Das Ende vom Anfang

 

Autor: Kim

 

16. Kapitel

 

Die Zeit selbst schien still zu stehen. Ganz so als würde sie tief einatmen, so entsetzt war auch sie.
Benny starrte auf den Griff in seinen Händen und auf den rostigen Metallrest, der daraus hervorragte. Die Scherben lagen vor ihm, zerstreut auf dem Boden.
Das…das Masterschwert war zerbrochen…
Eine Hand packte ihn am Hals.
„Schade, dass es dir nicht gelungen ist mich zu zerstreuen.“, erklang die Stimme aus weiter Ferne. So kam es ihm vor. „Ich hatte mir mehr Spaß erhofft. Aber da du nun endgültig versagt hast, wird es Zeit mir meine geliehene Magie zurückzugeben.“
Benny konnte es fühlen.
Das Brennen in seinem Gesicht. Wie Feuer…
Doch dieses Mal schrie er nicht, wehrte er sich nicht.
Er ließ es einfach geschehen. Weil es keinen Grund mehr gab wofür er sich wehren sollte. Wofür er kämpfen sollte. Weil es hoffnungslos war.
Benny fühlte wie sich sein ganzer Körper zusammenzog. Seine Haut, seine Knochen, seine Organe. Alles.


Der schwarze Strich in seinem Gesicht wurde immer kleiner und je kleiner er wurde desto kleiner wurde Benny selbst. Er schrumpfte.
Seine Kleider wurden zu groß.
Seine Füße entglitten den Schuhen. Die Hose fiel ihm von den Beinen. Der Pullover wurde zu einem Zelt.
Benny verlor den Boden gänzlich unter seinen Füßen. Er baumelte in der Luft, nur gehalten von Kims Arm.
Der Strich war verschwunden. Die Magie war verschwunden.
Seine alte Gestalt hatte er wieder. Der kleine achtjährige Benny.
Die kleinen Händchen waren nicht mehr in der Lage die Schwere der zerbrochenen Waffe zu halten und ließen den Griff des Masterschwertes fallen.
Nach einer Ewigkeit erklang das Klirren des Aufschlags.
„Naja“, sprach Kim. „Aber immerhin hast du mir so gut gefallen, dass ich beschlossen habe dich am Leben zu lassen.“ Er lachte. „Ja, du hast es dir verdient auserwählt zu werden. Aus dir wird mal ein guter Diener.“
Kim ließ los und Benny sackte auf den Boden. Aus ihm war alle Hoffnung gewichen und er lag da wie eine leblose Puppe. In den Scherben der einst mächtigsten Waffe des Guten.
Die Spitze des schwarzen Schwertes bohrte sich in den Boden, ganz nahe an seinem Kopf. Damit war das Ende gekommen.
Kim konzentrierte sich nun ganz auf die Mitte. Er schritt über den Boden. Ganz langsam, denn er hatte Zeit.


Eigentlich war der Boden unter seinen Füßen kein gewöhnlicher Boden.
Denn sah man genauer hin, so erkannte man, dass, eingelassen in den schwarzen Marmorboden, die Energiespeicher ruhten, die Zwillinge der Speicher, die in den vielen Türmen eingepflanzt gewesen waren. Die Türme waren alle zerstört, bis auf der Teufelsturm.
Das war auch egal, denn Kim brauchte die Türme nicht mehr. Die Speicher hatten ihre Magie an die mit ihnen verbundenen Speicher hier, im Boden, abgegeben. Er hatte genug Magie gesammelt! Sie hatten genug Strom abgesogen und in Magie umgewandelt.
Wozu er diese viele Magie brauchte?
Sicher nicht um die Welt zu erneuern. Nein, er war mächtig, so mächtig, dass er die Welt mit einem Schlag zerstören konnte.
Eben das war ja auch das Problem! Seine Magie musste gleichmäßig verteilt werden, damit genug aber nicht alles getötet wurde. Deshalb die Magie aus dem Strom. Und auch die Satteliten. Die Satteliten sollten die Magie gleichmäßig verteilen und die Magie aus den Türmen sollte seine Magie umschließen und sicher in die Satteliten leiten.


Genau in der Mitte blieb er stehen und starrte senkrecht nach oben, der Weite entgegen.
Genau über ihnen befand sich der Sammelsatellit.
Jetzt war es also gekommen…das Ende vom Ende und zugleich das Ende eines neuen Anfangs…
Er hob die Arme zum Himmel empor. Und sprach in der alten Sprache.
Die Iris seiner Augen geriet in rasende Bewegung und ein glühender Funken Rot nahm Überhand.
Da fuhr auch Leben in den Boden. Jeder einzelne Speicher leuchtete auf. Von weit oben im Universum musste es aussehen, als seien die Sterne vom Himmel auf diesen einen Fleck Erde gefallen. Ein Wind kam auf. Es war eine Böe, nein, dieser Wind schien viele Winde zu sein, aus allen Richtungen kamen sie um sich hier zu vereinen. Sie wanden sich um ihr Zentrum, um die schwarze Gestalt in der Mitte des Turmes. Um Kim. Er war wie das Auge eines Tornados.
Kim beschleunigte seine Verse. Und mit seiner Stimme wurde auch der Wind immer heftiger. Ein Hauch von schwarzer Luft mischte sich darunter, die Magie in den Winden färbte sie. Die Winde schlangen sich ineinander und das Schwarz breitete sich aus.


Benny konnte es nicht fassen. Sie hatten wirklich verloren. Link, die Weisen, seine Freunde und er. Sie waren verloren.
Er legte sich die Hände aufs Gesicht, weil er nicht mehr ertragen konnte wie ihm die Tränen über die Wangen liefen. Das Masterschwert war zerbrochen, wie hatte das geschehen können? Benny war hoffnungslos.
Wie sich eine Gestalt über ihn beugte sah er.
Es war Riha, die sich erhoben hatte.
„Geh weg!“, krächzte er sie an. „Lass mich in Ruhe!“
Neugierig beugte sie sich zu ihm herunter und berührte seine Wange.
Sie war ganz warm, die Hand. Wie sie selbst. Sie war immer warm, angenehm warm und leuchtend. Sogar der Boden, auf dem sie stand und die Luft, die sie umgab.
Sie wischte ihm eine Träne weg. Die Träne lag leicht vibrierend auf ihrer Fingerspitze und sie sah sie sich an. Dann leckte sie die Träne weg um zu sehen wie sie schmeckte.


Nun erhob sich Benny doch. Zwischen all den rostigen Scherben. Und herrschte Riha, mit der er nun gleichgroß war, zornig an: „Was willst du? Willst du noch über mich lachen, oder warum lässt du mich nicht in Frieden?“ Doch Riha lächelte ihn nur kindlich an. Als würde sie ihn gar nicht verstehen.
Nun war Kim ganz in einer gewaltigen schwarzen Säule aus Magie verschwunden. Benny konnte sie regelrecht auf seiner Haut spüren, die gewaltige magische Kraft. Es war die gleiche, die ihn damals in Lins Zimmer, widerfahren war. Sie drückte einen nieder.
Doch dieses Mal richtete sie sich nicht auf ihn und das Freie war viel größer als ein Schlafzimmer. Trotzdem war das gewaltige Ausmaß der schwarzen Säule schwer zu spüren, Benny zitterte am ganzen Körper.
Er sprang auf die Füße. „Nein! So darf das nicht enden! Nein! Nein! Nein! Ich muss etwas tun!“ Mit einem Schrei rannte er auf die schwarze Säule zu. Und zugleich setzte er seine jämmerlich kleine Magie frei. Trotzdem! Es musste gelingen!
Es gewannen doch immer die Guten! Es durfte jetzt nicht anders sein! Niemals!
Er rannte und war bereit sogar sein Leben zu opfern!
Jedoch – es schossen schwarze Blitze aus der Säule – noch ehe er überhaupt in ihrer Nähe war – und schleuderten ihn schmerzhaft dorthin zurück, woher er gerannt kam. Schreiend vor Entsetzen krachte Benny auf den harten Boden. Alles tat ihm weh.
Er war auf dem Griff mit der zerbrochenen Masterklinge gelandet. Diese hatte seinen Oberschenkel zerschnitten. Erst bemerkte Benny das nicht, doch als er sich erneut erheben wollte, war da dieser Schmerz und er sah an sich herab. Und auf die Schnittwunde, aus der das Blut nur so floss. Noch schriller schrie er. Und weinte.
Mit gerunzelter Stirn beugte Riha sich über ihn.
„Nein!“, weinte er. „Geh weg!“
Sie streckte den Arm nach ihm aus.
„Was machst du da? Nein! Lass das!“, brüllte er sie vor Schmerz an.
Doch Riha ignorierte seine Proteste. Als gäbe es nichts um sie herum.
Mit den Fingerspitzen berührte sie seine Wunde. Ihre Hand war ganz warm.


Schlagartig verstummte Benny. Aus Erstaunen. Er fühlte keinen Schmerz mehr. Nur diese Wärme.
Noch größer wurden seine Augen. Als die Wunde sich wie von selbst schloss. Die Haut zog sich zusammen, sie heilte. Von einer Sekunde auf die andere.
Und schließlich blieb nur ein wenig trocknendes Blut übrig.
Riha strich darüber und steckte sich dann den Finger in den Mund. Um zu sehen wie das schmeckte. Dann verzog sie angewidert das Gesicht. Es schmeckte nicht.
Benny starrte weiter ausgiebig auf die verschwundene Wunde. Ohne jegliche Narbe zu hinterlassen, als hätte er sich gar nicht erst verletzt.
Riha hatte ihr Interesse verloren, es blieb nie lange auf einen Punkt fixiert, und wandte sich ab, doch Benny packte sie am Handgelenk. „Warte mal!“ Er erhob sich. „Du heißt doch Riha, gell?“ Erst jetzt, da er vor ihr stand, merkte er, wie klein er wieder geworden war. „Du bist ganz stark! Du musst was für mich tun!“ Er deutete auf die schwarze Säule aus Magie. „Du kannst sie mit deiner Magie durchbrechen, das weiß ich! Bitte! Mach das für mich! Ab dann komme ich schon selbst klar!“
Riha stellte den Kopf schräg und starrte ihn mit ihren honigfarbenen Augen an.
„Ich weiß, dass wir Feinde sind und dass du mir damit hilfst, aber verstehst du denn nicht – die Welt wird zerstört! Willst du das? Dass alles kaputt geht? Bitte, Riha! Du musst die Magie durchbrechen!“
Er flehte sie an, er bettelte. Weil er so hilflos war und sie war stark genug. Er musste doch nur durch diesen magischen Wall kommen!
Doch Riha lächelte ihn nur an. Sie tat nichts. Gar nichts.
Benny konnte keine Hilfe von ihr erwarten. Sie war einfach der Feind! Es gab keinen Grund, keinen einzigen, warum sie ihm helfen sollte. Natürlich half sie ihm da nicht.
Benny ließ von ihr ab und wandte sich der schwarzen Säule zu. „Na gut! Dann muss ich das allein schaffen!“ Er musste es einfach schaffen! Er musste die Säule durchbrechen! Auch wenn er noch hundertmal verletzt werden würde. Er musste.
Benny setzte zum erneuten Sprint an. Ich schaffe das, redete er sich eifrig ein. Sonst kann ich mein Versprechen nicht halten!
Er rannte los, bereit den neuen Aufprall entgegenzuschreiten…


