Autor: Kim
Die ganze Offenbarung
Jahre später…
In der kleinen Seitenstraße in einem idyllischen Vorort war es friedlich und vollkommen still. Keine lärmenden Autos fuhren zu so später Stunde hier vorbei. Keine betrunkenen Leute waren mehr unterwegs. Ja selbst die Katzen huschten nicht durchs Untergestrüpp. Kein Hund jaulte.
Alles schlief tief und fest. Kein Licht brannte mehr, lediglich vereinzelte Straßenlampen, deren Licht jedoch so schwach war, dass sie kaum einen Lichtfleck erzeugten. Selbst die Sterne schienen heute Nacht im Dunkeln zu schlummern. Der Mond war gar nicht auszumachen. Denn es war Schwarzmond, die Nacht, in der der Mond vollkommen vom Schatten der Erde verschluckt wurde.
Alles schlief?
Nein, nicht ganz.
Das Haus Nr. 13 lag so friedlich da wie alle anderen auch. Es war ein kleines und bescheidenes Haus, jedoch von prächtiger Schlichtheit, die den Wohlstand der darin lebenden kleinen Familie verriet. Ein feiner Vorgarten säumte den Pflasterweg zur Tür. Es waren weiße Lilien, die dort wuchsen.
Im ersten Stock waren die Schlafräume. Auch aus diesen Fenstern starrte die warme Finsternis. Vollkommen wie in den Nachbarhäusern.
Doch in dem Schlafzimmer ganz links lag da noch jemand wach.
Ein Bild leuchtete da sachte vor sich hin. Es hing über dem Bett. Der Goldschimmer war es, der den Sternenhimmel darstellte. Es war ein wunderbares Bild von einem Phönix und einem Paar, das sich aufmachte, gemeinsam in die Lüfte zu steigen…
Kimball AlMurrat, ein attraktiver und charmanter Mann von neunundzwanzig Jahren, lag noch immer wach. Obwohl die leicht leuchtenden Zeiger des Weckers auf dem Nachttisch bereits Mitternacht überschritten hatten.
Mit einem Lächeln schlang er die Arme noch enger um die schlafende Schönheit neben ihm. Nun waren sie immerhin bereits seit neun Jahren verheiratet und Lin – inzwischen AlMurrat – war immer noch so erotisch wie am Tag ihrer ersten Begegnung. Schon damals hatte er gewusst, dass er nur sie wollte und dass er sie bekam. Und seine Gier nach allem was sie war, was sie ausmachte, hatte in den Jahren nichts an Intensität verloren.
Und ihre Leidenschaft, die ihm so imponierte, auch nicht.
Er spürte ihren glühendheißen Bauch und musste so unverschämt grinsen, wie nur er es konnte.
Lin wusste es noch nicht, aber gerade eben, vor wenigen Stunden, hatte er sie erneut geschwängert. Dieses Mal waren es gar Zwillinge. Zwei Jungen. Eineiig.
*Ricka-chan, hier hast du deine Zwillinge ^o^*
Liebevoll strich er ihr eine zerzauste blonde Strähne aus dem Gesicht. Er sollte doch ein wenig schlafen. Er musste morgen, nein schon heute, bald zur Arbeit.
Er war Professor für Philosophie an der kommunalen Universität. Sehr zum Bedauern Herrn Liebgrafs, der ihn eigentlich gern als Nachfolger seines Vaters gesehen hätte.
Gerade wollte er unbekümmert einschlafen –
Als da jäh ein glühendes weißes Licht durch das Haus schoss und es so stark erleuchtete, dass er die Augen schließen musste, weil es ihn blendete. Ebenso schnell wie es erschienen war erlosch es. Doch ein weiches leichtes Licht von gedämpftem Blauton schlang sich unter dem Türspalt ins Zimmer.
Seufzend schüttelte er den Kopf. Beunruhigt war er jedoch nicht, eher war ihm zum Lachen zu mute über diese kleine Nervensäge.
Von diesem Lichtschwall hätte seine Frau Lin aufwachen können – wenn nicht gar müssen – und mit ihr die gesamte Nachbarschaft. Aber das konnte sie nicht, und die Nachbarn schon gar nicht. Dafür war der Schlafzauber, den er dem ganzen Vorort auferlegt hatte zu stark. Er küsste die Frau an seiner Seite zärtlich auf den Mund. Lin bewegte sich leicht und drehte sich auf den Rücken.
Dann schälte er sich aus dem Bett. Am Boden lagen ihre Klamotten verstreut und es dauerte etwas bis er seine Shorts fand und sie sich überzog. Gähnend verließ er das Zimmer. Am anderen Ende des Flures im ersten Stock lag das Zimmer der Quelle dieses Lichtes. Er rieb sich die leichte Schlaftrunkenheit aus den Augen und öffnete die Tür.
Das leichte blaue Licht strömte ihm entgegen. Es ging von den schwebenden kleinen Kugeln aus, die wie leuchtende Seifenblasen aussahen und durch ihre leichten Bewegungen ein wunderbares Lichtspiel veranstalteten.
