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Die Erben der Macht 2



Autor: Kim




15. Kapitel

 

Da Benny ein kleiner aufgeweckter Junge von doch nur acht Jahren war, hatte er auch den gesunden Schlaf eines kleinen aufgeweckten Jungen, der doch nur acht Jahre zählte. Also tief und fest. „Benny…“ Eine Hand rüttelte an ihm. Seine Mutter? Nein, die war nicht so ungeschickt und unsanft. Vivi? Nein, die hätte ihm doch glatt ins Ohr geschrieen. Alexa? Nein, die hätte es genauso gemacht wie Vivi. Herr Liebgraf? Nein, der schrie wirklich, man denke nur an damals im Hotelzimmer. Großvater? Nein, der war tot……TOT!!! Mit einem Schlag war Benny hellwach und starrte in das verdutzte Gesicht seines Vaters. „Guten Morgen, Benny. Endlich bist du wach.“ Denn Herr Thelen war schon satte zehn Minuten damit beschäftigt gewesen. Benny setzte sich auf und rieb sich die Augen. „Ist es schon Morgen?“ Die ersten verschlafenen Sonnenstrahlen blinzelten bereits über dem Horizont hervor, aber das konnte man von hieraus nicht erkennen, da das Fenster auf der Westseite lag. „Ja, schon eine ganze Weile…hier!“ Mit vor Unwohlsein zitternden Händen legte Herr Thelen seinem Sohn ein Schwert mitsamt der Scheide in die Hand. Benny staunte nicht schlecht. „Das Masterschwert! Aber warum…?“ „Der Herr…ach was solls – Kim schickt dir das als kleine Aufmerksamkeit.“ „Hä? Wollt ihr mich veralbern?“ „Nein. Ganz und gar nicht.“, sagte Herr Thelen.

„Im Gegenteil, du wirst als Einziger die Ehre haben der Welterneuerungszeremonie hach, klingt des nach Tales of Symphonia? Zu meiner Verteidigung: Es ist halbeins! *gähnnnnnn* persönlich beizuwohnen. Kim will dir eine Chance geben dich zu beweisen um zu sehen ob du würdig bist als Überlebender auserwählt zu werden.“ Das stimmte so nicht ganz, Kim hatte es zwar so gesagt, doch er hatte noch etwas hinzugefügt. Wie hatte er gemeint? Er wolle noch etwas Zerstreuung bevor es an die Arbeit ging…Genau das war sein Wort gewesen. Zerstreuung… Aber davon erzählte Herr Thelen Benny nichts. Trübsinnig ließ Benny das Schwert sinken. „Wozu denn? Es hat doch sowieso alles keinen Sinn mehr…“ Er gab verzweifelt auf, wie jedes Kind in seinem Alter das tun würde. „Aber…was meinst du mit als Einziger? Du und die anderen seit nicht dabei?“ Herr Thelen schüttelte den Kopf. „Nein, Kim will uns nicht einmal im Turm haben. Nur du und Riha und Lin dürft hier bleiben. Alle anderen haben ihn bereits verlassen und ich muss jetzt auch los. Da drüben steht dein Frühstück, iss und lass dir Zeit so viel du brauchst. Danach steig in den Fahrstuhl, er bringt dich genau zum Gipfel des Turmes, dort wo Kim auf dich wartet.“ Sein Vater machte anstallten aufzustehen, doch Benny hielt ihn noch ein letztes Mal zurück. „Ich hab darüber nachgedacht. Gibt es wirklich ein paar Menschen, die nicht getötet werden?“ Leise lachend setzte sich Herr Thelen wieder nieder. „Natürlich, Benny! Was für einen Sinn hat Neuordnung, wenn man alles zerstört?“ „Was ist mit Mama?“, drängte Benny. „Und Opa und Oma?“ Stolz es ihm sagen zu können, schließlich hatte Herr Thelen hart dafür kämpfen müssen, verkündete er: „Unsere ganze Familie ist auserwählt. Sogar Mama! Wir werden in der neuen Welt eine glückliche…“ „Und was ist mit Vivi?“, fiel Benny ihm ins Wort. „Und Alexa und Dan und Herr Liebgraf und Navi? Mit allein meinen Freunden? Du hast sie doch gesehen!“ Da wurde Herr Thelens Gesicht trübe. „Ich fürchte, Benny…“ Setzte er langsam an. „…keiner von ihnen wurde auserwählt.“ Benny stieß mit der Faust gegen die Wand. „Nein!“, brüllte er. „Das lasse ich nicht zu!“ Sein Trübsinn war vergessen. „Ich will sie nicht verlieren nur weil Kim meint die Welt zerstören zu müssen!“ „Neu zu ordnen!“, verbesserte Herr Thelen. „Benny, für eine höhere Aufgabe müssen nun einmal Opfer gebracht werden.“ „Nein, müssen sie nicht!“ Benny sprang auf und zog das Schwert aus der Scheide. Die Klinge glitzerte im fahlen Licht der Decke. „Ich werde es verhindern!“ Herr Thelen erhob sich. Väterlich und mit einem letzten Lächeln, das Mitleid aber auch unglaublichen Stolz in sich barg, legte Herr Thelen seinem Sohn die Hände auf die Schultern. „Ja Benny, tu dein Bestes!“ Herr Thelen wusste, dass Benny nicht den Hauch einer Chance hatte, aber Benny war stark und wenn er konnte sollte er Kim richtig beeindrucken. Er nahm ihn in den Arm und drückte ihn ein letztes Mal fest an sich. Dass Benny fast keine Luft bekam. „Auch wenn ich dein Feind bin, Benny – ich wünsche dir viel Glück!“ Benny befreite sich aus seinem Würgegriff.