Mit Blick voraus…
Sein Herz raste…
Entschlossen…
Da kam dieses Zischen an sein Ohr.
Als trüge der Wind eine Stimme mit sich, die ihm etwas ins Ohr zu flüstern gesuchte…
Dann war da dieses Licht…
Wie ein Blitz zischte es an ihm vorbei – und in die schwarze Säule aus Magie hinein –
Im nächsten Augenblick zerriss die Magie.
Die Winde verklangen. Die schwarze Säule zersplitterte. Und löste sich auf…
Vor Schmerz war Kim auf die Knie gesunken. Er war noch völlig durcheinander. Es war so, dass er in Trance versunken gewesen war, willenlos. So war es schon immer gewesen, wenn er seine Magie frei ließ.
Umso erschrockener war er jetzt.
Da er sah wie ein Pfeil aus purem Licht seinen linken Oberarm durchbohrt hatte. Fein säuberlich. Als sich der Pfeil auflöste, blieb nichts zurück, keine Wunde.
Doch seine Magie war gebrochen. Und er keuchte vor Erschöpfung.
Der Pfeil hatte ihm einfach seine Kraft geraubt.
Benny war erschrocken. Was war das gewesen?
Er drehte sich um –
„Lin!“, schrie er überrascht.
Lin stand da. Im goldenen Kleid. Und…


Mit einem Bogen aus warmem Licht! Aus Licht!
Doch ihr Blick war auf Kim gerichtet. Und sein Blick entsetzt auf ihr.
Benny konnte es nicht fassen. Sie hatte Kim angegriffen! Sie hatte ihn besiegt! „Lin! Du…du…“
„Benny!“, unterbrach sie sein Gestammel. Ernst und ohne Gefühl. Benny fuhr zusammen. „Nimm Riha und geht in Deckung!“
Benny verstand nicht. „Wie? Lin, ich…“
„Mach schon!“
Er verstummte und nahm Riha an die Hand. „Aber Lin! Was…“
„Ich sehe dich!“, zischte Lin. Doch nicht zu Benny. Sondern zu Kim…
Oder vielmehr zu dem, was in ihm war!
„Du Brut des Hasses! Du hast dich lange genug versteckt!“, schrie Lin. „Zeig dich!“
Kim verstand nicht wovon sie sprach. Das tat wohl niemand.
„Lin?“, keuchte er. Und versuchte sich zu erheben. Es ging nicht, er war so schwach. „Was soll das? Was –“
Da erklang die Stimme. Die lachte.
Du hast mich also entdeckt! Du kleines unverschämtes Ding!
Und mit einem Male – fühlte sich Kims Körper merkwürdig an. Besser gesagt, er fühlte ihn gar nicht! Da war nur dieser schreckliche Schmerz in ihm, ganz tief in seinem Körper. Er spürte wie etwas sich in ihm bewegte. In seinem gesamten Körper. Wie ein Wurm, der sich durch seine Eingeweide fraß.
Aus seinen Ohren, seiner Nase und seinem Mund rann Blut.


Kim fasste sich keuchend an die Brust. Die brannte, als fließe Magma durch sein Herz.
Es war ganz nass. Denn er blutete – aus der Narbe.
Es brannte alles in ihm. Er hatte das Gefühl als könne er dieses Etwas in ihm nicht mehr festhalten. Als zerreiße es ihn um ans Tageslicht zu gelangen.
Er konnte nicht mehr. Er musste nachgeben. Er gab nach.
Da floss es heraus.
Es war der Schleim, der in seinem Körper genistet hatte. Aus der Narbe floss er.
Bis nichts mehr in ihm war.
Vor seinen Augen verschwamm das Bild.
Das Diadem fiel ihm vom Kopf und schlug in den Schleim auf. Von dem es verschluckt wurde.
Kim fühlte sich miserabel.
Und doch so unendlich erleichtert.
Du kleines Gör! Wie kannst du es wagen mir in die Quere zu kommen! Du schmutziges niederes Wesen!, wütete die Stimme.
Im nächsten Augenblick kam Bewegung in die Pfütze aus schwarzem Schleim.
Dann – dann – mussten sie alle mit ansehen – wie sich die Göttin der Rache vor ihnen erhob. Shjras Gestalt war gewaltig. Sie erhob sich über alle.
Es war ihr eine menschliche Gestalt gegeben (nun, es war eher so, dass die Göttinnen, die die Erde schufen, die Menschen nach ihrem Bilde formten), doch die Schlange, war ein Teil ihres Körpers. Wo sie sich schlängelte, da war die Haut aus Schuppen. Und wo Haare hätten sein sollen, da umschloss das Schlangenmaul ihren Kopf.


Das Diadem mit dem Dracontias ruhte nun auf ihrer Stirn. Wie ein kleiner Fleck.
Ihre glühenden roten Augen blickten herrscherisch und kalt auf alles hernieder.
Die Statue, nach ihrem Abbild, im Geistertempel war nicht im Geringsten übertrieben gewesen. Und sie war fast so groß.
Niemand konnte begreifen, dass eine leibhafte Göttin vor ihnen stand. Über ihnen stand.
Benny verstand nun, was Lin gemeint hatte.
Die Angst im Blut packte er Riha an der Hand und lief mit ihr zum Rand.
Aber entkommen konnten sie nicht. Es blieb ihm nichts anderes übrig.
Benny drückte sie nach unten. „Mach dich ganz klein!“ Und beugte sich schützend über sie. Ein leiser Pfiff und er erschuf einen kleinen, unauffälligen Schutzschild. Sicher, er war nicht besonders stark, aber er war besser als gar nichts.
Kim dagegen, war viel zu gelähmt, über dessen, was sich all die Jahre in ihm befunden hatte. Ohne, dass er etwas von ihr gefühlt hätte. Die Anwesenheit einer Göttin in seinem eigenen Körper!


Die glühendroten Augen der Rachegöttin sahen kalt auf sie herab.
Lin sah ebenso kalt zu ihr herauf.
Du Menschenweib! Du unverschämtes Gör! Du hast es gewagt dich mit mir anzulegen!
„Du hast es gewagt dich mit den drei Göttinnen anzulegen!“, gab Lin zurück. „Diese Welt ist ihre Schöpfung – und sie wollen dich hier nicht!“
Die Göttin warf abfällig ihren Kopf zurück. Meine Schwestern haben mich mit der Schaffung dieser jämmerlichen Welt eingeladen! Dass du, sterblicher Dreck, es wagst mich zu beleidigen! Ich werde euch alle vernichten! Dann drehte sich ihr Kopf. Die Schlange funkelte auf. Kim fuhr zusammen, als er den herrscherischen Blick der Göttin auf sich ruhen sah. Und du! Du bist eine schandhafte Enttäuschung! Du hast versagt! So etwas hat in meiner Blutlinie keinen Platz!
Ihre Hand hob sich. Sie war groß, leichenblass, mit langen dürren Fingern. Giftgrüne Nägel.
Wie die Hand einer Toten…
Es war nur ein winziges Fünkchen Magie. Doch die Magie einer Göttin war so mächtig, dass die Erde unter ihren Füßen vibrierte.
Kim wollte wegkriechen, doch es war zu spät. Er entkam Shjra nicht.
Als die Magie ihn traf, da wurde er regelrecht vom Boden gerissen. Über den Bodon geschliffen, bis er zur Ruhe kam. Und in seinem eigenen Blut dalag, wie ein totes Tier.


Streifen seines Blutes zeichneten seinen Weg dorthin, wo das Blut langsam aus ihm heraussickerte.
Um sein Leben keuchend und röchelnd.
*An alle, die Kim zum Teufel gewünscht haben – na? Seid ihr zufrieden? Hat er genug gelitten? ^^*
Zufrieden schallte Shjras lautes Lachen. Ehe ihre glühenden Augen belustigt aufleuchteten.
Und nun zu dir, Menschenmädchen! Du wirst die Erste sein, die meiner Rache zum Opfer fällt! Beide, der langen und leichengräßlichen Arme hoben sich empor. Gewaltig und mächtig war die Magie in ihnen. Das Diadem auf ihrer Stirn erstrahlte. Nun sollst du meine Macht zu spüren bekommen.
Ihre Handflächen färbten sich dunkellila. Es war nur Hass in ihrer Magie. Und jetzt – stirb!!!
Aus ihrer Hand schossen gleißende Strahlen violetter Magie. Die sich umeinander wanden wie ein feines Geflecht.
„Lin!“, schrie Benny. „Lin, weich aus!“
Doch Lin stand da und erwartete die Magie. Eine kleine Brise kam auf und ließ ihr Haar wehen. Sonst rührte sich nichts.
Und das Auge der Magie verschlang Lin wie nichts. Gnadenlos prasselte die Magie hernieder.
„NEIN! LIN!“, schrie Benny. „LIN!“


Erneut erschall Shjras Lachen. Tief und laut.
Benny erstarrte, als er der großen Göttin genau in die Augen blickte.
Schrei nur, menschliches Balg! Ihr seid die nächsten! Sie lachte und lachte. Ich hatte Recht! Ein unwürdiges Wesen, bleibt unwürdig! Auch wenn es im Besitz eines göttlichen Relikts ist! Jetzt ist das Menschengör endlich…
Doch da stockte Shjra und sprach nicht weiter. Denn etwas stimmte nicht.
Nein! Das…das ist nicht möglich! Das ist nicht…
Lin kämpfte gegen die dunkle Macht an. Mit ganzer Kraft stemmte sie sich dagegen. Ein hauchdünner Goldschimmer bildete den Schild, der sie vor der tödlichen Magie schützte.


Das Triforce, auf ihrer Hand, erstrahlte in Gold.
Nein! Das kann nicht sein! Du bist nur ein Mensch! Ich bin eine Göttin!, schrie Shjra.
Noch dunkler wurde die Magie. Sie schrie ihren Hass hinaus.
Der Strudel der Magie wurde noch stärker.
Unter der gewaltigen Last knickte Lin ein. Kurz. Dann rappelte sie sich wieder auf die Beine. Lin konnte die Göttin besiegen! Sie hatte den Segen der drei Göttinnen, sie musste Shjra einfach besiegen!
Mit aller Macht griff sie sich an die linke Hand. Genau in das freie Dreieck, das die drei Goldenen des Triforcesymbols bildeten.
Und was Benny sah, das ließ ihm sprichwörtlich die Kinnlade herabfallen.
Lin zog das gleißende Licht heraus. Es war dünn und lang. Mit leuchtenden Federn und strahlender Spitze. Ein Lichtpfeil!?!
Natürlich! Lin hatte alle Magie aufgesogen! Somit auch die Lichtpfeile! Die heiligen Pfeile waren in ihrem Körper!
Geschickt setzte Lin den Pfeil auf ihren Bogen aus Licht.


