaupt zerstören konnte, aber Atax hatte sich schon in den Kampf gestürzt wie ein Besessener.
Impa betete zu den drei Göttinnen und den Weisen, dass sie ihr beistünden, und hastete dann vor. Sie schlug links und rechts flüchtig nach ihren Gegnern, ohne sie niederzustrecken, wohl aber an ihnen vorbeizukommen.
Den Blick hatte sie stetig auf die Plattform gerichtet.
Als sie sie erreichte, fror sie trotz der körperlichen Anstrengung. Nichts weiter als eine kreisrunde Plattform, auf der ein schlichter Steinsockel war, auf dem, kaum handflächengroß, ein schwarzes Medaillon lag. Es hatte einen roten Stein in der Mitte eingefasst und als Impa nach dem Kleinod griff, zerbröselte das Bändchen, das um eine Schlaufe gebunden gewesen war.
Sie spürte die dunkle Aura, die von dem Amulett ausging.
„Tu es!“, drang die verführerische Stimme daraus hervor. Langsam dämmerte ihr, was für ein Wissen sie haben könnte, wenn sie es tun würde. Doch in Wirklichkeit wäre sie...

Mit einem Schrei riss Impa sich von all den Gedanken los und unterbrach die leise, flüsternde Stimme in ihrem Kopf.
Mit einem von Hass und verlorener Selbstkontrolle verzerrten Gesicht packte sie die längere ihrer beiden Klingen, umschloss den Griff kräftig mit beiden Händen und violette Funken hinterlassen sauste die Klinge auf den blutroten Stein des Medaillons hinab.
Impa wurde zurückgeschleudert und blieb gefährlich am Rande zum Abgrund auf der Plattform liegen. Ihr Messer lag mit gebrochener Klinge neben ihr.
Sie kam wieder auf die Füße, trat zögerlich, fast ängstlich auf den Steinsockel zu.
Der Stein des Medaillons war gebrochen.

Nicht weit entfernt, doch auf einer völlig anderen Ebene der Existenz, riss der Schattenherr erschrocken seine farblosen Augen auf.

Im selben Moment wichen die Schatten mit einem fast ängstlichen Kreischen zurück, selbst diejenigen, die soeben in Impas Nähe auf die Plattform geklettert waren, zuckten, als hätte sie jemand geschlagen - und dann rasten sie alle davon, in alle Himmelsrichtungen, stürzten sich in die unendliche Tiefe, kletterten über den Steg davon und waren binnen Sekunden spurlos verschwunden. Nur Atax blieb zurück, auf seinen Stab gestützt, verschwommen, und wieder mit diesem unendlich müden Gesichtsausdruck.
„Gut gemacht. Damit haben sie nicht gerechnet“, nickte er nach einer langen Pause. „Nun sind sie nicht länger an das Amulett gebunden.“ Er blickte nach oben in die unendliche Schwärze. „Wenn jetzt noch ihre Lichtquelle auf der Oberwelt erlischt, dann kehren sie alle wieder zurück, woher sie gekommen sind. Auch der Schattenherr.“
"Er-... lischt?", wiederholte Impa schwach. "Was soll das bedeuten?"
Atax streckte eine Hand aus, das gebrochene Medaillon stieg sanft von dem Sockel und schwebte in seine Hand. Der rote Stein in der Mitte war geborsten, schwarz und stumpf geworden wie die Schatten selbst. „Ich dachte, das wäre Euch klar… um die Schatten zu vertreiben, darf ihre Kraftquelle nicht länger weiterexistieren. Sie muss erlöschen wie dieses Irrlicht aus der Tiefe.“ Er bewegte die Hand zur Seite und ließ das Artefakt in die Tiefe fallen. „Und das möglichst schnell, bevor sie selbst ein Schatten wird, damit den teuflischen Kreislauf in Gang setzt und die Schatten auch auf der Oberwelt unsterblich werden.“ Er legte eine Hand auf Impas Schulter. „Es tut mir leid.“
"Ich muss zurück", stieß Impa hervor. Sie wandte sich um und lief davon, blieb aber stehen, als sie merkte, dass er ihr nicht folgte. "Was ist? Wir dürfen keine zeit verlieren!"
"Ich bleibe hier, Kriegerin"; sagte er matt. "Geht nur zurück ins Helle, solang Ihr noch könnt."
"Aber..." Impa verkrampfte ihre Hand um die ihr noch gebliebene Klinge. Atax war ein Schatten. Zwar noch einer mit Erinnerung und etwas wie einem Körper -- aber ein Schatten. Im hellen konnte er nicht überleben. "Lebt... wohl, Atax", sagte Impa dann. "Und danke."
Atax lächelte müde. "Es war Zeit, dass jemand meinem Schüler seine Grenzen zeigt", sagte er. "Geht."
Impa nickte ihm noch ein letztes Mal zu, dann drehte sie sich um verschwand in der Dunkelheit.