„Und weil ich dein Feind bin, Papa, entschuldige ich mich schon jetzt dafür, dass ich deinen Herrn besiegen werde!“ Herr Thelen fiel in ein Lachen ein, kein Hohnlachen, sondern ein heiteres und zuversichtliches Lachen. So sehr, dass ihm die Tränen kamen. Oder war es doch aus einem anderen Grund? Er zerwuselte Bennys, ohnehin schon wuseliges, Haar. „Bis dann, Benny.“ Mit einem allerletzten Lächeln, das sie sich gegenseitig schenkten, verschwand sein Vater aus seiner Sicht, für immer… Doch die Tür blieb weit offen. Nicht aus Hunger sondern aus Nervosität verschlang er die beiden Nutellabrote und trank die lauwarme Milch. Langsam aber sicher hasste er Nutella! Weil er in den letzten beiden Tagen seines Lebens nur schlechte Erfahrungen gemacht hatte. Nie wieder Nutella, schwor er sich. Das hat ohnehin so viel Fett und Kalorien. Das zumindest predigte seine Mutter immer wieder seinem Vater vor, wenn dieser mal wieder Pausenbrote mit eben diesem verruchten Belag für ihn bestrich. Entschlossen band sich Benny das Schwert auf den Rücken, strich sich die Haare glatt und leckte sich die Nutellaflecken um den Mund weg. Er war bereit! Er war mutig! Er war stark! Er war entschlossen! Er war bereit! Sein größtes Abenteuer endlich zu einem Ende zu bringen. Und was für ein Ende es sein sollte, dass wusste er allerdings noch nicht… Die leichte Vibration des Lifts, als dieser sich in Bewegung setzte, läutete das Schicksal der ganzen Welt ein. Der Fahrstuhl fuhr und fuhr und fuhr und Benny kamen die Sekunden vor wie Stunden und die Minuten wie Tage. Das Masterschwert lag ruhig auf seinem Rücken. Es kam ihm vor als wäre es um das Doppelte schwerer geworden war. Die Warterei war unerträglich. Er war so nervös, dass er Lin imitierte. Er kaute zum ersten Mal auf seiner Unterlippe herum. Und zwar ordentlich. Benny zog die Hose hoch und schnallte den Gürtel noch enger, rollte auch die Ärmel etwas hoch. Die Klamotten waren einfach zu groß geworden. Weil er doch in die falsche Richtung gewachsen war. Er war geschrumpft. Eigentlich hatte er neue, ihm besser passende, Kleidung angeboten bekommen, aber er hatte sofort und heißer abgelehnt – schließlich waren die Klamotten geklaut! Er hatte mächtig Bange davor gehabt, sie könnten dahinter kommen. Wo es doch nur aus reiner Not geschehen war! Auf alle Fälle musste er aufpassen, dass sie nicht zerrissen, er wollte sie unbedingt dem Laden zurückbringen, er war doch kein Dieb! Aber die Klamotten waren jetzt nebensächlich! Mit Schwung zog er das Masterschwert aus der Scheide. „Ich werde die Welt retten und wenn es mich mein Leben kostet!“ Genau! Die Decke riss auf und er stand im Freien. Über den Wolken, auf dem Dach des Teufelturms. Doch seltsamerweise war es hier weder windig, noch kalt, noch war die Luft überdünn. Nun, seltsam war es nur, wenn man nicht wusste, dass um den Turm ein durchsichtiger Schutzfilm lag, der sie alle von den Luftdruckbegebenheiten bewahrte. Kim wartete bereits auf ihn. Eine schwarze Tracht angelegt, das goldene Diadem leuchtend in der aufgehenden Sonne. Das Schwert wie ein Todesengel vor sich, mit ruhigen Händen umklammert. Auch Riha war da. Sie saß am Rand und ließ die Beine ins Leere baumeln. Sie hatte ihr schlichtes weißes Kleid wieder an, doch der Sommerhut thronte auf ihrem Kopf. Aber Benny beachtete sie nicht. Denn jetzt war sie nebensächlich. Kim bewegte sich nicht. Er wartete ab. Selbstbewusst hob Benny das Masterschwert. Die heilige Klinge schimmerte im sanften Licht der aufgehenden Sonne. Es war ein herrlicher, ein verheißungsvoller und doch so schicksalhafter Tag! „Ich werde dich besiegen! Wie Link Ganon besiegt hat!“, schrie Benny. Mit fließender Geste hob auch Kim nun das Schwert. „Ich werde dem falschen Ruhm um den Helden der Zeit ein für alle mal ein Ende setzen!“, entgegnete Kim ruhig. „Aber komm nur, je mehr du dich wehrst desto amüsanter für mich!“ Mit stolzem Zorn hob Benny das Schwert über seinen Kopf und schrie einen Kampfesschrei. Er stürzte vor und Kim wartete auf ihn. Die Klingen prallten aufeinander und das Geräusch lechzte nach der vollkommenen Stille. Von all dem machte Riha keine Notiz. Gewiss, sie verfolgte den Kampf mit neugierigen Kinderaugen, doch ihr Körper und ihr Geist waren erfüllt von der Magie der Erde, der Vereinigung der drei Schöpferinnen, zu dem das Gegenstück das heilige Triforce selbst war. Die Klingen schmiedeten sich aneinander, Metall rieb an Metall. Seine Hände schmerzten, so viel Kraft wandte er auf, so mächtig stemmte Benny sich in sein Schwert. Die Feinde standen sich so nahe, dass jeder den Atem des anderen auf dem eigenen Gesicht spürte. „Ist das schon alles, Bennylein?“, spottete Kim. „Da musst du dich aber schon etwas mehr anstrengen, wenn du mich besiegen willst.“ Benny kämpfte mit aller Kraft, doch er konnte dem Druck nicht mehr standhalten und wich als Erster zurück. Dann sah er auch schon das schwarze Schwert auf sich zukommen. Schreiend sprang er zurück und verlor dabei sein Gleichgewicht. Wie ein kleines Kind fiel er auf seine zwei Buchstaben. Mit einem Hieb hätte Kim ihn jetzt töten können, doch stattdessen reichte er ihm lachend die Hand.

Ja, schon freundschaftlich. „Das war aber ein ganz feiger Angstschrei!“ Blind vor Wut schlug Benny mit dem Schwert aus. Ungehalten wich Kim zurück und bereitete sich auf den nächsten Angriff vor. Benny sprang auf die Beine. In der Hektik hatte sich ein Ärmel seines Pullovers aufgerollt. Benny war so schrecklich wütend, dass er platzen könnte. Erneut schrie er sich in die nächste Attacke. Die Schwerter prallten aufeinander und aneinander vorbei. Benny spürte, wie er von der geschickten Abwehr Kims durch seinen eigenen Schwung erneut zu Boden gerissen wurde. Dieses Mal auf den Bauch. „Mein Gott, Benny! Du kämpfst ja miserabel! Da ist ja Lin noch besser!“ Noch zornentbrannter erhob sich Benny und kaum war er ganz aufgerichtet stürzte er sich wieder auf Kim. Kim beschränkte sich vollends aufs Parieren. Ein Angriff war nicht nötig, Benny setzte sich selbst ins Aus. Kim dachte nur an die möglichen Angriffe. Hier, da hätte ich jetzt zustechen können…oder jetzt…jetzt hat er die Seite frei…und jetzt könnte ich ihm den Kopf abschlagen…da, jetzt dreht er mir auch noch den Rücken zu…und jetzt stolpert er auch noch über seine eigenen Füße… Kim faste sich an den Kopf. „Wie hast du es nur geschafft Raik so in Atem zu halten. Das ist ja eine Schande! Ich werde ihn nach der Zeremonie umgehend seines Standes entheben!“ und ihn auffordern Seppuku zu begehen? Ne, so streng wollen wir mal nicht sein ;) obwohl er es verdient hätte! Und da! Da als sich Kim an den Kopf faste und kurz abgelenkt war, da erkannte Benny seine Chance! Seine Einzige! Er sprang auf die Beine und holte ein letztes Mal aus. Mit einem vibrierenden Schrei. Doch Kim hatte genug von diesem Schauspiel! Es geschah in wenigen Sekunden, doch es kam Benny vor wie in Zeitlupe. Als sei jede Sekunde eine Ewigkeit… Noch während seine Arme nach vorne schwangen um seinen Gegner zu treffen er führt es übrigens, im Gegensatz zu Link, mit beiden Händen, hat sie ja auch beide frei ^^ fühlte er diese Veränderung in der heiligen Klinge… Eine schwarze Veränderung… Eine Magie, die die Heiligkeit verdarb und dem Schwert alle Macht nahm… Der winzige Fluch, den das Mädchen Melissa genau in die Klinge des Masterschwertes gab, war wie ein schwarzer Fleck auf dem Reinen. Und er breitete sich in dieser Sekunde aus, wie ein Tintenfisch seine schwarze Tinte verbreitete… Die Klinge wurde schwarz…die Klinge wurde stumpf und rostig… Und noch als Benny mit entsetzt aufgerissenen Augen das Verfärben des Metalls betrachtete – schlug Kim zu. Die schwarze Klinge des Großmeisters des Bösen traf auf die stumpfe Klinge des Masterschwertes… Und glitt durch sie hindurch wie durch Butter… Die heilige Klinge zersprang in tausend Stücke. Vor den Augen Bennys…

Navi träumte mit offenen Augen.
Navi sah die drei Lichter.
Navi führte sie mit ihrer Stimme.
Navi fiel vor der Heiligkeit auf die Knie.
Navi hatte Wunderliches zu berichten.