Dieses eine rote Haar, das sie sich selbst herausgezupft hatte. Es war die Sehne des Bogens.
Fein lag der Pfeil auf dem Haar. Fein spannte Lin ihren Bogen.
Eine wahre Kalligraphie…
Es war ein vollendeter Zug…
Der Pfeil schnellte von der Sehne. Er zischte durch die Luft.
Das Licht des Pfeils glitzerte in der aufgehenden Sonne…
Und als der Pfeil sein Ziel traf, da glitzerte die Luft wie Firmament in der Nacht.
Die Splitter rieselten zu Boden wie feiner Sand.
Es war der Dracontiasstein, der zerbrochen war.
Die rachsüchtige Göttin der Rache konnte es nicht fassen…
Mit entsetztem Blick und erhobenen Armen, sah sie zu ihrer Stirn. Das Diadem war leer.
Lin ließ den Bogen sinken. „Du hast alle Gerudokönige für deine eigenen Zwecke missbraucht! Ich weiß bescheid! Alle Gerudokönige hatten eine Narbe auf der Brust, nicht wahr?“
Voller Hass sah die Göttin auf sie herab.


„Du bringst sie dadurch unter deine Kontrolle, indem du dich durch ihre Narbe auf der Brust in ihre Körper schleichst und sie von innen abtötest! Dann können sie gar nicht anders als zu gehorchen, weil sie durch dich leben! Alle haben sie ihr Leben für dich aufgegeben! Auch Ganon! Aber Kim wollte das nicht! Seine Widerspenstigkeit war ein Dorn im Auge! Darum musste alles schnell gehen! Damit niemand dir dazwischenfunken kann! Und schon gar nicht die drei Göttinnen! So ist es doch!“
Einen Moment herrschte Stille…
Überall…
Auch im Reich des Jenseits…
Ganon stand wie erstarrt da.
Durch die Reihen der Weisen zog sich ein beunruhigtes Raunen.
„Was war das?“, fragte Darunia.
Zelda hielt sich entsetzt die Hand vor den Mund. „Das…das…ist das eine Göttin? Wir haben die ganze Zeit gegen eine Göttin gekämpft?“
„Was ist da jetzt los?“ Ruto verstand rein gar nichts mehr.


„Dieses Mädchen! Ich habe gewusst, dass sie etwas Besonderes ist, aber jetzt…sie hat uns alle übertroffen!“, mischte sich auch Impa ein. „Sie ist eine wahre und unerschrockene Heldin!“
Naboru aber, hatte sie alle vergessen. Es gab nur noch sie und ihn.
„Ganon!“, sagte sie. „Ganon, war sie die Stimme, die du damals gehört hast? War sie es? Hast du dich wegen ihr so verändert?“ Naboru machte einen Schritt auf ihn zu.
„Bleib weg!“, krächzte Ganon. Seine Stimme war rau. Als krieche etwas durch seine Kehle. „Bleib weg!“
Aber sie hörte nicht. „Ganon, bitte! Sag es mir!
„Bleib weg!“
Sie machte noch einen Schritt.
Ganon griff sich an die Kehle. Es war so ein unglaublicher Schmerz. „Bitte! Bl…ei…b… w….“
Nun rührte sich auch Link. Er sprang auf und stellte sich Naboru in den Weg.
„Bleib weg von ihm, Naboru!“ Link war vollkommen ernst.
Das machte Naboru wütend vor Verwirrung und Verzweiflung. Sie stieß ihn gegen die Brust. „Warum? Reicht es nicht schon? Geh aus dem Weg!“
Sie wollte an ihm vorbei, doch er packte sie am Handgelenk. „Nein, Naboru!“
Sie wurden unterbrochen. Von hässlichen Würggeräuschen, die Ganon von sich gab.
Ganon viel auf die Knie.


Erst jetzt wurde auch Naboru klar, was da geschah.
Wie pechschwarze Tränen, floss der Fluch der Göttin aus Ganons Augen.
Dann begann er zu schreien…
Nur Schmerz…da war nur Schmerz…
Und jemand anderes schrie auch.
Jedoch nicht vor Schmerz – sondern aus Wut, aus unendlicher Wut und unendlichem Hass…
„NEIN! DAS DARF NICHT SEIN! ICH BIN EINE GÖTTIN!“, schrie Shjra. Sie fasste sich an die Stirn und versuchte sie zurück zu halten.
Die Seelen! Die Seelen aller Könige des Wüstenvolkes!
Die aus ihr geboren worden waren und die sie getötet und wiedergeboren hatte. Die sie an sich gebunden hatte. Um sie zu besitzen, um sie wie Schachfiguren in ihrem Rachespiel zu benutzen.
Sie verlor die Seelen.
Wie eine Fontäne aus silbernen Funken schossen die Seelen heraus, die in dem Dracontias gefangen gewesen waren.
Die Sonne trat ganz aus ihrem Horizont hervor. Die Strahlen tauchten sie in goldenes Licht. Und mit ihnen erstrahlten die tausende von Seelen. Es war wie ein unruhiges Meer am Himmel. Wunderschön und schmerzvoll.
Ihre Schreie, so voll von Wut und Schmerz. Und Trauer über ihr gestohlenes Leben.
Ihre silbernen Lichter, ihre Gestalten aus Rauch und Leere, schrieen aus Schmerz und erfüllten die Luft, den Himmel.
Gemeinsam starrten die beiden Kinder gen Himmel. Benny und Riha.
Die Schreie klangen in ihren Ohren. Ihre Augen blickten ins Licht.
Auch Lin betrachtete das Trauerspiel.


Die Seelen hatten ihre Freiheit wieder. Wenn ihre Körper längst tot waren, so fand ihr Leid in diesem Moment doch ein Ende…
Sie verschwanden in den Weiten, auf dem Weg in ihre ewige Ruhe…
Zurück in die Körper, in das Leben, das weiterexistierte, im Reich der Toten…
Auch eine Seele fand zurück, zu ihrem wahren Besitzer…
Das Licht kam plötzlich zu ihnen.
Und es schrie. Mit der gleichen Stimme wie Ganon.
Ganon fasste sich an den Kopf, er schien zu zerplatzen. Alles in ihm schien zu zerplatzen.
Als das Licht ihn traf. Als es sich in ihn bohrte.
Es war so kalt. Seine eigene Seele empfand er als kalt und unangenehm, gar schmerzvoll. Weil er sie so lange nicht mehr in sich gehabt hatte.
Es drang durch seine Augen in ihn ein. Sie erstrahlen in dem silbernen Schein.
Und als es ganz in ihm war. Da blickte Ganon auf…
Seine Pupillen schienen zu platzen. Seine schmalen Pupillen, sie platzen.
Zu einem Tupfer. Zu einer runden Pupille.
Wie sie einst waren.
Dann erstarb das Licht. Dann erstarb das Schreien…


Ganon war so von Erschöpfung und Furcht gepackt, dass er am ganzen Leib erzitterte…
Noch jemand anders zitterte…
Die Augen brannten ihm.
Auch aus Kim war der Fluch geflossen, der ihn gebunden hatte. Und als er aufsah, da waren auch seine Pupillen rund. Ihm war eiskalt und die Tatsache, dass er wie ein Häufchen Elend am Boden lag und ausblutete, konnte ihn ganz und gar nicht warme Gedanken bescheren.
Zumal bei solch einer Gefahr.
Eine Göttin – rasend vor Wut.
Das Diadem war zerbrochen.
Noch immer ruhten Shjras Hände darauf, als könne sie so das Schmuckstück wieder herstellen. Dass sie einst aus einer goldenen Kralle geschmiedet hatte…
„Nun sind sie frei!“, sprach Lin. „Niemals mehr wird jemand gezwungen sein dir zu dienen! Wir Menschen sind nun von dir befreit!“
Voller Hass stierte Shjra hinunter. Auf die Gestalt eines einfachen und niederen Menschen. Einem Gör, einem Menschenweib!
Ich werde mich nicht von einem Menschen besiegen lassen!, zischte die Göttin, leise und lüstern. Wie das Zischeln einer Schlange. Ich werde diese Welt, mit allen ihren jämmerlichen Wesen, vernichten! Ein für alle Male! Dann hob sie die Hände, langsam, ganz langsam. Umso lauter und erregter wurde ihr Lachen. Ich werde die Magie – die ursprünglich dafür gedacht war einige von euch niederen Wesen übrig zu lassen – in meiner Macht tränken und sie wird so mächtig sein, dass sie den Planeten in Stücke reißt. Die Erde wird sterben – und ihr mit ihr! Sie lachte so laut und dunkel. Und meine drei missratenen Schwestern werden euch nicht schützen können!
Ihre Handflächen klatschten aufeinander…


Es war als verdunkle sich mit einem Schlag das ganze Universum…
Ein gleißender tiefvioletter Blitz, mächtiger als alles was es jemals auf Erden gab, schoss gen Himmel…zerriss den Himmel…zerriss die Erdatmosphäre und zerriss das Firmament…
Der Blitz traf den Satteliten, der direkt über den Teufelsturm angebracht worden war – und zerschmetterte ihn…
Die Magie kam wie ein Regenschauer auf die Erde hernieder.
Wie giftiger, saurer Regen, der sich durch alles fraß, was er berührte…
***
„Ne, ich geb es jetzt ganz auf! Die sind sowieso nicht zu Hause! Und in der Werkstatt auch nicht!“, betonte Joe. „Die sind nirgendwo! Verstehst du? Nirgendwo!“
„Aber Mann!“, gab Gummy wütend zurück. „Die können doch nicht wie vom Erdboden verschluckt sein!“
„Doch das geht!“, kreischte Jessi. „Wir sind schon mal von einem Turm verschluckt worden, warum sollen sie nicht vom Erdboden verschluckt worden sein?“
Gummy drehte sich besserwisserisch zu ihr um. „Ich sagte wie vom Erdboden verschluckt!“
„Vielleicht haben sie es ja geschafft. Vielleicht hat dieser Benny, der sich für einen kleinen Ausreißer hält, ja wirklich das geschafft…was…naja was er halt vorgehabt hat.“, schlug Google vor und rückt sich die Brille auf der Nase zurecht.
„Ach was!“, feixte Joe. „Du meinst, er hat einen auf Superman gemacht und uns vor dem riesengroßen bösen Meteoriten gerettet?“
Google gab kleinbei. „Immerhin sind die schwarzen Türme weg…“
„Und das an ihm was dran ist hat er ja bewiesen!“, setzte sich nun Jessi ein. „Denk mal an die Sache mit der Cola! Er hat magische Kräfte!“
Joe winkte ab. „Ach kommt, Leute!“ Er seufzte, als wäre er der große Gelehrte, der sich über sein Schicksal, sich nur mit dummen Individuen abgeben zu müssen, nur beklagen konnte. „Und in wenigen Minuten steht da Game Over und wir werden erkennen, dass wir alle nur Figuren in einem Videospiel sind – oder noch besser – irgendwelche Charaktere in einer beschissenen Geschichte von irgendeiner Irren, die sonst nichts zu tun hat!“
*Ach, ein bisschen Selbstironie muss schon sein, oder? ^^*