Es war ein großzügiges Kinderzimmer, gemütlich eingerichtet und mit Kuscheltieren ausgefüllt.
In dem Himmelbett in der Ecke, aus der Decke, lugte ihm ein kleines Gesicht entgegen.
Zuckersüß und unschuldig grinsend.
Er schloss leise die Tür hinter sich. „Ach Riha, Schatz! Muss ich dich denn jede Nacht ermahnen?“
Das kleine sechsjährige Mädchen setzte sich auf. „Ich kann nicht schlafen, Papa.“
Erneut seufzend setzte er sich auf den Bettrand und streichelte seiner Tochter über die Wange. „Wenn du so weiter machst wirst du Mama noch wecken.“, sagte er in gespielt tadelnden Ton. Rabea AlMurrat, von allen Riha gerufen, krabbelte aus dem Bett zu ihm auf den Schoss. Er legte die Arme um sie und wiegte sie leicht.
„Deine Magie ist doch stark genug.“, erwiderte sie trotzig und spielte mit seinen Fingern.
„Schon, aber wenn du weiter so unvorsichtig bist, dann kann es passieren, dass Mama dich mal beim Spielen mit deiner Magie erwischt und das wollen wir doch nicht! Sonst denkt sie noch sie hat einen Allien geheiratet.“
Sie brachen beide in ein heiteres Gelächter aus.
Dann fiel der kleinen Riha etwas ein und sie begann ganz aufgeregt zu erzählen. „Weißt du was? Gestern hat Mama mir gesagt, solange mein Zimmer nicht aufgeräumt ist, darf ich nicht rausgehen und dann hat sie die Tür zugemacht und ist gegangen. Und weißt du was ich gemacht habe?“
Er gab ihr einen leichten Picks gegen die Nase. „Nein, aber das verrätst du mir gleich.“
Riha kicherte und schob seine Hand weg. Sie sah ihn voller Eigenstolz in die Augen. „Ich habe meine Magie freigesetzt und das Zimmer war in 0,nichts aufgeräumt, ich hab sogar das Fenster und den Fußboden reinegemacht! Und dann hab ich ihr hinterher gerufen, dass ich fertig bin. Sie war nicht einmal die Treppe ganz runter gelaufen. Sie ist ganz schnell wieder nach oben gekommen, weil sie mir nicht geglaubt hat. Und dann ist sie fast von den Füßen gefallen als sie mein Zimmer gesehen hat! Das war lustig!“
Erneut mussten sie beide lachen.
„So was tust du deiner armen Mutter also an, wenn ich nicht zu Hause bin.“, sagte er und kitzelte sie.
„Ich finde das blöd!“, meinte Riha schließlich. „Dass ich meine Magie verstecken muss. Warum darf ich sie nicht einsetzten? Nur immer wenn niemand zukuckt. Das ist doch langweilig!“
Jetzt wurde er ganz ernst. „Ich weiß, aber so ist es nun mal! Riha! Ich warne dich, sollte ich jemals von jemandem hören, dass irgendwo wo du bist seltsame Dinge vorgehen, dann werde ich dir so viel Hausarrest geben, dass du dieses Haus erst als alte Frau wieder verlässt. Hast du mich verstanden?“
Schuldbewusst nickte sie.
„So jetzt wird aber geschlafen. In ein paar Stunden fängt die Schule an!“
„Bäääääääääääääh“, gab sie mürrisch von sich.
Leise lachend legte er sie zurück ins Bett und deckte sie zu. Dann gab er ihr einen Gute-Nacht-Kuss. „Schlaf schön!“, flüsterte er ihr ins Ohr.
„Du auch!“, flüsterte seine kleine Tochter und gab ihm den Kuss aufs Ohr.
Mit einem sanftmütigen Lächeln legte er ihr die Hand auf die Augen, weil er wusste, dass sie sonst keine Ruhe gab. „Schlaf“, sprach er.
Augenblicklich war das kleine Mädchen eingeschlafen.
Erleichtert seufzte er. Jetzt war endlich Ruhe.
Gerade erhob er sich und wollte die Lichter mit einer Handbewegung löschen, als er eine Stimme hörte.
„Meine Gebieterinnen hätten nie gedacht, dass Ihr Euch so herablasst!“
Er sah sich um. Unter den blauen Lichtern war ein anderes blaues Licht. Eins, das heller strahlte als die anderen.
Die winzige Kugel wuchs und formte sich. Mit einer fließenden Bewegung erschien ein junges Mädchen.
Vor ihm stand ein jugendliches Mädchen mit hellblauen gewellten Haaren und in einem weißen Gewand mit einer goldenen Scherbe. An einer Kette um ihren Hals hing ein goldener Anhänger. Ein Triforce.