„Komm schon, komm schon, komm schon!“, kreischte der winzige Lichtfleck. „Link! Trödel doch nicht immer so!“ Der Junge zog sich entnervt die Hosen hoch. „Mann, Navi! Ich musste mal! Bei so viel wie ich getrunken habe!“ „Das kommt davon“, belehrte Navi ihn zum millionsten Mal. „Wenn man so viel Lon-Lon-Milch trinkt!“ „Aber Navi!“ Der Junge war schier am Durchdrehen. „Wir sind hier in der Wüste! In der WÜSTE!“ Die kleine Fee beachtete ihn nicht einmal. Sie flog hektisch Richtung des Tempeleingangs. „Jetzt komm schon!“, rief sie ihm zu. Link stöhnte ob diesen unerträglichen Temperaturen. „Jaja!“ Verdammt noch mal! Niemals hatte er seine Ruhe! Vor ein paar Atemzügen war er noch als Erwachsener hier gewesen. Nachdem er so unfreundlich von den Gerudos in den Kerker geworfen worden war, ausgebrochen und sich den Gerudopass verdient hatte, war er sogleich in die Wüste gelaufen – bis er gemerkt hatte, dass er den Geist nicht rufen konnte, der als einziger Führer den Weg zum Tempel kannte. Also gleich noch mal nach Hyrule und rumfragen wo man das „Auge der Wahrheit“ ergattern konnte. Ein alter Akkordeonspieler in der Mühle hatte es ihm verraten. Also mal kurz in die Vergangenheit zurück, durch den Morast im feuchtkalten Gewölbe unterm Brunnen waten (Ekel empfand er schon lange nicht mehr, spätestens nach dem schleimigen Ding in Jabu-Jabus Bauch, das ihn, als es explodierte, mit dem verschleimten Innereien übergossen hatte) und mal kurz diesen Hirnfresser zur Strecke bringen, ist ja sowieso ein Kinderspiel, dann zurück in die Zitadelle hetzen, in die Zukunft reisen und noch einmal den Weg zur und dann durch die Wüste. Dann kamen diese Viecher und machten ihm das Leben schwer. Diese rotierenden grünen Haufen! Diese widerlichen Sandkiller! Jedenfalls hatte er endlich Fuß im Tempel gefasst – nur um festzustellen, dass ein riesiger Quadratstein den Eingang versperrte und sich nicht schieben ließ. Am Rande der Verzweiflung war er im Raum rumgehetzt, auf der Suche nach einer Lösung, als ihm diese eine Steintafel an der Wand ins Auge gefallen war. Dort stand geschrieben: Wer in die Zukunft reist, der möge aus der Vergangenheit kommen und die Kraft des Silbers tragen. Und weil er nach all dem vielen Pausen- und Schlafmangel schwer von Begriff war, stand – zum Glück – die Erläuterung drunter: Komme in der Vergangenheit hierher mit dem reinen Herzen eines Kindes. Aha…
Na toll! Toll!
Wie sollte er das denn bewerkstelligen? Die Gerudos ließen ihn jetzt grade mal frei gewähren, weil die Stellvertreterin der Stellvertreterin ihres Königs so schwer von ihm beeindruckt gewesen war als er alle fünf gefangenen Zimmermänner befreit hatte. Aber wenn er nun als zwölfjähriger Bengel antanzte? Die ließen ihn doch niemals durch! Noch nicht einmal in die Nähe des Tores zur Wüste! „Wie soll ich das denn machen?“, hatte Link geflucht und sich die Haare gerauft. „Nun, vielleicht kann ich dir helfen.“, hatte da eine Stimme in seinem Rücken gesagt. Shiek!
Der gute Freund Shiek (damals wusste Link noch nichts von der Frau ;), die in ihm steckte) hatte ihm das Requiem der Geister beigebracht und nun stand er da. Als zwölfjähriger Bengel im Wüstentempel.
Endlich!
Leider war er immer noch nicht klüger als vorher. Wie sollte er denn den Stein aus dem Weg schieben? Die Kraft des Silbers tragen. Was war wohl damit gemeint? Plötzlich entdeckte er die Frau auf der anderen Seite der Halle. Die Haut kräftig braungebrannt, die feuerroten Haare zu einem Pferdeschwanz zusammengebunden. In weißer Wüstenkleidung und mit roten Schuhen aus leichtem Stoff. Eindeutig eine Gerudo. Die konnte er doch fragen! Aber er hatte den Gerudopass nicht, noch nicht. Und trotzdem! Er war schließlich in die Wüste gelangt und wie sollte er das geschafft haben ohne Pass? Wo er war? Keine Ahnung, er musste ihn wohl auf dem Weg hierher verloren haben, in den Weiten des heißen Sandmeeres. Ja, das war ein guter Plan… Naboru war am Rande der Verzweiflung. Musste sie sich wirklich da durchquetschen? Sie war inzwischen doch zu groß und seit der Schwangerschaft hatte sie so schlimme breite Hüften! Allerdings war dieses Loch der einzige Weg ins Innere des Tempels, seit dieser Stein den richtigen Eingang versperrte. Seufzend gab sie ihrer Niedergeschlagenheit freien Lauf. Immer wieder maß sie die kleine Öffnung mit ihren Händen. Nie und nimmer passte da ein Erwachsener… „Hey, Ihr da!“ Es traf sie wie ein Schlag in die Magengrube. Sie war entdeckt worden! Oh, Shjra! Womit hatte sie das verdient! Jetzt war sie des Todes! Dabei hatte sie doch die Krafthandschuhe nur gewollt um einen Weg zu finden Ganon wieder zur Besinnung zu bringen. Wie? Das wusste sie selbst nicht, doch nun war es ohnehin vorbei. Aber kampflos gab sie sich nicht geschlagen! Mit einem Schwung stand sie nicht nur mit einer geschmeidigen Drehung auf, sondern zog auch ihren Säbel und hielt ihn an die Kehle ihres Entdeckers. Da erst registrierte sie, dass ein kleiner Junge vor ihr stand. Hellhäutig, blond und in grüner Kleidung. Wie bitte? Schockiert rührte der Junge keinen Finger. Zu nah war das Metall an seinem Leben. „Was? Wer bist du denn?“, fragte Naboru erstaunt. „Äh…“ Link schluckte schwer. Weil sie merkte, dass der Junge nur Augen für ihre Waffe hatte, ließ sie sie sinken, doch behielt sie sie auch in der Hand. „Also?“ Aufatmend erwiderte er: „Ich bin Link!“ „Link?“ Naboru lachte. „Etwa von links und rechts? Was ist das denn für ein dämlicher Name?“ „Danke für das nette Kompliment!“, zischte Link. „Und wer seid Ihr?“ Naboru stellte sich zu ihrer vollen Überlegenheit auf. „Ich bin Naboru, vom stolzen Stamm der Gerudo!“ „Dann…dann bist du die Stellvertreterin von Ganon?“, staunte Link – und hätte sich am liebsten gleich die Zunge abgebissen. Naboru schreckte auf. „Was? Woher weißt du das?“ Link schwieg. Naboru bedrohte ihn erneut mit dem Säbel. „Hör mal zu! Ich und Ganon sind vielleicht vom gleichen Stamm aber wir sind von Grund auf verschieden! Ganon ist grausam! Er tötet sogar Frauen und Kinder! Und ich will ihn aufhalten…“ Bedrohlich nahe schwebte die Schneide wieder am Hals. „Du bist doch nicht einer von Ganons Leuten, oder?!