„Hey, Leute…“, beschwichtigte Google. Zumindest versuchte er es.
Es misslang – weil Jessi auf Joes Provokation ansprang.
„Ach ja? Und warum gerade eine SIE? Warum erfahren wir nicht gleich, dass sich ein ER das alles ausgedacht hat?“
„Na weil sich nur Mädchen so was ausdenken!“, fluchte Joe. Er blinzelte in ihre Richtung mit den Wimpern und spitze die Lippen. „Eine holde Jungfrau wird vom bösen schwarzen Mann entführt und ein strahlender Ritter – natürlich blond und blauäugig, wie immer halt – macht sich auf sie zu retten. Am Ende gibt es Friede, Freude und billigen Kuchen aus dem Supermarkt!“
Jessi wurde pupurrot im Gesicht. Sie wollte sich auf Joe stürzten und ihm kräftig dorthin treten, wo es besonders wehtat –
Doch dazu kam es nicht mehr –
Denn ein Blitz zerriss die Luft.
Von überall auf der Welt konnte man ihn sehen – selbst die Blinden konnten ihn sehen. Die Tauben konnten ihn hören, die Toten ihn fühlen…
Es war ein Blitz in tiefstem Violett.
Er war nur für eine Sekunde da…
Dann, in den nächsten Sekunden, geschah gar nichts…
„Was war das?“, kreischte Jessi.
Das war der letzte Satz, der jemals auf der Welt gesprochen wurde…


Ab dann – waren nur noch Schreie zu hören. Schreie aus Verwirrtheit, Angst, Panik, Entsetzen, Schmerz, Verzweiflung.
Denn die Erde brach auf.
Genau zu ihren Füßen.
Die Jugendlichen, die gerade noch im Park unter einer großen Weide mit schweren Ästen gestanden hatten, spürten nur noch das Aufbrechen des Bodens. Das Vibrierende und Glühendheiße, das zu ihnen emporstieg und die Erde fraß.
Überall brach die Erde auf und spuckte ihr Innerstes heraus. Ihr Blut, überschäumendes flüssiges Gestein, ihre Organe, bestehend aus Steinbrocken, die die Welt zerschlugen, ihren Atem, das giftige Gas, das alles verdorrte und erstickte.
Schreiend rannten die vier Jugendlichen auseinander. Keiner achtete auf den anderen. Jeder für sich und sein eigenes Leben.
Darum interessierte es keinen, dass Jessis Begeisterung für High Heels ihr zum Verhängnis wurde. Ihr Absatz brach, sie knickte um und der zerbrösselnde Boden nahm sie mit in die Tiefe der Erde. Wo weit unten das Magma einen Weg ins Freie suchte.
Ihr Körper kam gar nicht unten an.
Schon im Flug fingen ihre Haare und ihre Kleidung Feuer und schlug bald auf ihre Haut nieder und auf alles was sie war. In Sekunden fraß sich das Feuer durch ihren Körper und verbrannte die Stimmbänder. Dann erstarb ihr Todesschrei.


Es war nur ihre Asche, die in das glühende Meer eintauchte.
*Boah…So was wollte ich immer schon mal schreiben ^^ nicht, dass ich brutal bin! Neeeee…*
Jessi teilte ihr Schicksal mit Millionen von Menschen. Die anderen Millionen von Menschen starben wohl einen anderen Tod. Erschlagen, zerdrückt, erstickt, ertrunken, zerrissen, verblutet, jeder erdenkliche Tod suchte die Welt heim.
Auch die Tiere und Pflanzen starben. Im Flammenmeer, im Steinhagel, im Giftnebel oder weil die Angst sie quälte.
Nicht einmal mehr ein toter, leerer Erdball sollte übrig bleiben. Nichts…
Nicht einmal ein Fleck im dunklen, stillen Kosmos, der Welt der Götter…
***
So dachte es sich Shjra.
Hier, im Turm der Götter, der nun ein schwarzer Teufelsturm war, bekam niemand etwas von dem Schrecken mit, der auf der Welt wütete.
Nur das Meer war unruhig. Die Wellen bäumten sich auf und spuckten den Schaum ihrer Tobsucht. Sie glitzerten blutrot. Weil die aufgehende Sonne blutrot zu sein schien. Rot wie das Blut, das floss wie ein Fluss, der sich um die Erde wand.
Shjra konnte es fühlen, wie die Erde starb.


Und es war so wohltuend, so überaus befriedigend…
Sie konnte nur lachen, vor Wolllust.
So, was nun, Menschengör? Mit gebieterischen Augen starrte sie auf Lin hinab, die so winzig und unbedeutend zu sein schien. Was willst du jetzt noch ausrichten? Um uns herum stirbt alles und bald seid auch ihr an der Reihe! Du kannst mich nicht aufhalten!
Doch zu ihrer unbeschreiblichen Verwunderung – hatte Lin nur ein Lächeln für sie übrig.
„Bist du dir da sicher, große Göttin?“, fragte Lin spielerisch.
Was…nein! Ihr habt verloren – ihr seid verloren! Niemand kann den Untergang jetzt noch aufhalten!, schrie die Göttin. Niemand ist in der Lage meine Magie aufzuhalten! Hörst du – niemand!
Lin trat einen Schritt nach vorne. Zum Zeichen, dass sie nicht die geringste Angst hatte. Nicht den geringsten Zweifel!
„Ich werde dich jetzt mit eben dieser meiner Waffen schlagen, welche Ganon und Kim sich zu nutze gemacht haben!“, sagte Lin selbstsicher.
Das Lachen verschwand Shjra aus dem Gesicht. Nein…es gibt nichts was mich besiegen kann!
Lin hob die linke Hand. An der auch der Armreif hing und im Schimmer leuchtete.
Das Triforcewappen schimmerte und funkelte verheißungsvoll.


„Ich werde dich mit der einzigen Magie bannen, mit der man dich, Göttin, bannen kann!“, führ Lin fort. „Deine Eigene! Ich werde sie in mich aufnehmen und sie gegen dich verwenden!“
Und kaum waren ihre Worte ihrem Munde entglitten, da erstrahlte das Relikt der Schöpferinnen im neuen Glanz, mächtiger, heller und prächtiger als jemals zuvor.
Nein!, schrie die Göttin. Das…das ist unmöglich! Ich bin eine Göttin! Ich bin eine Göttin!
Die Magie Shjras – wurde angesaugt. Das Triforce verstärkte den Sog, sogar die Luft färbte sich durch die starke Magie, die sich in Lins Hand drängte. Gleißend weiß.
Es gab einen heftigen Wind, da sich von der ganzen Welt die Magie zu diesem einen Punkt drängte. Es war unmöglich Lin zu stoppen.
Das Blatt hatte sich gewendet…
Da war der Augenblick gekommen! Der Moment an dem sich ein allerletztes Mal die Weisen zusammentun sollten…
Lin blickte zum Himmel empor. „Und nun ihr Weisen, schenkt mir eure Kraft! Öffnet das Tor zum Hades um den Hass für immer vom Antlitz der Welt zu verbannen!“
…nen…nen…nen…nen…
Das Echo erschall über die zerrüttelte Welt…
Die drei Wesen, die Mädchen, die geboren worden waren, um ihren Teil zur Errettung der Welt zu tragen, erhörten sie…
Navi sprang auf. Sie war verschont geblieben, vom Untergang der Welt. Alle drei Schreine waren heilig und somit verschont worden.
Bis jetzt hatte sie auf dem Schrein meditiert.
Dafür – für diesen Augenblick – da sie die Stimme der Göttin – ihrer Göttin – hörte. Wie ein Flüstern, das das Meer zu ihr brachte.
„Nun ist es so weit!“, flüsterte Navi dem Meer zu.


Dann fiel sie auf die Knie und schloss die Augen. Die Hände wie zum Gebet gefaltet. Das blaue Dreieck auf ihrer Stirn schimmerte.
„Nayru, Göttin der Weisheit, schenk uns deine Macht…“
Ein Funken sprühte – ein gleißender blauer Strahl schoss aus dem Dreieck. Weg, weit weg, über das Meer. Das Meer trug in der salzigen Luft die Magie weiter…
Nach Afrika. Wo Alexa sich mit allen Mitgliedern aus dem Massaistamm im und um den Schrein gerettet hatte. Das Erdbeben war schrecklich gewesen, doch der Schrein hatte sie geschützt und so hatte es bei ihnen keine Toten gegeben.
Doch als Alexa den blauen Funken, weit draußen auf dem Meer sah…da wusste sie was zu tun war, als hätte sie ihr Leben lang nichts anderes getan. Sie fiel auf die Knie und schloss die Augen.
Erschrocken wichen die Eingeborenen zurück.
Der Häuptling hackte aufgeregt auf Salif ein. Der ebenso verdutzt war.
„Alesandá? Was du…hast du? Schlimm? Hast du Schmerzen?“
Dann sahen auch sie den blauen Stahl.
Schreiend vor Furcht stob die Menge auseinander.
Der Strahl traf ihr rotes Dreieck und es begann zu leuchten.
„Din, Göttin der Kraft, schenk uns deine Macht…“
Aus ihrer Stirn riss sich ein gleißendroter Strahl und schoss davon…
Island war größtenteils verschont geblieben. Es war zu klein und weit abgelegen gewesen um es so kurzfristig zerstören zu können. Dennoch hatte auch auf dieser kleinen Insel die Erde gebebt und die Geysire hatten Gift und Galle gespuckt.
Nun war es glühendheiß auf der Insel.


„Wir müssen hier weg!“, schrie Dan und packte seine kleine Schwester am Arm. Um sie wegzuzerren.
„Nein!“, schrie Vivi zurück und riss sich los. „Ich muss bleiben!“
„Vivi, hier ist es zu gefäh…“
„Sie ruft mich!“, entgegnete Vivi. „Ich kann sie hören!“
Verdutzt ließ Dan los.
Vivi nutzte ihre Freiheit.
Warum, wusste sie nicht, aber sie wusste was zu tun war!
Dan wusste es nicht und er wusste auch nicht, dass sie es wusste.
Noch mehr misstraute er dem ganzen, als Vivi auch noch stolperte und der Länge nach auf den Boden klatschte. Und sich das Kinn blutig schlug.
„Vivi! Was…“
„Halt die Klappe!“, kreischte Vivi. „Ich muss mich konzentrieren!“
„Aber du blutest!“
Sie sank im Schrein auf die Knie.
„Vivi, was soll das?“


„Kannst du nicht endlich die Klappe halten?“, zischte sie während sie die Augen schloss und sich konzentrierte. Dann atmete sie tief durch.
Dan wusste immer noch nicht was er mit sich anfangen sollte. Er hatte Angst.
Dann war da der gleißende rote Strahl. Der auf sie zuraste. Auf Vivi zu!
„VIVI!“, schrie Dan entsetzt.
Er traf in das grüne Dreieck…
„Farore, Göttin des Mutes, schenk uns deine Macht…“
Damit war das letzte Wort gefallen.
Denn der letzte, grüne, Strahl schloss das Dreieck.
Gleichzeitig streckten die Weisen die Arme hin, zum Mittelpunkt, zum Turm der Götter. Wo das Tor zum Hades geöffnet werden sollte.
Ein anderes Dreieck löste sich von den farbigen Linien. Es war milchigweiß.
Es wurde kleiner und kleiner, Sekunde um Sekunde…
Und drehte sich…
Während es kleiner wurde…
Das gleißende Licht des Triforcesymboles blendete sie noch immer.
„Jetzt bist du die, die verloren ist – Shjra!“
Das Dreieck öffnete sich genau in der Mitte. Unter den Füßen der Göttin.