„Was fällt dir ein?“, entgegnete er kalt. „Willst du mich mit deiner Anwesenheit beleidigen, niedere Fee?“
Navi verbeugte sich tief und ehrfürchtig vor ihm. „Verzeiht Herr, aber ich bin keine Fee mehr. Die Gnade der heiligen drei Göttinnen war es, die mich zu einer ihrer Botinnen werden ließ.“
Er verschränkte verachtend die Arme vor der Brust. „Was zu dieser Zeit nun alles Götterbote werden darf. Beschämend!“
Erneut verbeugte sich Navi förmlich, doch dieses Mal hatte sie ein hinterhältiges Lächeln auf dem Gesicht. „Entschuldigt, dass ich Euren Anforderungen nicht genüge und so unwürdig bin vor Euch zu treten, jedoch haben meine Gebieterinnen mich entsannt Euch dies hier zurückzugeben, Kimball AlMurrat. Oder sollte ich Euch gleich Majora nennen? Oder warum nicht bei Eurem wahren Namen? Gottheit des Urbösen!“
Mit diesen Worten streckte sie ihm den Gegenstand entgegen.
Er nahm es entgegen. Majoras Maske.
Mit den Fingerspitzen strich er über die bunte Maske mit den großen gelben Mandelaugen. Die Maske, die aus dem Rückenpanzer seines göttlichen Körpers geschnitzt worden war. Er fühlte die gewaltige Macht in ihr, die jedoch mit der Macht, die er behalten hatte, nicht zu vergleichen war.
Er lachte leise. „Dann haben Din, Nayru und Farore mich also erkannt.“
Ein weiteres Mal, dieses Mal besonders übertrieben, verbeugte sich Navi. „Verzeiht, jedoch möchte ich, eine bedeutungslose Lebensform, erwähnen, dass ich es war, die Euch durchschaute. Ich wunderte mich, als Ihr damals, in der alten Geschichte, die Zitadelle der Zeit im neuen Zeitalter betreten konntet. Das konnte nur bedeuten, dass Ihr über den Göttinnen steht, da Ihr an ihre Gesetze nicht gebunden seid. Durch mein früheres Feendasein war mir das Wissen gegeben wie ich die Göttinnen kontaktieren konnte und so berichtete ich ihnen von Euch. Es war ihnen sofort gewiss, dass nur Ihr es sein konntet. Der alte Krieg zwischen dem Helden der Zeit und dem König der Wüste, es war alles ein großer Putsch! Meine Gebieterinnen lassen Euch ehrerbietig fragen, weshalb Ihr Euren eigenen Tod vorgetäuscht und den Körper des Menschen namens Majora übernommen habt.“
Abfällig gab er einen Pfiff von sich. Und zum Zeichen seiner Macht und seines hoch überragenden Standes legte er seine menschliche Stimme ab. Götter bedienten sich ihrer Körper nicht um zu sprechen, es waren bereits ihre Gedanken, die die Stimme erzeugten. Darum bewegte sich sein Mund nicht mehr als er fortfuhr. „Warum verstecken sich die drei Göttinnen? Wo ich ihre Anwesenheit deutlich spüren kann! Es ist eine Frechheit!“
„Verzeiht, Herr! Meine Gebieterinnen möchten nicht vor Euch treten, sie fürchten Euren Zorn, deshalb benutzt mich als Vermittler zwischen den Gottheiten. Ich hoffe Ihr könnt eine niedere Dienerin dulden.“
Noch immer musterte er die neue Botin kalt und misstrauisch.
„Meine Gebieterinnen bitten Euch unterwürfig ihre Frage zu beantworten, sofern Ihr es wollt.“, sagte Navi.
Er antwortete: „Ich bin das älteste Wesen, das es gibt, die Vereinigung von Licht und Dunkelheit, so alt wie die Ewigkeit. So lange schon war ich einsam und mein Herz verlangte nach Zerstreuung, nach irgendeinem Gefühl, das ich empfinden könnte um meinem Dasein endlich einen Sinn zu geben. Also erschuf ich die Götter, euch ihr drei Göttinnen, Shjra, die Göttin der Rachsucht, und all eure Schwestern, aus meinem Fleisch und teilte mein Reich, das Universum, unter euch auf. Ich ließ euch alle frei verfügen und beobachtete was ihr tatet. Eine Zeitlang war es tatsächlich erheiternd, aber dieses Gefühl verging rasch und ich verlor das Interesse an euch allen.
Doch dann geschah, was ich niemals auch nur habe ahnen können. Ihr drei Göttinnen tatet euch zusammen und in einem kleinen Teil des Universums erschuft ihr neues Leben, eure eigene Schöpfung! Ihr formtet einen Planeten und hauchtet ihm Leben ein, viel Leben, das so verschiedene Formen annahm. Mein Interesse war von neuem geweckt und als Beobachten mir nicht mehr reichte stieg ich hinab auf euren Planeten. Ich war neugierig, ich wollte sehen was das war was ihr erschaffen hattet, also begann ich Chaos zu verbreiten. Ich zerstörte und tötete – ich war zuversichtlich endlich meine Zerstreuung gefunden zu haben, doch die Enttäuschung war groß, als ich sah, dass eure Geschöpfe zu schwach waren gegen mich etwas ausrichten zu können und auch ihr halft ihnen nicht. Eure Angst vor mir war zu groß, ihr überließet all eure Schöpfungen ihrem Schicksal. Wie konnte ich anders als abermals das Interesse zu verlieren?“
„Weshalb jedoch wurdet Ihr zu einem Menschen?“, fragte Navi, allerdings war es nicht sie, die das wissen wollte. Sie war ein Sprachrohr, das die drei Göttinnen benutzten um zu ihrem Herrn zu sprechen, ohne sich ihm zeigen zu müssen.