“ Für einen kurzen Moment hätte Link, aus lauter Trotz, noch gefragt: „Und wenn es so wäre?“ Aber natürlich tat er das nicht! Dafür hasste er Ganon zu sehr um auch nur für einen Moment den Gedanken zu fassen er wäre einer seiner Handlanger! „Ich hasse Ganon!“ Ja, den hasse ich auch, sagte Naboru sich in ihren Gedanken. Den grausamen Ganon. Und ich tue alles dafür um den alten Ganon wieder zu bekommen! Doch davon verriet sie nichts, nicht mal in ihren Gesten. „Dann haben wir etwas gemeinsam, Kurzer!“ Plötzlich, ganz plötzlich, schoss dieser Geistesblitz durch ihren Kopf. „Hey Kurzer!“ Sie zog ihn zu sich heran. „Sag mal, jetzt wo wir doch auf derselben Seite stehen, kannst du mir nicht einen Gefallen tun?“ „Wie?“ Link war ganz benommen von dem exotischen Duft nach Karambole an ihr. „Siehst du dieses Loch da? Der Tunnel führt direkt ins Innere des Tempels.“ Links Augen leuchteten auf. „Wirklich?“ „Meinst du, du kannst dich da durchzwängen?“ „Aber sicher! Natürlich!“ Naboru zerwuselte seine Haare unter der Mütze und rieb ihm fast die Kopfhaut wund. „Sehr schön! Dann wirst du mir jetzt die Krafthandschuhe bringen!“ Das kam ganz plötzlich, wie der Schlag auf den Hinterkopf. „Kraftwas?“, staunte Link. Eigentlich war er ja gekommen um den schlafenden Weisen darin zu erwecken. Doch das konnte er natürlich erst in der Zukunft. Allerdings versperrte auch in der Zukunft der große Stein den Weg in den Tempel. Darum sollte es sein aktuelles Ziel sein den Weg freizubekommen. Die junge Naboru stemmte die Hände in die Hüften. „Die Krafthandschuhe sind ein magisches Relikt, die die körperliche Kraft des Trägers verzehnfacht!“ Link klappte der Mund auf, das brachte Naboru zum Lachen. „Aber denk gar nicht daran sie dir selbst zu schnappen! Sie werden dir ohnehin nicht passen!“ Mit verführerischem Blick beugte sie sich zu ihm herunter und mit dem Zeigefinger schloss sie seinen Mund. „Aber wenn du das für mich tust, werde ich mich ausgiebig bei dir revanchieren. Ist das nicht ein Angebot?“ Link war von ihrer leidenschaftlichen Autorität so eingeschüchtert, dass er nicht antworten konnte, sondern mit hochrotem Gesicht dastand. „Na also, sind wir uns einig!“ Sehr undiskret schob sie ihn vors Loch. „Und nun rein da, Kurzer!“ „Hey, du kannst ihn doch nicht rumkommandieren wie es dir passt!“, beschwerte sich Navi. Erschrocken wandte Naboru sich um. „Wer ist da?“ „Wie wer ist da?“ beschwerte Navi sich weiter und flog empört vor ihrem Gesicht herum. „Ich bin die ganze Zeit da gewesen!“ „Oh, ein leuchtendes Staubkorn?“ Naboru war ganz fasziniert. „Staubkorn!“ Navis ganzer Körper zitterte. „Staubkorn hast du mich genannt, du…du elende Gerudo!“ „Ein sprechendes Staubkorn, so etwas!“ Das Leuchten wurde intensiver. „Ich bin kein Staubkorn! Verstanden?“ „Äh…äh…“, versuchte Link eine Erklärung. „Sie…sie ist eine Fee…aus den verlorenen Wäldern…“ „Eine Fee? So etwas gibt es?“, staunte Naboru nicht schlecht. „Sind das nicht Verwandte von Irrlichtern?“ Navi lief dunkelrot an. „WAS?“ Navi setzte zum Schlag an – Doch Naboru war flinker. Sie packte das Leuchtding an den dünnen Flügeln. „Du bist also die Begleiterin von dem süßen Kleinen, ja? Das ist ja praktisch! Wenn du so hübsch leuchtest, kannst du ihm gleich den Weg leuchten!“ Mit einer schwungvollen Handbewegung schleuderte Naboru die kleine Fee in das Loch. Ein schriller Schrei verlor sich. Nun war Link kreidebleich. „Navi!“ Zwei Hände legten sich auf seine Schultern. „So und jetzt schnell, schnell!“ Und schupsten ihn. Rasch tat er wie ihm geheißen, nur um von dieser Person loszukommen. Die war ja schlimmer als Navi, Rauru, Shiek und die labernde Eule zusammen! Am anderen Ende des Tunnels standen sie im Licht der Fackeln, in einem runden Raum aus dem zwei Türen führten. Dazwischen war ein weiteres Tunnelloch. So…und nun? „Warum hast du das getan? Warum machst du was diese Gerudo dir sagt?“, entgegnete Navi bissig. Ihre Flügel waren zerknittert, sie hatte Glück gehabt, dass sie nicht zerrissen waren. Gelassen klopfte Link sich den Staub aus der Kleidung. „Du hast doch gehört was sie gesagt hat! Die Krafthandschuhe verzehnfachen die Kraft! Ich werde sie bitten den Stein zu entfernen und in der Zukunft können wir dann einfach in den Tempel hineinspazieren!“ „Du glaubst das einfach so? Sie ist eine Gerudo! Ganon ist ihr König!“ „Aber sie hasst Ganon und ich auch!“ Navi bekam einen Knick. „Sag mal, wie leichtgläubig bist du eigentlich?!?“


Zur selben Zeit, dreißig Stockwerke höher: „Mein Vater, mein Vater, und siehst du nicht dort…Erlkönigs Töchter am düsteren Ort?... Mein Sohn, mein Sohn, ich seh’es genau…Es scheinen…“ Der kleine Junge unterbrach sich, weil ihm die Lösung des mathematischen Problems, vor ihm, eingefallen war. „Also, hat man zwei gekennzeichnete Schnittstellen des Graphen, sagen wir x1 und x2, und liegen diese in den senkrecht aufeinander liegenden Quadranten, so gibt es zwischen ihnen eine Nullstelle, natürlich auf der x-Achse…wenn ich nun also eine tabellarische Analyse der Strecke dieser Schnittstellen erstelle, nehmen wir nur natürliche Zahlen zwischen ihnen, so nähern sich die Werte an und tendieren natürlich zu Null, was eine Nullstelle begründet. Allerdings kann es nicht nur eine geben, dass heißt ich muss erst die Anzahl und dann die Koordinaten berechnen…“ Während er das sprach, zu sich selbst, schrieb er kunterbunt Zahlen auf ein Pergament. Die junge Frau neben ihm, mehr noch ein Mädchen, das gerade heranreifte, hatte längst aufgegeben ihn zu verstehen. Sie staunte schon nicht mehr, weil sie davon nur Kopfschmerzen bekam. Kim beendete nebenbei noch die Strophe des Gedichtes. Der Erlkönig von Johann Wolfgang von Goethe. „…die alten Weiden so grau.“ Dann warf er den Kohlestift hin und stöhnte. „Ich mag nicht mehr!“ Er lehnte sich zurück, auf den Rücken. Ashanti erhob sich um die Bücher und Blätter wegzuräumen, damit er genug Platz hatte. Der Stein war angenehm kühl. Sein Hirn kochte. Schon den ganzen Tag saß er an seinen Arbeiten. „Wo holt Ihr Euch nur das alles her was Ihr da immer von Euch gebt? Wenn wir das nur wüssten.