Ein neuer Anfang

 

Autor: Kim

 

1. Kapitel

Was danach geschah weiß niemand mehr zu berichten. Und auch nicht was damals geschah, damals als die Welt noch jung war und die drei Göttinnen die ersten Menschen erschufen. Die Geschichte der neuen Zeit begann erst mit der Geschichte eines kleinen Jungen, der zum Helden wurde…

Der Frühling war früh gekommen und jetzt, kurz vorm Sommer, erstrahlte das Land in den herrlichsten Farben. Wie lange nicht mehr. Es war warm, doch der Wind, der durch die Landschaft strich, kühlte seine Wangen, ein angenehmes Gefühl.
Die Wiese war voller Blumen. In allen Farben!
Er wusste gar nicht welche er seiner Mutter mitbringen sollte! Die weißen Margareten? Den lila Klee? Die winzigen Gänseblümchen? Oder die kräftigen Tulpen? Was nur? Von allem konnte er nicht nehmen. Sonst konnte er die Zügel nicht richtig halten.
Es war Links elfter Frühling. Und der Beste!


Denn er durfte zum ersten Mal mit seinem Vater und einem kleinen Trupp in die hyrulianische Steppe hinausreiten. Sein Vater war nämlich der oberste Kommandant des Königs von Hyrule! Und mit seinen elf Jahren hatte Link, als sein Sohn, die beste Ausbildung genossen. Er war ein exzellenter Bogenschütze, geschickt im Umgang mit dem Schwert und obendrein ein sehr guter Reiter. Es war ihm bestimmt in die Fußstapfen seines Vaters zu treten. Und sogar noch mehr!
Ja, er – Link – sollte einmal der mächtigste Mann des Landes werden! Das war seine Bestimmung!
Heute hatte ein Kontrolltrupp durch den westlichen Teil angestanden und er hatte seine Eltern wie ein Bettler angewinselt, mitreiten zu dürfen. Zuerst war seine Mutter dagegen gewesen, sie machte sich ständig Sorgen um ihn. Und seinem Vater gefiel es nie durch den westlichen Teil zu reisen. Denn dort lauerten die Gerudo! Schon oft hatten sie reiche Kaufleute aus dem eigenen und aus anderen Ländern überfallen und sie ausgeraubt. Die Gerudos waren ein Volk von Abtrünnigen und Dieben. Niemand konnte sie leiden. Man mied den Westen wo es ging.
Noch vor sechs Mondrundungen war ein Postgang überfallen worden und nun wurde sein Vater geschickt um nach dem Rechten zu sehen, routinemäßig.
Doch schließlich hatte er seinen Vater auf seine Seite gezogen und zusammen hatten sie auch die Mutter überredet.
Die Gerudos waren erstaunlich ruhig, jedenfalls zu dieser Zeit. Es war seit dem Überfall auf die Post nichts mehr passiert. Das machte nicht nur den König stutzig. Die Bevölkerung war nervös und aufgescheucht, weil man den Anfang eines Krieges befürchtete.
Und das konnte Link gut verstehen. Nach allem was er über den neuen König der Gerudos gehört hatte!
Es hieß der neue König hatte schimmernde Augen, wie Honig. Und sein Körper glich dem eines riesigen Monsters. Die Leute erzählten sich, dass dort, wo seine Hände sein sollten, gigantische Krallen wuchsen, an nur vier Fingern! Und das Haar war so rot und ebenso heiß wie Feuer. Die Haut schwarz wie Kohle und überall behaart – sogar auf den Handinnenflächen!
Link durchfuhr jedes Mal ein Schauder, wenn er den Geschichten der Leute lauschte.
Doch jetzt dachte er nicht an die Gerudos. Dafür waren die Blumen einfach zu schön. Link entschied sich für die dunkelblauen Blumen. Nur wenige wuchsen hier und sie hoben sich aus der Menge heraus. Sie waren zwar nicht die Prächtigsten, eher klein und zerknirscht, aber sie hatten etwas.
Darum pflückte er sechs davon. Ehe er sich umwandte und zu seiner Gruppe zurücklief. Sein Vater erwartete ihn bereits. Sie hatten nur eine kleine Pause eingelegt und wollten gerade weiter reiten. Alle Soldaten schienen erleichtert, denn der Kontrollritt war vorbei. Jetzt ging es nach Hause – ganz ohne Komplikationen.
Link ritt in der Mitte. Er wollte zwar an der Spitze reiten, neben seinem Vater, aber er wusste, dass er ihn niemals dazu überreden konnte. In der Mitte war man vor Bogenschützen am besten geschützt.
„Na, mein Sohn? Hat es dir gefallen?“, fragte ihn sein Vater, der kurz zu ihm in die Mitte gekommen war.
„Und ob!“, lachte Link. „Schau was ich für Mutter habe!“ Er zeigte seinem Vater die Blumen.


Sein Vater verzog das Gesicht. „Das sind aber…nicht besonders hübsche Blumen… Hast du keine anderen gefunden?“
Link setzte ein Schmollgesicht auf. „Doch, aber ich finde sie schön!“ Und er steckte die Blüten wieder in den kleinen Lederbeutel, den er unter seiner Kleidung immer mit sich trug.
„Allerdings!“, mischte sich ein junger Mann ein und tätschelte seine Schulter. „Eine sehr gute Wahl, Link! Das sind Mondsamen! Sie sind zwar nicht die schönsten, aber sie duften herrlich – und dem Tee aus ihnen sagt man heilende Wirkung gegen das Fieber nach!“
Triumphal grinste er seinen Vater an. Der lachte.
„Schade ist nur“, erwiderte Link. „Dass es so langweilig war. Es ist überhaupt nichts passiert!“
Der Vater legte ihm kopfschüttelnd, aber mit einem Lächeln, den Finger auf die Lippen. „Zu langweilig? Willst du lieber dein Leben lassen, nur um einen aufregenden Kampf zu haben? Du bist noch jung und naiv, Link. Wenn du älter bist, wirst auch du ein langweiliges Leben dem Krieg vorziehen.“
Die Männer lachten laut auf, dass es von den Felsen, durch die sie hindurchritten, widerhallte, noch lauter.
„Ich hab ja nicht vom Krieg gesprochen!“, verteidigte er sich brummend.
Sein Vater fuhr ihm liebevoll mit der Hand durch die hellen Haare. „Natürlich nicht. Aber du…“
Plötzlich hielt er inne –
Von einem Felsen rieselte feiner Staub hernieder. Winzige Kiesel klapperten auf dem Stein. Der Trupp verstummte sofort.


Mit gerunzelter Stirn suchte Link eine Lücke um freien Blick zu haben und fuhr mit den Augen den Felsen nach oben. Wie es auch sein Vater und die Soldaten taten.
Dort oben, weit oben. Im Licht der frühen Sonne, die noch weit im Osten stand. Dort hob sich der gewaltige Schatten empor.
Dort oben stand der Reiter. Die Zügel seines Rappen fest in den ruhigen Händen. Die Rüstung pechschwarz. Auf der Stirn leuchtete ein goldenes Diadem. Mit honiggleichen Augen starrte der Reiter auf sie herunter.
Schlagartig wurde Link die Torheit seiner eigenen Worte bewusst. Er hatte keinen Kampf gewollt, warum also hatte er es verschrieen? Sein Herz schlug schneller und schneller. Kalter Schweiß rann an seinen Schläfen hinab. Kälte und Hitze durchfuhren gleichzeitig seinen Körper.
In diesem Moment blitzte Metall in der Sonne. Die Spitze des Schwertes richtete sich auf sie herab.
„Angriff!“, schrie eine Stimme. So tief wie ein Brunnen.
Der schwarze Reiter setzte sich in Bewegung und hinter ihm traten andere aus seinem Schatten. Viele! Es waren unzählbar viele!
Doch Link nahm sie gar nicht wahr. Sein Blick richtete sich auf den Anführer. Er wusste wer es war – der junge König der Gerudos!
Die Angst schoss durch seine Glieder.
„Bildet einen Kreis! Schnell!“, befahl sein Vater. „Nehmt Link in die Mitte! Und bereitet euch auf den Kampf vor!“
Sowohl sein Vater als auch die Soldaten wussten wie aussichtslos ihre Chancen standen. Sogar Link wusste es!


Trotzdem zogen sie ihre Schwerter und nahmen ihre Stellungen ein…
Sofort waren sie umzingelt. Ihre Feinde waren Männer, ebenso wie Frauen. Sie alle hatten feuerrote Haare. Und die Leidenschaft für den Kampf war ebenso feurig.
Der König der Gerudos bahnte sich seinen Weg durch seine Krieger, schritt gelassen und mit dem arrogantesten Grinsen auf sie zu, das Link je gesehen hatte.
Dennoch war Link erstaunt. Denn der Gerudokönig war ganz und gar nicht, wie sich die Leute erzählten.
Vor ihnen stand kein Monster, sondern ein kräftiger junger Mann. Die Krallen sahen eher wie große Hände an starken Armen aus, der durchtrainierte Körper eingehüllt in eine schwarze schimmernde Rüstung, die jedes Gegenüber einschüchterte. Die Haut war von der Sonne braungebrannt. Nur auf der Nase blinzelten winzige helle Sommersprossen. Die Nase höhnisch nach oben gerichtet und die honiggleichen Augen durchdringend. Das Diadem glänzte auf der Stirn wie ein drittes Auge.
Um den Hals baumelte an einer Kette ein Edelsteinstein – ein blutroter Stein.
„Seht euch das an, meine Krieger!“, spottete der junge Mann. „Was uns da Feines ins Netz gegangen ist!“
Die Meute lachte und streckte ihre Schwerter und Speere den Soldaten entgegen. Link sah, wie das Gesicht seines Vaters bleich wurde.
„Aber, aber! Was ist das denn für ein Benehmen!“ Der Mann hielt drohend den Finger hoch. „Wir sind doch keine Barbaren! Bieten wir unseren Gästen einen angemessenen Empfang!“ Theatralisch übertrieben beugte sich der Mann im Sattel vor. „Darf ich mich vorstellen – ich bin Ganon, der König der Gerudo! Des Wüstenvolkes, des mächtigsten Volkes dieser Erde!“
„Pah, dass ich nicht lache!“, rief der Kommandant ihm entgegen. Link blickte seinen Vater erschrocken an. Wie konnte sein Vater nur den Feind provozieren? Das konnte sie alle den Kopf kosten! Aber das tat es sowieso…


„Gemeine Diebe seit ihr! Das primitivste Volk der Erde solltet ihr euch nennen! Und das Schwächste! Ihr lasst eure Frauen für euch kämpfen – wie tief wollt Ihr selbst noch sinken, törichter König?“
Ganon stieg die Röte ins Gesicht. Sein Kopf lief an, als fließe die Lava des Zorns aus ihm heraus. „Wer hat das gesagt?“, brüllte er. „Zeig dich, Feigling! Damit ich dir den Kopf von den Schultern schlagen kann!“
Link beobachtete wie sein Vater seine Leute aufforderte Platz zu machen. Sie zögerten, da sie ihren Befehlshaber nicht der Gefahr aussetzen wollten, doch es war sowieso sinnlos. Langsam gaben sie den Blick frei.
„Bleib immer verborgen in der Mitte, mein Sohn.“, nuschelte ihm sein Vater ins Ohr. Ehe er hervortrat und sich Ganon entgegenstellte.
Ganon kniff die Augen zusammen und musterte den Mann. Der Helm zeichnete den hohen Stand zum General des hyrulianischen Königshauses.
„Ah! Der Kommandant des Heeres von Hyrule höchstpersönlich! Was für eine Ehre! Ich sollte mich geschmeichelt fühlen Euch töten zu dürfen.“
Erneut lachten die Gerudo. Die Frauen schrill, die Männer mit einem Brummen.
„Tötet mich, aber lasst meine Männer gehen!“, sagte sein Vater mit ruhiger Stimme.


Ganon lachte auf. „Wie? In Eurer Lage wagt Ihr es noch mir Forderungen zu stellen?“
„Ich bin für die Sicherheit meiner Leute verantwortlich! Ich bitte Euch – zeigt die Gnade eines Königs!“
Ganon kratzte sich überlegt am Kinn. „Hm…was bekomme ich dafür? Ich tue niemals etwas kostenlos! Das solltet Ihr wissen!“
Der Kommandant verzog das Gesicht und blieb stumm.
„Na? Habt Ihr nichts? Tja, dann lasst mir wenigstens die Freude mich an euren Leichnamen zu laben.“, höhnte Ganon.
Das Lachen war so laut und wurde von den Felsen zurückgeworfen, dass man glauben könnte es wären Tausende von Kriegern, die sich amüsierten.
Ganon hob das Schwert und wollte zum Schlag ausholen –
„NEIN! Wartet! Kämpft gegen mich!“, schrie die helle Stimme eines Knaben.
Link riss sein Pferd herum und stellte sich neben seinen Vater. Wenn noch Farbe im Gesicht des Generals gewesen war, dann war sie jetzt endgültig gewichen.
Link zog das Schwert aus der Scheide, die auf seinen Rücken gebunden war. Es war um etliches kürzer und hatte eine kleinere Schneidefläche. Ein Erwachsenenschwert wäre zu schwer für ihn. „Wenn Ihr unbedingt jemanden zur Strecke bringen müsst, dann fangt mit dem Kleinsten an!“, schrie Link dem schwarzen Reiter entgegen.
Überrascht zog Ganon eine Augenbraue nach oben. „Was macht das Kind hier?“
„Na los doch! Ihr seid doch so versessen darauf!“ Link war in Rage.
Die Soldaten rückten näher zusammen. Sie befürchteten, dass Ganon der Aufforderung nachkommen würde. Sie waren in Panik. Ebenso wie sein Vater, der sich in Gedanken vorwarf, Link mitgenommen zu haben…


„Wartet, mein König!“, ergriff einer der Gerudokrieger das Wort.
Ganon wandte sich ihm zu und bedeutete ihm mit einem Wink neben ihn zu treten. Der Krieger gehorchte und grinste Link an. Durch Link fuhr ein eisiger Schauder. Der plötzliche Mut war ebenso plötzlich wieder verschwunden.
„Mein König!“, wiederholte der Krieger. „Wenn Ihr mir erlaubt zu sprechen…“
„Sprich!“
„Ihr wisst wie gerne ich Gerüchte aufschnappe um sie für Euch bereit zu halten!“
„Natürlich Murrey! Du bist mein bester Spitzel.“, lachte Ganon.
Der Mann verbeugte sich und grinste Link flüchtig zu. „Lasst mich Euch sagen, wer der Knabe ist…“
„Das tut nichts zur Sache!“, mischte sich der Mann ein, der Link auf die Blumen hingewiesen hatte.
Ganon gab, verärgert über die Störung, ein Zeichen. Gleich darauf stürzten sich zwei Frauen auf ihn und stachen ihn mit ihren Speeren vom Pferd, nieder auf den Boden. Seine Kameraden wollten ihm helfen, doch die Gerudo waren einfach zu viele. Sie konnten nichts für ihn tun.
Wenigstens röchelte er noch. Aus seinen Wunden floss Blut, aber noch war er nicht tot.
„Also, fahre fort, Murrey!“, forderte Ganon.
Wieder verbeugte sich der Mann. „Dieser Junge ist der Sohn des Mannes, der vor Euch steht und es gewagt hat Euch zu beleidigen. Der Sohn des obersten Feldherren von Hyrule!“
„Ach, tatsächlich!“, stieß Ganon erstaunt hervor und musterte den Jungen. „Nun, da du es sagst – die Ähnlichkeit ist kaum zu übersehen.“
„Aber das ist noch nicht alles!“, sagte Murrey, mit Stolz in der Stimme. „Ich habe gehört, dass der Knabe mit der jungen Prinzessin verheiratet werden soll! Die Mutter des Jungen ist eine Kusine des Königs von Holodrum. Um die Verbindung zwischen beiden Ländern zu stärken sind die beiden einander versprochen!“
Ganon konnte sein Entzücken nicht zurückhalten. Er klatschte begeistert in die Hände. „Wirklich? Das muss heute ja mein Glückstag sein! Ein so wertvolles Goldstück habe ich heute gefangen!“
Verwirrt und ängstlich sah Link zu seinem Vater auf. Doch sein Vater erwiderte seinen Blick nicht. Er schien angestrengt nachzudenken.
„Nun hört gut zu!“, wandte sich Ganon wieder an den Kommandanten. „Ich schenke Euch und Euren Männern das Leben, im Gegenzug überlasst Ihr mir Euren Sohn!“
Link riss entsetzt die Augen auf. Was? Das war doch… Was?


„Das könnt Ihr nicht von mir verlangen!“, sagte der General. „Von keinem Vater könnt Ihr das verlangen!“
„Kann ich nicht?“, schmunzelte Ganon belustigt. Einer Geste seinerseits folgend traten drei seiner Krieger aus der Gruppe hervor, auf Link zu. Link wurde kreidebleich.
Doch sein Vater hob das Schwert, ebenso wie seine Soldaten.
Ganon fand die Szenerie äußerst amüsant. „Ihr wollt nicht? Überlegt es Euch gut! Entweder Ihr gebt mir Euren Jungen und alle bleiben am Leben. Oder Ihr fangt einen Kampf an. Dann sterben sowohl Eure Männer als auch Euer Sohn!“
Die Stirn seines Vaters bildete immer mehr Falten. Panik machte sich in ihm und auch in der Gruppe breit.
Es dauerte viele Atemzüge, bis schließlich sein Vater das Schwert sinken ließ. „Wehe Ihr tut ihm ein Leid an!“, zischte der Kommandant.
„Keine Sorge. Der Junge wird es gut bei mir haben!“, lachte Ganon. „Zumindest solange Ihr jetzt schnell nach Hause geht und brav auf meine Forderungen wartet!“
Angsterfüllt schaute Link von seinem Vater zu dem schwarzen Reiter und wieder zu seinem Vater. Die drei Männer traten an sein Pferd. Seine Gruppe stand nur da und ließ es geschehen. Doch in ihren Gesichtern spiegelte sich Sorge und ohnmächtige Wut, darüber, dass sie nichts dagegen tun konnten.
„Vater!“, quiekte er voller Furcht und streckte die Hand nach ihm aus.
Sein Vater legte ihm die Hand auf den Kopf. „Du musst jetzt ganz stark sein, Link. Ich schwöre dir, ich komme und befreie dich! Bis dahin tu alles was von dir verlangt wird, hörst du?“
Seine Angst wuchs zu einem unerträglichen Geschwür, dass er es nicht aushielt. „Nein, Vater! Bitte! Nimm mich mit nach Hause! Bitte!“
Sein Vater strich ihm über die Wange. „Link, du…“
Doch in diesem Augenblick packte ihn jemand und riss ihn vom Pferd herunter. Noch während Link fiel schrie er, dass er glaubte seine Stimmbänder würden reißen. Sein entsetzter Vater holte mit dem Schwert aus, doch Ganon reagierte schneller. Mit einem Wurfstein traf er die Hand des Generals und das Schwert fiel zu Boden. Das Gesicht des Kommandanten verzog sich vor Schmerz, seine Hand war verstaucht.
Link schrie und schrie weiter und schlug um sich. Die Hände der drei Männer entrissen ihm sein Kurzschwert und die Scheide vom Rücken. Sie durchsuchten ihn weiter und fanden seinen Dolch an der Hüfte und sein Messer im linken Schuh.
Dann zog einer der Männer ein Seil hervor und band ihm die Hände vor dem Körper aneinander. Gemeinsam zerrten sie ihn auf die Beine und schuppsten ihn zu ihrem Herrscher hinüber, der schon mit herablassendem Blick und ausgestrecktem Arm wartete.
Einer der Männer überreichte Ganon das andere Strickende und er band es an seinem Sattel fest. Da begriff Link, was sie mit ihm vorhatten.
„Was tut Ihr da?“, gellte sein Vater vor Zorn und Entrüstung.