„Nun, ich begann die Erde zu zerstören, aus lauter Enttäuschung über dieses Kurzweilen. Bald war ich für die Menschen ein Monster, ein Menschenfresser, der ihr Land heimsuchte und Kaiser, Könige und Zaren schickten ihre stärksten Krieger und Heere um mich zu vernichten, damit das Unheil endlich gebannt war. Keinen gab es, der mich hätte berühren können, geschweige denn vernichten! Ich tötete sie alle und noch viele mehr.
Doch eines Tages kam dieser eine Krieger. Er war nicht wie die anderen, das merkte ich sofort. Gewiss, es war mir ein leichtes ihn zu töten, wie alle anderen vor ihm auch. Doch dieser Mann, er war ganz anders. Er war der Erste, der nicht vor Angst und Schmerz schrie und um sein Leben weinte und bettelte. Nein, er lächelte! Er lächelte mir in die Augen und sah mich doch nicht. Ich war verwundert und fragte ihn warum er denn so abwesend war wo er doch auf der Schwelle des Todes stand. Und er sagte, wenn er denn nun starb, so galt sein letzter Gedanke nicht der Todesangst, sondern seiner Frau zu Hause, die bis an ihr Lebensende auf ihn warten würde. Wieder war meine Neugier genährt, darum löschte ich seinen Geist aus, doch sein Körper mit all seinen Empfindungen blieb und ich legte meine göttliche Gestalt ab und schlüpfte in ihn hinein.
Jedoch gab es ein Problem. Ein menschlicher Körper ist viel zu beschränkt um meine Macht in sich aufnehmen zu können. Darum musste ich meine Magie ablegen, ich ließ sie also zurück und schnitzte mit diesen menschlichen Händen, die ich nun hatte, eine Maske aus dem Panzer meiner Götterhülle. In ihr bannte und konservierte ich all meine göttliche Kraft…
Da fällt mir ein, ich hörte von dem Zwischenfall, den sie verursachte. War es nicht so, dass sie sich selbstständig machte und den Mond auf die Erde herabstürzen lassen wollte?“
Kurz war Navi irritiert. Sie sah ihn verwundert an. Dann jedoch verneigte sie sich erneut, jedoch nicht ganz so tief wie die Male davor. „Das stimmt, Herr. Die Maske hat nur Schaden angerichtet, darum wurde vor langer Zeit ein menschlicher Bote beauftragt der Hüter der Maske zu werden und sie in Gewahrsam seiner Familie zu nehmen. Es war ein Maskenhändler, dort schien sie am wenigsten aufzufallen. Die Maske wurde zwischen den Generationen der Familie weitergegeben, doch dann wäre durch dieses törichte Horrorkid beinahe die Apokalypse heraufbeschworen worden.“
Wieder lachte er und strich mit der Handfläche über das harte Material. „Jetzt muss ich euch um Verzeihung bitten. Das war nicht meine Absicht gewesen. Mit meiner Magie muss wohl ein wenig meiner Spiellust zurückgeblieben sein. Aber wie langweilig wäre doch das Leben, selbst das der Menschen, wenn nicht ab und zu eine Gefahr drohte?“
„Ihr mögt das so sehen, Ihr braucht ja nichts zu fürchten. Ihr könnt Euren Launen nachgehen, ohne Rücksicht, weil Ihr die Gefahr nur verursacht und niemals von ihr betroffen sein werdet!“
„Das sagt ihr? Als Göttinnen?“
„Meine Gebieterinnen meinen es sei ungerecht, dass Ihr sie so verurteilt. Sie können das Leid ihrer Geschöpfe durchaus verstehen, sie sehen nicht wie Ihr, alles nur als ein Spiel mit Spielzeugen an!“, erwiderte Navi.
Er hörte auf zu lachen. „Das mag stimmen. Schließlich habt ihr einen Planeten voller zerbrechlicher Geschöpfe erschaffen. Wenn ihr diese Zerbrechlichkeit nicht gekannt hättet, dann wären alle Geschöpfe hier wohl Götter. Welchen Sinn hätte diese Erde dann gehabt?“
„Bitte fahrt doch fort, Herr.“, sprach Navi.
„Ich hatte also den Körper Majoras übernommen und ging um sein Leben kennen zu lernen. Ich ging nach Hause und führte fort, was er aufgeben musste. Ich lebte unter den Menschen in seiner Heimat, ich verrichtete seine Arbeit, ich wohnte in seinem Haus mit seiner Frau zusammen. Ich redete mit ihr, lachte, stritt und schlief mit ihr, alles was er getan hatte tat ich auch. Ich lebte sein Leben – und lebte es doch nicht. Sein Körper ließ mich seine Gefühle kennen lernen, doch ich fühlte sie nicht, weil nicht ich es war, dem dieser Körper, dieses Leben gehörte. Ich wollte aber diese Gefühle spüren können! Ich wollte fühlen wie es war ein Mensch zu sein, ein niederes Geschöpf, das so viel mehr kannte als die einsame Langeweile, die ich als einziges jemals empfunden hatte. Dazu musste ich selbst zu einem Menschen werden, meine Existenz musste menschlich werden! Aber wie?