“, sagte Ashanti kopfschüttelnd. „Wenn ich nur wüsste wie ich mich umbringen könnte!“, zischte Kim zurück. Ashanti war unbeeindruckt. Das kannte sie schon. Jetzt folgte wieder ein seeehr langes Klagegespräch. Deshalb unterbrach sie ihre Tätigkeit auch nicht. Sie schüttete ihm Wasser ein. „Ihr solltet mehr trinken, das kalte Wasser wird Euch gut tun.“ Trotzig wandte sich Kim um, ihr den Rücken zudrehend. „Ich will nicht Wasser – ich will hier raus!“ Ashanti seufzte. „Ihr habt schon sechsundneunzig erfolglose Fluchtversuche hinter Euch, ich bitte Euch, erspart Euch den Siebenundneunzigsten!“ Blitzartig sprang Kim auf. „Du hast auch noch mitgezählt?“ Ashanti lächelte. „Natürlich! Wobei Euer Erster der Beste war!“ Verdrossen blinzelte er sie an. „Du meinst wohl du hast dich bei dieser Strafe am köstlichsten amüsiert!“ Nun lachte sie auf. Sogar ein wenig schadenfroh. „Ihr müsst zugeben, dass Ihr zuckersüß aussaht, als Ihr da überm Knie des Herrn lagt. Mit blankem Hintern.“ Kim rieb sich sein Gesäß. „Die nächsten zwei Tage konnte ich nicht sitzen!“ „Aber es war lustig!“ Kim war so richtig in Rage. „Weißt du wie er mich letztes Mal bestraft hat?“ „Nein, kleiner Herr. Eure letzte Flucht war vor acht Tagen und da war Dana zur Aufsicht bei Euch.“ „Ich musste fünfhundertmal ’Ich muss meinem Meister gehorchen’ schreiben – in allen Sprachen, die ich beherrsche! Und das sind immerhin sechs!“ Kim fuchtelte wild mit den Armen. „Er stand die ganze Zeit hinter mir, ich bekam nichts zu essen und zu trinken, durfte nicht zum Abtritt; und jedes Mal wenn ich mich verschrieben habe, hat er mir über die Finger gedroschen!“ „Ich will Euch nicht betrüben, aber das geschieht Euch recht! Ihr habt ihm zu gehorchen, wie alle hier. Und wenn er will, dass Ihr hier bleibt, Ihr Euch jedoch widersetzt, dann ist es sein Recht Euch nach seinem Willen zu strafen.“ Abfällig schnaufte Kim. „Artikel 5 der, in der ’Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte’ im Dezember 1948 Jahre nach Christus beschlossenen, Allgemeinen Menschenrechte, besagt, dass niemand der Folter oder grausamer, unmenschlicher oder erniedrigender Behandlungen oder Strafe unterworfen werden darf! Und das was er mit mir macht ist mehr als grausam, unmenschlich und erniedrigend! Er hält mich gefangen wie einen Schwerverbrecher in Alcatraz und missbraucht mich für seine Zwecke! Findest du das in Ordnung? Er handelt rechtswidrig!“ Ashanti starrte ihn an, als sähe sie einen Übermenschen vor sich und da fiel ihm ein, dass er von ihr keine Antwort erwarten konnte. „Neunzehnwas und mit Krißtos?“ Das hatte sich einfach am interessantesten für sie angehört. Weil die Zahl so lang war. „Es heißt neunzehnhundertachtundvierzig nach Christus! Das ist in schätzungsweise siebenhundert Jah…“ Er schlug sich auf den Mund. „So ein Mist! Die Menschenrechte gibt es ja noch gar nicht!“ „Und was heißt das?“, fragte Ashanti, die den Faden nicht verloren hatte, weil sie ihn nie besaß. Deprimiert setzte sich Kim wieder hin. „Dass hier noch undemokratische Gesetze herrschen und es doch das Recht des Meisters ist mich so zu behandeln!“ Belehrend hob Ashanti den Finger. „Das hätte ich Euch auch sagen können, junger Herr! Als Mann und als König ist es von Geburt an sein Recht, jeden in seinem Lande so zu behandeln wie es ihm beliebt. Und wenn er jetzt hier wäre und uns beide zu Tode prügeln würde, er läge zu keinster Zeit im Unrecht! Gerade Ihr solltet das verstehen – und jetzt Schluss mit der Diskussion über Recht und Unrecht! Trinkt, damit Ihr einen kühleren Kopf bekommt, ich werde Euch eine Früchteplatte anrichten, mit leerem Magen lässt sich nicht viel anfangen.“ Als sie ihm den Rücken zuwandte streckte er ihr dreist die Zunge heraus. Aber ihm verging bald das Vergnügen an seiner Frechheit. Eigentlich hatte Ashanti recht, wieder mal, und er mochte sie sehr. Es war ihm um so vieles angenehmer wenn sie auf ihn aufpasste als Dana. Dana glich seinem Meister einfach fiel zu sehr. Sie ließ sich nicht auf Diskussionen ein, forderte unaufhörlich, prüfte ihn jede paar Atemzüge ganz sachlich und analytisch, wertete und schätzte seine Leistungen und hach…sie konnte bei ihm stehen und er fühlte sich trotzdem allein! Aber Ashanti war noch jung und er konnte mit ihr reden, zanken und lachen. Dann war der Alltag schon etwas weniger grau. Er hatte noch so viel Arbeit vor sich, die er erledigt haben musste bis Ganon kam, er besuchte ihn täglich, und dann war wieder Training an der Reihe. Ganon war alles andere als ein guter Lehrer. Ungeduldig, forderte zu viel auf einmal, dominant und ohne jede Empathie im Blut. Aber man musste sich abnötigen, dass er sich – in der Rolle des Vaters – ernsthaft Mühe gab. „Ich lieb dich, mich reizt deine schöne Gestalt…“, fuhr er mit seinem Gedicht fort. Ashanti wandte sich kurz fragend zu ihm um. „und bist du nicht willig, so brauch ich Gewalt…“ Kim sah an die Decke und ließ sich diese Strophe noch einmal durch den Kopf gehen. „…und bist du nicht willig, so brauch ich Gewalt…das könnte glatt von Ganon kommen!“, sagte er mit böser Stimme. Erschrocken wandte Ashanti sich um. „Wie könnt Ihr so etwas sagen? Seht Ihr das wirklich so?“ „Ach ich weiß nicht, Ashanti. Er ist so seltsam. Fast die ganze Zeit über ist er gemein und böse! Er schreit rum und droht und man hat das Gefühl er hat Spaß am Leid der anderen…und dann wiederum…manchmal ist er richtig nett. Da kann ich mir dann wirklich vorstellen, dass er mein Vater ist. Aber ich weiß nie wann diese Momente kommen und wie lange sie anhalten.“ Ashanti schnitt die Sternenfrucht in Scheiben. „Glaubt mir, der Herr liebt Euch. Und er liebt sein Volk!“ Doch nur in Gedanken fügte sie noch etwas hinzu. Zumindest liebte er es einmal, dachte Ashanti betrübt und erinnerte sich an diesen einen Tag, als er aus der Wüste zurückkehrte. Wie er Naboru damals weggestoßen hatte. Wie Dreck… An jenem Tag hatte sie zum ersten Mal Angst empfunden. Und diese war bis heute geblieben. „Was ist das?“, kreischte Kim plötzlich hocherfreut auf. Ashanti fuhr zusammen. Kim stand vor dem Schlangenkopfspiegel, der hier aufgestellt war. „Was ist was, kleiner Herr?