„Das war nicht dumm.“ Das Gesicht des Schattenherrn war auf einmal wie versteinert, jegliches Lächeln war daraus verschwunden, alle Überheblichkeit wie weggewischt. „Ich hätte damit rechnen sollen, dass die Shiekah die Schattenebene aufsuchen kann… wie ungeschickt von mir.“
Link verstand nicht wirklich, was sein Gegner damit sagen wollte und zog sich nur mühsam an einer Burgzinne auf die Beine - mit dem rechten Arm, denn sein linker war nun völlig taub geworden.
Sein Schwert und sein Schild lagen meterweit von ihm entfernt, Zelda hing regungslos in ihrem Netz aus Schatten und Link selbst war kaum noch in der Lage, aufrecht zu stehen - selbst das Atmen schmerzte ihn. Er hatte noch ein paar Lichtpfeile, aber er bezweifelte, dass ihm das noch viel helfen würde. Er streckte einen Arm aus und wankte einen Schritt in ihre Richtung - wurde aber wieder von unsichtbarer Hand in die Höhe gerissen, durch die Luft geschleudert und wuchtig auf den Boden geknallt. Link verkrampfte sich, hustete - und hinterließ dabei rote Sprenkel auf dem Boden.
Der Schattenherr ließ die Hand sinken. „Nein, Link. Ich gehe kein Risiko mehr ein - bis die Prinzessin vollständig zu meinesgleichen geworden ist, kann ich dich nicht in meine Nähe lassen. Ich habe zulange gewartet, um auch nur das kleinste Risiko einzugehen. Jetzt, wo jemand das Amulett zerschlagen hat…“
Das war Link neu, überrascht hob er den Kopf. Bestand etwa doch noch Hoffnung...? „Zelda…“, keuchte er mühsam und versuchte sich aufzurappeln - nur um wieder rückwärts gegen die Zinnen geschmettert zu werden. „Zelda“, wiederholte er mit letzter Kraft, schon kaum mehr in der Lage, bei Bewusstsein zu bleiben. „Zelda, bitte… falls Ihr mich hört… versucht, Euch zu befreien…“