Als nun Shjra in euer Reich eindrang um meinen angeblichen Tod zu rächen, da sah ich meine Chance gekommen. Ich ließ mich von ihr verführen und erschuf neues Leben auf menschliche Art. Auf diesem Wege war es mir möglich Majoras Körper zu verlassen und ich hätte mich jetzt mit einem mir eigenen Körper gebären lassen können, doch ich tat es nicht. Ich wusste was sie vorhatte und hielt es für interessanter mich in Geduld zu fassen. Ich konnte nämlich meine Magie wieder aufbauen, indem ich mir ihr Prinzip zu Eigen machte. Während sie auf einen stärkeren Körper wartete, dadurch, dass ein Gerudokönig einmal auf die Idee käme trotz Verbotes ein Kind zu zeugen, spaltete ich mein Bewusstsein, ein kleiner Teil blieb in Majoras Körper zurück und starb alsbald ab, genauso wie der Körper des Menschen. Der andere Teil, ich, nistete mich, verborgen, in einem der geborenen Mädchen und ließ in mir neue Magie wachsen. Natürlich wurde aus dem Mädchen eine Frau, die wiederum ein Mädchen gebar, das jedoch einen noch besseren Körper besaß, der imstande war viel mehr Magie aufzunehmen, als der Körper davor. So ging es an die Jahrtausende und ich wurde immer mächtiger, denn ich konnte meine Magie von Körper zu Körper mitnehmen.
Irgendwann sah ich, dass ich meine alte Macht zurückerlangt hatte – es war zu der Zeit, als ich in dem Mädchen Farina hauste. Ich war bereit mir einen eigenen Menschenkörper zu schaffen. Nun, sagen wir, ich habe es versucht, aber es misslang, und zwar weil dieses Kind, der Junge, den Farina bekam, mit der göttlichen Kraft und dem Fluch der Shjra geboren wurde. Ich gebe zu ich geriet in leichte Panik. Ihr spracht von Gefahr, der ich nie ausgeliefert war und nie sein werde, doch in der kurzen Zeit, in der ich in Ganons Körper war, hatte ich wirklich Angst. Denn ich hatte nicht vorausgesehen, dass Farina einen Jungen bekam und ich konnte nicht erwarten, dass dieser Gerudomann wider dem Gesetz handelt und jemals die menschliche Fortpflanzung vollzog. Ich dachte wirklich ich würde nun von seinem Körper nicht mehr loskommen und mit ihm sterben. Doch er war ein ausgesprochen kluges Individuum, nicht wahr? Nicht wie alle seine Vorgänger. Er ermöglichte mir, wenn auch unbeabsichtigt, einen eigenen Körper, den ich mit meiner alten göttlichen Macht ausstatten konnte, wie meine wahre Gestalt sie besessen hatte. Ich war geboren! Ich war als Mensch geschaffen worden!
Doch dadurch, dass er Shjras Macht in sich hatte, gab er sie an mich weiter, der ich aus ihm entstand. Das war ein Makel, der meinem Menschengefäß angehaftet war. Durchaus hätte ich mich wehren können, jedoch hätte ich mich dadurch doch verraten! Dann wäre mein ganzer schöner Plan ein Mensch zu werden aufgeflogen.
Mir blieb nichts anderes übrig als den Gerudoabkömmling zu spielen, der Shjras Rache ausführen sollte. Gut, ich tat es und es war ausgesprochen amüsant, ja wirklich. Ich lebte und fühlte wie der Mensch, der ich war und ich tat als sei ich die Marionette Shjras.
Aber dann…
Dann sah ich dieses Mädchen zum ersten Mal im Spiegel und in mir explodierte regelrecht ein Gefühl von solcher Verzauberung, wie ich es seit Beginn der Ewigkeit, meiner Geburt, nie erlebt habe. Ich wollte sie hier, bei mir, haben und ich wollte sie kennen lernen. Ich wollte alles über sie erfahren und alles wissen. Nun, der Gerudokönig Ganon brachte sie mir, wenn auch aus einem gänzlich anderen Grund.
Ich wich nicht mehr von ihrer Seite und mit jedem Tag, der verging, wandelte sich diese Verzauberung. Sie wurde zu einem Haufen an Gefühlen, die mich so verwirrten und mir den Kopf vernebelten. Ich empfand Zuneigung für sie und den Drang sie an mich zu nehmen und nie mehr loszulassen. Ich begehrte sie, ihren Körper und ihren Geist, ihre Stimme, ihren Duft, alles an ihr!