Nein!, schrie Shjra. Ich bin eine Göttin! Keine Sterbliche kann mich besiegen!
Die Göttin war rasend vor Wut. Ihre grässlichen Arme hob sie. Mit einem letzten Schwall aus Hass entließ sie ihre Magie. Es war der gleißendviolette Strahl.
Doch dieses Mal hatte Lin genug.
Geschmeidig, als hätte sie nie etwas anderes getan, zog sie aus ihrer Hand einen Lichtpfeil und setzte ihn an den Bogen. Es war ein Lichtpfeil aus der Magie des Triforce und auch aus der Magie der Göttin selbst.
„Du wirst niemals mehr jemandem wehtun!“, schrie sie – und schoss!
Der Pfeil zerriss die Luft, und dann durchschlug der Pfeil die dunkle Macht Shjras.
Ja, er glitt einfach durch die Magie hindurch, wie durch Butter.
Für einen Moment waren diese wenigen Sekunden wie Stunden. Die Zeit schien sich unendlich zu verlangsamen…
Nein! Nein, das kann nicht sein…
Der Pfeil aus purem Licht bohrte sich in Shjras Brust.
Die gleißende Spitze bohrte sich in ihren göttlichen Körper, als wäre er nur sterbliches Fleisch…
Und kam nur ein winziges Stück vor ihrem göttlichen Herzen zum Stillstand.
NEEEEEEEEEEEEEIIIIIIIIIIIIIIIIIINNNNNNNNNNNNN
In diesem Augenblick der Erkenntnis, dass ein einfaches Menschenmädchen ihre Macht gebrochen hatte, da war der Boden unter ihren Füßen ein weiß leuchtendes Dreieck.
Das Tor zum Hades öffnete sich. Das Licht strahlte heraus.


Ich bin eine Göttin!, fluchte Shjra aus Unfassbarkeit. Das Licht schlängelte sich um sie, nahm sie fest in sich. Nein! Das Licht nahm sie gefangen. Ich bin eine Göttinnnnn!
Das Licht zog sie mit sich, ins Innere, in die Tiefe des Hades.
Die Göttin merkte, dass sie nicht entkommen konnte. Obwohl sie doch eines der stärksten Kinder des Mächtigsten war! Sie konnte nichts tun! Sie wehrte sich, aber dieses Licht, diese vereinigte Kraft ihrer drei Schwestern, übertrumpfte die ihre.
NEIN! Ich werde niemals…niemals…
Ihre Gestalt wurde hinabgezogen. Tief hinab.
Und dann bewegte sich das Licht.
Es war wie ein Strudel.
Ein starker Wind kam auf und riss Staub und Steinbrösel mit sich in die Tiefe des Lichtes. Und auch die am Boden liegenden Klamotten und die Scherben des Masterschwertes…
Der Wirbel aus Licht geriet immer schneller in Wallung.
Und wurde kleiner und kleiner.
Das magische Tor schloss sich…
Die Gefahr war für immer gebannt!
Trotz des starken Windes wagte Benny doch aufzusehen.
Noch immer saß er, Riha schützend unter sich, zusammengekauert am Rand.
Doch als er Lin dastehen sah, mit wehenden Haaren und einem erschöpften Lächeln auf dem Gesicht, da sprang er auf.
„Lin!“, schrie er.


Lin sah verwundert zu ihm herüber. Umso breiter wurde ihr Lächeln. „Benny! Das hast du gut gemacht!“
Wie er so dastand, in dem riesigen Pullover, liefen ihm die Tränen übers Gesicht. Nur um vom Wind mitgetragen zu werden und im gleißenden Licht einzutauchen.
„Lin! Du warst nie auf der Seite des Bösen, nicht wahr? Du warst schon immer eine von uns!“
Schelmisch schüttelte Lin den Kopf. „Natürlich, Benny! Was denkst du denn von mir!“
Die Tränen flossen Benny so ungeniert, dass er sie eilig mit dem Ärmel wegwischen musste. Er konnte es immer noch nicht glauben. Lin! Sie hatte alles nur vorgespielt! Dass sie die Seiten gewechselt hatte, das war gar nicht wahr! Und jetzt war sie es, die die Welt gerettet hat!
Etwas berührte ihn an der Schulter.
Es war Riha.
Mit dem ausgestreckten Finger zeigte sie auf etwas…
Auf das sich schließende Tor –
Das sich gar nicht schloss!
Plötzlich war da der Schatten! Ein Schatten schoss aus dem Licht…
Entsetzt schrie Benny: „LIN! PASS AUF!“
Erschrocken wandte sich Lin um –
Es war zu spät!


Die grässlich bleiche Hand packte sie am Fußgelenk.
Du wirst mit mir untergehen, Menschengör!
Die grünen Fingernägel bohrten sich ihn ihre Haut wie Dolchklingen. Vor Furcht, vor Schmerz und vor Ekel schrie Lin auf –
Dann wurde sie mitgerissen, zu dem Licht und in das Licht!
Lin schrie, lauter als jemals zuvor, als sie den Boden unter sich verlor. Ihre Hände griffen panisch hin und her. Ziellos, gar nicht konnte sie entkommen…
Sie wurde ins Tor zum Hades gerissen. Ins Innere der Verbannung.
Lin war verloren, das wusste sie. Niemand konnte ihr mehr helfen.
Und ihre Ohren waren erfüllt vom grausamen Lachen der Göttin der Rache…
Sie spürte etwas. Eine warme Hand, die ihre umfasste, die zupackte –
Und dann kamen sie zum Stillstand. Sie wurde nicht weiter ins Tiefe gezogen!
Es war Kim.
Mit Schweiß und Blut auf der Stirn krallte er sich am Rand des Loches fest und mit der anderen Hand hielt er ihre eisern fest.
„Kim…“, flüsterte sie erstaunt.
„Ich…wer…de das…nicht zulassen!“, keuchte er.
Mit letzter Kraft, die er aufbringen konnte, versuchte Kim sich an den Rand zu klammern.
„Wachse! Bitte wachse…“, murmelte er. Er brauchte seine Kralle! Um sich besser festhalten zu können. Noch war sein Oberkörper über dem Rand, doch er merkte wie sein Halt nachließ. Rausziehen konnte er Lin auch nicht, der Gegenzug war zu stark.
Aber es geschah einfach nichts! Er konnte seinen Körper nicht mehr verformen! Weil sein Körper nur noch ein normaler Menschenkörper war!
Er…er rutschte ab!


Vor Schreck über den Ruck kreischte Lin auf.
Doch Kim packte blitzschnell nach dem Rand.
Die Göttin war rasend vor Wut.
Du kannst sie nicht retten! Lass sie los, oder du wirst mit ihr gerissen!
Der Zug wurde noch stärker. Es war eine Belastung für Kim, die er kaum ertragen konnte.
Das Blut aus seiner Wunde floss über seinen Arm und über Lins Hand.
„Sie hat Recht, Kim! Lass mich los! Rette wenigstens dein Leben!“, sagte Lin. Und schloss innerlich mit sich ab.
„Nein!“, entgegnete er. Als er zu ihr sah, da lag zwischen der Anstrengung ein warmer Blick. „Lieber sterbe ich mit dir als dich zu verlieren!“
Lin schüttelte den Kopf. „Nein, Kim! Wirf dein Leben nicht weg!“
Ein Lächeln und Tränen, die auf sie herabtropften. „Du bist mein Leben, Lin!“
Seine Worte trafen sie wie ein warmer Hauch.
Doch die Stimme Shjras ließ sie sich daran erinnern in welcher Gefahr sie sich befanden.
Gut! Wenn du es so willst, dann sterbt ihr beide!
Eine zweite Hand schoss aus der Tiefe empor und bohrte ihre Fingernägel in Kims Hand, um sie vom Rand zu lösen. Kim schrie auf vor Schmerz.
Benny musste etwas tun! Irgendwas! Hauptsache schnell!


Dann fiel das schwarze Schwert in sein Blickfeld!
Es war seine einzige Chance!
Das Masterschwert war zerbrochen, also blieb nur das schwarze Schwert übrig!
Für einen Moment war er wie gelähmt. Er hatte Angst, wahnsinnige Angst!
Aber er konnte Lin nicht einfach im Stich lassen! Sie hatte die Welt gerettet! Sie hatte ihn schon das zweite Mal gerettet – jetzt war es an der Zeit, dass er sie rettete!
Ja, der Mut keimte in ihm auf!
Zum ersten Mal in seinem Leben war er sich eines sicher! Er war der Held der Zeit! Er musste kämpfen und wenn er sein Leben dabei verlor!
„Bleib da, Riha. Klar?“, sagte er und drängte sie zurück.
Ehe er entschlossenen Schrittes auf das schwarze Schwert zuschritt.
Er musste jetzt ganz stark sein! Er konnte es schaffen!
Fest entschlossen legte Benny die Hände um den Griff.
Sofort reagierte das Schwert auf ihn – es wurde glühendheiß. Kleine violette Blitze zischten aus der Klinge und rissen ihm die Hände blutig. Aber Benny wollte und wollte nicht nachgeben!
Eisern zog er an dem Schwert. Es bewegte sich!
Je mehr es sich lockerte, desto stärker wurde die Abwehr.
Ein heißer Blitz traf ihn an der linken Wange und fügte ihm einen Schnitt zu.
„Nein! Ich lasse nicht los! Niemals!“, schrie er…


Dann, mit einem Gleiten, hob sich das Schwert aus dem Boden…
Die Schwertklinge schimmerte…
Es tat nicht mehr weh!
Die Symbole auf der Klinge – begannen sich zu verändern! Sie formten sich neu! Zur heiligen Klinge. Der schwarze Schwertgriff tauchte in Licht ein, in reines weißes Licht.
Das auf Bennys Hände überging und sich über seinen Körper ausbreitete. Das Licht umhüllte ihn, ja, wie eine Rüstung. Eine Rüstung aus reinem Licht.
Das Masterschwert war wiedergeboren!
Denn, auch wenn diese uralte Weissagung über die vielen Jahrtausende verloren gegangen war, so war sie noch lange nicht ungültig. Es hieß:
Nicht das Schwert sucht sich seinen Meister, der Meister sucht sich sein Schwert
So machte das Masterschwert den Helden der Zeit auch nicht zum Helden der Zeit, sondern der Held der Zeit machte das Masterschwert zum Masterschwert.
Benny fühlte die Macht, die ihn umgab. So etwas hatte er noch nie erlebt!
Mit einem Kampfesschrei preschte er davon – zum Loch aus Licht – und stürzte hinein. Ohne nur einen Gedanken an sein eigenes Leben zu verschwenden.
Kim und Lin sahen nur ein strahlendes Licht, das ins Loch fiel…