Zelda saß in der Schwärze, in die der Schattenherr sie gezerrt hatte. Sie hatte die Beine nah zum Körper gezogen und die Arme um die Knie geschlungen, um sich so klein zu machen, wie sie nur konnte. Um sie herum hielt sie einen winzig kleinen, hellen Lichtkreis aufrecht, aber sie wusste, dass es nutzlos war. Er hatte sie eingenommen, und sie fühlte, dass seine Schatten in ihren Kopf drangen. Bald würde sie in der Dunkelheit ertrinken wie ein Schiffbrüchiger auf dem Meer.
Sie hob den Kopf, als ihre empfindlichen Ohren etwas wahrnahmen; nur die Erinnerung an eine Stimme und ein Wort, das ihr bekannt vorkam...
Ihr Name.
Jemand ruft nach mir... Ohne zu glauben, dass es Hoffnung gab, richtete sie sich langsam auf. Die Schatten griffen nach ihren Knöcheln und ihrem Haar, aber sie schlug sie von sich. Da war jemand... oder etwas...
"Zelda..."
"Wer ist da?", flüsterte sie und sah sich um. "Wer ruft nach mir?" Nichts, nur von weit, weit entfernt, leise und verzerrt, diese Stimme, die ihren Namen rief. Zelda nahm all ihren Mut zusammen und fing an zu laufen, in die Dunkelheit hinein. Sie konnte sowieso nichts verlieren.
"Zelda!"
Die Stimme kam immer näher. Zelda raffte ihren zerissenen, dreckigen Rock zusammen und dann -- öffnete sie die Augen.
Die Welt um sie herum schien so traurig, als wolle sie weinen. Schatten tanzten vor ihrem Blick, aber dennoch konnte sie erkennen, wo sie war und was um sie herum passierte.
Und sie sah den jungen Mann, der, ein Stückweit von ihr entfernt, auf dem Boden kauerte, offenbar zu schwach, um wieder auf die Füße zu kommen.
Zelda kannte ihn. Ihre Lippen wollten seinen Namen sagen, aber er fiel ihr nicht ein... Er fiel ihr nicht ein, sie hatte ihn vergessen. Tränen kämpften sich in ihren leeren, blicklosen Augen nach oben.
Und Link sah es.
Sie war noch da - irgendwo hinter diesen leeren Augen war sie noch, die Prinzessin, seine Prinzessin Zelda… und noch war sie kein Schatten, wie diese Bestie mit dem Gesicht eines sechzehnjährigen Jungen. Schatten weinten nicht, da war er sich sicher. Link fühlte, wie ihm selbst Tränen in die Augen stiegen, aber es waren eher Tränen der Erleichterung, eine heiße Woge der Hoffnung auf ein gutes Ende durchflutete ihn - und er fühlte auf merkwürdige Weise auch, wie seine Kraft zurückkehrte, sogar in seinen linken Arm.
Egal, wie gering die Chancen waren - er würde weiterkämpfen.
„Du lernst es wohl überhaupt nicht, oder?“ Der Schattenherr streckte mit einer diesmal fast wütenden Geste seine Hand aus und zuckte mit den Fingern - und riss erschrocken die Augen auf, als Link stehen blieb und weder zu Boden geschlagen, noch über die Zinnen hinweggeschleudert wurde. „Was..? Aber du bist doch schon beinahe…“
Link wischte sich einen Faden Blut vom Mundwinkel. „Aber eben noch nicht ganz - Schatten!“ Und obwohl jeder Zentimeter seines Körpers schmerze, griff er rasch nach seinem Bogen, zückte noch in derselben Bewegung einen Pfeil und schoss einen Lichtpfeil auf seinen Gegner ab, ohne dass dieser Zeit hatte, zu reagieren.
Es war ein Volltreffer - das gleißend helle Geschoss traf den Schattenherrn mit voller Wucht in der Kehle, ein peitschender Knall ertönte und der Junge stolperte mit einem entsetzten Gesichtsausdruck rückwärts, einem Ausdruck, als empfände er zum ersten Mal in seinem Leben Schmerz. Keuchend wankte er zurück, den immer noch weiß glühenden Pfeil im Hals stecken, Licht floss wie Blut aus der Wunde und versprühte helle Funken, krächzend fiel der Schattenherr auf die Knie und packte das Geschoss mit beiden Händen, schaffte es aber offensichtlich nicht, es herauszuziehen.
„Zelda!“ stieß Link atemlos hervor und stolperte los, fiel beinahe, rappelte sich auf und stürzte auf seine Prinzessin zu, wühlte sich durch zähe Schlieren von Dunkelheit und griff mühsam nach ihrer Hand. „Bitte! Sagt, dass ihr noch da seid! Ich bin es, Link, Euer Beschützer! Redet mit mir!“ Er versuchte, ihren Blick zu erhaschen, der so trüb und leer schien. „Prinzessin! Zelda, ich brauche Eure Hilfe!“ Er hielt kurz inne und seine Stimme wurde sehr leise. „Ich bin es doch… Link… ich weiß nicht, ob ich Euch je wirklich eine Hilfe war in den letzten Tagen, aber ich… brauche Euch“
Ihr Kopf rollte etwas zur Seite, als könne sie ihn nicht halten. Goldene Haarsträhnen, die so sehr verblasst zu sein schienen in den letzten Augenblicken, fielen sacht über ihre Schultern. Sie starrte Link aus ihren blicklosen Augen an und Tränen tropften von ihren Wimpern. "Link..." Er konnte spüren, dass ihre Finger, die er umklammert hielt, leicht zuckten. "Ich kenne.. dein Gesicht..."
„Ich bin es, dein Link!“ In diesem Augenblick vergaß er die höfliche Anrede und alle Regeln, wie man einer Prinzessin gegenüberzutreten hatte, er griff nur sanft nach ihrem Gesicht und wandte es dem seinen zu. "Ich bin Link, du bist Zelda. Die Königin von Hyrule!“ Kurz warf er einen nervösen Blick über seine Schulter auf den Schattenherrn, der eben mit einer wütenden Bewegung den Pfeil abknickte und vom Turm schleuderte, doch dann widmete er sich wieder der Hylianerin. „Bitte, Zelda, du musst mir sagen, was ich tun soll…ich schaffe es nicht alleine. Diesmal nicht.“ Er wusste nicht, ob seine Worte wirklich zu ihr durchdrangen, er konnte es nur hoffen, mit jeder Faser seines Selbst. „Bitte, bleib bei mir!“
Tränen tropften nur weiter über ihr blasses Gesicht und für den Hauch eines AUgenblickes glaubte Link, ihre Augen kurz mit Farbe aufblitzen zu sehen, aber da war es schon wieder vorbei. Dennoch schien sie aus ihrer lethargie zu erwachen, sie löste sich aus den Schatten, die sie hielten und fiel leicht gegen Links Körper. Sie traf auf eine seiner offensichtlich gebrochenen Rippen, aber es schmerzte nicht. Sie wog nichts, war leicht wie eine Feder. Als wäre ihr Körper... nur noch ein substanzloser Schatten. Dennoch hatte sie Materie, Link konnte sie festhalten und stützen.
Zelda legte ihr Gesicht sanft an seine Brust und sah lächelnd ins Nichts. "Töte mich, Geliebter..."
Die Welt löste sich auf, versank, zerfiel, riss Link in einen Strudel aus Verzweiflung und Schmerz. Alles, was er sich in seinem Leben je gewünscht hatte, wofür er gekämpft hatte und für das er gestorben wäre, erfüllte und zerstörte sich in ein und demselben Augenblick.
Töte mich, Geliebter…
War seine heimliche, unterdrückte Liebe zu der Prinzessin etwa die ganze Zeit erwidert worden? Es war unmöglich, absurd, ja völlig unlogisch - sie war nun die Königin von Hyrule und er nur ein Feenjunge aus dem Wald… aber sie hatte es gesagt. Eindeutig.
Töte mich, Geliebter…
Aber das konnte er nicht tun - der Schatten musste ihre Sinne vernebeln, das war die einzige Erklärung dafür. Er ließ sie Dinge sagen, die sie nicht sagen wollte… es musste so sein, denn töten konnte Link sie nicht. Ausgeschlossen, dass er sein Schwert gegen sie erheben sollte, gegen sie, seine Prinzessin Zelda.
Es ist die einzige Möglichkeit, sie wirklich zu retten, wisperte dennoch eine Stimme in seinem Hinterkopf. Der Schattenherr sagte ja selbst, dass er ihr Licht bräuchte… es wäre die einzige Möglichkeit, sie ihm zu entziehen.
Töte mich, Geliebter…
Nein - das kann ich nicht.
Im selben Moment packte ihn etwas Eiskaltes am Kragen und riss ihn von ihr weg, schleuderte ihn zu Boden und ließ ihn vor Schmerz aufkeuchen. Der Schattenherr schien sich wieder erholt zu haben und obwohl immer noch ein sanft schimmerndes, abgesplittertes Stück des Pfeils aus seinem Hals ragte, schien er quicklebendig.
Und wahnsinnig.
„Das war reiner Schmerz, mein Freund!“, zischte er mit fiebrig glimmenden Augen und wirkte dabei um einiges lebendiger als Zelda, nach der die Dunkelheit wieder geschnappt und sie zu sich zurück gezogen hatte. „Das war großartig… ein Vorgeschmack auf die Freuden des menschlichen Daseins, die mir bevorstehen! Oh, wie ich das Leben hier vermisst habe…“ Er griff zu, doch dieses Mal war Link schneller als er, rollte sich trotz seiner gebrochenen Rippen zur Seite, stand in einer fließenden Bewegung auf und kaum stand er auf seinen Beinen hatte er bereits einen weiteren Pfeil auf die Sehne gelegt und geschossen - diesmal traf er den Schattenherrn in den Bauch.
Mit einem schmerzerfüllten Aufschrei und einem grellen Lichtblitz ging dieser zu Boden, eine Gelegenheit für Link, sich vorwärts in Richtung seines Schwertes zu werfen. Er schnappte nach dem Griff, sprang auf und hechtete zu der Prinzessin, mit hoch erhobenem Schwert - und zögerte.
„Das wagst du nicht!“, zischte der Schattenherr hinter ihm, offenbar bemüht auf die Beine zu kommen, doch der gesegnete Pfeil hinderte ihn daran. Noch. „Das würdest du nicht tun - deine kleine Prinzessin einfach so umzubringen, niemals…“
Die Schwertspitze sank langsam nieder - der Schattenherr hatte Recht. Das konnte er nicht tun.
„Siehst du? Du liebst sie, nicht wahr?“ Keuchend zog sich Links Gegner mit den Armen vorwärts und zog sich mühsam an einer Zinne in die Höhe. „Willst du wirklich das ewige Leben und das Leben deines Mädchens geben, nur um mich zu bezwingen?“
Link ließ den Kopf hängen. Es war unmöglich - er konnte sie nicht töten, so hilflos wie sie vor ihm hing… zart und fast durchsichtig wie eine Elfe. Nicht sie. Nicht Zelda.
Hinter ihm lachte der Schattenherr, wenn auch gequält. „Genau das ist es, was euch so berechenbar macht… vielleicht würdest du dich für sie ohne zu zögern opfern. Aber töten kannst du sie nicht.“ Mit einer ruckartigen Handbewegung riss er den Pfeil heraus und ließ ihn fallen. Link fasste seinen Schwertgriff fester und kniff seine Augen zusammen, ohne die Tränen zurückhalten zu können. „Ich wusste es, mein Freund. Du kannst sie nicht töten, weil du sie liebst…“