Ich hätte meine Tarnung ablegen und sie mit mir ins göttliche Reich nehmen können, aber das wollte ich nicht und ich ahnte, dass sie es nicht verstehen würde, sollte sie jemals von meinem wahren Ich erfahren. Ich wollte, dass wir beide als Menschen weiterlebten, darum musste ich meine Rolle weiterspielen. Verzweifelt war ich, weil ich nicht wusste wie ich mich aus dieser misslichen Lage befreien konnte. Ich verlor das Interesse an Shjras Rache, ich wollte sie nur noch aus dem Weg haben, aber ich wusste nicht wie ich das ohne meine Autorität als ältester Gott anstellen sollte.
Dann jedoch entwickelte Lin zusammen mit dem Helden der Zeit und Farina, in der ich einmal gehaust hatte, den Plan uns aufzuhalten. Um ihr den Schlüssel in die Hand zu legen befahl ich Ganon ihr Erinnerungen zu zeigen, in denen versteckt die Lösung zu finden war, natürlich wusste Ganon nichts davon, und als Shjra endlich verbannt war und Lin die Historie veränderte, da sah ich meinen Wunsch endlich erfüllt. Als mächtigstes Wesen, das es gab, war mir das Schicksal untertan und ich bestimmte, dass ich in der neuen Geschichte, die begonnen hatte, in ihrer Zeit geboren werden sollte, damit uns nichts mehr trennen konnte.
Nun seht, es kam wie ich es wollte. Jetzt führe ich ein gewöhnliches Menschenleben mit ihr als meine Frau! Das war es was ich wollte, dieses Leben war es, das ich in der Ewigkeit gesucht hatte. Ich habe meine Zerstreuung gefunden und sie ist herrlicher als ich mir je hatte vorstellen können! Was also wollt ihr noch von mir? Kehrt ins Götterreich zurück und lasst mich in Frieden!“
Damit endete er und machte einen abfälligen Wink mit der Hand, der Navi zeigen sollte wie sehr ihn ihrer aller Anwesenheit störte.
Navi verbeugte sich. „Meine Gebieterinnen danken Euch für Eure Geduld ihnen ihre Frage beantwortet zu haben, jedoch meinen meine Gebieterinnen, dass…“
„Warum nur tut Ihr das, Herr über uns alle?“, hallte eine helle Stimme in den Raum hinein. Es war Farore selbst, die sprach.
Als die Worte verklungen waren leuchteten plötzlich drei sanfte Lichter auf.
Eines rot, eines blau und eines grün. Wie Navi zuvor erschienen daraus drei junge Mädchen, jedoch so klein wie Riha, Kinder und nicht junge Frauen.
Sie strahlten hell, jedes in seiner Farbe, wie Kristalle und so waren sie auch. Nicht aus Fleisch und Blut.
Weil nun die Göttinnen – ihre Gebieterinnen – selbst erschienen waren, wusste Navi, dass sie überflüssig war und sie sich sofort zurückzuziehen hatte. Sie verbeugte sich so tief sie konnte und löste sich auf. Sie kehrte in das Reich der Götter, wo sie verweilte, bis sie einen neuen Auftrag erhielt.
Erneut war ihm zum Lachen zumute. „Soso, nun erscheint ihr doch in eurer wahren Gestalt vor mir. Sollte ich mich geehrt fühlen? Nein! Ihr solltet euch geehrt fühlen, dass ich euch nicht gleich vernichte, für all eure Unverschämtheiten!“
Das blaue Mädchen, die Göttin Nayru, hob die Hände an ihre Brust. „Verzeiht Herr! Zu keiner Zeit hatten wir die Absicht Euch zu verärgern! Es ist die Sorge um Euch, die uns veranlasst hat Eure Entscheidung in Frage zu stellen.“
Nun meldete sich auch das rote Mädchen, Din, die Göttin der Kraft, zu Wort. „Bitte Herr! Legt Eure menschliche Hülle ab und kehrt mit uns in das Reich der Götter zurück, in Eure wahre Heimat! Wir Götterinnen, Eure Diener, werden Euch einen neuen Götterkörper schaffen, wie Ihr ihn wollt. Aber verlasst diesen Menschenkörper und kommt mit uns!“
Mit gerümpfter Nase blinzelte er sie majestätisch an. „Meine Antwort lautet – Nein!“
„Herr!“, stieß Farore hervor. „Ist Euch denn nicht bewusst, dass dieser menschliche Körper, den Ihr Euch geschaffen habt, alt wird und irgendwann stirbt? Wenn Ihr ihn nicht vorher verlasst, wird Euer Geist mit ihm sterben! So lange Ihr ein Mensch seid, seid Ihr sterblich! Bitte erhört unser Flehen!“
„Nein! Ich will dieses Leben nicht aufgeben!“
Nayru schüttelte verzweifelt den Kopf. „Herr, in dieser von unserer Hand geschaffenen Welt gibt es nur niedere Wesen, tief unter Eurer Würde! Warum nur wollt Ihr unter ihnen verweilen? Warum wollt Ihr so sein wie sie? Was nur hat Euch so in seinen Bann gerissen, dass Ihr – als der mächtigste Gott – es akzeptiert wie ein gewöhnliches Individuum zu sterben?“
„Ihr wollt wissen, was mich veranlasst als Mensch zu leben? Ich werde es euch sagen!“ Er setzte sich wieder auf die Bettkante zurück. Mit schwärmendem Blick strich er dem schlafenden Kind zärtlich über die Wange. „Euch alle vier, die hier in diesem Raum anwesend sind, habe ich erschaffen. Euch drei Göttinnen formte ich aus meinem Götterfleisch und gab euch einen Teil meiner Magie ab, ich machte euch ebenfalls zu mächtigen Göttern. Und dieses Mädchen hier zeugte ich auf menschlichem Wege. Sie mag ebenfalls einen menschlichen und damit sterblichen Körper haben, doch auch sie hat göttliche Macht in sich.