Ganon winkte hämisch ab. „Nach all dem Reiten wird der kleine Spaziergang Eurem Sohn nur gut tun.“
„Ihr entwürdigt meinen Sohn und meine ganze Familie!“
Ganons Augen glitzerten vor Vergnügen. „Ihr seid schon entwürdigt. Also, was macht das schon? Ihr solltet Euch lieber um Den dort Gedanken machen statt um Euren verwöhnten Bengel!“ Dabei nickte Ganon zu dem verwundeten Soldaten hinüber, der sich am Boden krümmte und vor Qualen winselte. „Nun, wenn Ihr erlaubt. Ich ziehe mich jetzt in mein Reich zurück. Guten Tag!“
Ganon gab seinem Rappen die Sporen und gleich darauf setzte sich das Pferd in Bewegung. Link spürte den heftigen Ruck. Das Tau schnitt in seine Haut. Er konnte nicht anders, er lief hinter dem Pferd her.
Ganon ritt mit spöttischer Genugtuung an dem Kommandanten vorbei. Genau durch die Gruppe von Soldaten hindurch. Link sah zu seinem Vater auf. Tränen standen seinem Vater in den Augen. Im Vorübergehen klammerte er sich an das Bein seines Vaters. „Vater…“, wimmerte er. „Lass mich nicht allein!“
Der nächste Ruck riss Link von den Füßen.


Ganon zog so kräftig an dem Seil, dass der Junge über den Boden schlitterte. „Komm schon, kleiner Wurm! Ich habe nicht den ganzen Tag Zeit!“
Während Link sich aufrappelte ließ er seinen Vater nicht aus den Augen. Doch sein Vater sah verloren nach vorne, brachte es nicht über sich ihn anzusehen…
Langsam wurde seine Gruppe zu winzigen Punkten in der Landschaft.
Der Weg war beschwerlich und anstrengend. Immer wieder stolperte er über Steinbrocken und herausragende Wurzeln von vertrockneten Sträuchern. Dieser Ort hatte rein gar nichts mehr von der Frische und Herrlichkeit der Steppe. Hier fing der Vorort der Geisterwüste an. Das Reich der Gerudo.
Die Tränen flossen nur so an seinen Wangen herunter und trockneten gleich wieder. Seine Beine taten ihm weh. Er war so viel gelaufen! Müdigkeit von der Anstrengung machte sich in ihm breit. Er wollte nach Hause! Seiner Mutter in den Schoß springen und sich liebkosen lassen – vielleicht sah er sie nie wieder! Vielleicht starb er bald!
Er verdrängte diese Gedanken! Mehr Furcht war das Letzte was er brauchte.
„Ho!“, machten die Gerudokrieger und zügelten ihre Pferde.
Da erst merkte Link, dass sie vor einer Brücke aus Holzbrettern standen, die über einen gewaltigen Abgrund führte.
Ein breiter, monströser, tödlicher Abgrund, der alles und jeden verschlang.
Der Rappe, an den er gebunden war, trabte langsam auf die Brücke zu. Link wollte nicht, aber er wurde mitgerissen. Seine Augen klebten am Abgrund fest. Es war schrecklich! Unten – ganz tief unten – lief ein reißender Fluss entlang. Der Lärm des Wassers drang zu ihnen herauf. Link schluckte.
Vorsichtig setzte das Pferd die Hufen auf die Brücke und trabte bedacht weiter.


Oh, bei den drei Göttinnen! Bitte lasst mich das überstehen!, flehte Link zu sich. Mit zittrigen Schritten folgte er dem Rappen.
Es war so tief! Er konnte kaum den Fluss erkennen, er hörte ihn mehr.
Ganz langsam arbeitete er sich dem Pferd hinterher. Ihm war schwindelig und übel. Er hatte das Bedürfnis sich zu übergeben.
Fast hatten sie es geschafft! Die Hälfte hatten sie hinter sich –
Doch plötzlich vibrierte das Holz unter seinen Füßen. In Panik schrie er auf und warf sich auf den Boden. Seine Hände waren gefesselt! Er konnte sich nicht festhalten!
Die Gerudo brachen in schallendes Gelächter aus.
Zwei der Männer hatten vom anderen Ende aus die Brücke absichtlich zum Wanken gebracht um ihm Angst zu machen. Weder Ganon noch sein Pferd hatten sich erschrocken, sie waren das Schwanken gewohnt. Schließlich mussten alle Gerudo die Brücke überqueren, um von ihrer Festung ins Landinnere und zurück zu gelangen.
Ebenfalls belustigt drehte er sich im Sattel um und blickte zu dem Jungen hinunter, der die Arme vor den Kopf geschlagen hatte. „Steh auf, Feigling!“
„Nein!“, weinte Link. „Ich will nicht mehr! Ich stehe nicht auf!“


Ganon grinste seinen Männern zu. „Wackelt weiter, bis er runterfällt. Mal sehen wie schön er baumeln kann.“
„NEIN, NEIN!“, schrie Link auf und sprang auf die Beine. Er packte den Schweif des Rappen, hängte sich förmlich daran. Das Pferd störte es nicht, es setzte sich erneut in Bewegung.
„Na also“, lachte Ganon. „Geht doch!“
Link fing an zu schluchzen. Seine Augen waren rot vom Weinen. Seine Beine waren so schwach wie nie.
Endlich kamen sie in der Festung an. Die Festung war ein gigantisches Gebilde aus trockenem Stein. In einen Wüstenkoloß gehauen. Kleine und große Vierecke bildeten Eingänge und Fenster. Ein hölzerner Anbau ergänzte die Pracht der Festung.
Kinder, Jungen und Mädchen, tollten vor der Festung über den sandigen Boden. Stritten, kämpften, fingen sich. Dazwischen hielten Frauen mit langen, breiten Speeren Wache. Sie alle trugen leichte und luftige Stoffkleidung. Meistens Weiße. Manche Frauen hatten einen Schleier vor dem Mund.
Eine große Menge Menschen, alle braungebrannt von der Sonne und mit feuerroten Haaren. Jetzt kam sich Link noch kleiner und schwächer vor als sowieso schon. Er war in der Höhle des Löwen – als Maus.


Als sie die Horde Krieger kommen sahen, kreischten die Kinder auf und liefen ihnen entgegen. Mit leuchtenden Augen liefen sie ihren Müttern, Vätern und Geschwistern entgegen.
Was Link auf den ersten Blick sah war, dass es deutlich mehr Frauen als Männer gab. Es war merkwürdig, viele Mädchen und Frauen unter den Männern, mit Waffen ausgestattet und durchtrainierten Körpern. Die Frauen waren genauso Krieger, ganz anders als bei ihm in Hyrule.
Einer der Jungen stieß ihn an und beglotzte ihn mit so blödem Ausdruck, dass er ihm ins Gesicht geschlagen hätte, wenn er nicht verhindert wäre.
„Wer ist der denn?“, fragte der Junge.
„Nicht wer, sondern was ist das?“, verbesserte ihn ein Mädchen und sah Link überaus misstrauisch an.
Einer der Krieger daneben beugte sich zu ihnen hinunter und flüsterte übertrieben geheimnisvoll: „Schaut ihn euch gut an! Er ist ein einzigartiges Exemplar der Gattung Hyrulianer.“
Die Kinder schielten fragend zu dem Mann herauf. Die Krieger und Kriegerinnen, die zugehört hatten, fingen an zu lachen.
Das Gesicht lief ihm rot an, so wütend und beschämt war Link. In seinem Kopf spukten die schlimmsten Flüche und Verwünschungen.
Während Ganon vom Sattel stieg gesellte sich eine Frau, die am Tor zur Wüste Wache gestanden hatte, zu ihnen und zischte die Kinder an. „Ihr versperrt den Weg! Verschwindet!“ Sofort teilte sich die Menge an Kindern und rannte aufgescheucht davon.
„Bei den Göttinnen, ich wundere mich immer noch warum ich regiere und nicht du, Dana.“, lachte Ganon. „Du bist ja furchteinflössender als ich!“ Wieder brach eine Lachsalve aus.
Sie beachtete ihn gar nicht, ihr Blick blieb auf Link hängen. „Was macht der Grünschnabel hier?“
„Wie geht es meiner Frau?“, überging Ganon ihre Frage. „Ist es schon so weit?“
„Ich weiß es nicht. Sará schickt jemanden.“


Ganon beugte sich runter und zog einen schmalen Dolch aus dem Stiefel. „Ich habe das Warten satt! Neun Mondwanderungen sind mehr als genug!“ Mit der anderen Hand packte er Link hart am Oberarm und zog ihn zu sich heran. „Ich hasse es, wenn…“ Link schlug auf den Arm ein um ihn von sich zu lösen. Sofort war die Klinge vor seiner Nase und Ganon knurrte ärgerlich: „Vorsicht! Wir wollen doch nicht, dass mir die Hand ausrutscht.“
Wenn einem seine Mutter ermahnte etwas zu tun, dann tat man es.
Wenn einem sein Vater befahl etwas zu tun, dann tat man es.
Aber wenn einem ein Messer vors Gesicht gehalten wurde, konnte man nicht anders als wie gelähmt dazustehen.
„Ich gehöre nicht gerade zu den geduldigsten Menschen!“, sagte Ganon zu der Frau und schnitt die Fesseln um die Handgelenke Links durch.
Dana stemmte die Arme in die Hüften. „Der Natur ist dein Jähzorn absolut gleichgültig. Und darüber können wir alle froh sein.“
„Warum? Weil es dann in der Wüste ständig gewittern würde oder was?“, schmunzelte er zurück.
Ein Mädchen rannte aus dem Haupteingang auf sie zu. Es hatte eine Holzplatte an sich gepresst. „Oh, mein König!“, sagte sie und verbeugte sich. „Das Mahl ist bereits aufgetafelt.“ Noch einmal verbeugte sie sich und raste den Weg zurück.


„Etwas zu Essen könnten wir gut vertragen!“, sagte Ganon und winkte seinen Männern zu. „Die Kinder sollen die Pferde zu den Ställen bringen und verpflegen.“
„Herr, was wird aus dem Jungen? Soll ich ihn ins Gefängnis im Holzbau werfen?“, fragte Murrey scheinheilig.
Link mochte den Mann nicht. Mehr noch! Er hasste seine schleimige Art!
Der schwarze Krieger tat, als bemerke er Link zum ersten Mal. Dann aber sagte er mit hinterhältigem Unterton: „Nein. Wenn er schon hier ist, soll er sich gleich nützlich machen. Nehmt ihn mit in den Speisesaal!“
Die Krieger sattelten ab.
Ein Mann griff ihm an den Kragen und schleifte ihn hinter sich her. Die Meisten blieben zurück, nur wenige folgten Ganon und Dana ins Innere der Festung.
Die Wände waren ebenso sandfarben wie draußen, doch der kalte Stein verlieh den Wohnräumen angenehme Frische, ein Kontrast zur Hitze der prallenden Sonne.
Der Schwindel wurde stärker und wälzte sich in seinen Magen vor. Link hatte das Gefühl gleich umzukippen.
Totenköpfe von Pferden und anderen Tieren hingen an den Wänden, geschmückt mit bunten Federn. Ketten mit Eisenringen bohrten sich ins Gestein. Kisten stapelten sich in den Ecken. Viele Gänge und Zimmer waren fensterlos und nur eine Fackel spendete düsteres Licht. Es war ein schrecklicher und unheimlicher Ort!


„Ich hoffe es gefällt dir, Würmchen.“, feixte Ganon. „Leider können wir dir hier nicht den Luxus bieten, den du gewohnt bist.“
Link drehte hochnäsig den Kopf. Über solchen Provokationen stand er drüber. Nach etlichen Schritten durchschien Sonnenlicht das Ende des Korridors. Sie waren im Speisesaal angekommen. Durch ein riesiges Fenster stießen die Sonnenstrahlen herein und durchfluteten den dunkelsten Fleck.
In der Mitte erstreckte sich ein langer Holztisch, auf dem sich Speisen zu Massen darboten. Schalen mit Obst stritten mit Tellern voller gefüllter Eier und Brotscheiben um die Aufmerksamkeit des Betrachters. Tonkrüge, in denen Wein schwappte, umgeben mit Schalen voll Nüssen und Gewürzen.
Der Mann, der ihn festhielt, schleuderte ihn gegen die Wand, wo er, an sie gelehnt, benommen stehen blieb.
Die Männer und Frauen nahmen Platz.
Natürlich setzte sich der schwarze Reiter als Oberhaupt ans Tischende, die Frau, die Dana genannt wurde, zu seiner Rechten. Der Linke Platz blieb leer.
Und dann durfte Link zusehen wie sie redeten, grölten und sich den Bauch voll schlugen. Und wie der Wein in ihre Hälse floss. Nicht einen Schluck bekam er ab, obwohl er es gewesen war, der den gesamten Weg zu Fuß hinter sich gebracht hatte.
Seine Kehle war völlig trocken, das Wasser lief ihm im Mund zusammen beim Anblick der Speisen, die in den Mägen dieser arroganten Leute verschwanden.
Link beobachtete wie der schwarze Reiter den Stuhl etwas vom Tisch weg schob um seine Füße darauf abzustellen, ohne das Gespräch mit der Frau zu unterbrechen.
Doch er schien Links Blick auf sich gespürt zu haben, denn er hielt abrupt inne und wandte sich zu ihm um. Link sah schnell weg, um den schwarzen Reiter nicht noch auf die Idee zu bringen, auf ihn aufmerksam zu werden.


Doch es war bereits zu spät.
„Du da!“, sprach Ganon. „Wie heißt du?“
Link blieb stumm.
„Antworte lieber, sonst muss ich dich zum Reden zwingen!“
Link sah dem schwarzen Reiter in die Augen. Vergnügt erwiderte Ganon den Blick.
Link baute sich in voller Größe, soviel er eben hatte, auf. „Mein Name ist Link von Hyrule!“, prahlte er stolz. Auch wenn er nun ein Gefangener war – seine Würde konnte ihm auch ein König nicht nehmen! Immerhin war er in wenigen Jahren selbst König! Ein noch viel mächtigerer König als der schwarze Reiter!
„Link?“, brach Ganon in Gelächter aus. „Link – etwa von links und rechts? *Irgendjemand muss sich ja mal über den Namen lustig machen ^^* Was für ein bescheuerter Name. Kleiner, du bist mit deiner Familie wirklich nicht gesegnet, mein Beileid!“
Das machte Link unglaublich wütend. Er schrie förmlich: „Na und? Euer Name ist noch viel bescheuerter! Weil er genauso bösartig und hässlich ist wie Ihr!“
Die Gerudo starrten ihn entgeistert an. Dann schielten sie zu ihrem König hinüber, neugierig auf dessen Reaktion.
Doch Ganon wurde nicht wütend, im Gegenteil. Mit einem breiten Grinsen hob er den Finger und bedeutete Link mit einer Geste zu ihm zu kommen.
Link zögerte. Wie würde sich sein Vater jetzt verhalten? Ob er sich weigern sollte? Aber das wäre dumm und töricht. Er durfte sein Leben nicht auf so eine Weise aufs Spiel setzen. Er musste sich fügen und warten bis sein Vater mit seinem Heer kam und die Festung angriff. Dann konnte er immer noch sein Schwert zücken und…
Da fiel ihm ein, dass er zu allem Überfluss auch noch unbewaffnet war.


Vorsichtig wie eine Maus, die Gefahr witterte, trat er zu dem Stuhl am Ende des Tisches heran.
Ganon musterte ihn von oben bis unten. Und Link konnte schwören, dass das Grinsen noch breiter wurde.
„Schenk mir Wein ein!“, befahl Ganon ihm und nickte in Richtung des Tisches.
Links Kinnlade klappte nach unten. Er hatte sich wohl verhört! Ganz sicher! Er musste sich verhört haben. Er war der Sohn des Kommandanten von Hyrule und einer Prinzessin von Holodrum! So etwas Niedriges tat er niemals! Er spielte doch nicht den Diener nur damit sich jedermann über ihn lustig machen konnte!
„Mach schon! Mein Mund trocknet aus, bis du dich bewegst!“
Andererseits hatte sein Vater ihn ermahnt nicht den Helden zu spielen…
Darum griff er nach der Tonkanne. Sein Herz schlug gegen seine Rippen und in seinem Kopf brodelte es. Er bebte vor innerem Zorn und versuchte ihn dennoch zu unterdrücken. Mit verzerrtem Ausdruck schüttete er die rote Flüssigkeit in den Becher und stellte die Kanne wieder ab. Nach vollendeter Tat blieb er reglos stehen.
Ganon sah von ihm zum Becher und wieder zu ihm. Die Nasenflügel bebten ihm vor Vergnügen über den Zorn des Jungen, den er fast riechen konnte. Er stützte den Ellbogen auf die Armlehne und hielt die Hand flach dem Knaben hingestreckt. „Du musst mir den Becher schon in die Hand geben! So komme ich nicht ran.“
Link knirschte mit den Zähnen und griff schnaufend nach dem Becher. Vorsichtig übergab er ihn dem schwarzen Reiter.
Ganon schloss seine Finger um den Ton und sah in den Becher. Seine Stirn kräuselte sich skeptisch. „Nein, das ist nicht gut! Der Becher ist zu voll, da kann leicht etwas verschüttet werden!“ Und noch während er sprach hob er den Becher über den Kopf des Jungen und schüttete den Wein drüber.
„Siehst du!“, lachte er. „Schon ist es passiert!“


Rote Weinadern flossen durch Links Haare und an seinem Gesicht hinunter. In Tropfen perlten sie an seinen Haarspitzen und am Kinn herab.
Die Gerudos lachten. Nur Dana schüttelte den Kopf und sah ihn mitleidig an.
Das war der Tropf, der das Fass zum Überlaufen gebracht hatte! Vergessen war die Mahnung des Vaters. Link war rasend vor Wut! Sie brach aus ihm heraus und ließ den Schacht seiner Gedanken und Mahnungen einstürzen und zuschütten.
Mit bloßen Händen stürzte er sich auf den schwarzen Reiter. Zornestränen traten ihm in die Augen.
So viel Mut hatte Ganon dem Kleinen nicht zugetraut, darum kam der Angriff völlig überraschend. Dennoch war er schneller!
Mit einer blitzartigen Bewegung packte Ganon die Arme, die auf ihn zustürzten und riss sie herum. Link fiel schreiend auf den Boden, ebenso wie der Becher, der am Boden neben ihm zerschellte. Er wollte sofort wieder auf die Beine springen, doch zwei schwere Stiefel stellten sich auf seinen Körper. Einer auf den Rücken, der andere drückte sein Gesicht auf den Stein.
„Was fällt dir ein, Wurm!“, zischte Ganon ihn an. „Ich habe deinem Vater nicht versprochen, dich nicht für deine Unverschämtheiten zu strafen!“
Link versuchte seine Arme zu Hilfe zu nehmen um mehr Kraft zum Aufstützen zu haben, doch der Fuß drückte ihn gnadenlos nach unten.
„Nun es sieht so aus, als wäre der kleine Adelige als Mundschank nicht sonderlich begabt!“, lachte nun auch Murrey.
„Unsinn! Zu irgendwas müssen verhätschelte Bengel doch zu gebrauchen sein!“, setzte ein anderer nach.
Ganon lehnte sich im Stuhl zurück. „Nun ich muss zugeben, dass er sich als Fußhocker gar nicht mal so ungeschickt anstellt…“ Erneut erklang schallendes Gelächter.
Sie wollten sich noch mehr über ihren unfreiwilligen Besucher amüsieren –
Doch in diesem Moment stürzte ein Mädchen in den Raum.