Die heilige Klinge zerschnitt Shjras Arme, sofort lösten sie sich in schwarzen Schleim auf…
Nein!!!
Der Rand bewegte sich. Das Tor schloss sich nun…
Kim sah seine Chance gekommen. Mit letzter Kraft zog er erst Lin hoch und dann sich selbst.
Währendessen hob Benny das Schwert. „Komm nie wieder zurück!“, schrie er.
Rück…rück…rück… Hallten seine letzten Worte…
Dann warf er das Masterschwert direkt in die leuchtende Tiefe.
Die Klinge bohrte sich in Shjras Brust…
Das Metall drang in ihren Körper…
An die Stelle, wo bereits der gleißende Pfeil saß.
Das Metall zerschnitt den Schaft des Pfeiles, doch die Spitze der Klinge, presste die Pfeilspitze weiter, tiefer in den Götterleib –
Er drang direkt in Shjras Herz…


Ein schmerzerfüllter Schrei erfüllte den Hades…
Ein Schrei aus Schmerz, Wut, Verbitterung.
Schwestern wie konntet ihr nur? Wie konntet ihr das zulassen? In eurer Eifersucht auf mich, da ich die Lieblingstochter unseres Vaters war, habt ihr zugelassen, dass ein einfaches sterbliches Wesen, aus eurer Schöpfung, unseren Vater und Herren tötete! Ich war seine Lieblingstochter, er gab mir seine linke Kralle zum Geschenk! Versteht ihr? Ihr habt unseren Vater auf dem Gewissen! Denkt für immer daran! Ihr habt ihn getötet!
Dann starb ihr Herz und sie starb mit…
Denn auch Götter konnten sterben…
Für immer nun war ihr Hass auf die drei Göttinnen verbannt…
FÜR IMMER…
„Neeeeeeeeeeiiiiinnnnnn! Benny!“, schrie Lin und wollte sich in das sich schließende Loch stürzen.
Doch zwei Arme legten sich um ihre Hüften und hielten sie fest.


„Lass mich!“, kreischte sie und schlug auf ihn ein. „Lass mich!“
Kim drückte sie zurück. „Es ist zu spät, Lin! Er ist tot!“
„Nein! Ich kann ihn retten!“, schrie sie. Tränen flossen über ihre heißen Wangen. „Ich muss da rein!“ Sie wehrte sich noch heftiger. Sie schlug und kratzte und zwickte. Aber Kim gab sie nicht frei.
Er riss sie zu Boden und drückte sie nieder.
„Lass mich los! BENNY, BENNY!“, schrie sie.
Er drückte auch ihre Arme zu Boden. Ganz ernst war er. „Lin!“, schrie er ihr ins Gesicht. Sie verstummte. „Er hat sich für dich geopfert! Willst du, dass sein Tod umsonst ist?“
Sie schüttelte den Kopf. „Nein…nein! Benny…“ Sie war so kraftlos vor Trauer. Tränen flossen aus ihren Augen. „Benny…nein…“
Kim nahm sie in seine Arme und sie vergrub ihr weinendes Gesicht in seine Brust.
Das Tor schloss sich nun rasend. Das Licht wurde schwächer –
Da riss sich ein zweites Licht frei!


Es schwebte über ihnen!
Beide sahen erschrocken auf!
Es war wie ein kleiner Engel…
Aus Rihas Rücken wuchsen diese silbernen Flügel…
Es war ein atemberaubender Anblick.
Der Engel tauchte in das leuchtende Tor ein…
Währendessen hatte sich Benny mit seinem Schicksal abgefunden, ja, er war sogar froh, dass er Lin retten konnte. Grinsend sagte er sich, dass sie nun quitt waren…
Während er fiel, in dem strahlenden Siegel, da übermannte ihn die Angst. Er wollte nicht sterben! Er wollte noch leben! Er hatte solche Angst!
„Mama!“, weinte er. „Mama! Ich hab Angst…“
Als hätte sie ihn erhört – war da dieses Licht.
Es war ein Engel!
Mit großen Augen konnte es Benny nicht glauben. Er sah den Engel, aber er glaubte nicht an das was er sah.
Ein Engel!
Mit ihrer wunderbar warmen Hand ergriff Riha seine Hand…


Sein Fall wurde langsamer und langsamer…
Bis er nicht mehr fiel, sondern flog…nach oben…zur Erde zurück…
Die silbernen Flügel trugen sie beide nach oben…durch das Licht…weit weg…
Ins unendliche Licht…
Riha war so rein und leuchtend. Die Flügel entfalteten sich wie die Schwingen des Himmels, sie bewegten sich so ruhig. Das Licht des Hades glitt an ihnen vorbei, wie ein flüchtiger Schleier…
Und bevor sich das Tor des Siegels für immer schloss –
Flogen sie heraus, auf die Erde und dem Himmel entgegen.
Das Licht verglomm.
Diese Wärme, die von Riha ausging, machte Benny so erleichtert, so entspannt. So schläfrig…
Die Flügel lösten sich auf. Augenblick für Augenblick lösten sich die Federn, bis die Luft erfüllt war von silbrigen Federn, die sachte zu Boden glitten.
Nicht allerdings – die beiden kleinen Kinder.
Die waren viel zu schwer!
Wie die Steine fielen sie.


„Kim!“, sagte Lin.
Kim nickte und erhob sich.
Mit Anlauf stieß er sich vom Boden ab und flog den beiden Fallenden entgegen.
Riha fiel ihm direkt auf die Schulter und klammerte sich an ihn. Benny bekam er am Kragen des Pullovers zu fassen. Dann stoppte er den Fall.
Ganz sachte schwebte er mit den beiden Kindern zu Boden und setzte sie ab.
Benny zitterten so stark die Knie, dass er auf den Boden sackte. Er musste ganz tief schlucken und klammerte sich an den Boden. So froh war er wieder Boden unter den Sohlen zu spüren!
Lin war so unglaublich erleichtert. Sie wischte sich die Tränen ab und lief ihnen entgegen um erst einmal Riha an sich zu drücken. Ganz ganz fest!
„Ich bin ja so stolz auf dich! Ich weiß absolut nicht wie du das gemacht hast, aber ich bin so stolz!“, redete sie auf ihre Tochter ein und drückte sie noch fester an sich. Dann wandte sie sich jemand anderem zu. „Benny! Wie geht es dir?“
Benny sprang ihr entgegen und fing an ihr das Kleid voll zu heulen. „Lin! Lin! Es ist doch endlich vorbei, oder?“
Lin nickte. „Ich glaube schon…“
„Du glaubst?“, stieß Benny verzweifelt hervor.
Lin kicherte. „Na gut – ich bin mir sicher!“


Dann umschlang Benny sie erleichtert und heulte nur noch lauter. Der Schock saß noch tief. Sie sahen alle ziemlich angeschlagen aus. Sie hatten unschöne Kratzer, Schrammen und Wunden abbekommen.
Aber nun hatte alles ein Ende gefunden.
Erschöpft ließ Kim sich auf den Boden nieder. Erst einmal musste er ordentlich Luft in seine Lungen bekommen.
„Ich kann es gar nicht glauben, dass alles vorbei ist!“, murmelte er.
Von seiner Stimme aufmerksam geworden funkelte Benny ihn an. Da war jetzt ganz sicher kein noch so kleines Fünkchen Sympathie mehr übrig. Gerade wollte er Lin vorschlagen das Tor noch einmal zu öffnen und Kim doch gleich mitzuverbannen, da – Benny konnte es nicht fassen! – ließ Lin sich neben Kim nieder.
Kim sah auf seine Hand, wo die Finger der Göttin seine Hand regelrecht zerschmettert hatte. Ausgerechnet die Linke!
„Wie hast du das nur gemacht, Lin?“
„Was?“
Er rieb über die schmerzende Stelle. „Mich besiegt! Wie…wie hast du mich nur durchschauen können?“
Mit einem Kichern hob sie die Hand und drehte sein Gesicht zu ihr herüber, sodass er ihr in die Augen sah. Dann sagte sie etwas, was er nie vergessen sollte.
„Ich will ehrlich zu dir sein. Es war genauso geplant. Du solltest dich von Anfang an in mich verlieben…“
Kims Augen wurden groß.
Ehe auf seinen Lippen ein Grinsen erschien. Und auch auf ihren.
„Dann hast du also von Anfang an gewusst was ich vorhatte?“
Lin lachte. „Ja.“


„Aber…aber…das hast du alles gewusst? Du…hast dir das alles ausgedacht?“
Nun musste Lin nur noch lauter lachen. „Natürlich nicht! Ich muss sogar gestehen, dass ich nur Komplizin war. Dieser Plan ist auf einem anderen Mist gewachsen.“ Dann beugte sie sich zu ihm herüber. „Es war – Link!“
***
„WAAAAAAAAS?“, riefen die Weisen wie im Chor.
Allesamt drehten sich zu ihm um.
Mit einem so frechen Grinsen wie noch nie erhob sich Link und klopfte sich theatralisch den Staub aus der Kleidung. „Ach schade, dass sie es verraten hat! Wäre doch ganz lustig gewesen.“
Zelda wurde fast wahnsinnig vor Hysterie. „Das…das war alles von dir geplant? ALLES?“
„Natürlich! Glaubst du ich überlasse so etwas dem Zufall?“, entgegnete Link mit einer schrecklichen Arroganz, die er sich angesichts seines Triumphes ausnahmsweise gönnte.


„Aber…warum hast du uns nichts gesagt?“, sagte Darunia mit schwerer Stimme, enttäuscht über das wenige Vertrauen Links.
Link verstand es sofort. „Versteht mich nicht falsch! Ich habe euch nichts gesagt, weil ich befürchten musste, dass, wenn zu viele von meinem Plan wüssten, irgendwie etwas durchsickern könnte und dann wären wir wirklich dran gewesen!“
„Ver…verstehe, dann hast du also von unserem Plan gewusst!“, schlussfolgerte da eine Stimme.
Nur mit Mühe stemmte Ganon sich auf die Beine. Und als er da aufsah, dann war da noch immer dieser höhnische Blick, aber dennoch. Es war nur noch Menschliches in seinen Augen. „Aber dann verstehe ich nicht warum du uns nicht aufgehalten hast? Zu jeder Zeit hat sich dir eine Gelegenheit geboten ihn zu töten – und trotzdem hast du uns machen lassen!“
Link wurde ernst. „Ja. Weil ich nicht hinter euch her war – sondern hinter Shjra!“, sagte er bestimmt und felsenfest.
„Shjra…“, murmelte Rauru. „Diese Göttin, wer hätte gedacht, dass…“ Er konnte ihren Satz nicht zu Ende führen.
„Ich habe gewusst, dass, wenn ich Kim töte, irgendwann ein anderer kommt und seinen Platz ersetzt und den Meinen auch. Es würde immer und immer so weitergehen, bis die Welt wirklich irgendwann einmal untergeht. Und das wollte ich nicht! Ich wollte dem ein für allemal ein Ende setzen! Ich wollte, dass die Generationen, die nach uns kommen, nicht das gleiche Schicksal erleiden müssen wie wir!“


Ganon gab einen Ton der Belustigung von sich. „Aber woher wusstest du das? Was wir sind und was wir vorhaben? Niemals kannst du von allein darauf gekommen sein!“
„Das stimmt.“, gab Link zurück. „Das bin ich erst, als Lin mir etwas sehr Merkwürdiges erzählt hat. Es war damals in der Wüste, nachdem sie Benny befreit hatten. Kim ist doch in dieses Fieber gefallen und Lin hat die erste Nachtwache übernommen. Erinnert ihr euch?“, wandte er sich auch an die Weisen.
„Ja, natürlich!“, knurrte Ruto ungeduldig. „Worauf willst du hinaus?“
„Fandet ihr es nicht höchstseltsam? Klar, es gibt nichts was man für den Liebsten nicht tut, aber sie hat ja schon sehr darauf beharrt jede Wache zu übernehmen, obwohl sie nicht besonders fit ausgesehen hat.“
„Ja, richtig.“, stimmte Zelda zu. „Es war, weil sie sich doch solche Vorwürfe gemacht hat, weil Kim so schlimm zugerichtet worden ist.“
Link grinste allwissend. „Nun, das ist was sie euch erzählt hat!“
Nun waren die Weisen vollkommen verwirrt.
Ganon nicht im Geringsten. Im Gegenteil, er bemühte sich um Beherrschung.
„Was? Was hat sie dir erzählt?“, drängte Salia.