Somit seid ihr alle vier meine legitimen Töchter, nicht wahr?“
Die drei Göttinnen sahen sich fragend an, sie wussten nicht worauf er hinaus wollte.
„Was spielt das für eine Rolle, Herr?“, fragte Din.
„Es spielt sogar eine recht große Rolle!“, entgegnete er. „Denn es gibt einen Unterschied zwischen euch und ihr. Ihr mögt mächtig sein und alles Leben auf diesem Planeten überragen, ihr seid unsterblich und habt nach mir den höchsten Stand. Sie dagegen mag eine Göttin sein, aber sie ist auch ein Mensch und sie wird alt werden und sterben, wie jeder Mensch auch.
Jedoch habt ihr, die ihr doch so mächtig seid und mir gleicht, es nicht geschafft mich von meiner Einsamkeit zu erlösen. Ihr mögt meine Töchter sein, doch ich empfinde nicht das Geringste für Euch.
Dieses einfache Menschenmädchen allerdings, hat mich errettet, genau wie ihre Mutter. Sie haben mich lieben lassen und mir die Zerstreuung gegeben, nach der es mich so verzweifelt verlangte! Ich hege so viel Gefühl für sie, dass sie mir nicht gleichgültig ist und ich sie einfach nicht verlassen kann! Ich will dieses Leben deshalb nicht aufgeben! Ich will nie satt werden von diesem warmen Gefühl, das die Menschen erleben dürfen!
Warum versteht ihr das nicht, wo ihr es doch seid, die dieses Gefühl erschaffen habt!“
„Wir taten es doch nur um den Fortbestand der Menschen zu sichern!“, erklärte Nayru, schockiert über seine Worte.
„Das ist mir egal! Ich empfinde es nun einmal und ich will nicht aufhören es zu empfinden! Wenn ich mit euch komme werde ich mich wieder einsam fühlen und die Langeweile wird mich heimsuchen – ja es wird noch schlimmer! Denn nun habe ich gesehen, dass es auch etwas anderes gibt als diese Trostlosigkeit des Götterdaseins und sollte ich wieder ein Gott werden, so wird mich die Sehnsucht nach diesem Leben als Mensch zerfressen. Warum also sollte ich es nicht genießen so lange es anhält und dann, zufrieden mit mir, dahingehen?“
„Herr! Ihr seid der Gott des Urbösen, die älteste und mächtigste Gottheit von allen! Wenn Ihr sterbt, dann wird Eure Macht verschwinden und das ganze Universum wird in Chaos stürzten! Die Göttinnen werden sich darum streiten wer Eure Nachfolge antreten darf und ein Krieg wird in unseren Reihen hervorbrechen und alles zerstören was es überhaupt gibt! Entsinnt Euch doch nur, was geschehen ist, weil Ihr Euren Tod vorgetäuscht habt. Was aber wird geschehen, wenn Ihr tatsächlich sterben solltet? Und mit Euch Eure Macht! Das könnt Ihr doch nicht so gleichgültig hinnehmen!“, nun hatte auch Farore die Hände erhoben um ihrer Niedergeschlagenheit Ausdruck zu verschaffen.
Er lachte, so laut, über ihre Naivität. Selbst Götter konnten dumm sein!
„Wie könnt ihr nur so einfältig sein! Meine Macht wird niemals verschwinden, sie wird ewig existieren auch wenn meine Existenz endet! Seht wo meine Macht weiterlebt!“ Mit diesen Worten hob er seine Hand bis sie über Rihas Gesicht verweilte.
Kurz darauf begann es schwach zu schimmern. Doch dabei blieb es nicht. Der Schimmer wurde zu einem weißen Leuchten und dieses Leuchten wurde stärker und stärker. Bis es den gesamten Raum erfüllte und selbst die Göttinnen geblendet waren.
Dann nahm es allmählich ab und verschwand. Riha lag wieder so friedlich schlafend da wie zuvor.
„Habt ihr nun verstanden? Meine Macht wird an meine menschlichen Kinder weitergegeben und sie werden es an ihre Kinder weitergeben und diese wiederum an ihre. So wird meine Macht nie erlöschen!
In neun Monaten werden mir zwei Söhne geboren – ihr solltet mir zu meinem Vaterglück gratulieren!“ Er lachte.
Die Göttinnen sahen ihn ausdruckslos an.
„Ist das Euer letztes Wort, Herr?“, sagten sie im Chor.