„Herr! Herr!“, kreischte sie aufgeregt und ihr Blick irrte wild umher. Ihr Gesicht war rot und sie hechelte nach Atem. Schweiß klebte ihre Haare am Kopf fest. „Herr! Herr!“
„Was ist denn Ashanti? Beruhige dich!“, sagte Ganon.
Das Mädchen nahm die Kapuze ihres weißen Gewandes ab und rannte zu ihm. „Herr! Herr!“, quiekte sie. „He…“
„Ashanti! Sag mir einfach, was du zu sagen hast!“
Sie hielt inne und atmete ein paar Mal tief durch.
„Gut!“, beschwichtigte Ganon. „Also?“
„Naboru... Die Wehen haben eingesetzt! Das Kind kommt!“, kreischte sie.
Ganon wollte sofort auf die Beine springen. Doch als Link das gesamte Gewicht des Mannes spürte lechzte er vor Schmerz.
Gleich entzog Ganon seinen Beinen das Gewicht wieder und stellte die Füße auf den Steinboden ab.
„Was sagst du da?“, fragte Ganon. „Mein Kind ist auf dem Weg in diese Welt?“
Ashanti nickte heftig und kreischte hysterisch auf. „Sará hat mich sofort zu Euch geschickt!“
„Sattelt die Pferde!“, wies Ganon an. „Wir brechen unverzüglich auf!“


„Was ist mit dem Hyrulianerjungen?“, fragte Dana, ohne überhaupt aufgestanden zu sein. „Lässt du ihn in einen der Kerker sperren?“
Da erst bemerkte ihn das Mädchen und kreischte noch lauter, diesmal vor Schreck.
Link rappelte sich mühsam unter dem Tisch hervor. Sein Rücken quälte ihn mit Versteifung und Schmerzen.
„Wir nehmen ihn mit!“, entschied Ganon. „Ich traue seinem Vater nicht. Meinen Verstand wette ich darauf, dass der bereits mit dem König ein Heer zusammenstellt um uns anzugreifen. In der Wüste wird er den kleinen Wurm niemals finden! Kein Ort eignet sich besser als Kerker als der Geistertempel!“
Link schluckte… Wüste? Geistertempel?

 

Das Wasser wurde herumgereicht. Bald waren sie am Tempel. Dennoch genossen alle die Pause. Sie waren in der grellsten Mittagssonne aufgebrochen.
Normalerweise würde Ganon seine Männer nicht dieser Hitze aussetzen, auch wenn die Gerudos Sand und Sonne gewohnt waren. Eigentlich ritten sie nur abends, nachts und in den frühen Morgenstunden durch die Wüste, doch bei so einem wichtigen Ereignis verzichtete er gern auf Gewohnheiten.
Also hatten sie in Windeseile ihre Rüstungen abgelegt und sie gegen ihre weißen Stoffgewänder eingetauscht. Die weißen Kapuzen und Turbane aufgesetzt und die Flechthüte. Sie hatten sich die Wasser- und Salzbeutel umgebunden und Nahrung eingepackt.


Hoffentlich kam er nicht so spät, um zu erfahren, dass sein Kind schon geboren war. Er wollte vor der Gebärung im Tempel sein um seiner Frau beizustehen.
Seine Männer neckten ihn auch mit spröden Scherzen über ihn und den zukünftigen Thronerben.
„Stellt Euch vor es wird ein Junge!“, sagte einer und stieß ihn an. „Dann könntet Ihr eine Hochzeit mit der kleinen Prinzessin erzwingen und schlaft im selben Bett wie der hyrulianische König. Das wäre ein Anblick!“
„Nur wenn die kleine Prinzessin es vorher in ihren Träumen sieht.“, erwiderte Ganon.
Sie lachten.
Von der Prinzessin Zelda hieß es, sie habe magische Fähigkeiten. So konnte sie durch ihre Träume in die Zukunft sehen. Was für ein Unfug!
Zum Glück erzählten es sich die Leute ohne es wirklich zu glauben. Magie gab es nicht! Das waren Hirngespinste, die sich Eltern ausdachten um ihren Kindern Angst einzujagen.
Ganon nahm einen großen Schluck aus seinem Wasserbeutel und leckte sich über die Lippen. „Mir wäre ein Mädchen lieber! Dann muss ich nicht mit meinem Kind um die Aufmerksamkeit meiner Frau konkurrieren.“


Erneut brachen sie in Gelächter aus.
„Ach, Herr. Macht Euch darum keine Sorgen.“, flötete Murrey. „Auch wenn Ihr am Tage Eure Gemahlin nicht für Euch habt, nachts wird ihre ungeteilte Aufmerksamkeit nur Euch gehören.“
„Und reich belohnen wird sie Euch auch.“, stimmten einige wie aus einem Munde zu. Sie lachten so laut, dass es durch die ganze Wüste zu dringen schien. Nicht einmal die Schwüle vermag ihre Heiterkeit zu dämpfen.
Plötzlich durchfuhr eine scharfe Stimme das Gelächter: „Jetzt reicht es!“ Dana ohrfeigte einen der jüngeren Männer, der ihr zufällig am nächsten war und baute sich vor den Männern auf. „Wie könnt ihr nur so grausam sein! Ihr sitzt hier und vergnügt euch, während der Junge am Verrecken ist!“ Sie deutete mit dem ausgestreckten Finger auf das weiße Bündel, das sich nicht rührte.
Die Gerudo folgten ihrem Blick.
Bevor sie in die Wüste aufgebrochen waren hatte ihn eine der Frauen mitgenommen und ihm weiße Stoffgewänder in seiner Größe gegeben. Mit seiner ledernen Hose und seinem Brustpanzer wäre er in seinem Schweiß ertrunken.


Link lag reglos im Sand. Der Staub fegte über ihn hinweg und legte sich auf sein Gesicht, rieselte in die Nase und die Ohren. Aber ihm war es egal.
Als die Gerudos für eine Pause angehalten hatten und abgestiegen, wobei er diesen Weg nicht zu Fuß gehen musste, ein Gerudo hatte ihn vor sich aufs Pferd genommen, war er wie ein Sack Kartoffeln in den Sand geplumpst und liegen geblieben. Die Sonne brachte ihn noch um!
Wenigstens hatten sie eines ihrer Pferde vor die Sonne gestellt, damit der Schatten des Tieres auf ihn fiel und etwas Kühle verschaffte. Auch wenn der Sand immer noch so heiß war, dass er auf seiner Haut brannte. Seine Kehle war so trocken. Das Bild vor seinen Augen war verschwommen.
„Also was ist jetzt?“ Dana tippte mit dem Fuß den Sand in die Luft.
Die Männer murrten und zuckten die Achseln.
„Kümmere du dich doch um ihn!“, sagte einer dreist. „Du bist schließlich die Frau hier!“
Dana holte mit dem Arm aus und der Mann duckte sich eilig weg –
„Ich gehe schon!“, unterbrach Ganon und erhob sich.


Schockiert wandten sich alle Blicke auf ihn. Die Münder klappten auf.
„Aber, mein König!“ Murrey sprang auf die Füße. „Das… Lasst mich oder einen anderen diese unwürdige Aufgabe übernehmen.“
„Warum unwürdig, Murrey?“, erwiderte Ganon. „Ich bin der Gastgeber und als dieser muss ich mich doch um das Wohlbefinden unseres Gasts bemühen.“ Er blickte scheinheilig zu Dana. „So siehst du es doch auch, nicht wahr?“
Dana rümpfte die Nase.
Link versuchte den Kopf zu heben, als er die Gestalt vor sich sah, doch er schaffte es nicht. Die Haare klebten ihm am Kopf, von Schweiß und Wein. Sein Gesicht war rot.
Ganon beugte sich zu ihm hinunter und half ihm sich aufzusetzen. Link lehnte sich schwerfällig gegen das Bein, das ihn in den Rücken gestellt wurde.
„Tja, jetzt siehst du in was für Verhältnissen wir leben müssen!“, sagte Ganon und schwenkte seinen Wasserbeutel vor dem Gesicht des Jungen. „Wirst du mir gegenüber noch einmal frech werden?“
Link schüttelte heftig den Kopf. Seine Augen hafteten gierig auf dem Beutel.
Dann überreichte Ganon ihm den Beutel, Link griff sofort danach und sog und trank heftig. Er verschluckte sich und hustete, dass er keine Luft mehr bekam. Ganon klopfte ihm auf den Rücken.
„Gewöhn dich lieber an die Hitze, du wirst eine lange Zeit hier bleiben!“, sagte Ganon wie beiläufig, während er den Lederbeutel um seine Hüften abband.
„Es ist schrecklich!“, krächzte Link erschöpf.


Der schwarze (nun weiße) Reiter zog ein Säckchen und ein winziges Gefäß daraus hervor. Gleich darauf ergriff er Links Hand, feuchtete sie mit Wasser an und schüttete die kleinen weißen Perlen aus dem Säckchen darauf. Sie blieben kleben.
„Leck es von der Hand. Das Salz sorgt dafür, dass du das Wasser nicht so schnell wieder ausschwitzt.“
Sein Gesicht verzog sich, als Link das Salz auf seiner Zunge spürte. Natürlich, auch in Hyrule wurde mit Salz gekocht und gewürzt, aber blankes Salz? Das hatte er noch nie gegessen und gut schmeckte Salz allein auch nicht.
„Wie weit ist es noch bis zum Tempel?“, flüsterte Link, ihm drohte die Stimme zu versagen.
„Nur noch zwei Stunden.“ Ganon öffnete das Gefäß und tauchte seinen Mittel- und Zeigefinger in den Inhalt. Die creamige Substanz verteilte er auf das gerötete Gesicht des Jungen.
Die Salbe brannte zuerst auf Links Gesicht, doch dann fing sie an seine Haut zu kühlen. Er konnte den Mann noch immer nicht leiden, doch er musste zugeben, dass die Gerudos nicht so grausam und abstoßend waren wie sie von allen anderen Bewohnern Hyrules dargestellt wurden. Sie hatten einfach nur ein schwereres Leben, das mehr Härte und Ausdauer erforderte. Und ihr König tat sein Bestes für das Volk.
Wenn er je wieder in Hyrule sein sollte, dann sorgte er persönlich dafür, dass man nie wieder schlecht oder abfällig über die Gerudos sprach! Das nahm Link sich vor.
Ganon drückte ihm das Tongefäß in die Hand. „Reib dich öfter mit dem Balsam ein, du hast Sonnenbrand.“
Dann erhob sich Ganon und der Junge knallte zurück in den Sand.


„Wir brechen auf!“, schrie er seinen Leuten zu. Ein Raunen ging durch die Runde.
Einer der Krieger beugte sich zu Link hinunter und zerrte ihn auf die Beine. „Komm Faulpelz, du hast genug geschlafen! Steig wieder aufs Pferd!“ Es war der Mann, mit dem er geritten war. Der packte ihn gewaltsam am Kragen und wollte ihn mit sich zerren.
Ganon hielt den Mann mit einer Geste auf. „Ich nehme ihn mit.“
Dem Mann blieb die Puste weg. „Aber Herr! Das könnt Ihr doch nicht…“
„Ich habe Angst, dass du ihn mir noch in zwei reißt!“, knurrte Ganon. „Dann haben wir gegen die Hyrulianer nichts mehr in der Hand.“
Der Krieger ließ Link los und wich verwirrt zurück.
„Bravo, mein König.“, lachte Dana. „Wenn du ihm jetzt noch ein Küsschen gibst, kannst du schon mal testen wie es ist Vater zu sein.“
Link wollte sich übergeben, leider wäre das ganze schöne Wasser dann weg.


Ganons Miene wurde finster. „Wenn du nicht die Klappe hältst, werde ich dir die Zunge herausschneiden! Verdammtes Miststück!“
Dana wandte sich ihrem Pferd zu und stieg auf, doch das Lachen verging ihr nicht. Auch Ganon stieg auf seinen Rappen. Das Tier wieherte aufgeregt. Ganon streichelte ihm den Hals und flüsterte beruhigend auf ihn ein.
Dann griff er so schnell nach Link, dass dieser gar nicht wusste wie ihm geschah. Im Nacken wurde er hochgehoben und quer über die Schultern des Rappen geworfen. Gleich darauf suchte er sein Gleichgewicht und zog sein rechtes Bein auf die andere Seite um sich aufzusetzen.
„Auf geht’s, Männer!“, brüllte Ganon. „Ho!“
Dann brausten die Pferde los. Link griff nach der Mähne des schwarzen Pferdes und klammerte sich darin fest. Der trockene Wüstenwind schlug ihm entgegen. Link packte die weiße Kapuze und zog sie sich tief in sein Gesicht. Die Hitze war unerträglich! Lange hielt er es hier nicht mehr aus…
Plötzlich! Ganz plötzlich ragten hohe Felsen, beinahe Berge, aus dem Sandboden heraus und erstreckten sich vor ihnen zu einer Mulde.
Sie ritten hinein.


Der riesige Koloß erhob sich vor ihnen, den winzigen Menschen, und sah auf sie herab. Es war eine Frau in Wüstenkleidung. Ihre Beine waren zu einem Schneidersitz gewunden und die Hände fordernd nach vorne gestreckt, mit den Handflächen nach oben deutend. Um ihren Hals wand sich eine Kobra, die das Maul so weit öffnete, dass es sich um den Kopf der Frau schloss.
Link kam aus dem Staunen nicht mehr heraus.
Zu ihren Füßen wartete das gigantische Tor auf die, die den Tempel zu betreten gedachten.
Ganon zog an den Zügeln, sein Rappe blieb auf der Stelle stehen. „Endlich sind wir da!“, murmelte er und wandte sich sofort zu seinem Untertan um. „Murrey! Eile voraus und kündige uns an!“
Murrey sattelte ab, verbeugte sich und rannte zum Tor, verschwand im Inneren.
Auch Ganon und seine Männer stiegen ab. Einer nahm alle Zügel an sich und führte die Pferde zur Oase um sie zu tränken.
„Und was machst du mit unserem Gast?“
Link war gerade ungeschickt abgestiegen und genauso unsanft auf seinen zwei Buchstaben gelandet. Im Aufstehen stierte er zu der Frau auf.
Ganon zuckte mit den Schultern. „Ist doch egal. Er kann nicht flüchten, also brauchen wir ihn auch nicht irgendwo einzusperren oder anzuketten.“ Noch während er sprach setzte er sich in Bewegung, in Richtung des Tempeleingangs. „Ich habe jetzt viel wichtigere Dinge im Kopf!“
Dana winkte den Kriegern zu und gemeinsam folgten sie ihrem König.


Da hier alles fremd für ihn war, entschloss sich Link ihnen zu folgen. Schnell steckte er die Dose mit dem Balsam, die er den ganzen Ritt über fest in der Faust gehalten hatte, in seinen Beutel und stolperte den Gerudos nach.
Doch er hatte sie schon verloren, er war zu langsam gegangen.
Eine leichte Panik machte sich in ihm breit. Sein Blick irrte von den Wänden über die Steinplatten entlang. Er rannte durch Türen und Gänge in der Hoffnung sie wieder zu finden. Zu Schreien wagte Link nicht.
Als seine Beine streikten und die Müdigkeit ihn eingeholt hatte betrat er das Zentrum des Tempels. Mit großen Augen starrte er die riesige Statue von unten nach oben an. Es war die gleiche Frauenabbildung wie auf dem Gebäude, nur etwas kleiner.
Wer nur waren die Leute, die so etwas Kunstvolles erschaffen konnten? Meister ihres Handwerks!
Link gähnte. Er musste unbedingt etwas schlafen! Leider war der Steinboden nicht nur unbequem, sondern auch staubig und kalt. Auch in den anderen Räumen hatte er keinen geeigneten Schlafplatz ausmachen können.


Schließlich entschied er sich trotzdem für Stein. Link kletterte auf den Fuß der Statue und balancierte sich den Unterschenkel bis zum Knie. In der kleinen Nische ließ er sich erschöpft nieder. Hier konnte er sich in aller Ruhe etwas ausruhen ohne weder gestört noch gefunden zu werden.
Noch einmal über die Bauten des Geistertempels staunend, schlief er endgültig ein…
Er wurde von einer zuknallenden Tür aus den Träumen gerissen. Er zuckte zusammen und hob den Kopf.
Zwei Frauen rannten in die Mitte des Raumes.
„Komm, wir müssen uns beeilen! Es bleibt keine Zeit!“, rief die Schnellere der anderen zu und klatschte laut in die Hände.
Der Schall wurde von den Steinwänden zurückgeworfen. Dann war es still.
Neugierig hob Link den Kopf und blinzelte in den Saal.
Plötzlich gab es ein metallisches Geräusch. Link fuhr erneut zusammen.
Ein kleines Quadrat löste sich von der Decke und fuhr langsam gen Boden. Die Frauen sprangen darauf, noch ehe es den Boden ganz berührt hatte. Gleich darauf fuhr es wieder nach oben und hielt genau vor dem Gesicht der Statue an.