“ Unaufhörlich und mit großen strahlenden Augen starrte Kim in den Spiegel. „Das ist…ein Eindringling! Ein Hyrulianer!“ Ashanti wurde kreidebleich. „Ein Hyrulianer? Hier? Das ist unmöglich!“ Sie sprang auf die Beine und blickte ebenfalls in den Spiegel, der auch als Portal diente um den Tempel zu überwachen. Sie sah den Eindringling. Sie sah seine fremde, viel zu schwere Kleidung. Sie sah seine helle Haut. Sie sah seine nicht roten Haare. Ihr blieb die Luft weg. „Das…ein…ein hyrulianischer Junge! Das…Wie kann das sein? Wie ist er hier hereingekommen? Der Herr hat doch alle Zugänge sorgfältig versperrt!“ Kim rollte mit den Augen, weil er den folgenden Satz inn- und auswendig kannte. „Er ließ alle Zugänge verriegeln und stellte überall Wachen auf – nur zu Eurem Schutz!“ „Du meinst, damit mich ja niemand sieht! Er hat ja schreckliche Angst davor, dass ich mit fremden Humanen in Kontakt komme!“ „Kleiner Herr!“, beklagte Ashanti. „Ja, ist ja schon gut!“ „Aber wie ist dieser Junge dann hier hereingelangt?“ „Das ist ja wohl nicht schwer!“, gab Kim arrogant von sich. „Durch das Loch im linken Flügel des Tempels. Das habe ich auch immer benutzt, wenn ich geflo…wenn ich versucht habe zu fliehen.“ Ashanti war geschockt. „Ein Loch in der Wand?“ Kim nickte. „Der ist zwar größer als ich, aber immer noch klein genug für das Loch.“ Ashanti bekreuzigte sich, in einem alten Heidenzeichen, dass die fünf Zacken der Fruchtbarkeit darstellte, ein Zeichen aus der alten Sprache. „Bei der Shjra, wie konnte das geschehen?“ Dann wandte sie sich säuerlich an Kim. „Ihr hättet die Pflicht gehabt dem Herrn über diese Öffnung zu informieren!“ Ebenso zischte er zurück. „Dann hätte es keine weiteren fünfundneunzig Fluchten gegeben!“ Ohne ein weiteres Wort machte er auf den Fersen kehrt und rannte zur Tür. „Kleiner Herr! Wo wollt Ihr hin?“, kreischte Ashanti ihm hysterisch in den Rücken. Die Tür ließ er schon aufschnellen. „Ich will mit ihm spielen.“ Ashanti wäre fast in Ohnmacht gefallen. „Ihr wollt was? Aber…aber das dürft Ihr nicht! Ihr könnt doch nicht einfach mit diesem Eindringling spielen!“ „Keine Sorge, Ashanti! Ich werde mich im Verborgenen halten. Mit Spielen meinte ich, dass ich ihn töten werde, aber ich lasse mir dabei Zeit – viel Zeit.“ „Aber kleiner Herr! Das ist nichts für Euch! Überlasst das lieber den Wachen im Tempel und widmet Euch Euren Studien. Es ist unter Eurer Würde Euch die Hände schmutzig zu machen.“ „Es ist auch unter meiner Würde mich zu Tode zu langweilen! Außerdem werde ich mir die Hände ganz bestimmt nicht beflecken! Ich habe gelernt zu töten ohne meinen Feind zu berühren. Als ich das letzte Mal mit dem Meister in der hyrulianischen Steppe war, da habe ich einen vorbeikommenden Wanderer mit magischen Blitzen getötet.“ Die Art wie er sprach, stimmte Ashanti sehr betrübt. „Es ist nicht fein zu töten. Das wird getan weil man es muss und nicht weil man es will!“ „Und wenn man es muss warum sollte man es nicht auch noch wollen?“, gab er patzig zurück. Natürlich verstand Ashanti nicht, warum sie das machten. Nicht weil es lustig war und weil sie darüber lachten, sondern weil er es einmal können musste und zwar ohne Hemmungen. Hey – keine Experimente mit den kleinen Geschwistern! Im Grunde genommen hasste er es und Ganon hasste es auch. Es war Arbeit, es war eine schmutzige Arbeit, die alles andere als Endorphine ausstreute und wem Morden gefiel, der war nicht ganz dicht! Die falsche Antwort hatte er einfach von Ganon übernommen und sich angewöhnt. Lügen war schnell und wirksam. Aber auf eine kleine Zerstreuung wollte er nicht verzichten! Er hatte, außer Dana und Ashanti – und natürlich Ganon – seit Jahren keinen Menschen mehr gesehen. Gewiss war er aufgeregt und neugierig. Außerdem, wenn er ihn nicht beseitigte, dann tat es sowieso irgendein Echsenkrieger, Raubschleim oder Stalfos. Der ganze Tempel wimmelte nur von ihnen. Da fiel ihm ein – wenn nun der Junge getötet wurde, bevor er ihn überhaupt zu Gesicht bekam? Naja, Kim entschied, dass er ihn im großen Saal, dort wo die Statue der Göttin Shjra den Raum einnahm, erwartete, denn dort musste, wenn er tatsächlich überlebte, der Junge so oder so auftauchen. Alle Korridore dieses Tempels mündeten in diesen Saal. Kim versteckte sich auf dem linken hohen Podest neben der Statue. Es gab nichts, dass hierher führte, man konnte es nur fliegend erreichen. Das perfekte Versteck! Er musste gar nicht lange warten und rieb sich freudig die Hände. Kim war gar nicht aufs Morden aus sondern auf die Unterhaltung. Er hatte so geringe soziale Kontakte, dass ihm sogar das genug war. Die Tür ging auf und Link sprang herein. Es war so seine Art. Er sprang mitten ins Unbekannte und nutzte seinen Überraschungsmoment. Navi allerdings wäre es lieber er schleiche ganz langsam, wenn sie überzeugt waren, dass die Luft rein war. Sie hasste Überraschungen. Geübt sah sich Link nach allen Seiten um. Er sah schon etwas mitgenommen aus. Aus einigen Kratz- und Schürfwunden rann das Blut, seine Kleidung war an den Beinen und vor der Brust etwas zerschlissen. Über und über war er mit glitschigen Überresten bedeckt. Von diesem Raubschleim, der ihn überrascht hatte. Sie waren ja ständig, überall und immer auf Monster gestoßen. Es war wie in einem richtigen Nest, hier! Nur Monster, so weit das Auge reichte! Diese Krafthandschuhe mussten ja wirklich überaus wertvoll sein, so schwer wie sie überwacht wurden. Oder ging es gar um den Weisen? Wusste Ganon davon? Dass er den oder die Weise(n) der Geister suchte? Nein! Auch wenn der Ganon in sieben Jahren es wusste, der heutige Ganon konnte es nicht wissen, weil die Erweckung der Weisen noch gar nicht von Nöten war. Jedenfalls war es umso mehr verwunderlich, dass in diesem mächtigen, gewaltigen Saal nicht ein einziger Feind wachte. Nichts und niemand war hier. Nur sie beide.
„Ist hier jemand?“, rief er in die Weite hinein.
„…mand…mand…mand…“, erscholl das Echo.
Sonst geschah nichts.
„Komm raus und zeig dich, du Feigling!“, brüllte er noch lauter.
„…ing…ing…ing…“, gab das Echo erneut zurück.