„Naja, sie erzählte mir was sie in der ersten Nacht beobachtet hatte. Und zwar war sie gerade dabei einen verschwitzten Lappen auszuwaschen – als plötzlich…“ Link holte ganz viel Luft um eine kunstvolle Pause einzulegen.
Ruto verdrehte ungeduldig die Augen. „Wir sind doch keine kleinen Kinder, denen du Gutenachtgeschichten erzählst!“
„Jaja, Entschuldigung! Jedenfalls, aus der Bandage drang schwarzer Schleim, der die Wunde verschlossen hat und dann wieder verschwunden ist!“
„Schwarzer Schleim?“, wiederholte Rauru ungläubig.
„Warum hat sie das nicht erzählt?“, fragte Impa nach.
„Sie hatte Angst davor, dass wir auf den Gedanken kommen könnten Kim anzugreifen.“, erwiderte Link. „So bin ich darauf gekommen, dass da etwas nicht ganz stimmt. Hinzu kommt noch dieser offensichtliche Scheinzauber, der mich nicht täuschen konnte. Ich musste ja zwangsweise misstrauisch werden.“
Nun meldete sich Naboru, die bis jetzt geschwiegen hatte. „Aber das ist unmöglich! Es hat niemand von Ganons Plan gewusst! Nur ich! Und ich…ich habe nie etwas gesagt…“
„Das stimmt nicht ganz, Naboru. Noch jemand wusste von dem Plan und dieser jemand hat mir die nötigen Informationen geliefert.“
Die Weisen sahen einander an. Es war ein wirres Geflecht aus unglaublichen Intrigen. Auf beiden Seiten.
Doch Impa war ganz und gar nicht zufrieden. „Und wer ist dieser Informant?“
„Informantin.“, verbesserte Link. „Es ist eine Frau. Es ist…“


Ich bin die Informantin!“, unterbrach ihn eine Stimme. Eine völlig fremde Stimme.
Dann trat aus dem Schatten eine Gestalt.
Es war eine Gerudo. Eine junge und kräftige Frau.
Mit durchdringendem Blick musterte die Gerudo jeden einzelnen von ihnen.
Sie war ihnen fremd, doch in ihrem Blick war etwas Vertrautes.
Zelda war die Erste, die die Frau erkannte. „Maaku!“
Doch eine zweite Stimme sagte zeitgleich mit ihr einen anderen Namen.
Es war Ganon. Seinen Lippen entglitt der Name: „Farina!“
Das Verwirrspiel hatte seinen Höhepunkt erreicht.
Ruto, mit ihrer aufdringlichen Art, meldete sich sogleich zu Wort.
„Farina? Wie? Maaku, du kennst unseren Erzfeind?“


„Natürlich kennt sie mich!“, zischte Ganon ärgerlich. Er hasste die Weise des Wassers genauso sehr wie fast alle Weisen. „Sie ist meine Mutter!“
Alle Weisen hielten den Atem an. Es war abstrus!
„Was?“, stießen die Weisen wieder hervor.
Die Frau verschränkte die Arme vor der Brust. „So ist es!“
Link fuhr fort: „Als Lin mir nun das erzählt hat, da war ich mir sicher, dass Kim nicht der ist für den er sich gibt. Also bin ich zu Maaku gegangen und habe mit ihr darüber gesprochen. Ich wollte einen neutralen Rat haben, von jemandem, der mit dieser Sache nicht zu tun hat und doch klug und erfahren genug war, mich beraten zu können. Nun, damals erfuhr ich wer sie wirklich war. Ich gebe zu ich war nicht weniger überrascht als ihr, aber es war ein ungemeiner Vorteil. Wir verbündeten uns und sie erzählte mir von dem Komplott gegen uns. Dann arbeiteten wir uns unseren eigenen Plan aus – natürlich zusammen mit Lin!“
Naboru sah entsetzt auf. Sie war bitterböse auf Link. „Wie konntet ihr nur? Ihr habt Lin wissendlich in Gefahr gebracht! Ihr habt in Kauf genommen, dass sie so vieles durchmachen musste!“
Link wurde nachdenklich. Er verlagerte das Gewicht von einem Bein auf das andere. „Lin hat für sich selbst entschieden. Sie hat bewusst mitgespielt, weil sie Kim um jeden Preis retten wollte.“
Naboru legte sich die Hand auf den Mund. „Dann hat sie…das alles…“


„Aber…aber…aber…das ist unmöglich!“, stotterte Salia. Sie sah ununterbrochen und über alle Maße schockiert von Ganon zu Farina. „Das kann nicht sein!“
Link fing an zu lachen. Laut und herzhaft.
„Stimmt schon, Salia. Wenn man sich diesen Miesepeter so ansieht, kann man kaum glauben, dass er auf die gleiche Weise wie wir das Licht der Welt erblickt hat!“
Link fand seinen Scherz so unglaublich lustig, er merkte gar nicht, dass er der Einzige war. Die Weisen tauschten ratlose und irritierte Blicke. Sie waren schon längst mit ihrem Latein am Ende.
Ganon war es, der mit einem Schnaufen, Links Lachen durchbrach. Mit einem – keineswegs warmen – Lächeln fixierte er seinen Feind. „Zugegeben, ich habe dich unterschätzt. Ich war so siegessicher, dass ich unvorsichtig geworden bin.“
Großzügig winkte Link ab. „Bitte, bitte! Du brauchst dich bei mir nicht zu danken! Habe ich doch gern gemacht!“
Nun war es Ganon, der Link vor die Füße spuckte. „Wofür sollte ich dir danken? So tief herabgesunken bin ich noch nicht um mich mit Würmer einzulassen!“
Links Grinsen wurde noch breiter. „Besser ein lebender Wurm als ein toter Vogel!“
Ganon war rasend vor Wut. Unbändig war das Verlangen diesen Possenreißer eigenhändig umzubringen und er hätte es getan, wenn er nicht schon längst tot wäre.
Was Ganon allerdings nicht davon abhielt sich auf Link zu stürzen und ihn zu Boden zu reißen. Weil Link zu sehr im Rausch seines Sieges versunken gewesen war, hatte er Ganons Angriff zu spät kommen sehen.


Als er auf den Boden knallte. Und wäre er da nicht wach geworden, hätte er Ganons rauschende Faust nicht gesehen und hätte somit nicht ausweichen können.
Die Faust riss ein gutes Loch in den Boden.
„Aufhören!“, kreischte Zelda. „Hört auf!“
Link stieß Ganon wiederum seine Faust ins Gesicht.
„Hört sofort auf!“, kreischte Zelda weiter.
Woraufhin Ganon Link einen solchen Tritt in die Magengegend verpasste, dass Link richtig übel wurde.
Ja, sie fochten es aus wie Männer! Hahahahaha *gg*
Link packte Ganon an der Gurgel, doch Ganon hatte den gleichen Gedanken gehabt und packte ihn.
So standen sie nun voreinander, versuchten gegenseitig die Oberhand zu gewinnen, die Fäuste drohend erhoben.
„Hört auf!“, zischte nun Naboru. Ihre Stimme war nicht kreischend wie Zeldas, nein, sie zischte so durchdringend, dass es ins Ohr schnitt.
Das brachte die beiden auseinander.
Starr vor Erschrecken stoppten sie ihr Gerangel und sahen auf.
Mit unbändig wütendem Gesicht stierte sie Ganon an. Und kam auch noch auf ihn zu.
Es lag was in der Luft, das Link ganz sicher meiden wollte, also trat er rasch zurück.
Als Naboru ihn erreicht hatte – ohrfeigte sie Ganon.
„Das ist dafür, dass du mich belogen hast!“
Dann hob sie erneut die Hand und ohrfeigte ihn wieder.


„Das ist dafür, dass du so grausam bist!“
Ein drittes Mal hob sie die Hand um zuzuschlagen, doch Ganon packte die Hand. Verblüfft sah sie ihm in die Augen. „Es ist schon gut, Naboru. Ich habe es begriffen, du musst mich nicht mehr schlagen.“ Sie waren warm.
Nach endlichen Jahren fiel sie ihm um den Hals und es brach aus ihr heraus. Trauer, Wut und Erleichterung.
„Ist jetzt alles vorbei? Alles?“, fragte sie mit Tränen in den Augen.
Und als auch Ganon seine Arme um sie schlang, da war sie sich sicher.
Link war zufrieden mit sich. Er hatte es geschafft! Nun war er endgültig fertig! Mit allem und vor allem mit seinen Nerven!
Zelda lehnte sich an ihn. „Sag mal, wie hast du dir nur so etwas Durchtriebenes ausdenken können?“
Selbstgefällig grinste Link. „Um einen Schurken zu besiegen musst du wie ein Schurke denken.“
Zelda lachte herzhaft. „Link, du erstaunst mich immer wieder!“
***
„Also wurde ich von einem toten Helden und einer handvoll Minderjährigen besiegt!“, fasste Kim zusammen. „Welch eine Schande! Ich werde mich nie wieder auf die Straße wagen können!“, seufzte er.
„Ach naja“, lachte Lin. „du kannst ja sagen, dass du von mir besiegt worden bist, dann klingt das schon weniger demütigend.“
Kim grinste. „Du hast mich ja auch befreit, vielleicht sollte ich mich erst einmal bedanken?“ Er beugte sich leicht vor.
„Ja, das solltest du wohl.“, grinste auch Lin.