Link verschlug es die Sprache, als die Frauen einfach hindurch gingen. Sie gingen durch den Stein? Hexerei! Dieses Volk war ein Teufelsvolk!
Es dauerte nun ein paar Atemzüge, dann kamen die Frauen wieder heraus und fuhren zu Boden.
Doch jetzt waren sie nicht mehr abgehetzt – sie waren regelrecht aufgescheucht und hysterisch!
Die Eine packte sich an den Kopf und zog an ihren Haaren. „Was sollen wir nur tun?“, kreischte sie schrill. „Was sollen wir nur tun? Sará bringt uns um!“
„Aber ich dachte du bist gegangen um den Vorrat an Mondsamen neu zu füllen!“, sagte die Zweite aufgebracht.
„Nein! Ich habe Sulea doch gesagt, dass sie dir Bescheid sagen soll, dass du dran bist!“
„Oh Göttin! Was machen wir nur?“ Die Zweite hob die Arme zu der Statue empor. „Oh Shjra, Mutter unseres Volkes! Hilf uns doch!“
Sie rannten davon. Doch dieses Mal wollte sich Link nicht abschütteln lassen. Er sprang von der Wade der Staute hinunter, wankte um sein Gleichgewicht und rannte den Frauen nach.
Sie waren schnell, die beiden. Aber ihm gelang es ihnen auf den Fersen zu bleiben.
Etliche Gänge und Räume durchliefen sie. Bis sie endlich einen hell erleuchteten Gang erreichten.
Dieser Gang unterschied sich so völlig von den anderen in diesem Tempel, dass es ihm erneut die Sprache verschlug.
Jede drei Schritte war eine Fackel in die Wand gegeben, geschützt durch schimmernde Glaskästen. Die sonst so kahlen Steinwände waren mit bunten und aberbunten Tüchern verhängt. Von der Decke hing ein langes Seidentuch, das ganz dunkelblau war, mit winzigen Sternenstickereien. Es war atemberaubend schön!
Genau diesen Gang rannten die Frauen entlang. Er folgte ihnen, blieb aber immer versteckt hinter den behangenen Steinsäulen, auf denen die Glaskästen mit den Fackeln standen.
Schon ohne ihn zu sehen, hörte Link die Stimme Ganons.


„Was soll das? Warum dauert das so lange? Zur Hölle sollst du fahren, Sará!“
Link hörte eine sanfte aber tiefe Frauenstimme beruhigend auf ihn einreden. „Beruhige dich, mein König! Es ist bald so weit. Aber ich brauche erst den Mondsamen um daraus den nötigen Trank zu brauen. Ich sagte doch, deine Frau hat das Kindbettfieber! In diesem Zustand kann sie…oh sieh! Da kommen die Beiden endlich!“
Noch rechtzeitig sprang Link hinter eine Steinsäule, bevor die Frau ihn hatte sehen können.
Die zwei Frauen verbeugten sich tief vor der Hebamme und ihrem König. Sie wagten es nicht den Kopf zu heben.
An den Wänden lehnten die jungen Krieger, die mit Ganon geritten waren.
Auch als die Eine anfing stotternd die Tragödie zu berichten, sahen sie nicht auf.
„Sará verzeih uns! Verzeih unsere Dummheit – unser Versagen!“


Die Hebamme runzelte die Stirn. „Jetzt ist keine Zeit um über irgendeine eurer Dusseligkeiten zu plaudern! Ich brauche den Mondsamen, sofort!“
Die Zweite begann heftig zu schlucken. „Das ist es ja! Wir haben den Vorrat nicht aufgefüllt…“
„Was soll das heißen?“, brüllte nun Ganon. „Was bedeutet das?“
„Es ist nichts da? Nicht eine einzige Blüte?“ Auch die Stimme der alten Hebamme klang jetzt hysterisch. „Befahl ich euch nicht ihn nachzufüllen? Habe ich euch das nicht als Oberstes aufgetragen? Ihr wisst wie häufig und gefährlich das Kindbettfieber ist!“
„Es tut uns so leid!“, jammerten die Frauen im Chor.


Ganon war kreidebleich im Gesicht und das bei seiner Bräune. Entsetzt wandte er sich an Sará. „Was jetzt? Was tust du jetzt?“
Sará schüttelte den Kopf. Tränen traten ihr in die Augen.
„Heißt das…“, begann Murrey, verstummte aber sofort, als eine der Kriegerinnen ihm einen warnenden Blick zuwarf.
Sarás Stimme zitterte: „Ich…ich schicke sofort jemanden um ein paar Pflanzen zu pflücken, aber…es ist zu spät, es wird zu spät sein, bis ich Neue bekomme…“
„Was meinst du damit? Was ist zu spät?“, fragte Ganon.
„Das Kind wird auf die Welt kommen, aber… Ich werde Naboru nicht retten können…“
„WASSSSSSSS!!!“, schrie Ganon und der ganze Gang hallte von seinem Schrei. Die Wände schienen unter seiner mächtigen Stimme zu beben.
Link warf sich ängstlich zu Boden.
Und er war nicht der Einzige. Die Untergebenen schlugen ehrfürchtig die Arme vors Gesicht und machten sich ganz klein.
Die beiden Geburtenhelferinnen warfen sich weinend vor Ganon zu Boden.
„Es tut uns Leid! Vergebt uns, Herr!“, winselte eine der Frauen.


Ganon bebte vor Wut. Im Zorn packte er die Frau und riss sie auf die Beine. Er würgte sie und hob drohend die Faust. Er schrie sie an: „Vergeben? Ihr bettelt um Vergebung? Wie kann ich das? Ihr seid Schuld am Tod meiner Frau! Ich töte euch beide! Mit meinen Fäusten werde ich euch tot prügeln!“
„Wartet! Wartet!“
Link sprang aus seinem Versteck und lief auf die Gruppe zu. Er keuchte. In seinen Ohren klang noch immer Ganons Stimme nach.
Er konnte den Mann nicht ausstehen. Aber er konnte auch nicht zusehen, wie zwei Frauen totgeschlagen wurden, oder wie eine unschuldige Frau bei der Geburt ihres Kindes starb. Er konnte doch helfen! Zumindest hoffte er das!
Einer der Krieger packte ihn hart am Kragen und schnitt ihm fast die Luft ab. Es war Murrey.
„Was machst du hier? Du darfst gar nicht hier sein, du Gör!“
„Ich…ich hab…“, quetschte Link aus seinem Mund.


Murrey zog ihn hinter sich her und sagte: „Entschuldigt die Störung, erwürdige Hebamme. Ich schaffe den Dreck schnell aus Euren Augen.“
Die alte Frau mit dem seidenen Kopftuch starrte Link überrascht an.
„Aber…“, würgte er.
„Lass ihn los!“ Nun brüllte auch Sará. „Siehst du blinder Hund nicht, dass der Junge uns etwas sagen will?“
Erschrocken ließ Murrey los. Link griff sich an den Hals und schnappte schnell nach Luft.
„Komm her, Junge. Und sprich!“ Die Stimme der Hebamme war streng und befehlend.
Er stolperte der alten Frau entgegen und kramte nach seinem Beutel. „Ich kann helfen! Ich habe…“ Er holte die Blumen heraus, die er eigentlich für seine Mutter gepflückt hatte. „Das sind doch Mondsamen?“
Die Frau fixierte nachdenklich die zerknautschten dunkelblauen Blumen. Sie waren zerdrückt von dem Aufenthalt im Beutel.
Dann strahlte sie. „Die sind zwar etwas zerquetscht, aber dafür noch sehr frisch! Ich muss sofort an die Arbeit!“ Mit einer Bewegung riss die Hebamme ihm die Blüten aus der Hand und winkte die beiden Helferinnen zu sich. „Schnell jetzt! Wir müssen das Elixier herstellen!“
Die Frauen, die wie betäubt noch immer auf Link starrten, sprangen auf und folgten der Hebamme durch die große, silberfarbene Tür hindurch, die in den Vorraum des Kreissaales führte.
Als die Tür zufiel – war es totenstill.


Ganon starrte wie gebannt auf die Tür, die nicht mehr knarrte.
Und solange er sich nicht rührte, wagte es niemand sich zu rühren. Nicht einmal zu atmen.
Er stand da wie eine lebendige Statue. Sein Blick musste sich schon durch das Metall der Tür bohren. Und er selbst musste von den furchtsamen Blicken seiner Untergebenen durchbohrt werden.
Jäh drehte sich Ganon um und brüllte seine Leute an. Mit seiner gebieterischen und gewaltigen Stimme. „Was steht ihr da rum wie dumme Maultiere? Macht dass ihr verschwindet! Sofort! Bevor ich euch alle hinrichten lasse! Aus meinen Augen!“
Wie die Krähen, die vor dem Tempel ihre Nester hatten, sprangen sie aufgescheucht von der Wand und rannten auseinander.
Auch Link wollte sich dem Haufen anschließen, nur um von dem zornstrotzenden König der Gerudos wegzukommen. Aber für ihn war es zu spät.
Ganon packte ihn an den Haaren des Hinterkopfes – er schrie vor Schmerz auf – und riss ihn zu sich herum. „Du bleibst hier!“, herrschte er den Jungen an und warf ihn zu Boden. Link schlug auf dem kalten Stein auf. Sein Kopf pochte. Er kniff die Augen zusammen um den Schmerz zu lindern und öffnete sie keuchend.
Da konnte er sehen, wie die Schwertspitze auf ihn zuraste – und vor seiner Nase auf den Stein schlug.
Das Metall war so stark, dass der Stein des Bodens aufsplitterte.


Mit aufgerissenen Augen und rasendem Herzen schielte er sie an, die Waffe. Und dann wanderte sein Blick an der Klinge entlang nach oben, ins zornverzerrte Gesicht Ganons.
„Eins sage ich dir!“, zischte Ganon. „Ob ich es nun deinem Vater versprochen habe oder nicht – wenn meine Frau nicht überlebt, bringe ich dich um!“
Ganon hob das Schwert und steckte es zurück in die Scheide. Ehe er begann vor der Tür auf und ab zu gehen. Unaufhörlich, nervös und ungeduldig.
Link setzte sich auf, lehnte sich zitternd an die Wand und konnte nicht anders, als dem jungen Mann dabei zuzusehen.
Atemzug um Atemzug verging, Stunde um Stunde.
Draußen war es längst tiefe Nacht geworden.


Die Krähen krähten zur Jagd und begaben sich in die tiefen Lüfte. Jetzt, wo erbitterte Hitze gewichen und der eisigen Kälte Platz gemacht hatte, konnten sie endlich jagen.
Auf der Hand des gigantischen Koloß saß ein Uhu und heulte in die Finsternis.
Ein kräftiger Wind fegte über die Wüste und wirbelte den Sand auf.
Die Sterne glitzerte wie winzige Sonnen vom Firmament herab und spendeten das einzige Licht.
Keine Menschenseele war noch wach. Die Gerudos hatten sich in ihrer Festung alle zu Bett gelegt und träumten von heißen Tagen auf dem glühenden Sand. Und den gelegentlichen Ausflügen in die Steppe, die so viel fruchtiger und kühler war als ihr Zuhause.
Nur im Tempel waren die Anwesenden wach.
Noch immer lief Ganon unruhig auf und ab. Seine Schritte waren schneller geworden. Er hielt es nicht mehr lange aus. Als explodiere er gleich. Wie eine der Krabbelmienen, die der Teppichverkäufer in der Wüste illegal verkaufte.


Die Wüste bot für ihn nicht nur das optimale Versteck vor den Steuereintreibern. Die Gerudos waren auch die besten Kunden, die der kleine Mann sich vorstellen konnte. Schließlich brauchten sie die Bomben um ihre Gänge und Räume in den Fels zu sprengen.
Seine Finger krümmten und lockerten sich wieder.
Und je nervöser und ungeduldiger Ganon wurde, umso nervöser und ungeduldiger wurde auch Link. Für ihn ging es nicht nur um eine Frau und ihr Kind. Es ging auch um sein Leben. Keinen Augenblick zweifelte er daran, dass Ganon seine Drohung wahr machen würde.
Wenn die Frau starb, würde Ganon ihn ohne Gnade töten. Egal welche politischen Konsequenzen es hatte. Er glaubte nicht, dass Ganon noch in der Lage sein würde zu denken, wenn seine Frau starb.
Er kaute an seinen Fingernägeln, was er sonst nie machte, und beobachtete Ganons Marsch.
Plötzlich ging die Tür mit einem leisen Knarren auf.
Eine der beiden Helferinnen lugte mit ängstlichem Blick hinaus.
Ganon hatte sie als erstes bemerkt und sprang gleich zur Tür, packte die Frau an den Schultern und schüttelte sie.
„Was ist? Was ist mit meiner Frau? Sag! Sprich! Mach schon! Lass mich nicht warten! Ich bestrafe dich! Sprich schon!“
„H…herr…“, stotterte sie voller Angst. „Ihr müsst mich schon loslassen und mir zuhören.“
Da merkte Ganon, dass er die Frau schon fast würgte. Er ließ von ihr ab und atmete tief durch.
Die Frau zitterte leicht.


Link erhob sich und fröstelte ebenfalls.
Was war jetzt? Hatte die Frau des schwarzen Reiters überlebt? Durfte er auch weiterleben? Er hatte Angst. Seine Zähne bohrten sich schon in seine Fingerkoppeln.
Ganon wurde immer ungeduldiger.
„Was ist jetzt?“, zischte Ganon die Frau an.
Schützend hob sie die Arme vor den Körper. „Herr, bitte. Beruhigt Euch.“ Dann strahlte sie übers ganze Gesicht. Ihr Mund schien von einem Ohr zum anderen zu reichen. „Naboru geht es sehr gut. Sie hat die Geburt überstanden. Das Kind…“
Doch Ganon stieß sie schon zur Seite und lief an ihr vorbei.
Die Frau wedelte mit den Armen um ihr Gleichgewicht und klammerte sich an den Türgriff.
Auch Link brauste an ihr vorbei. Er war neugierig geworden.


Ganon hatte sich schon längst die Hände gewaschen, einen der bestickten Umhänge angelegt und betrat den Kreissaal.
Link lugte in das kleine Tonbecken, aus dem es dampfte. Es schien normales heißes Wasser zu sein. Vorsichtig tauchte er seine Hände hinein. Es war nicht heiß – es war kochendes Wasser!
Schnell schossen seine schmerzenden Hände wieder hinaus und er schüttelte sie, mit feuchten Augen.
Die Frau lachte und kam zu ihm herüber. „Das Wasser muss heiß sein, damit der Schmutz richtig abgeht. Du musst sauber sein, wenn du das Zimmer betrittst. Ein Neugeborenes ist sehr anfällig für Krankheiten.“
„Ach so.“, murmelte er.
Die Frau hob einen der Umhänge ab und stülpte ihm den Stoff über den Kopf. „Jetzt darfst du rein gehen, kleiner Hyrulianer.“
Sie öffnete die Tür und betrat mit ihm das Zimmer.
Viele Fackeln, in metallenen Fackelhaltern, standen an den Wänden und erleuchteten den Raum, als fiele vom Fenster Sonnenlicht herein. In der Mitte war ein riesiges Bett aufgestellt, mit goldenfarbigen Lacken.


Um das Bett stand die Hebamme mit ihren Helferinnen und schüttelte lächelnd den Kopf.
Ganon dagegen tanzte im Zimmer herum und rief: „Ich habe ein Kind! Ich bin Vater! Ich habe eine kleine Tochter!“
Dann drückte er das Bündel in seinen Armen dicht an sich. Es war ein Bündel ebenso bunter Tücher wie die Tücher, die den Gang schmückten. Daraus lugte ein winziges Köpfchen heraus.
Das Mädchen hatte helle Haut und rosige Wangen. Auf dem Kopf klebten die nassen feuerroten Haare. Und es schrie! Ohrenbetäubend laut schrie es. Der Mund war zu einem gigantischen Schlund aufgerissen und die rote Zunge vibrierte darin.
Link sah zum Bett. Eine Frau hatte sich darin aufgesetzt und gegen die goldenen Samtkissen gelehnt. Es war eine sehr schöne Frau.
Aber auch eine sehr sehr junge Frau, nicht älter als vierzehn. So erstaunlich jung, selbst noch ein halbes Kind.
Link erfuhr es erst später, denn in Hyrule wurde man erst mit sechzehn volljährig. Im Volk der Gerudos trat jeder Junge und jedes Mädchen bereits mit zwölf ins Erwachsenenalter ein, zwar kämpften sie noch nicht und hatten auch noch nicht die vollen Rechte Erwachsener, doch sie wurden bereits verheiratet. Denn die Lebenserwartung der Gerudos war um einiges geringer als in Hyrule und dessen Nachbarländern.


Darum wurde jeder Gerudoabkömmling mit dreizehn verheiratet und die wenigsten Mädchen bekamen nach zwei Jahren noch nicht ihr erstes Kind.
Sie schien erschöpft. Das goldene Gewand klebte ihr verschwitzt am Körper. Die langen, roten Haare waren zerzaust und das Gesicht müde.
*Mein Gott! Bei mir klebt immer irgendwas. Ich gewöhn mir das ab, versprochen ;)*
An ihrer Hand glänzte ein silberner Armreif mit winzigen roten Rubinen und eingeritzten Symbolen.
Ganon setzte sich zu ihr auf das Bett und reichte ihr das Neugeborene. Sie lächelte und lehnte sich gegen ihn.
Erst in diesem Augenblick bemerkte sie den Fremden. Erstaunt sah sie auf und runzelte die Stirn. „Wer bist du denn, kleiner Junge. Du scheinst ein Hyrulianer zu sein.“
Link spielte nervös mit den Fingern.
„Er ist eine Geisel, nichts weiter.“, sagte Ganon abwinkend.
Naboru lachte schwach. „In dem Alter? Das ist ja eine Leistung.“
Plötzlich schreckten sie auf, als Sará sich unüberhörbar räusperte. Dana folgte mit einem Zweiten.
„Werter König, du scheinst vergessen zu haben, dass deine Geisel das Leben deiner Frau gerettet hat. Und wahrscheinlich auch das deiner Tochter!“, sagte Dana und sah ihn belehrend an.
Ganon rollte mit den Augen.


„Stimmt das?“, fragte Naboru und funkelte ihn warnend an.
Ganon seufzte. „Ja, ich gebe zu, dass ich ihm das verdanke. Es war reiner Zufall, dass er genau Mondsamen bei sich hatte, aber das hat dich gerettet.“ Mit einem Blick, der alles und nichts bedeuten konnte, musterte er Link. „Ich stehe wohl in deiner Schuld!“
„Dann musst du ihm einen Wunsch erfüllen. Egal was er sich wünscht.“, erwiderte Naboru lächelnd und wiegte das Kind in ihren Armen.
Link wurde hellhörig. „Einen Wunsch?“
Die Frau im Bett nickte.


Sará klatschte in die Hände. „Jetzt gehen die Männer aber hinaus! Naboru braucht Ruhe!“
Dana fügte hämisch lachend hinzu: „Und ihr Gatte mit seinem Temperament ist der Letzte, der ihr das geben kann.“
„Dana! Für deine Anspielungen werde ich dich auspeitschen lassen!“
Knurrend packte Ganon Link am Kragen des Umhangs und zog ihn mit sich aus dem Raum.
Während sie die Umhänge ablegten und den Vorraum verließen schwiegen beide, doch als die Tür zum Gang sich hinter beiden schloss, wandte Ganon sich ihm zu. „Also, du hast meine Frau gehört. Ich gewähre dir einen Wunsch. Lass es mich wissen, wenn du ihn erbittest, dann sind wir quitt.“
Der König setzte sich in Bewegung, er wollte aufbrechen, zurück zur Festung. Sobald Naboru stark genug sein werde, kam er um sie abzuholen, doch das dauerte sicher noch eine Mondrundung…
„Ich will meinen Wunsch sofort erbitten.“, sagte eine Stimme hinter seinem Rücken. Überrascht drehte sich Ganon um.
„…wenn Ihr gestattet, Herrscher der Wüste.“, setzte Link schnell nach und spielte nervös mit seinen Fingern.
Ganon zog eine Augenbrauche hoch. „Bist du dir sicher, dass du ihn dir gut überlegt hast? Nur einen Einzigen hast du, nutze ihn nicht mit Torheit!“
„Ich bin mir sicher, dass ich richtig handle.“, entgegnete Link.
Ganon zuckte gleichgültig die Achseln und forderte ihn mit einer Geste auf zu sprechen. Link trug ihm seinen Wunsch vor.
Ganon hörte aufmerksam zu.
Nachdem Link geendet hatte war es still im Gang.