Link ließ die Schultern hängen, doch dann riss er sein Schwert in die Höhe, einen mörderischen Ausdruck im Gesicht. „Nein. Ich kann sie töten. Eben weil ich sie liebe.“
Damit stieß er zu.
Zeldas Körper war nicht der Hauch eines Widerstandes gegen seine Klinge. Das Kurzschwert, das schon so viele Monster in den letzten Jahren in die Hölle geschickt hatte, steckte bis zum Heft in Zeldas Brust. Link hielt die Augen fest geschlossen, als er es mit einem Ruck wieder aus ihr herauszog. Hätte er sie angesehen, hätte er vielleicht gesehen, wie sie die Augen schloss und lächelte.
Zeldas Körper fiel schwer zu Boden und Farbe kehrte in diese Welt zurück. Blut färbte ihr weißes Kleid rot, rot. Weiß war ihre Haut, wie Porzellan, ihr Haar wie Gold und ihr Blut wie ein Rubin.
Sie war tot.
Link sah nicht, wie sie zu Boden fiel, sah nicht, wie ihr Gefängnis wie ein Windhauch verging. Er sah nicht einmal, wie der Schattenherr völlig entsetzt und erschrocken eine Hand nach ihm ausstreckte - und in der nächsten Sekunde wie eine schwarze Sandwolke weggeweht wurde und sich in Luft auflöste, ohne ein Geräusch von sich zu geben.
Link sah gar nichts mehr, seine Beine gaben nach, sein Schwert entglitt seinen Fingern und er fiel neben der Prinzessin zu Boden.
Er blieb auf dem Rücken liegen, mit offenen Augen gen Himmel starrend, ohne etwas wahrzunehmen, ohne seine Verletzungen zu spüren. Blind griff er nach Zeldas kalter Hand und hielt sie fest.
Weder weinte er, noch gab er einen Ton von sich, als hätte er mit der Prinzessin auch sich selbst getötet, er blickte einfach nur starr in den Himmel, der sich langsam wieder blau färbte. Ein wolkenloser Himmel, strahlend blau wie die Augen seiner Prinzessin gewesen waren.
Link hielt ihre Hand, ließ sie nicht los.
Langsam zeigte sich die Sonne wieder, schien hell und klar auf den Turm des Schlosses - die Schatten waren vergangen, alle Gefahr vertrieben.
Irgendwo zwitscherte ein Vogel.