Link hatte gar nicht gewusst wie viel Spaß das machte. Bei so viel Kampf und Rätseln und anderer Ablenkung hatte er kaum Zeit gehabt für die kleinen Freuden des Lebens. „Hallo!“
„…lo…lo…lo…“
„Blablablablabla!“
„…la…la…la…“
Ganz im Stillen, ohne bemerkt zu werden, war da dieser Hauch von Magie, der sich in einen Krug am Rande der Treppe nistete. Lachend öffnete Link erneut den Mund. „Sag mal, geht es dir noch gut!“, kreischte Navi. „Was machst du da?“ Schuldbewusst senkte Link deutlich die Stimme. „Ich…naja das Echo…“ „Willst du uns alle Feinde auf den Hals hetzen?“ Noch kleiner wurde Link. „Nein…ich…“ „Wir sind hier nicht nur in einem monsterverseuchten Tempel“, hackte die kleine Fee auf ihn ein. „dieser Tempel steht mitten in Ganons Reich! Also ich frage dich: willst du wirklich so früh sterben?“ „Nein…“, gab Link kleinlaut von sich. „Aber Navi, hier ist doch…“ „PASS AUF!“, schrie Navi panisch. Es passierte so schnell, dass Link keine Zeit zum Denken hatte und nur aus Reflex reagierte. Er versteckte sich hinter seinem Schild. Der Krug zerbrach in Scherben. „Was war denn das?“, staunte Link nicht schlecht. „Ein schwebender Krug!“ „Der hätte dir beinahe den Schädel eingeschlagen!“ Navi war außer sich. Link lachte. „Ach komm, es war nur ein einfacher Tonkrug. Das war doch halb so…“ Navi schrie erneut. Der nächste Krug flog heran. Wieder reflexartig sprang Link in die Höhe, der Krug zerschellt unter seinen Füßen. „Das war knapp…“, seufzte Link, doch er hatte keine Zeit zu ruhen. Denn was sich ihm nun bot, das…das war unfassbar! Sie konnten sehen wie die Krüge in den Ecken, die mit Öl und Leinentüchern für die Fackeln gefüllt waren, sich vom Boden erhoben und alle auf einmal auf ihn zuflogen. „Aaaaahhhh!“, schrie nun auch Link. Und wich dem ersten Krug aus. „Was soll…“ Der Zweite flog über ihn hinweg. „Die Krüge, sie greifen an!“ „Das sehe ich auch!“, zischte Link. Einen Krug zerschmetterte er mit dem Schwert, doch der nächste Krug traf ihn im Rücken, er flog der Länge nach hin. „Link! Vor dir!“ Zwar schmerzte sein Rücken höllisch, doch dem Krug, der auf sein Gesicht zugeflogen kam, war es verdammt egal. Link sprang auf und riss sein Schwert herum. Der Krug zersprang und verspritzte das Öl in ihm, als wäre es sein Blut. Dunkel lag es auf dem ganzen Boden, zwischen den Leinen und auf dem nackten Stein. Und auf Links Kleidung. Durchtränkte den Stoff. Doch es war vorbei. Schwer atmend stand Link da und starrte. Auch Navi war nicht in der Lage sich zu rühren. „Bei den Göttinnen, das war das Schlimmste, das ich je erlebt habe!“, keuchte Link. Navi zitterte am ganzen Körper. „Wem sagst du das! Hier werden wir sogar von leblosen Dingen angegriffen! Dieser Ort ist verflucht!“ Link war bemüht seinen Atem zu beruhigen. Sein Rücken schmerzte immer noch höllisch. Aber der kleine Junge, gut versteckt, hoch über ihnen, lachte in sich hinein. Das war sehr lustig! Dieser Fremde war wirklich ein guter Kämpfer! Trotz seines Alters, nur ein paar Jahre älter als er selbst. Er dagegen war nicht sonderlich gut, aber das lag daran, dass er mit einem Erwachsenenschwert üben musste! Der fremde Junge hatte ein kürzeres und viel leichteres Schwert, ideal für eine Kinderhand. Wenn er eins hätte, könnte er auch viel besser werden, aber Ganon ließ in diesen Dingen nicht mit sich reden. Sein Meister wollte, dass er gleich an die Schwere eines richtigen Schwertes gewöhnt war um sich später die Zeit des Überganges zu sparen, die ja ohnehin anderweitig verplant war. Allerdings…wenn Kim diesem Eindringling nun sein Schwert wegnahm? Der Junge starb ja sowieso und seine Überreste, mitsamt seiner Ausrüstung, würden bestimmt einfach in den Treibsandgraben in der Wüste geworfen werden, wo alle Abfälle landeten. Das wäre doch schade um das schöne Schwert. Wenn er es nun stahl, dann könnte er heimlich damit üben. Dann verging Dana das Lachen! „Bäh! Ich bin total vollgesaut!“, fluchte Link. „Das ist ja widerlich!“ Mit den Nerven am Ende ließ Navi sich schwerfällig auf seinen Kopf plumpsen. „Ich bin so erschöpft!“ „Du? Du hast doch gar nichts gemacht!“, beschwerte sich Link. „PASS AUF!“, kreischte Navi. Aufgescheucht drehte Link sich um, nur um zu sehen, wie die beiden Fackeln in den Fackelhaltern vor den Füßen dieser seltsamen gigantischen Statue sich wie von unsichtbarer Hand geführt erhoben und auf ihn zuflogen. Fackeln – die brannten! Vor seinen Füßen schlugen sie auf den Boden. Einen winzigen Augenblick war Link erleichtert – und zwar, weil er nicht an das verschüttete Öl und die durchtränkte Kleidung gedacht hatte. Einer Explosion gleich schoss eine Stichflamme auf und breitete sich über den Boden aus. Link schrie wie am Spieß. Die Flammen sprangen auf seine Kleider über. Link brannte!!! Er hatte seine Goronen-Rüstung, die ihn vor Feuer und Hitze schützte, noch nicht! Wie ein Wahnsinniger sprang er im Raum herum und schrie um sein Leben. „Wirf dich zu Boden! Wirf dich zu Boden!“, wies Navi ihn verzweifelt an, doch Link hörte nichts als dieses Knistern. „Link! Link!“ Navi war so verzweifelt. Sie war doch seine Gefährtin und wusste nicht was…Genau! „Link! Nayrus Umarmung! Schnell!“ Link verstand sofort. In aller Panik schaffte er es doch den kleinen blauen Kristall herauszuholen und er hielt ihn in die Höhe um ihn zu aktivieren. „Große Göttin der Weisheit, Nayru! Hilf mir!“ Der Kristall leuchtete in einem atemberaubend intensiven Blau. Ein Hauch von diesem Blau hüllte ihn ein. Zu einer schützenden Umarmung. Nayrus Umarmung behütete ihn immer. Und löschte die Flammen. Als der Kristall sich auflöste quommen nur noch vereinzelte Rauchschwaden herauf. Es war endgültig vorbei! Nun auch fertig mit den Nerven ließ sich Link zu Boden sinken. „Das war das Schlimmste, das ich je erlebt habe! Ich wäre beinahe verbrannt!“ Er legte sich flach auf den Steinboden. „Weißt du was, Navi. Langsam hasse ich es ein Held zu sein!“ „Ja, ich hasse es langsam auch die Gefährtin eines Helden zu sein!“ Kim fiel die Kinnlade herunter. Was war das gewesen? Dieser Kristall. Den wollte er auch! Das Schwert und den Kristall! Aber mit versteckter Magie konnte er da anscheinend recht wenig anfangen. Er musste offensiv angreifen! Er musste sich zeigen! Aber wenn ihn nun jemand erwischte? An sich nichts schlimmes, aber wenn jemand ihn dabei entdeckte, dass er sich einem Feind zeigte, dann bekam Ganon auch bald Wind davon. An die Konsequenzen, die das nach sich zog, daran wollte er gar nicht denken. Also musste er schnell und präzise handeln! Kim erhob sich auf dem hohen Podest und wollte sich von Oben auf den fremden Jungen stürzen – Doch da wurde die Mitteltür aufgeschmettert. Kim warf sich erschrocken wieder in Deckung, während Link erschrocken aufsprang. Was da hereinkam war eine Flut aus hundert Feinden! Monstern wie Echsen und Skelette. Eine Echse schrie: „Da isssssscht der Einnnnnndrinnnnngling!“ An der Spitze stand ein Stalfos, der eine rote Feder am Helm trug. Der Hauptmann der Monster, Karos. „Tatsächlich! Ein Eindringling!