Nur das Knistern der Flammen durchbrach die Absolutheit…
Dann erscholl ein Lachen. Laut und tief.
Ganons Lachen.
„Was? Was verlangst du da?“
Link verbeugte sich tief. „Ich flehe Euch an mir meinen Wunsch zu gewähren!“
Ganon kriegte sich fast nicht mehr ein. Sein Bauch schmerzte bereits. „Das ist nicht zu fassen! Wie alt bist du? Elf? Zwölf?“
„Elf, König der Wüste.“
Ganon wurde ernst. „Das was du verlangst ist sehr weise gedacht. Ich hätte niemals erwartet solche Worte aus dem Mund eines Kindes zu hören, wo ich sie noch nicht einmal aus denen der Boten des Königs von Hyrule hörte.“
„Ich finde mein Verlangen geht allem vor. Auch meinem Leben!“
Das Gesicht verziehend rieb Ganon sein Kinn. „Gib deine Heimat auf und schließ dich mir an! Ich gebe dir meine Tochter zur Frau, einen wie dich kann ich als meinen Nachfolger gut gebrauchen.“
„Euer Angebot ehrt mich sehr, doch ich glaube nicht, dass ich hier auch nur ein Jahr überlebe.“, Link keuchte demonstrativ. „Für ein Leben in dieser Hitze bin ich nicht geschaffen.“
Ganon grinste ihn an. „Schade, aber falls du es dir anders überlegst. Du wärst ein mächtiger und allseits gefürchteter Mann. Und Etliche würden dich um die vielen Frauen deines Volkes beneiden.“
Sie grinsten beide.

 

Seit neun Tagen war Link nun schon gefangen.
In der Hauptstadt von Hyrule, dem Sitz des Königs, herrschte Aufruhr –
Blanke Panik!
Die Leute befürchteten den Beginn eines Krieges, wie es ihn schon einmal gegeben hatte. Vor 2000 Jahren.
In den alten Überlieferungen stand, dass damals das Volk der Gerudos gegen die Hyrulianer gekämpft hatte. Die Gerudos waren in der Überzahl gewesen. Mehr noch, sie waren Massen an Kriegern gewesen, mehr als das Doppelte der Hyrulianer.
Der König rettete sich und sein Volk nur damit, dass er sich mit den Zoras, die an der Quelle des großen Wasser lebenden Menschen, und den Goronen, den Bergmenschen, verbündet und ihnen ein Teil in seinem riesigen Land versprochen hatte. Mit vereinten Kräften hatten sie schließlich den Krieg für sich entschieden.
Und die Gerudos, geschlagen und geächtet, waren in die Weiten der Wüste verbannt worden. Von Jahrhundert zu Jahrhundert war das Blut der Gerudos immer dünner geworden, denn in der Wüste hatte es kaum Trinkwasser und Nahrung gegeben. Und die Völker von Hyrule verachteten sie und hatten sie ihrem Schicksal überlassen.
Das eins mächtigste Volk war zu einem winzigen Stamm geworden.


Doch ein Stamm, der aus kräftigen Kriegern bestand, die sich die Wüste zur Verbündeten gemacht hatten und mit einem Regenten an ihrer Spitze, der an Arroganz und Gerissenheit alles übertraf…
Nun versammelten sich die Völker von Hyrule erneut zum Krieg gegen die Gerudos. Und der Grund dafür war – ein kleiner Junge.
Auf dem gigantischen Marktplatz vor dem Schloss versammelten sich die besten Streiter des hyrulianischen Königs. In vielen Reihen stellten sie sich auf.
Die Schwerter baumelten ihnen in der Scheide auf dem Rücken, darauf war das Schild geklemmt. Es war Tradition bei den Hyrulianern, Schild und Schwert auf den Rücken zu binden.
Die Dorfbewohner lugten neugierig aus den Fenstern und Türen ihrer Häuser. Manch ein Schaulustiger hatte es sogar gewagt sich an den Rand des Platzes zu stellen.
Eine der Frauen, die am Rande standen, weinte bitterlich. Ihr blondes Haar war unordentlich in ein Haarnetz gezwängt und unter ihren Augen glänzten tiefblaue Ringe. Sie wischte sich heftig mit einem weißen Stofftuch die Tränen von den Wangen.
Eine Nachbarin legte ihr tröstlich eine Hand auf die Schulter. „Weine nicht mehr, Amalea! Sie werden die Gerudos in die Knie zwingen und deinen Sohn sicher zu dir zurückbringen. Hab Vertrauen!“
Amalea sah auf zu ihrer Freundin. „Ich wünschte ich könnte es…“
Sie wurden unterbrochen.


Von ihrem Mann, dem Heerführer von Hyrule.
„Meine Soldaten und meine Freunde!“, brüllte er über den Platz. Die Gespräche und Geflüster verstummten. Der General stand auf dem Brunnenrand, nervös und unruhig. Seine Stimme zitterte leicht, hatte aber an Kraft noch nichts einbebüßt. „Nun…ihr wisst warum wir uns hier versammelt haben. Warum wir hier stehen und uns auf einen Kampf vorbereiten, wie es ihn vor vielen Jahren schon einmal gab.“ Er legte eine Pause ein. „Die Gerudo haben meinen Sohn in ihrer Gewalt, den zukünftigen König von Hyrule! Wir müssen ihn befreien! Das sage ich als Feldherr, als Infanterist und…als Vater. Ich bitte euch mir zu helfen, ich bitte euch alles für die Befreiung meines Sohnes zu tun. Wir müssen die Gerudo besiegen und ihnen für immer zeigen wie mächtig wir sind! Wir müssen stark sein und – “
Plötzlich schrie eine Stimme: „DIE GERUDO KOMMEN! DIE GERUDO KOMMEN!“


Mit einem Schlag fuhr die Menge erschrocken auf. Aufschreie und Hysterie brachen aus. Nun schrieen mehrere: „DIE GERUDO! DIE GERUDO! KRIEG!“
Die Menschen scharrten auseinander. Frauen und Kinder flüchteten in ihre Häuser. Männer und jugendliche Knaben grölten und ballten die Fäuste.
„KRIEG! WIR HABEN KRIEG!“
Die Soldaten reihten sich wieder ein und stolzierten zur Zugbrücke. Einige lösten sich aus ihren Reihen und rannten zu den schweren Eisenrädern. Mit Mühe und hastigen Bewegungen wurde die Zugbrücke über dem Wassergraben hochgezogen.
„STELLT EUCH AUF! BOGENSCHÜTZEN AUF DAS WACHPODEST UND BOGEN SPANNEN!“, schrie der Kommandant.
Die Soldaten mit Bogen und Schusswaffen kletterten auf die Stadtmauer und stellten sich auf. Sie legten an und richteten ihre Pfeile auf die weitentfernten Punkte, die am Horizont den Staub aufwirbelten. In der Hitze der Mittagssonne.
Die Punkte wurden zu schwarzen Gestallten. Und je näher sie kamen, desto lauter wurde es. Und desto nervöser wurden die Hyrulianer.
Es waren ungefähr zwanzig an der Zahl.


Der Kommandant kletterte die Leiter hinauf und gesellte sich zu den Bogenschützen, direkt in die Mitte. Er schluckte schwer und wartete ab.
Die Gerudos kamen immer näher. Und an ihrer Spitze ritt ihr König. In seiner schwarzen Rüstung und dem majestätischen Helm auf dem Kopf. Er trug sein Haupt gerade und würdevoll.
Und ebenso furchtlos ritt er an die gewaltigen Stadtmauern Hyrules heran. Und blieb erst einige Fußbreit vor dem Graben stehen. Thunder wieherte und schüttelte seinen Kopf. Auch seine Untertanen zügelten ihre Pferde.
Ganon sah an der grauen Fassade empor. Wo die Wachposten standen und die Pfeilspitzen auf ihn gerichtet hatten.
Seine Leute begannen zu grölen. Sie schrieen und fluchten durch die Luft, vermischt mit ihren wütenden Schreien.


Ganon sah hoch zu dem Kommandanten, mit stolzem, ja schon verhöhnendem, Grinsen. Ohne den Blick abzuwenden, hob er den Arm und brachte seine Untergebenen sofort zum Schweigen.
Mit einem noch breiterem Grinsen brüllte er nach oben: „Ah, mein guter Freund, der General von Hyrule! Was für eine nette Art mich zu begrüßen!“, er schmückte seinen Tonfall mit einer guten Portion Sarkasmus.
„Was wollt Ihr hier, Barbarenkönig?“, entgegnete der Kommandant. „Wollt Ihr Eure Macht demonstrieren, die Ihr durch Euer Druckmittel erhalten habt?“
Ganons Blick ließ von dem Mann ab und wanderte von Bogenschütze zu Bogenschütze. „Bevor Ihr mich erschießen lasst, werter Feldheerführer, solltet Ihr doch noch etwas warten!“, lachte Ganon und legte eine Hand auf das weiße Stoffbündel, das vor ihm auf dem Pferd hockte. Keiner der Hyrulianer hatte es bis jetzt bemerkt. Sie hatten es für einen Munitionssack oder dergleichen gehalten.
„Ich habe Euch etwas mitgebracht!“, fuhr er fort und zog die Kapuze von einem blonden Haarschopf herunter.
Ein erschrockenes – gar schockiertes – Raunen fuhr durch die Menge der hyrulianischen Soldaten. Es verschlug ihnen die Sprache und sie waren außerstande sich zu rühren. Selbst der Kommandant war zur Salzsäule erstarrt. Und blickte wie gebannt auf das Stoffbündel, das zu ihm heraufwinkte.


„Hallo, Vater! Vater, mach dir keine Sorgen mir geht es gut!“, schrie Link die Burgmauer hinauf.
„Das ist doch…“ Der General schüttelte fassungslos den Kopf. „Das ist nicht möglich!“
Link stieg leichtfüßig vom Pferd herunter und streckte seine Arme und Beine. Sie schmerzen vom langen Ritt.
Ganon ließ seinen Blick noch ein letztes Mal über die Fassade wandern, ehe er seine Hand an den Kopf führte und seinen schwarzen Helm abnahm. Er überreichte ihn Link.
„Und du bist dir sicher, dass sie uns nicht aufspießen werden, sobald wir die Stadt betreten?“, fragte er skeptisch, so leise, dass nur Link es hörte.
„Ja, König der Wüste. Vertraut mir. Außerdem könnten sie es sowieso nicht, es wären zu viele Frauen- und Kinderaugen, die das Blutbad mit ansehen müssten.“
Ganon nickte. „Na schön, dann geh und berichte mein Anliegen.“
Link verbeugte sich und eilte, mit seiner Habe in der Hand, vor die hochgezogene Zugbrücke. Er konnte gar nicht sehen wie bleich sein Vater und die Soldaten geworden waren.
Vor dem Graben blieb er stehen, atmete noch einmal tief durch und hob schließlich den schwarzen Helm hoch über seinen Kopf. Und brüllte so laut er konnte: „Der König des Wüstenvolkes ist bereit mit Hyrule zu verhandeln um einen endgültigen Waffenfrieden zu schließen. Darum erbittet er vom König über Hyrule empfangen zu werden, damit er seine Forderungen stellen und die von Hyrule anhören kann. Macht das Tor auf!“


Die Soldaten rührten sich nicht.
„Macht das Tor auf!“, schrie Link erneut. „Sie kommen unbewaffnet!“
Da erwachte der General aus seinem Bann. „Warum sollten wir? Wer sagt mir, dass das nicht ein Trick ist? Herrscher der Wüste, warum sollte ich Euch glauben? Vielleicht ist das einer Eurer Gören, die dort vor dem Tor steht. Vielleicht habt Ihr ihn verzaubert, dass er genauso aussieht wie mein eigener Sohn? Wer weiß zu was Ihr im Stande seid. Es heißt Ihr seit mit dem Teufel im Bunde!“
Erneut erfüllten Hass und wütende Rufe und Spott die Luft vor der Stadt. Ebenso erneut hob Ganon die Hand um sein Gefolge zum Schweigen zu bringen.
Er selbst war völlig gelassen. Auch als er, laut und deutlich, sprach: „Ich bin das dreizehnte Kind meines Vaters. Er hatte sieben Frauen, von denen nur die Letzte ihm ein Kind gebären konnte, das die Sonne mehr als fünfhundertmal hat aufgehen sehen. Alle meine älteren Schwestern und Brüder starben noch im Kleinkindalter. Und so ist es mit meinem ganzen Volk. Das Blut des Stammes der Wüste ist dünn wie Wasser, weil die Wüste eine ebenso grausame wie liebevolle Mutter sein kann. Sie hält uns schützend in ihrem Arm, doch wenn es ihr beliebt drückt sie uns die Luft ab. Und diese Laune hat sie mehr als es mir bekommt. Ich kann nicht länger zusehen wie wir weiter zu Grunde gerichtet werden. Natürlich säße ich am liebsten jetzt, in diesem Augenblick, auf dem golden verzierten Thron, auf dem euer König seinen Allerwertesten bettet, doch nicht einmal ein Krieg auf diesem Boden ist mir vergönnt. Nein, dafür hat unsere Mutter, die Wüste, uns zu ausgezerrt. Ich kann also nur fordern was uns zusteht und akzeptieren mich einem König zu unterwerfen, der keine Vorstellung von den grausamen Launen der Natur hat und keine Hungersnot kennt.

 


Vor zehn Tagen gebar meine Frau ein Kind. Die Thronerbin der Wüste. Und ich kann nicht einmal sicher sein, ob mich mein Fleisch und Blut überlebt. Warum also sollte ich mich in einen Kampf stürzen, den ich schon von vornherein nicht gewinnen kann, wenn mein Volk in den Mauern der Wüste leidet? Sagt es mir General von Hyrule! Traut Ihr einem König, der nicht anders lebt als sein Volk, so etwas zu? So viel Egoismus und Torheit traut Ihr mir zu?“
Als die Worte Ganons bereits verklungen waren starrte der General noch immer nach unten. Und Ganon hielt seinem Blick ohne Mühe stand. Mit seinem arroganten und verhöhnenden Blick.
Dann endlich regte sich der General und gab ein Handzeichen. „Öffnet das Tor!“
„A…aber, mein General! Das sind die Geru…“, flüsterte ein Soldat neben ihm entsetzt.


„Öffne das Tor!“, zischte der Kommandant gereizt zurück. Der Mann eilte ohne Widerspruch zu den Eisenzügen und half seinen Kameraden die Zugbrücke langsam herabzulassen.
Link schnaufte erleichtert. Er hatte doch tatsächlich geglaubt, dass sein Vater ihn einfach ausgesperrt ließ, weil er ihn nicht erkannte.
Die Zugbrücke knallte in die Vertiefung vor ihm. Nun war das Tor nach Hyrule offen.
Hinter ihm trotteten die Gerudos heran.
Link drehte sich um und verbeugte sich tief. „Ihr habt Einlass erhalten, König der Wüste.“
„Oh.“, lachte Ganon amüsiert. „Noch funktionieren meine Augen so gut wie seit Jahren.“
Link lief rot an. „Sicher…“ Er lief dem Trupp voran über die Brücke und in die Stadt hinein.
Schon als sie am Wächterhaus vorbeiritten konnten sie den Aufruhr in der Stadt hören, ja sogar die Anspannung auf ihrer Haut fühlen. Link hatte Gänsehaut. Während er, nur durch drei Schritte getrennt, vor Ganon lief um ihm den Weg zu geleiten, da überkamen ihn die ersten Zweifel.


Ob alles gut ausginge? Er hoffte es! Krieg und Frieden hingen davon ab!
Auf dem Marktplatz selbst war die pure Panik ausgebrochen. Die Leute stürzten laut aufschreiend in ihre Häuser und verriegelten die Türen, ja stellten sogar Tische und Schränke davor. Nur um nach wenigen Augenblicken an die Fenster zu stürmen und mit unbändiger Neugier die Ankunft des Gerudostammes zu beobachten.
Die Soldaten hatten eine Gasse gebildet, mit der Mauer aus ihren Leibern schirmten sie die Häuser von der Gruppe Gerudos ab. Die Bogenschützen, keinen Schritt von ihrer Position gewichen, hatten den Bogen gespannt und zielten allesamt auf einen Gerudo – auf den König. Auf den Kopf, schließlich hatte er sich ergeben.
Ein Kriegsherr ergab sich dem Feind indem er den Helm abnahm und so dem Feind, im wahrsten Sinne des Wortes, den Kopf auslieferte. Nun, Ganon hatte keines Wegs vor sich zu ergeben, jedoch zeigte seine Geste seine friedliche Absicht, mit der er hierher kam.


Ihm gefiel es nicht sich auf feindlichem Gebiet zu begeben. Er hatte ein mulmiges Gefühl in der Magengegend, doch sein Verstand belehrte ihn eines besseren. Schließlich schritt der Thronfolger Hyrules neben seinem Pferd her. Er hatte einen Packt mit dem Jungen geschlossen, Ganon wollte ihm seinen Wunsch erfüllen, sofern er in der Lage dazu war.
„Link!“, rief eine hysterische Stimme.
Link fuhr auf und blickte sich suchend um, freudig. Denn es war seine Mutter, die nach ihm gerufen hatte. Augenblicklich war seine Aufgabe vergessen, jetzt hatte er nur noch seine Mutter im Kopf. Sogleich verließ er auch seinen Posten – was übrigens äußerst unhöflich war.
Mit dem Helm in der Hand rannte er zu der Mauer aus Soldaten, dorthin von wo er seine Mutter hatte rufen hören.
„Mutter!“, rief er aufgeregt zurück. „Mir geht es gut! Mutter!“
Die doofen Soldaten dachten gar nicht daran ihm aus dem Weg zu gehen, also schupste und drängelte er mit seiner kindlichen Kraft und aus lauter Staunen machten die Soldaten tatsächlich Platz.
Seine Mutter, noch immer Tränen in den Augen, legte sich die Hand vor den Mund. Sie konnte ihren Augen nicht trauen.
„Link! Mein kleiner Link!“, strahlte sie. Ebenso strahlend stürzte er ihr in die Arme. Vollgefüllt von dem Gefühl der Erleichterung erwiderte die Mutter seine Umarmung. Der Helm baumelte in Links Fingern.