Ihre Gesichter kamen sich näher und näher und…
„STOPP!“, stieß Benny aus und wuchtete sie wieder voneinander weg. Er packte seine große Schwester am Ärmel und zerrte daran, von Kim weg. „Du kannst doch das nicht machen! Er ist unser Feind!“
Lin befreite sich. „Ist schon in Ordnung, Benny. Kim ist nicht mehr unser Feind. Er war es nie, er ist nur gezwungen worden!“
Benny trampelte mit dem Fuß auf den Boden. „Er ist böse! Schau was er alles gemacht hat! Bist du blind? Er ist böse und am besten verbannen wir ihn auch gleich noch! Zur Sicherheit!“ Kim runzelte die Stirn. „Du kannst mir dieses Mal glauben, wenn ich dir sage, dass von mir keine Gefahr mehr ausgeht. Es ist vorbei! Endgültig!“
Hasserfüllt funkelte Benny Kim an. Und zischte: „Halt die Klappe, du Schwuchtel!“
Für einen Moment hing das Wort in der Luft und alle waren erstarrt vor plötzlicher Erschütterung. Ein Moment, indem sich niemand rührte.
Nur Riha, sie setzte sich in Lins Schoß und schlang ihre Arme um sich.
Kim sprang auf die Beine. „Was hast du gesagt? Wie hast du mich gerade genannt? Ich glaube du bist nicht mehr ganz dicht da oben!“
„Bin ich schon!“, gab Benny patzig zurück.
„Ach ja? Dann scheint dein Gehirn von Natur aus nur ein geringes Ausmaß anzunehmen, wenn du Wörter in den Mund nimmst, von denen du nicht die geringste Ahnung hast was sie bedeuten!“, zischte Kim zurück.
„Doch!“, trotzte Benny. „Ich weiß genau was es heißt!“
„Wenn du das wüsstest, dann wüsstest du auch, dass ich garantiert keine bin!“


Weil Benny nicht wusste was er antworten sollte, schimpfte er nur weiter: „Du Blödmann! Wenn du nicht Lin gehalten hättest, dann hätte ich dich noch ins Loch getreten!“
„Sag mal, Benny, woher hast du dieses Wort?“, unterbrach Lin ihren Streit.
Nun lief Benny doch puderrot im Gesicht an. „Ich…äh, hab es von einer Freundin.“
Lin lachte. „Das ist ein ganz gemeines Schimpfwort und wenn Mama dich gehört hätte, hättest du eine Woche Stubenarrest bekommen.“
„Hätte ich nicht!“, entgegnete Benny und durchbohrte Kim mit einem tieffeindseeligen Blick. „Weil unser Haus bestimmt gar nicht mehr steht. Dank dem da!“ Er spuckte die Wörter abfällig heraus.
Kim erwiderte den Blick, mit Gleichem vergeltend. „Ich hätte dich lieber doch töten sollen, als ich noch die Möglichkeit dazu hatte! Aber wenn du willst, können wir das noch nachholen!“
„Ich habe keine Angst vor einem besiegten Blödmann!“
Beide waren rasend vor hochgeschaukelter Wut.
„Ich werde dir Angst machen! Dazu brauche ich nur meine Hände!“, giftete Kim zurück.
Benny hob drohend die Faust und sein Gesicht kam der Trotzmiene eines Kleinkindes gleich. „Lass deine Finger von Lin! Sie mag dich nicht mehr! Also wage es ja nie wieder sie…“


„Das werde ich nicht tun! Nie wieder! Verstehst du das, du Hosenscheißer? Du wirst sie wohl oder übel mit uns teilen müssen! Mit mir und Riha!“
„Riha meinetwegen!“, zischte Benny bitter. „Die ist in Ordnung. Aber du nicht! Wir hassen dich alle, also verschwinde!“
„Ich verschwinde – doch nicht ohne Lin und Riha!“
Benny öffnete empört den Mund – doch nun mischte sich Lin ein.
„Hört endlich auf!“, sprach sie und erhob sich. Riha an sich gedrückt. Es machte sie wütend, dass sich die beiden so quengelig benahmen. „Benny! Ich kann Kim nicht gehen lassen! Er bedeutet mir zu viel! Und du“, damit wandte sie sich an Kim. „solltest dich in deinem Alter nicht so provozieren lassen. Schließlich hat Benny auch einen guten Grund für sein Benehmen!“
Frisch getadelt und mit schlechtem Gewissen sahen beide beschämt zu Boden.
„Aber Lin! Was wird nun aus uns? Was wird aus der Welt? Sie ist schon zerstört. Vielleicht sind alle schon tot! Unsere Familie und unsere Freunde und alle!“
Mit einem Lächeln drückte Lin ihn an sich. „Mach dir keine Sorgen, Benny.“
„Wie soll ich mir keine Sorgen machen? Es ist alles kaputt!“ Mit dem ausgestreckten Finger und mit tränenden Augen zeigte er auf Kim. „Er hat alles kaputt gemacht!“
Bewegungslos blieb Kim stehen.
„Das macht nichts.“, unterbrach ihn Lin. „Denn ich weiß jetzt wie ich alles wieder gut machen kann!“
Erstaunt blickten die beiden zu ihr auf.


Rückwärts trat sie einige Schritte zurück. „Wisst ihr, damals habe ich meinen Wunsch falsch ausgedrückt. Ich habe mir gewünscht, dass die Magie verschwindet! Aber das ist natürlich nicht möglich, weil die Magie des Heiligen Reiches, also die Magie der Erde, von den Göttinnen eingehaucht, unsere Welt zusammenhält. Damals war ich dumm und habe das nicht verstanden, aber nun weiß ich es! Ich weiß wie ich das Triforce dazu benutzen kann alles ungeschehen zu machen!“
Damit hob sie ihre linke Hand.
Kim sprang auf. „Lin? Was…was machst du da?“ Weil er sie verstanden hatte.
„Bitte, mächtige Göttinnen, erhört meinen Wunsch! Ich wünsche mir, dass die Gier nach der göttlichen Macht in den Menschen niemals erwacht, sie sollen niemals auch nur die leiseste Ahnung von der Magie haben, die sie umgibt!“
Benny runzelte nur die Stirn. „Was meint sie damit? Verstehst du das, Riha?“ Er sah dem Mädchen ins Gesicht. Doch sie ahmte sein verdutztes Gesicht nach und starrte ihn aus kindlichen Augen an. Nicht ein Wort kam ihr über die Lippen. Niemals.
Aber Kim verstand was Lin im Begriff war sich zu wünschen. Darum setzte er sich in Bewegung. Mit entsetztem Gesicht.
„Bitte, Göttinnen erschafft die Welt neu! Lasst die Geschichte der Menschheit von neuem beginnen.“ Ein Wind kam auf. „Denn nun ist keine Göttin der Rache mehr da, die Schlechtes in sie pflanzen kann! Ich bitte Euch, erhört…“


Ein starker Arm packte ihre Hand.
„Nein Lin!“, sagte Kim entschlossen. „Das darfst du dir nicht wünschen.“
Lin lächelte. „Aber Kim! Ich muss es tun!“
Tränen stiegen Kim in die Augen. „Lin! Wenn die Welt neu erschaffen wird…dann…dann werden wir uns nie begegnen! Wir wurden in unterschiedlichen Zeiten geboren!“
Mit einem warmen Lächeln, so unendlich gütig wie das einer wahren Göttin, senkte sie die Arme. Ihre warmen Hände nahmen sein verzweifeltes Gesicht. Und mit ihren Fingern strich sie über seine Wangen.
„Kim“, flüsterte sie. „Sei nicht traurig.“
Er legte seine Hand auf ihre.
„Wie soll ich nicht traurig sein?“
„Du wirst sehen, das Schicksal wird ein Einsehen mit uns haben!“
Kaum waren die Worte verklungen…
Da lagen ihre Lippen auf seinen…
Und als wäre das das Amen eines Gebetes…


Da wurde ihr Wunsch erhört…
Ein Erstrahlen kam aus ihrem Körper. Ein gleißendes Gold, das Triforce, das den Begehr der Besitzerin erfüllte.
Das Licht strahlte heller und größer. Es war wie eine Sinnflut, die über die Welt schwappte und die Erde unter sich begrub.
Benny wurde geblendet und schrie auf. Riha jedoch blieb stehen und starrte dem Licht entgegen, ohne jedes Zucken.
Ehe das warme Licht sie alle einhüllte. Sie wurden wie in eine warme Decke eingehüllt und entglitten in sanften Schlaf der Wiedergeburt…
So wie alle Menschen und überhaupt alles Leben.
Die ganze Erde erstrahlte in Gold…
Und selbst bis in andere Welten reichte das Leuchten und Strahlen…
Ein letztes Mal saß Ganon alleine da und blicke auf das Leuchten der Welt, dass er von hier aus sehen konnte. Schon bald erreichte es auch sie und sie sollten sich ebenfalls auflösen um von neuem zu leben.
In einem neuen Leben, in einer neuen Welt. Ein neuer Anfang…
„Warum sitzt du hier allein? Still und leise?“, fragte eine Stimme in seinem Rücken.
Es war die junge Farina.
Er antwortete ihr nicht.
Darum deutete sie sein Schweigen falsch.
„Sicher ist es nicht leicht eine Niederlage hinzunehmen. Viel was uns das Schicksal bringt hätten wir so niemals erleben wollen. Aber wer kann das Schicksal schon in die Knie zwingen?“
Nun antwortete er.


Ohne sie anzusehen deutete er mit dem ausgestreckten Finger nach unten, auf die Welt. „Er!“
Farina war verwundert, verständnislos runzelte sie die Stirn.
„Du glaubst doch nicht im Ernst, dass wir uns von Link haben täuschen lassen, oder? Du glaubst doch nicht, dass Link uns hätte besiegen können, wenn er es nicht so gewollt hätte, oder?“
Nun war Farina vollkommen verwirrt.
Ganon zog seine Beine zu sich heran. „Es ist alles so gekommen wie er es mir gesagt hat! Alles! Jede Einzelheit stimmt mit seiner Prophezeiung überein!“
„Wen meinst du?“
„Den, den ich gezeugt habe! Er hat schon von Anfang an die Fäden gezogen!“
„Dein Sohn?“, stieß Farina überrascht hervor. „Aber das ist doch unmöglich! Wir dachten es ist alles dein Plan gewesen…“
Nun fuhr ein eiskalter Schauder durch Ganon. Er schüttelte den Kopf.
„Er hat mir gedroht Naboru umzubringen, wenn ich nicht mitspiele! Und als sie schon tot war, da hat er mir gedroht ihre Seele auszulöschen.“
Farina konnte es nicht fassen, was sie da hörte.


„Ich hatte immer schon Angst vor ihm! Schon als ich ihn zum ersten Mal sah!“
„Aber…aber was bedeutet das? Ein einfacher Junge…“
„Einfacher Junge?“ Ganon lachte bitter. „Ich weiß nicht was er ist, aber ich weiß was er nicht ist! Ein Mensch!“
„Was…was hat er dann vor? Was hat er mit all dem bezweckt?“
„Ich weiß es nicht, habe es nie gewusst. Wir sind einfach nur Spielfiguren für ihn, in seinem großen Spiel der Zerstreuung…“
Das Licht, es erstrahlte und tauchte auch sie in seine Wärme…
Für die neue Schöpfung der Welt…

Ende

Ende der ganzen Geschichte? Nein, bestimmt nicht ^^ Da ich kein sonderlich großer Liebhaber der „offenen Enden“ bin und ich nehme einfach mal an ihr seid es auch nicht – wer ist das schon? – so möchte ich euch erzählen was danach geschah. Also sollte ich besser sagen:

Ende des zweiten Teiles

 

 

by Kim