„Ja!“
„Dann werden wir uns Eurem Willen beugen müssen. Doch solltet Ihr jemals Eure Meinung ändern so ruft uns und wir werden Euch hören.“ Die Worte hallten von den Wänden wieder als sei das Zimmer eine gigantische Bärenhöhle.
Die Gestalt der Mädchen verblasste und nur drei kleine Lichter blieben zurück. „Lebt wohl und glücklich wie es Euch beliebt, Herr!“ Die Lichter verschwanden und das gedämpfte Blau der magischen Seifenblasen nahm wieder Einzug. Er war allein mit seiner schlafenden Tochter.
Er sah auf die Maske in seiner Hand.
Die Göttinnen mussten sie sofort an sich genommen haben, damit sie von Anfang der neuen Geschichte an, keinen Schaden mehr anrichten konnte. Ja, sie hatten Recht. Seine Macht so ohne jegliche Kontrolle war gefährlich. Er musste sie beseitigen.
Darum setzte er sich die Maske auf und trat zu dem großen Spiegel in einer Ecke. Die Maske lag farbenfroh und verspielt auf seinem Gesicht. Kunstliebhaber hätten sie durchaus für ein teueres Kunstwerk gehalten. Er musste grinsen.
In diesem Moment leuchteten die großen gelben Augen auf. Es war beinahe unheimlich.
Dann bogen sich erst die heraus stechenden Zacken nach hinten und gleich darauf die ganze Maske. Sie legte sich um seinen Kopf, ihr Material lag auf seiner Haut. Nun war die Verschmelzung bereit und die Maske drang in die Haut ein, mit ihr ging ihre Magie in seinen Körper ein – wo sie hingehörte.
Die Farben der Maske verschwanden mit ihr und sein Gesicht kam wieder zum Vorschein, nur die gelben Augen blieben zurück. Er erinnerte sich einen kurzen Augenblick an seine göttliche Gestalt. Mittlerweile hatte er die menschlichen Eigenheiten übernommen, sodass er sich mit Abscheu an diesen hässlichen Körper erinnerte. Durchaus konnte er selbst jetzt von sich sagen, dass er als Gott ein Ungeheurer gewesen war.
Die Augen schrumpften zusammen, bis sie kleine menschliche Augen waren, dann klang das gelbe Leuchten ab. Majoras Maske war vernichtet, die schwarze Macht, die ihr inne gewohnt hatte, war wieder in ihrem rechtmäßigen Besitzer und konnte nun nie mehr Chaos verbreiten.
Zufrieden nickte er sich selbst zu und ließ die Seifenblasen erlöschen.
Es war alles wieder still und dunkel wie zuvor, und wie es in einer normalen friedlichen Seitenstraße eines normalen friedlichen Vororts sein sollte, wenn die Nacht darüber lag.
Unhörbar schlich er aus dem Zimmer und zurück in sein Schlafgemach. Müde legte er sich ins Bett zurück und wollte versuchen einzuschlafen – da kam ihm ein gemeiner Streich in den Sinn. Wie ein kleiner Schelm grinste er vor Vorfreude und hob mit einem Schnips den Schlafzauber über diesem Raum auf.
Dann kroch er unter Lins Bettdecke und suchte mit seinen Füßen die ihre.
Ein erschrockenes Zucken fuhr durch ihren Körper als er sie gefunden hatte.
Ärgerlich drehte sie sich zu ihm um. „Warum bist du so kalt?“
„Ich war nur kurz auf der Toilette.“, log er.
„Und darum musst du mich auch gleich wecken, wie?“, gähnte sie schlaftrunken und schmiegte sich an ihn. „Du bist so kalt!“
„Nein“, schlug er ab. „Du bist nur so heiß! Heiß und scharf!“ Und dann schnurrte er wie eine Katze. „Rrrrrrrhhhh…“ Und legte die Arme um sie.
Sie lachte leise. „Meine große Miezekatze!“, sagte sie und küsste ihn.
Dann küsste er sie und strich ihr übers Gesicht. Er war so erfüllt von der Liebe zu ihr. „Ich liebe dich, Lin! So sehr, dass ich eigentlich schon vor Liebe platzen müsste!“
Verwundert gluckste sie. „Was ist denn heute wieder in dich gefahren? Du bist…“
„Sag, dass du mich liebst!“, unterbrach er sie.
Sie lächelte ihn an. „Ich liebe dich.“
„Sag, dass du nur mir gehörst!“
„Ich gehöre nur dir.“
„Sag, dass ich dich verrückt mache!“
„Du machst mich verrückt.“
„Sag, dass du mich willst!“
Mit einem Grinsen, das er selbst in dieser Dunkelheit spürte, drückte sie ihn auf den Rücken und legte sich auf ihn. „Ich will dich – jetzt und hier!“, hauchte sie verführerisch und ihre Lippen klebten unzertrennlich aneinander.
Ja, das war es was er wollte! Seinetwegen konnte dieses Leben nie enden und auf ewig so weitergehen. Wozu ein Gott sein, wenn man auch ein Mensch sein konnte? Wozu?
The End
Gruß
Eure Kim