Währenddessen hatte Ganon den Torbogen, der den Weg hinauf zum Schloss beginnen ließ, erreicht, doch keinen Schritt kam er weiter. Denn die Soldaten hatten sich ihm in den Weg gestellt und zu Massen streckten sie ihm ihre Speerspitzen entgegen.
Natürlich kam er nicht weiter, denn sein einziger Verbündeter heulte in den Armen seiner Mutter. Diese Tatsache hatte ihn jedoch nicht aus seinem Konzept gebracht, keines Weges. Schließlich war er der stolze König der Wüste.
Nun zügelte er also seinen Rappen und begnügte sich damit abzuwarten. Mit kaltem und arrogantem Lächeln blickte er die wohlgefüllten Reihen der Soldaten ab. Er saß in der Höhle des Löwen, das wurde ihm erst jetzt richtig bewusst.
„Was wollt Ihr hier, in der Hauptstadt des Reiches Hyrule?“, fragte eine vertraute Stimme in seinem Rücken. Er drehte sich nicht um.
Doch gleich kam der General und stellte sich zwischen Ganon und die Speerspitzen. Mit ebenso kalter Mine blickte der Mann Ganon ins Gesicht.
Ganon schnaufte abfällig. „Nun, meine Freizeit plane ich hier gewiss nicht zu verbringen.“
„Lasst Eure Scherze! Ich fragte nach Eurem Motiv!“, zischte der General zurück.


„Ich wage kaum zu glauben, dass Ihr Heerführer seid!“, lachte Ganon. „So geschäftlich wie ihr schon bei unserer ersten Begegnung geklungen habt, hättet Ihr einen viel besseren Viehhändler abgegeben!“, züngelte Ganon mit verruchter Stimme. Des Generals Mine veränderte sich kaum, allerdings lief es feuerrot an. Ganon war zufrieden, es war ihm ein Vergnügen zu provozieren.
„Was soll das? Was habt Ihr vor? Erst nehmt Ihr eine Geisel und dann händigt Ihr sie persönlich noch zu Hause aus?“, verlangte der General zu wissen. Dabei sagte er es ganz ernst und ohne jegliche emotionale Erregung, wo es doch um seinen Sohn ging. Zumindest versuchte er das. „Ist das ein Hinterhalt?“
„Ein Hinterhalt?“, Ganon lachte noch lauter. „Seid nicht albern! Wie sollte ich Euch hintergehen, wenn ich mir noch nicht einmal leisten kann mit der Wimper zu zucken ohne von Pfeilen durchbohrt zu werden.“


„Was – verdammt noch mal – wollt Ihr dann hier? Ihr seid hier nicht erwünscht, also sprecht oder verschwindet!“, knurrte der Hauptmann ihn an. Knurrte der Hauptmann einen König an!
Als Link seinen Vater brüllen hörte, war er mit einem Schlag wieder bei klarem Verstand. Und er war sich auch wieder bewusst wie gefährlich diese Lage war.
Für den Frieden Hyrules, und vor allem für den König der Gerudos, den er zum Freund gewonnen hatte. Ja, Ganon und er waren Freunde geworden, in der Zeit, die er im Wüstenreich verbracht hatte.
Ganon war ihm ein guter Gastgeber gewesen, nun musste er einer sein!
„Oh, nein!“, keuchte er und wand sich aus den Armen seiner Mutter.
Erstaunt ließ die Mutter los. „Link…?“
„Ich muss das jetzt regeln, Mutter.“, erklärte er ihr und rannte davon.
„Aber, Link… Nein…“ Amalea blieb verwirrt zurück.


Ganon war sehr in Versuchung einfach sein Schwert zu ziehen und dem General den Kopf abzuschlagen. Jetzt spuckte dieser alte Mann Töne, natürlich, jetzt konnte er es sich ja auch erlauben.
„Nein, Vater! Warte! Lass mich erklären!“, kreischte Link, weil er von Ganons Versuchung ahnte und auch befürchtete, dass sein Vater etwas Unüberlegtes tat.
„Ach, dass du die Güte hast endlich zu kommen!“, zischte Ganon ihn übellaunig an.
Link verbeugte sich tief. „Entschuldigt, König der Wüste. Ich war kurz abgelenkt.“
Ganon stemmte sein Kinn mit der Hand ab. „Ich werde es dir schon nicht übel nehmen, wenn ich meine Zeit nicht weiter unnötig verschwendet sehe.“
Link nickte und versuchte sich zu sammeln. Während sein Vater perplex zwischen ihm und Ganon unentwegt hin- und herblickte. Langsam zweifelte der General an seinem Verstand.
„Was? Wie…“, noch nicht einmal ein Satz war ihm vergönnt.
Plötzlich ergriff Link seine Hand und presste sie kurz aber ehrerbietig gegen seine Stirn. „Ich bin es Vater, ich bin unversehrt! Doch jetzt ist nicht die Zeit sich zu wundern.“ Link übergab den Helm seinem Vater und räusperte sich. „Erster General von Hyrule, ich bitte Euch hört mich an! Die gnädige Majestät des Wüstenreiches *Ui, habe ich da zu dick aufgetragen? ^^* ist gewillt mit dem König über Hyrule einen Waffenstillstand zu verhandeln und endgültig Frieden zwischen den beiden Völkern zu schließen. Darum erbitt…“, als er Ganons sich verziehendes Gesicht sah, schwankte Links Stimme kurz. „…verlangt er eine Audienz mit unserem ehrwürdigen König. Deshalb, Vater – bitte! Ich bin der beste Beweis! Meine Freilassung ist ein Willkommensgeschenk für unseren König!“
„Aber…“, noch immer hatte sich der General nicht gefasst. „Woher der plötzliche Wandel?“


Da Link sich weder erlauben konnte – und auch wollte – den König der Wüste vor allen Leuten bloß zu stellen und somit vielleicht sogar den künftigen Frieden zu gefährden, suchte er nach einer Möglichkeit einer Antwort zu entgehen. „Das ist jetzt unwichtig, viel wichtiger ist dass…“
Doch es war Ganon selbst, der die Wahrheit preisgab, die ihn in ein weniger stolzes Licht stellte. „Er hat etwas getan, das mich tief in seiner Schuld stehen lässt. So gewährte ich ihm, um diese zu tilgen, einen Wunsch. Euer Sohn, der klüger ist als alle Männer Hyrules zusammen, wünschte sich ein Friedensabkommen zwischen meinem Reich und dem Euren. Das ist der Grund meines Erscheinens!“
Dem General wurden die Augen geöffnet. Und nicht nur ihm, allen Hyrulianern, die diese Worte hörten. Ein Aufatmen, ob nun aus Erstaunen, Erleichterung oder doch nur aus Misstrauen, ging durch die Menge. Selbst so mancher Soldat ließ für einen Atemzug seinen Speer oder Bogen sinken um seinem Staunen Ausdruck zu verleihen, nur um gleich wieder in Bereitschaft zu stehen.
Viele Atemzüge verstrichen untätig. Ohne dass sich auch nur ein Grashalm bog.
Es war eine Stille, die nichts Gutes verhieß, die auf den Leuten lastete wie eine schwere Wolldecke. Und die einem doch die Kälte in die Knochen trieb.
Keiner konnte behaupten, dass er Silenzia, die Göttin der Stille, in diesen Augenblicken, da nichts geschah, nicht verflucht hätte. Obwohl auch keiner wagte, sich ihrem Bann zu widersetzen.
Jedoch, tat es einer schließlich –


„Gebt mir Euer Schwert und ich leite unverzüglich die Vorbereitungen ein!“, forderte der General. Es traf Ganon wie ein Faustschlag ins Gesicht.
Und auch Link überkam ein Schauder eisigen Schreckens. Doch er war sich sicher, dass sein Vater genau wusste, was er da tat, was er da verlangte!
Gewiss, die Gerudos waren alle vollkommen unbewaffnet, auch der König. Nur sein Schwert trug er am Hüftgürtel. Denn es war ein Wahrzeichen der Könige stets das eigene Schwert zu tragen. Es diente in, friedlicher Hinsicht, nicht als Waffe, sondern als Symbol der Macht und des Wohlstandes des Königs. Je schöner und kostbarer es war als umso mächtiger und reicher galt der König.
Und Ganons Schwert war kostbar! Der Griff mit seltenen roten Rubinen besetzt und in der Klinge Runen der alten Sprache eingearbeitet.
Der mit der dunklen Macht Gesegnete


Dunkle Macht deshalb, weil er in vielen Gegenden als grausamer König mit schwarzmagischen Fähigkeiten galt. Es hieß er habe sich mit dem Teufel verbündet. Darum hatte er sich diese Gravur erlaubt.
Doch nun verlangte der General Hyrules von ihm sein Schwert abzugeben – und somit sich bis aufs Tiefste erniedrigen zu lassen. Vor dem gemeinen Volk sollte er sich unter die Macht des Gegners stellen. Denn nichts anderes bedeutete diese Geste, dem Feind nicht als Gleichgestellter entgegen zu schreiten, sondern als einfacher Fremdling, mehr noch, als Gefangener ohne eigenen Willen, vor den hiesigen Herrscher zu treten. Das war die größte Erniedrigung, die es für einen König gab.
„Nein!“, sagte Ganon schlicht.
„Nein?“, wiederholte der General. „In Eurer Lage glaube ich kaum, dass Ihr Euch weigern solltet.“


Mit immer wieder sich öffnendem und schließendem Mund, stierte Link von einem zum anderen. Doch er war außerstande etwas zu erwidern. Er wagte es nicht, denn es lag nicht in seiner Gewalt sich hier einzumischen.
Ganon blieb gelassen. „Herr Feldführer, sicher habt Ihr allen Grund mich derart gedemütigt sehen zu wollen, das streite ich nicht ab. Ebenso bin ich mir meiner Lage wohl bewusst. Und dennoch ist meine Antwort die gleiche – Nein!“
Nun verzog sich das Gesicht des Hauptmanns zu einer finsteren Wut und Ungeduld und Rachsucht, für die Demütigung seines Sohnes. „Dann seid Ihr und Eure Männer des Todes!“
Ganon setzte sich in seinem Sattel zur vollen Größe auf. „Dann soll es so sein. Schickt uns allesamt ins Jenseits, doch dann rate ich Euch keine wandernden Gaukler mehr in Euer Land zu lassen, denn sie werden alle den feigen König von Hyrule besingen, der seine Gegner besiegt, indem er sie, unbewaffnet wie sie sind, in seine Stadt lässt um sie vor den Augen der Frauen und Kinder niederzumetzeln! Es ist besser die Nachricht verbreitet sich nicht ganz so schnell, damit Euer König sich noch einige Nächte friedlich in seinem Daunenbett wälzen kann.“
Ganon hob die Arme hoch und schrie: „Na los doch! Ihr Bogenschützen, durchlöchert mein Hirn wie es euch beigebracht wurde! Kurz und schmerzlos!“
Die Arme der Bogenschützen zitterten. Die Seiten der Bögen spannten sich bis zum Anschlag. Doch Keiner rührte sich. Es war noch nicht einmal gewiss, ob sie dann schießen würden, wenn ihr Kommandant das Signal gab. So sehr wühlten die Worte Ganons sie auf. Während Ganon dem General in die Augen blickte, ohne jede Furcht.
„Vater, bitte…“, versuchte Link die Situation zu entspannen. Doch sein Vater wehrte ihn mit einer Handgeste ab. Stattdessen winkte der Kommandant einen Soldaten heran. „Geh und berichte dem König!“, befahl er ohne sich umzudrehen. Sofort schickte sich der Soldat.


Dann gab der General ein Zeichen. Doch es war nicht das zum Angriff. Seine Männer ließen die Waffen sinken. Bögen entspannten sich, Speere wurden zurückgezogen. Der Weg zum Schloss frei.
Der General drückte seinem Sohn den Helm in die Hand. Und wandte sich nun um. Ein paar Schritte wartete Ganon ab, dann setzte er sein Pferd in Bewegung. Seinen Männern jedoch, gebot er von den Pferden zu steigen und zu laufen. Nicht ganz ohne Murren übergaben sie die Zügel den bereitstehenden Soldaten und folgten ihrem König.
Link aber blieb zurück und sah dem Marsch aus hyrulianischen Soldaten und Wüstenkriegern nach. Ganon thronte auf seinem Pferd noch immer im ganzen Stolz. Er war ein König, nicht nur auf weltlicher Basis, auch seine Seele kam der eines großen Königs gleich.


Er stand da, mit dem Helm in der Hand und voller Zweifel. Diese Wut, die sein Vater auf Ganon hatte, die war unübersehbar gewesen. Und wenn schon sein Vater kein Verständnis und keine Freundlichkeit aufbrachte, wie sollte der König von Hyrule das schaffen? Dem über Generationen hinweg nur Hass gegen das Gerudovolk gelehrt worden war.
Unentwegt überlegte Link sich wie er es schaffen könne an den Verhandlungen teilzunehmen. Er wollte so sehr, dass wenigstens er Partei für Ganon ergreifen konnte, weil kein Hyrulianer sonst es tat. Er konnte doch berichten, von dem Leid und dem Elend des Wüstenvolkes. Von der Armut und der Dürre, die wie ein Fluch auf dem Gerudotal lagen.
Aber auch wenn er Geisel war und als Zeuge hätte aussagen können, sein Alter verbot es ihm. Leider half ihm da nicht einmal sein hoher Stand. Er war einfach zu jung! Er hatte noch kein Anrecht auf freie Rede!
Verdammt!


Nicht nur er sah dem Marsch nach, auch die Soldaten und die Bürger konnten den Blick so lange nicht abwenden, bis kein einziger Soldat mehr zu sehen war. Und dann wusste Link noch immer keine Antwort. Es blieb ihm nichts anderes übrig als abzuwarten und zu hoffen. Wie auch die anderen Bewohner der Stadt, wenn sie auch auf etwas gänzlich anderes hofften…
Die Verhandlungen dauerten fünf Tage an, doch das wusste weder Link noch sonst jemand. Noch nicht einmal die verhandelnden Könige. Und auch nicht die Gerudokrieger, die noch am selben Abend des Eintreffens in die Stadt hinunter kamen um Unterkunft im besten Gasthaus der Stadt zu erhalten. Ihr König selbst, was verständlich und natürlich die Pflicht jeden gastgebenden Königs war, hauste während seines Aufenthalts in einem speziell für ihn eingerichteten Teil des Schlosses. Und in diesen privaten Gemächern auch seine engsten Ratgeber.
Dana und Murrey waren darunter und zwei der ältesten Männer des Gerudostammes. Jeden Tag kam Murrey für eine Stunde herunter um den wartenden Kameraden zu berichten, die fast krank vor Sorge und Wut darüber waren, ihren geliebten König in der Hand des Feindes zu wissen, ohne an seiner Seite zu sein. Er berichtete kurz und äußerst knapp was heute gesagt worden war. Dann klopfte er auch an eine Haustür in dem besten Viertel der Stadt. Es war das Haus des obersten Heerführers, Links Vater. Ja, er hatte den Befehl auch Link über die Verhandlungen zu informieren, wenn auch ihm gegenüber vieles nur sehr knapp oder gar verheimlicht wurde.


Dann am Abend des fünften Tages spielte Link draußen am Brunnen. Mit den anderen Kindern. Er saß auf dem Brunnenrand und trug Ganons Helm. Natürlich war er ihm viel zu groß und rutschte ihm ständig vor die Augen sodass Link ihn immer wieder zurückschieben musste. Die Stadtkinder saßen neben ihm auf dem Rand oder sogar vor ihm auf dem Boden und lauschten seinen Worten. Sie hingen allesamt an seinen Lippen wie die Fliege am Honig.


Zu seiner Rechten jedoch saß keine geringere als Zelda, die einzige Tochter des Königs von Hyrule und legitime Thronerbin und seine ihm Versprochene. Allerdings waren sie beide ja noch zu jung um überhaupt irgendetwas von der Beziehung zwischen Mann und Frau zu verstehen und so waren sie bis jetzt einfach nur die besten Freunde, die sich schon seit der Wiege kannten und mochten.
Allerdings hatte Zelda keines ihrer kostbaren Seiden- oder Brokatkleider an und trug auch nicht ihren teuren Schmuck und ihr Diadem, das sie als Prinzessin kennzeichnete. Nein, gerade trug sie die ebenso billigen wie schlichten Kleider eines einfachen Händlermädchens aus der Stadt. Natürlich konnte sie damit keines der Stadtkinder täuschen, alle Kinder wussten wer sie war und erkannten sie sofort, wenn sie einmal wieder den unbändigen Drang hatte aus dem Schloss auszubüchsen und an ihren Spielen und Albernheiten teilzuhaben.


Impa, ihr Kindermädchen und gleichzeitig auch ihre Leibwächterin, trug ebenfalls einfache Kleidung, die Kleidung, die sie auf Zeldas Flehen hin einmal von einer ihr ergebenen und vertrauenswürdigen Zofe hatte am Markt kaufen lassen, für sie und Zelda. Gerade ging sie die Stände entlang und tat als suche sie noch Eier fürs Abendessen, obwohl sie Zelda nicht einen Atemzug lang aus den Augen ließ. Unter ihrer Bäuerinnentarnung trug sie ihren Dolch, stets bereit bei Gefahr zuzuschlagen und Zelda zu schützen.


„Komm schon! Erzähl noch mal!“, forderte Zelda von Link und ihr blondes und zu einer Bauernfrisur geflochtenes Haar, das jedoch so geschickt und kunstvoll geflochten, dass man bei näherem Hinsehen erkennen konnte, das ein echter Adelsfrisör hier sein Werk getan hatte, wehte leicht.
Seitdem er allen die ganze Geschichte, angefangen von seinem erbettelten Ausflug mit seinem Vater bis zu der Ankunft in Hyrule auf dem Pferd des Gerudokönigs, erzählt hatte, bekamen sie sie gar nicht oft genug zu hören. Immer und immer wieder hatte er sie erzählen müssen und mit jedem Male wurde sie imposanter, dramatischer, gefährlicher.
Es wunderte sie alle warum nicht schon längst Kinder fressende Hexen oder Feuer spuckende Drachen darin vorkamen.
„Also“, fuhr er fort. „die letzten Tage in der Gerudofestung waren die besten meines Lebens! Ich muss euch unbedingt die Spiele der Kinder dort beibringen, vergesst nicht mich daran zu erinnern! Und ich habe an ihrem Training teilgenommen, ihr ahnt ja gar nicht wie hart das ist! Unseres dagegen ist nichts, gar nichts! Aber ich habe durchgehalten, bis zum Schluss!“, strotzte er stolz und trommelte gegen seine Brust. „Und am Tisch saß ich auf dem Platz der Königin neben dem Gerudokönig und habe mit ihm gespeist, wisst ihr das? Aber das Essen dort ist karg! Es gab kaum Fleisch, mehr Fisch, weil unter ihnen der Quellfluss des Hyrulesee vorbeifließt. Sie haben einen gewundenen Tunnel durch den Fels gesprengt um die vielen Schritte des Abgrundes nach unten zu kommen und zum Fluss zu gelangen. Und komische Früchte gibt es dort, das schwöre ich bei der Jungfräulichkeit unserer Prinzessin!“
„Hey!“, beschwerte sich Zelda und schupste ihn. Sie brachen in schallendes Gelächter aus, sodass sogar die werbenden Händler und die feilschenden Kunden übertönt wurden und sich ärgerlich zu ihnen umdrehten.