Epilog

Tage waren vergangen, Wochen, irgendwann Monate. Hyrule lebte - irgendwie. Das Land hatte die Schatten gut überlebt, zweifellos besser als seine Bewohner. Der Verlust um den König und kurz darauf das Opfer der Prinzessin war nur sehr schwer zu verkraften, für jeden.
Doch niemand litt so sehr darunter wie der Herr der Zeit.
Man hatte Zelda öffentlich zu Grabe getragen, damit jeder Bürger die Möglichkeit hatte, sie zu verabschieden. Link war bei der Bestattung nicht dabei gewesen. Er hatte die Totenwache alleine gehalten. Ihre Hand in seiner, Triforcefragment bei Triforcefragment.
Nachdem sie für immer unter der Erde war, war er fortgeritten und lange nicht wiedergekommen. Irgendwann hatte Impa, die sich mit der Pflege des Grabes der Königin beauftragt hatte, ihn bei Sonnenuntergang an ihrem Grabe gesehen. Er saß bei ihr, eine Hand auf dem Sockel, auf dem ihre Statue stand und mit leeren Augen, stolz und schön, in Richtung Sonnenaufgang sah.
Impa war zu ihm getreten, hatte ein paar Blumen auf das Grab der Königin gelegt und eine Kerze entzündet. Sie hatte Link nicht anschaut, denn sie wusste, er wollte nicht, dass sie ihn weinen sähe.

von FoWo und Ulyaoth


The Legend of Zelda: Breath of the Wild - Creating a Champion - Hero's Edition








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