Als aus einem der oberen Fenster eines großen Hauses eine fette alte Frau zu ihnen herunter schrie, verstummten sie augenblicklich.
„Jedenfalls“, fuhr Link, deutlich leiser, fort. „gab es Nüsse, die waren noch härter als Wallnüsse aber zehnmal so groß, und haarig! Die Gerudos bohren Löcher hinein und lassen erst einmal den Saft heraus fließen, ehe sie sie mit einem Stein zertrümmern. Das Fleisch der Nuss ist weiß und schmeckt gar nicht mal so schlecht. Und der Saft auch nicht!“
„Was? Nüsse, die Säfte haben wie Früchte? Das ist doch gelogen!“, argwöhnte Zelda.
„Nein, ich lüge nicht! Kokosnüsse heißen sie!“, rechtfertigte sich Link.


Nun spaltete sich die Gruppe der Stadtkinder. Einige stellten sich auf Zeldas Seite und stellten seine Worte in Frage, weil sie es auch von sich kannten, dass sie übertrieben und erfanden, wenn es um eigen erlebte Geschichten ging. Die Anderen, ein deutlich größerer Teil, stand aber voll und ganz hinter Link.
Nun beschäftigten sie sich damit ob nun Link die Wahrheit sprach und es wirklich Nüsse gab, die wie Früchte bluten konnten oder eben nicht. Sicher, es war albern und kindisch, doch sie waren ja auch Kinder und konnten sich den ganzen restlichen Tag mit derlei Belanglosigkeiten beschäftigen.
Wenn sie nicht jäh unterbrochen worden wären. Denn vom Weg vom Schloss zum Marktplatz kam eine Eskorte hyrulianischer Kronritter herunter. Vor ihnen schritt einer der königlichen Ausrufe, mit einem Banner in der Hand, dass das Wappen Hyrules trug.


Drei aufeinander gestapelte Dreiecke, die wiederum ein großes Dreieck bildeten. Golden mit weißem Hinterrund. Diese Dreiteiligkeit des Wappens sollte schon seit Jahrhunderten die drei Gaben der hyrulianischen Könige symbolisieren. Kraft, Weisheit und Mut. Das was einen König auszeichnete.
Der Ausruf stellte sich auf das kleine Podest, das extra für Bekanntgaben und Nachrichten angefertigt und gut sichtbar auf dem Marktplatz aufgestellt worden war. Den Banner übergab er einem Ritter und holte die Schriftrolle heraus, die er bei sich trug.
Mit gekonnter schauspielerischer Geste entrollte er sie und hielt sie feierlich vor sich. Mit laut posaunender Stimme schrie er in die verstummte Menge hinein, in der nur lediglich ein Huhn hier gaggerte und ein Säugling da zu schreien begann.


„Bürger dieser Stadt Hyrule, der größten und prachtvollsten Stadt überhaupt…“ Die Menschen johlten selbstgefällig über diese kraftvolle Anrede. Was Link allerdings missfiel, weil er so ungeduldig war und endlich die Botschaft hören wollte, für die der Ausruf gekommen war. Im Augenwinkel sah er, dass auch die hier verweilenden Gerudokrieger ihn bemerkt hatten und nun zusammengepfercht ebenfalls der Nachricht lauschten, denn sie handelte gewiss von ihrem Gebieter.
Als die Menge sich beruhigt hatte fuhr der Ausruf fort: „Ich bringe Kunde von unserem heiligen König! Mit Freuden lässt er seinem Volk ausrichten, das nun, nach Tagen schwerster politischer Debatten endlich – seit hunderten von Jahren – ein Friedensabkommen zwischen den Hyrulianern und den Gerudo ausgehandelt worden ist! Der Vertrag wurde in meinem eigenen Beisein von beiden Königen unterzeichnet und ist umgehend rechtskräftig! Das Volk von Hyrule kann endlich wieder aufatmen, der Krieg und die Zeit der Unruhen sind nun endgültig vorbei!“
Als er endete brach die Menschenmenge erneut in Jubelgeschrei aus. Männer und Frauen schrieen sich gegenseitig die Ohren wund und stießen ihre Arme in die Höhe. Wie groß waren die Freude und die Erleichterung über den eingekehrten Frieden im ganzen Reich. Nun gab es nichts mehr zu befürchten und nun war ihr König der mächtigste Mann auf diesem Grund und Boden und hatte mit jedem Stammesherrscher Frieden geschlossen.


Aus lauter Euphorie begannen die musikalisch Begabten nach ihren Instrumenten zu greifen und wie wild darauf zu spielen. Die Leute der Stadt tanzten ausgelassen und Bier wurde ausgeschenkt wie aus der Quelle eines genährten Sees. Es war die ausgelasenste Stimmung seit eh und je in Hyrule.
Auch die Kinder stimmten freudig mit ein. Sie umarmten ihre Mütter und Väter und lachten mit ihnen und fielen ebenfalls in den Gesang ein. Es war die Hymne der Väter von Hyrule.
Zelda packte ihn an den Armen und riss ihn herum. Sie begannen zu tanzen. Und zwar so wild, dass Link sich gar nicht halten konnte.
„Nicht so schnell, Zelda!“, lachte er. Da war es schon geschehen, der Helm fiel ihm vom Kopf und auf den Boden. Kreidebleich geworden riss er sich frei und nahm den Helm. Einer gründlichen Inspektion unterzog er die prunkvolle Kopfbedeckung und stellte erleichtert fest, dass keine Schramme ins Metall gerissen worden war. Dann sah er lächelnd zu den Gerudokriegern hinüber, die noch immer zusammengewürfelt auf dem Fleck standen. Doch als er ihre Gesichter sah verging ihm die Heiterkeit.


Die gebräunten Männer und Frauen waren alles andere als ausgelassen und in Feierlaune. Im Gegenteil, sie wirkten beunruhigt und besorgt.
„Komm, Link! Lass uns tanzen!“, forderte Zelda ihn auf, doch er hielt sie mit seinem ausgestreckten Arm zurück. Überrascht blieb sie stehen.
„Ich bin gleich wieder da, Zelda, in Ordnung?“ Doch er wartete ihre Antwort gar nicht erst ab. Stattdessen rannte er zu den Gerudos hinüber. Sie bemerkten ihn erst nicht, weil sie sich zusammengezogen hatten um leise miteinander zu sprechen.
„Was ist los?“, wandte er sich an einen jungen Mann, gerade erst das Erwachsenenalter von sechzehn Jahren erreicht. Link kannte ihn gut. Pervo hieß er.
Die Gerudos verstummten und Pervo drehte sich zu ihm um. „Gar nichts.“
„Stimmt nicht.“, setzte er nach und schüttelte den Helm in seiner Hand. „Wenn gar nichts ist, warum schaut ihr dann so besorgt drein?“


Pervo sah zu der älteren Frau, die, solange ihr König abwesend war, das Kommando führte. Sie nickte ihm zu.
„Ich weiß nicht so recht. Wir trauen dem ganzen nicht.“, erwiderte Pervo.
Link war sichtlich erschrocken über seine Worte. „Was meint ihr damit? Glaubt ihr nicht an den Frieden?“
„Hey, hey.“, setzte Pervo rasch hinzu. „Es ist nicht so, dass wir unseren ehrwürdigen König eines geplanten Hinterhalts beschuldigen. Zu so etwas Abscheulichem und Entwürdigendem ließe sich unser König niemals herab. Aber…“ Pervo senkte den Blick und sprach nicht weiter.
Link sah forschend in die Gesichter der anderen, doch auch sie wichen ihm aus, selbst die ältere Frau.
„Ihr traut es unserem König zu.“, schlussfolgerte Link.


Nun sprach die Frau, die das Kommando hatte, selbst. „Nein, Link. Auch dein König macht so etwas nicht, es sei denn, er will, dass er und seine Nachkommen auf ewig das Gesicht verlieren. Allerdings sind wir ein recht misstrauisches Volk und ahnen nichts Gutes was unseren König betrifft.“
Link verstand immer noch nicht. „Was soll ihm den schon geschehen? Der Frieden ist ausgehandelt, nun wird euch geholfen. Ihr werdet sehen, der Handel wird Einzug in euer Land nehmen und dann bekommt ihr so viel Wasser und Essen und andere Waren, dass…“
„Link!“, unterbrach Pervo ihn. „Es geht weder um den Handel noch um Verrat!“
„Aber was ist es dann, was euch so bedrückt!“, flehte Link endlich zu erfahren.


Erneut wartete Pervo unsicher auf die Zustimmung der Kommandantin. Diese gab sie ihm durch ein Nicken. „Es geht“, erwiderte er. „um den Preis, den unser König als Faustpfand an euren zu zahlen hat.“
Schlagartig dämmerte es Link. Natürlich! Frieden bedeutete, dass Ganon sich dem König von Hyrule unterworfen und ihm ewige Treue geschworen hatte. Als Beweis und gleichzeitig als Garantie dafür musste der König unweigerlich ein Geschenk von Ganon einfordern und Ganon hatte es ihm zu geben. Es musste etwas sehr Wertvolles für Ganon sein, damit der hyrulianische König einen möglichen Verrat schon im Keim ersticken konnte, damit er Ganon unter die Nase reiben konnte in welche Schande er fallen würde, wenn er auch nur von Verrat träumte.
Doch was war dieses Geschenk?
„Und was glaubt ihr ist das?“, fragte Link. „Habt ihr irgendeine Vermutung?“
Die Gerudos sahen sich an.


„Wir haben eine, doch wir flehen unsere Göttin Shjra an, dass wir falsch liegen! Das darf nicht sein!“ Die alte Frau fuhr sich mit den Fingern durch die Haare.
„Was ist es?“, drängte Link.
Die Frau drehte sich um und verschwand im Inneren des Gasthofes. Ihr folgten alle Gerudos. Bis auf Pervo, der blieb zurück.
„Ist schon in Ordnung, Link.“, sagte er und klopfte ihm aufheiternd auf die Schulter. Allerdings misslang sein Lächeln. „Es ist nicht deine Sorge und unsere sollte es auch noch nicht sein. Vielleicht liegen wir ja falsch. Ja, bestimmt sogar! So grausam ist euer König nicht, oder?“ Dann lachte Pervo gekünstelt und verschwand ebenfalls im Gasthof.
Am Morgen des sechsten Tages zog ein Marsch von hyrulianischen Soldaten, in ihren prachtvollsten Rüstungen gehüllt, die mehr der Feierlichkeiten dienten als dem Schutz im Kampf, vom Schloss in den Marktplatz ein. Schon am frühen Morgen hatten sich alle aus den Betten gequält, jedoch nicht wegen der täglichen Arbeit, nein, heute weil sie schon auf diesen Marsch gewartet hatten und möglichst gute Plätze erhaschen wollten.


Auch Link zählte unter denen, die in der vordersten Reihe verweilten. Nicht aber weil er besonders früh aufgestanden war, sondern weil er eine Platz weit vorne haben musste. Als die Ankündigung des Zuges kam war seine Mutter sofort auf den Beinen gewesen ihn seine feinste Festkleidung anzulegen. Schließlich musste er noch den Helm an den Gerudokönig zurückgeben. Sie hatte ihn am Abend zuvor von einer Magd zum Juwelier bringen lassen um ihn gründlich reinigen zu lassen und hatte ihn noch vor dem Sonnenaufgang von derselben Dienerin abholen lassen.
Nun hatten sie alle abgewartet und der Zug war eingetroffen.
Etliche Reihen von Elitesoldaten gingen die Hauptstraße entlang und durchquerten feierlich den Marktplatz. Die Menge grölte und jubelte ihnen zu. Doch sie gingen eisern ihres Weges, jedoch mit einer Leichtfüßigkeit, die nur Frieden bedeuten konnte. Bannerträger waren unter ihnen, die allesamt das Wappen Hyrules trugen.
Dann endlich erblickte man das, worauf alle so ungeduldig gewartet hatten. Sein Vater, der Hauptmann der königlichen Streitmacht, schritt auf den Marktplatz ein. Er ging zu Fuß, doch hatte er in beiden Händen jeweils die Zügel eines Rappen und eines Schimmels.
Die beiden Könige saßen auf ihrem Pferd, ließen sie nebeneinander traben und blickten in die Menge. Nun nahm das Geschrei der Leute ein unermessliches Ausmaß an. Viele Pfiffe durchschnitten die, von jubelnden Mündern und klatschenden Händen erfüllte, Luft. Einige der Schaulustigen schrieen unentwegt „Hyrule, Hyrule, Hyrule, Hyrule!“
Auch aus allen Fenstern, Türen, Balkonen, sogar Dächern platzten die schreienden Leute. Ihr Herrscher, der König von Hyrule, winkte feierlich der Menge zu und viele kleine Kinder winkten begeistert zurück, weil sie es nicht anders wussten.


Ganon jedoch blickte voller Stolz und Arroganz in die Menge, als sei nun allein er der König über alles. Doch trotz allem wurde auch ihm zugejubelt.
Link musste lachen, denn ihm fiel der krasse Gegensatz zwischen den beiden Königen auf.
Der König von Hyrule, der auf dem weißen Pferd saß, war gar in die prächtigsten Gewänder gehüllt, die jemals ein einfaches Bürgerauge erblickt hatte.
Hemd und Hose waren aus Seide von bester Qualität und mit einem Muster aus echten Goldfäden gestickt. Um die Schultern und vor der Brust mit einer goldenen Schnalle auf der sein Wappen prangte, gehalten, baumelte ein schwerer Mantel in königsblau, wie die dunkle Farbe genannt wurde. Armgelenke und Finger zeugten schwer von dem ganzen Goldschmuck, den Armreifen und Goldringen, mit Aquamarinen, Topazen und anderen leuchtenden Edelsteinen besetzt. Auf dem Kopf fein eine polierte Krone mit dicken Rubinen bespickt.
Und dennoch war der Mann selbst ein alter und träger Greis. So plump und hässlich saß er im Sattel seines Schimmels wie ein Bauer. Der mächtige Bauch sprang aus ihm heraus als hätte er sich gleich zwei Kissen unter sein Hemd gesteckt. Der Kopf lag so dicht an den Schultern, dass der Hals kaum vorhanden war. Die Falten und das graue Haar erzählten von den vielen Jahren, die er bereits auf dem Buckel hatte.


Und neben ihm ritt in ärmlicher Tracht der Gerudokönig. Ganon trug einfache schwarze Kleidung aus Leinen und Leder und nur der gereinigte Brustharnisch ließ sich zumindest mit einem höheren Soldaten vergleichen. Ebenso fiel der Goldschmuck aus, nur die goldene Kette mit dem Blutrubin baumelte an seinem Hals und das Diadem leuchtete auf seiner Stirn.
Und dennoch, trotz seiner Armut, saß Ganon stolz und galant auf seinem schwarzen Rappen und schien über aller Köpfe zu thronen. Er war ein gut aussehender Bursche, so stolz und mit harten und seiner Gestalt schmeichelnden Gesichtszügen. Der Körper trainiert und straff und stark. Und von einer erfrischenden Jugend, dass man ihm ansah, er war erst am Anfang seiner Regierungszeit. Darum ruhten wohl auch die Augen der jungen Leute in der Menschenmenge auf ihm. Die der Mädchen bewundernd, die der Jungen beneidend.
Ganon war ein attraktiver Mann und die ältesten Hyrulianer, die ihren König noch in seiner Jugendzeit kannten, mussten sich eingestehen, dass ihr König in seinem Alter niemals so schön und stolz gewesen war.
*Ach Gott, fange ich schon wieder an zu übertreiben? Tu ich es schon wieder? ^^*


Seine Mutter stand hinter ihm und nun stupste sie ihn an. Link sah zu ihr auf. Auch sie hatte sich fein gemacht für diesen triumphalen Augenblick. Sie war wirklich eine schöne Frau und er war stolz darauf eine solche Mutter zu haben. Und er musste ganz unwillkürlich an Naboru, Ganons Frau, denken. Sie war noch hübscher als seine Mutter, weil sie viel jünger war, aber ihr fehlte etwas, was schöne Frauen erst im Alter erlangten. Eine selbstbewusste und Geborgenheit verheißende Aura.
„Na? Jetzt geh endlich!“, flüsterte sie ihm aufmunternd zu. Nervös drehte er den Helm in seinen Händen und atmete langsam und tief aus.
Dann schritt er über die Linie, hinter der die Schaulustigen zu stehen hatten, hinweg und stellte sich vor seinen Vater. Der hyrulianische General blieb stehen und nickte ihm auffordernd aber stumm zu. Erneut atmete er aus und schritt neben den schwarzen Rappen um Ganon seinen Helm entgegen zu halten.


„König des Wüstenvolkes“ Link verbeugte sich leicht. „Ihr übergabt mir Euren Helm und nun bringe ich ihn Euch.“
Ganon tat überrascht, als hätte er ihn vollkommen vergessen. „Ach, danke. Sonst hätte ich ihn noch vergessen.“ Er nahm ihn entgegen, setzte ihn jedoch nicht auf, sondern machte ihn am Sattel fest. Als er fertig war nickte er dem General zu und gab ihm somit zu verstehen, dass sie weitermarschieren konnten. Die Pferde setzten sich von neuem in Bewegung.
Eigentlich hätte Link sich jetzt wieder zu seiner Mutter begeben müssen, denn sein Auftrag war erfüllt. Jedoch… Verstohlen sah sich Link um, als wäre er im Inbegriff etwas an sich zu reißen was nicht ihm gehörte. Und er stellte sich einfach neben seinen Vater und schritt an seiner Seite mit.


Hinter den Königen marschierten noch zehn Reihen der prächtigen Soldaten, doch im Gegensatz zu ihren Vorgängern waren diese bis auf die Zähne bewaffnet. Nicht nur ihre Schwerter und Schilde hatten sie auf dem Rücken, sondern allerhand versteckte Dolche und Messer überall versteckt. Ein Messer hatten sie sogar im Schritt festgebunden.
Nachdem diese zehn Reihen davon geschritten waren hielt der Bannerträger hinter ihnen an und gab den Gerudos, die vor der Gaststätte gewartet hatten, ein Zeichen. Die Krieger, die schon längst aufgesattelt waren, weil sie wussten, dass die Abreise kurz bevorstand, gliederten sich zwischen den zehn bewaffneten Reihen und dem Bannerträger, der das Schlusslicht bildete, ein. Zwischen den Ratgebern ihres Königs, die bereits den Weg vom Schloss in dieser Position geritten waren. Sie zogen von Dannen.
Der König von Hyrule blickte verwundert zu ihm herab. „Link, du bist ja noch hier?“ Sie hatten erst jetzt seine andauernde Anwesenheit bemerkt, als sie die Reihen der Schaulustigen verlassen hatten.
Ein kleiner Schauder lief über Links Rücken. „Oh, äh… Ich wollte auch mitlaufen.“ Er lachte dümmlich, wie ein kleiner Junge.
Übellaunig zischte sein Vater ihn an: „Sieh zu, dass du nach Hause gehst, du hast hier nichts…“


„Ach, lasst ihn doch.“, fiel Ganon ihm ins Wort. „Wenn er unbedingt will, im Laufen ist er ja bereits geübt.“ Link grinste ihm zu, allerdings wurde er schon ein wenig säuerlich über die versteckte Frechheit. Ganon stattdessen wandte sich an den fetten, alten König neben sich. Er hatte den König von Hyrule nie zuvor gesehen, aber das Original kam seiner jahrelangen Vorstellung von ihm sehr nahe. „Selbstverständlich, wenn es Euch nichts ausmacht, Euer Gnaden!“ Das war der Titel mit dem er nun den König von Hyrule anzureden hatte, nachdem er sich ihm am letzten Tag der Verhandlungen untergeordnet hatte. Als Gleichberechtigter hätte er einfach nur den Vornamen gebraucht, doch nun hatte er ihn mit einem höher stehenden Titel anzureden. Und in Ganon kochte das Blut, doch äußerlich ließ er sich nichts anmerken.
„Nein, soll er uns ruhig begleiten. Schließlich hat er allein das Wunder vollbracht, dass das Königreich jetzt endlich vereint ist.“, antwortete der König von Hyrule. „Dafür wirst du natürlich noch reichlich von mir belohnt werden, Link!“
„Danke, Eure Majestät! Aber der Frieden ist meine größte Belohnung…“


„Das ist ihm sicher eine Ehre, hochwohlgeborene Majestät.“, schnitt sein Vater ihm das Wort ab. Und als ihm das letzte Wort über die Lippen kam, sah er bewusst nur zu seinem eigenen König auf. „Aber ich halte es für angebracht, dass Link jetzt nach Hause zurückkehrt, nach der Gefangenschaft, die er durchzustehen hatte.“
Es verschlug sowohl Ganon als auch Link die Sprache über diese offensichtliche Unverschämtheit, die der General ihnen an den Kopf warf.
Doch der König von Hyrule erklomm den Gipfel der Beleidigungen, indem er sagte: „Nun, wenn Ihr das meint. Ihr seid der Vater und in die Erziehung anderer Kinder mischt man sich nicht ein, wenn es nicht unbedingt sein muss.“ Damit sah der dicke König zu Ganon. „Ist es nicht so, mein teurer Vasall?“


Ganon beherrschte sich und verzog keine Miene. „So ist es, mein Herr. Aber ich möchte meinen, dass die Götter – ob es nun Eure sind oder meine –die Welt so geschaffen haben, dass die Mutter die Tochter, der Vater den Sohn erzieht. Nun scheint es mir bei diesen beiden so, dass der Sohn seinem Vater noch einiges beizubringen hat!“
Der General warf ihm einen bitteren Seitenblick zu. „Ach? Und was bewegt Euch zu dieser Annahme?“


„Ich möchte meinen… Mein Gebieter, seht Euch bitte das Gesicht des Jungen an. Ist es nicht rot vor Scham, den eigenen Vater zu sehen, wie er sich vergisst?“
Augenblicklich blieb der Hauptmann stehen, außer sich. Mitten auf der Steinbrücke, die über den inneren Wassergraben führte. „Ihr wagt es mich als Vater in Frage zu stellen, wo Ihr kein Vater seid?“
„Das stimmt nicht, Vater.“, mischte sich Link ein. „Er hat vor wenigen Tagen…“ Sein Vater gab ihm einen Schlag auf den Mund. Es tat nicht sonderlich weh, doch der Schock über die Tatsache, dass er ihn geschlagen hatte, der saß.
Noch immer blieb Ganons Gesicht ausdruckslos. Er lehnte sich etwas vor und stützte sich auf den Sattel. „Um Euren Sohn braucht Ihr Euch keine Sorgen zu machen. Ich habe ihn durchaus zu schätzen gelernt, und zwar nicht weil die Pflicht mir dies auferlegt, sondern weil er sich meinen Respekt aus eigener Kraft verdient hat. Er kann von sich behaupten, dass er mittlerweile zu meinen engsten Freunden zählt und das als elfjähriger Hyrulianer! Und solltet Ihr ihn nicht brauchen, mein Gebieter“, damit wandte sich Ganon wieder an den Herrscher neben ihm. „so verkauft ihn mir, ich werde einen guten Preis für ihn bezahlen. Solche Menschen wie er sind sehr selten und äußerst talentiert, in allen Dingen, welche sie angehen.“
„Oh, dem bin ich mir schon seit Jahren bewusst.“, erwiderte der König neben ihm. „Darum werde ich Euer Angebot wohl ablehnen müssen, so Leid es mir tut. Unser Link ist bereits meiner Tochter versprochen und auserkoren mein Nachfolger zu werden. Aber es ist überaus vorteilhaft, dass Euch ein Band der Freundschaft mit dem künftigen König verbindet!“
„Ja, Freunde sind die besten Knechte!“, posaunte sein Vater abfällig.


Jetzt reichte es Link. Er empfand es als bodenlose Intrige, dass sich ihr König mit seinem Vater zusammentat um gemeinsam Ganons Würde zunichte zu machen. Nun, da sie es konsequenzfrei konnten. Und am Schlimmsten war es solche widerlichen Worte aus dem Munde seines eigenen Vaters hören zu müssen.
„Vater, auch nach so vielen Tagen, die ich in seinem Reich hauste, mögt Ihr dem gnädigen König der Wüste noch immer misstrauen, doch wie er bereits sagte, ist es mir eine Ehre zu seinen Freunden zu zählen und wenn Ihr ihm gegenüber nicht die Manieren aufbringt, die ihm zustehen, so lasst mich es für uns beide tun um Euer Gesicht zu wahren!“, stieß er mit wütender Stimme aus. Ganon war von der unverhofften Hilfe sichtlich überrascht, doch gewiss nicht negativ.


„Link, sei darauf bedacht dein eigenes Gesicht zu wahren, du bist zu jung um es jetzt schon zu verlieren. Und seinem Vater schlechtes Benehmen vorzuwerfen ist gewiss nicht förderlich für die eigene Ehre – auch wenn es der Wahrheit entsprechen mag.“ Und bevor jemand etwas erwidern konnte fuhr er fort. „Ich habe hier genug getrödelt, nun da der Frieden beschlossen ist, gilt es auch in meinem Reich die freudige Botschaft zu verkünden. Wenn Ihr mich dann entlasst, Euer Gnaden, so möchte ich unverzüglich aufbrechen.“
„Sicher, was gibt es heute Wichtigeres als den Frieden zu preisen? Ihr seid entlassen, ich erwarte Euch zum nächsten Vollmond um die Pläne für unseren Handelsaufbau in die Tat umzusetzen.“
„Sehr wohl. Ich ersehne diesen Tag schon jetzt.“ Damit nahm Ganon seine Zügel an sich und ritt langsam davon. Die Soldaten, der Vormarsch, hatten sich an den Rändern der Brücken und auch vor dem Außengraben postiert um ihm einen gebührenden Abschied zu bieten. Auch die zehn Reihen bewaffneter Soldaten spaltete sich um die reitenden Gerudos vorbei zu lassen, lediglich fünfzehn nahmen Aufstellung um ihren König um ihn zu schützen, denn es war seine eigene Leibgarde, die sich als Feiermarschtrupp ausgegeben hatte. Die Gerudos ritten an ihnen drei vorbei und selbst an ihrem König. Sie ritten voraus, er blieb zurück, weil er den langsamen Trab beibehielt.


Und als Link ihm nachsah, wie er sich entfernte, fiel ihm ein, dass er ihn unbedingt noch etwas fragen musste.
„Ach nein!“, sagte er gespielt erschrocken. „Ich habe vergessen ihm zu danken, dass er mir meinen Wunsch gewehrte.“ Er rannte seinem Vater davon. Noch ehe jemand ihn aufhalten konnte.
Ganon hatte mittlerweile auch die Zugbrücke aus massivem Holz passiert, die bei Sonnenuntergang hochgezogen und bei Sonnenaufgang wieder heruntergelassen wurde.
Link holte ihn ein. „König der Wüste, darf ich Euch ein Stück begleiten? Nun, wo ich doch ein so gesonnener Läufer bin?“ Ganon lachte und gestattete es ihm.
„Ich muss Euch vielmals danken, dass Ihr diese Reise auf Euch genommen und Euch in solche Gefahr begeben habt, nur um meinem Wunsch nachzukommen. Und ich entschuldige mich für die boshaften Worte meines Vaters. Für die des Königs allerdings kann ich nicht haften, er steht zu weit über mir.“
„Ist schon gut. Entschuldige dich nicht für die Mängel anderer, das liegt unter deiner Würde. Was deinen Dank betrifft, so hebe ihn dir nur auf, schließlich bringt dieses Friedensabkommen mehr Vorteile für mich als für dich.“, entgegnete Ganon.


Nun waren sie endlich außer Hörweite. Des hyrulianischen Abschiedskomitees und auch der Gerudokrieger, die froh waren diese schrecklichen Mauern verlassen zu haben.
Link sah sich unnötigerweise noch einmal um, um sich zu vergewissern, dass wirklich niemand sie belauschen konnte. „Herr der Gerudos, verzeiht meine zügellose Neugier, aber ist es nicht so, dass ein Vasall als Zeichen seiner vollwertigen Treue seinem Gebieter gegenüber ein Geschenk von unschätzbarem Wert darbringen muss?“
Ganon erstarrte im Sattel. Doch seine Stimme war gelassen wie zuvor. „Das ist richtig.“
„Nun da Ihr der Vasall unserer Majestät geworden seid, so erlaubt mir die Frage nach dem Geschenk, das von Euch verlangt wird.“, sprach Link, so leise wie möglich. Um ehrlich zu sein, Link hatte bereits ebenfalls eine Vermutung was dieses Geschenk sein könnte. Und als er Ganons Erstarren gerade mitbekommen hatte, da war er sich fast sicher, dass das Geschenk, das der König von Hyrule verlangte, Ganons eigenes Schwert war. Und sicher hatte sein Vater es ihm vorgeschlagen, da er sich an Ganon rächen wollte und gesehen hatte wie viel es ihm bedeutete, dass er dafür sogar einen Angriff hatte provozieren wollen.
Über Ganons Gesicht legte sich ein Schatten, ein tiefschwarzer Schatten.


„Meine Tochter.“, sagte er ohne jeglichen Ausdruck.
Durch Link zuckte ein plötzliches Erschrecken. „Wie?“ Er dachte er habe sich verhört.
„Er verlangt“, begann Ganon zu erklären. „dass ich sie, sobald sie ein volles Jahr zählt, zu ihm bringe und seiner Obhut überlasse. Des Weiteren soll ich meine Vormundschaft für sie an ihn abtreten, sodass er volle Verfügungsgewalt über ihre Zukunft hat. Er zieht in Erwägung sie so früh wie möglich mit dem Sohn des Fürsten in Termina zu verheiraten um dadurch einen Einfluss auf das reichste Land der Erde zu erheben. Was, wie er es ausdrückte, doch eine Bereicherung für das ganze frisch vereinigte Hyrule darstelle und somit auch in meinem Interesse liegen müsste.“
Link fiel die Kinnlade herab, er war außerstande es zu fassen. Ungläubig blickte er Ganon in die Augen. So etwas gab es doch nicht mehr! Geiselnahme!
Früher war es durchaus üblich, dass ein König dem besiegten Feind die Frau oder die Kinder nahm um sie bei seinem Hofe zu behalten und somit absolute Kontrolle über den Feind auszuüben. Diese Methode galt längst als unmenschlich und wurde von jedem Regenten verpönt. „Aber er war durchaus großzügig, dein geliebter König.“, sagte Ganon sarkastisch. „Er erlaubte, dass meine Frau mit ihr reist und an seinem Hofe als Hofdame für seine Frau diente um als Bezugsperson in der Nähe unserer Tochter bleiben zu können. Und mir ist ein Briefkontakt mit ihr gestattet und einmal im Jahr werde ich sie für sieben Tage im Schloss Hyrule besuchen dürfen.“


Natürlich. Das Geschenk sollte immer etwas sein, das dem Vasall kostbar war. Und was gab es Kostbareres als die eigene Familie? Zumal wenn das Kind auch noch der Thronerbe des Reiches des Vasallen war? Der König von Hyrule verlangte tatsächlich das Wertvollste was Ganon besaß. Und kränkte ihn auch noch durch das Gebot nur sieben Tage im Jahr einen Besuch genehmigt zu bekommen.
„Aber warum habt Ihr angenommen? Warum habt Ihr nicht darum gebeten etwas anderes als Geschenk zu bieten?“ Link verstand es nicht.
„Das habe ich doch! Ich bot ihm meinen Rücktritt als König des Wüstenreiches an und sagte ihm ich sei mit dem Titel eines Lehnsherren zufrieden, hätte ihm somit mein Land gegeben und es von ihm geliehen bekommen um es zu bewirtschaften, wenn er nur nicht so etwas Unmögliches von mir verlangte. Aber er hat sich nicht umstimmen lassen!“
Das war es also gewesen, worüber sich die Krieger so gesorgt hatten. Und darum hatte sein Vater Ganon auch als kein Vater bezeichnet.
So grausam ist Euer König doch nicht, oder? Hatte Pervo gelacht.
Doch! So grausam und fett und alt und hässlich war ihr gnädiger König!


„Ich verstehe nicht, wie unser König überhaupt auf so einen garstigen Gedanken kommt.“ Link schüttelte verständnislos den Kopf.
„Es war nicht der König, der diesen Vorschlag machte, sondern dein Vater!“ Nun war es Link, der erstarrte. Ganon stattdessen strich dem ungeduldigen Thunder die Mähne glatt und klopfte auf seinen Hals. „Ich verstehe schon, dass er mich meine eigenen Medizin kosten lassen will.“
„Das ist nicht fair!“, stieß Link aus, als könnte es irgendetwas ändern, wenn er Ganon anbrüllte. „Sie wollen Euch Eure Tochter wegnehmen, Euch Eures Standes als Vater entheben! So eine Schande! Sie planen bereits jetzt das restliche Leben eines Mädchens, das noch von der Mutterbrust gesäugt wird. Noch dazu liegt Termina auf der anderen Seite der Welt! Sie wird für Euch unerreichbar sein, ihr ganzes Leben lang! Das lasse ich nicht zu – ich verzichte auf meinen Wunsch, der Preis dafür ist mir zu hoch!“
Während er vor sich hinwütete musterte Ganon ihn verwundert. Ein Schwall an derben Flüchen folgte und als er aufhörte zu fluchen begann Ganon lauthals zu lachen.
Aufgemuntert tätschelte Ganon seinen Kopf. „Ich hätte nie gedacht, dass mein bester Freund ein hyrulianisches Kind sein wird.“
„Wieso, um alles dieser Welt, habt Ihr den Vertrag unterzeichnet?“, stieß Link keuchend hervor.


Ganon war trotz aller Verzweiflung ein Augenblick der Belustigung vergönnt. „Ich musste! Ob mit oder ohne deinen Wunsch, früher oder später hätte ich mich so oder so gebeugt, Link. Und wenn nicht ich, dann irgendeiner meiner Nachfolger. Ich habe Angst um meine Tochter und Angst um mein Volk, dessen Blut von Generation zu Generation ausdünnt. Wir brauchen dieses Friedensabkommen um endlich mit den Zoras eine Handelswirtschaft aufbauen zu können und somit an genügend Wasser zu gelangen. Das geht nun einmal nur über den König von Hyrule. Er hat mein Volk in der Hand und ich bin König um meinem Volk zu dienen. Was also blieb mir anderes übrig als mich zu fügen?“
Link verbeugte sich ehrvoll und mit Tränen in den Augen. „Herr, ich verspreche Euch, dass Ihr allerhöchstens fünf Jahre Trennung von Eurer Familie zu erleiden haben werdet! Noch am Tag meines Eintritts in die Volljährigkeit, und somit meiner Regierungsfähigkeit, werde ich dafür sorgen, dass dieser Vertrag annulliert und ein neuer ausgehandelt wird! Eure Tochter wird Eure Tochter bleiben, so wahr ich Link heiße!“


Ganon lächelte. „Danke, Link. Gerne werde ich dir vertrauen und an dein Versprechen festhalten.“ Dann gab er seinem Pferd die Sporen. „Hah!“
Thunder beugte sich auf und galoppierte davon, mit seinem Herren im Sattel. Link sah ihm nach.
Da es so früher Morgen war lag noch ein Hauch von unberührter Finsternis im Westen, wo das Gerudoreich lag, die Sonne hatte es noch nicht mit ihren Strahlen erreicht.
Und der junge König der Gerudos ritt eben dieser Düsternis entgegen.
Der schwarze Reiter, der sich mit der Finsternis vereinigte.
Es war ein atemberaubendes Bild, das sich ihm bot…


So wurde der Junge namens Link zum Helden. Denn er hatte dem Land Hyrule den endgültigen Frieden gebracht, wenn es auch ohne Blutvergießen geschehen war und nur mit seinem Verstand als Waffe. Und als er seine Zeit als König von Hyrule antrat so brach mit seiner Herrschaft auch ein Zeitalter von Frieden, Wohlstand und Glück für das gesamte Hyrule an. Er jedoch hielt sein Versprechen und verfasste einen neuen Friedensvertrag, den er und sein guter Freund, der König des Wüstenreiches, in einer feierlichen Zeremonie unterschrieben. Dies war auch der Tag, an dem eben der König der Gerudos seine Tochter mit dem Wissen in die Arme schloss, sie nun nach Hause zurückbringen zu können und somit dem Schloss Hyrule nicht mehr versklavt zu sein.
Doch der König der Gerudos blieb dem König von Hyrule, der immerhin um einige Jahre jünger war als er selbst, ein treuer Vasall und unbezahlbarer Gefährte, in guten wie in schlechten Jahren.
Und weil eben nun dieses revolutionäre Zeitalter mit ihm anbrach, da ganz Hyrule vereint war wie niemals zuvor und zwei verfeindete Völker, die seit Anbeginn der Zeit nur den Krieg und das Leid miteinander geteilt hatten, jetzt zu Handelspartnern, Gleichgestellten und Freunden wurden – weil eben all dies von ihm geschaffen wurde, begann man alsbald Link, den weisen König von Hyrule, und Protagonisten so vieler Legenden und Sagen, weniger unter dem Titel eines Königs zu kennen, sondern vielmehr als – Link, der Held der Zeit.

 

Nun mag sich so manch einer fragen was aus Kim – oder vielmehr Ganondorf – dem legitimen Sohn des Königs der Gerudos geworden war. Natürlich hatte er sich nicht ganz plötzlich in ein Mädchen verwandelt.
Nein, durchaus nicht!
Das Schicksal hatte tatsächlich ein Einsehen mit ihnen…

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