“, stieß er entsetzt hervor. „Tötet ihn! Er darf nicht an den Schatz herankommen!“ Link war ganz erstaunt. Huch? Diese Krafthandschuhe mussten aber unglaublich wertvoll sein. Na gut! Die schnappte er sich! Mit einem Schrei warf er ihnen einen kleinen roten Stein entgegen. Dins Inferno. Das magische Feuer schlug den Monstern entgegen. Das gab Link Zeit eine Fluchtmöglichkeit zu finden. Er musste dafür sorgen, dass nicht so viele Monster auf einmal sich auf ihn stürzen konnten, sonst ging es ihm schlecht. Karos wich zurück, weil er spürte wie die Flammen an seinem Kalk leckten. „Schützt den Schatz! Macht schon! Euer Leben ist unwichtig!“ Die Monster stemmten sich voran. Viele von ihnen gingen zu Boden und lösten sich in blauen Flammen auf. „Ich schnappe mir euren Schatz!“, kicherte Link vor sich hin und rannte zur Tür auf der rechten Seite. Auch Kim sprang auf. Denn er wusste was es wirklich mit dem Schatz auf sich hatte. Schatz war ein Codewort – und zwar für ihn! Er war der Schatz und wenn man von ihm sprach, dann sprach man von dem Schatz. Nun musste es ihm gelingen von allen unbemerkt wieder in sein Versteck ganz oben im Geistertempel zu gelangen. Nicht einmal die eigenen Leute, diese hässlichen Monster, durften ihn hier sehen, denn, sie waren zwar nicht in der Lage eins und eins zusammenzuzählen, doch Karos schon! Er könnte ihn durchschauen und ihn dann bei Ganon anschwärzen, was Karos mit größter Freude tat. Kim und Karos konnten sich nicht ausstehen. Kim konnte kein Monster ausstehen. Und dazu zählten auch die Gothama! Die waren besonders übel. Doch zum Glück waren sie ausgegangen ne, nicht in die Disko – pfui ^^. Jedenfalls schwang sich Kim besonders vorsichtig und im Dunkeln verborgen auf die andere Seite rüber. Und wollte durch die obere Tür auf der linken Seite verschwinden. Leider ging sein Plan nicht auf. Denn im Eifer des Gefechts – sah Navi diesen Schatten! „Dann ist das also der Angreifer! Dachte ich es mir doch, dass die Krüge nicht von allein fliegen können! Na warte!“ Mit bahnbrechender Geschwindigkeit sauste sie durch die Luft. Link, der zwischen Tür und Angel stand, rief ihr verwundert hinterher: „Wo willst du hin, Navi?“ Doch die Magie des Kristalls erlosch und die Monster drängten. Er hatte keine Zeit mehr, er musste weg. Sie trafen sich schon irgendwo im Tempel wieder. Link lief davon. Navi allerdings folgte dem Schatten in den Gang, beinahe wäre die Tür vor ihrer Nase zugefallen, doch sie war so klein, dass sie noch hindurchflutschen konnte. Und dem Schatten gegenüberstand. „Was…?“ Ein kleiner Junge? Ein kleiner Bengel? Gerade einmal etwas mehr als halb so alt wie Link und noch ganz grün hinter den Ohren. Seltsam… Was hatte dieser Junge hier zu suchen? Er passte gar nicht hierher, mit seiner blassen Haut und den pechschwarzen Haaren. „Wer bist du denn?“, fragte Navi, so überrascht wie noch nie in ihrem langen Leben. Kim war kreidebleich, wenn das überhaupt noch ging. Die kleine Fee! Sie hatte ihn entdeckt! Nein! Was sollte er tun? Er war entdeckt worden! Warum war er nicht schön artig bei Ashanti geblieben? Warum, warum, warum? „Du hast uns also mit Krügen beworfen? Und das Öl angezündet?“ Navi war rasend. „Weißt du denn nicht, dass man so Leute verletzt oder sogar umbringen kann? Das war sehr gefährlich! In deinem Alter darf man nicht mit Feuer spielen!“ Sie war so in ihren Belehrungen vertieft, dass sie die Hand nicht sah, die nach ihr schlug. Erschrocken knallte sie auf den harten Boden und war ganz benommen. Sie hatte noch nicht einmal schreien können, da sah sie schon viele bunte Pünktchen vor ihren Augen. Aua! Ihr tat alles im Leibe weh! So ein unverschämtes Kind! Allmählich klärte sich ihr Blick und der Schwindel, zwar blieb er, nahm aber doch deutlich ab. Ihr brummte der Schädel. Sie schaute auf und sah, dass der Junge sich über sie beugte. Und sah wie er langsam den Fuß hob und wie die Sohle seines Stiefels sich über sie hob. WAS? In Todesangst rollte sie sich zur Seite ab. Der Fuß stieß so fest auf den Stein, dass sie meinte, der Boden unter ihr vibrierte. Der Schwindel war vergessen. Blitzschnell flog sie auf. „Sag mal, was soll das?“, brüllte sie dem Jungen ins Gesicht. „Wolltest du mich eben zertreten? Du kleiner Teufel! Wenn ich deine Mutter wäre, dann hätte ich dir den Hintern grün und blau geschlagen!“ Mit der Hand schnappte der Junge nach ihr, doch sie wich erschrocken aus. „Ich töte dich!“, zischte der Junge und hob die Hand. Ein gleißender Blitz schoss aus seiner Handfläche. Navi schrie erneut. „Du bist ja irre!“, kreischte sie panisch, während der Blitz dicht neben ihr in die Wand einschlug und ein Loch so groß wie sie selbst hineinriss. Ein zweiter Blitz folgte und noch einer. Sie musste weg! Schnell! Dieses Gör hatte tatsächlich vor sie umzubringen! Als ein weiterer Blitz sie weiter nach oben trieb, entdeckte sie den faustgroßen Lufttunnel. Ihre Fluchtmöglichkeit! Voller Furcht flog sie hinein und war verschwunden. Kim wurde noch übler. Die Fee war ihm entkommen! Er flog hoch zu dem Luftloch und schoss seine Blitze hinein, doch der Tunnel machte eine Biegung und von der Fee war schon nichts mehr zu sehen. Sie war ihm wirklich entkommen! Oh nein! Jetzt war es aus mit ihm! Das war schlimmer noch, als bei einem Fluchtversuch entdeckt zu werden! Was hatte sein Meister ihm angedroht, wenn jemals jemand ohne seines Meisters Zutun von ihm erfuhr? Hinter dem Gesicht der Steingöttin im großen Saal gab es einen Raum, erfüllt von einem Schutzzauber der beiden alten Hexen. Von dort kam man ohne ihre Erlaubnis weder rein noch raus. Dort, hatte Ganon ihm gedroht, würde er ihn einsperren und er durfte niemals mehr heraus. Noch nicht einmal um zu pissen! Dann war sein Gefängnis nicht mehr so groß wie ein Tempel, sondern wie ein kleines Zimmer! Kim musste die Fee unbedingt vernichten! Und den Jungen auch! Denn wenn die Fee auf ihren Gefährten traf, dann, Kim war sich sicher, würde sie ihm von der Begegnung mit diesem Jungen erzählen. Nicht in Panik geraten, ermahnte er sich selbst. Denk nach! Warum waren die Fremden hier? Es gab hier nichts was von Bedeutung wäre… Vielleicht bis auf das Spiegelschild und die Krafthandschuhe. Aber der Junge hatte bereits ein Schild. War er also auf die Krafthandschuhe aus? Die waren ihm doch viel zu groß! Die waren für einen Erwachsenen angefertigt. Aber vielleicht wusste der Junge das nicht. Ja genau! Karos hatte doch das Codewort benutzt! Der Eindringling hatte es sicher falsch aufgefasst und sich in seiner Vermutung um die Krafthandschuhe bestätigt gefühlt! Dann wusste Kim wo er zu lauern hatte! Er rannte die Treppe nach oben, denn er kannte eine Abkürzung. Im Gang traf er auf Ashanti. Sie war außer sich. „Kleiner Herr! Es herrscht regelrechter Aufruhr im Tempel! Der Eindringling soll bis in die obersten Räumen vorgedrungen sein und jetzt…“ Er ließ sie gar nicht zu Ende reden und packte sie gleich am Arm um sie mitzuschleifen. „Aber was…“ „Komm mit, ich weiß wo der Junge hin will!“, sagte er kurz und bündig.

Vollkommen in Panik flog Navi den windigen Tunnel entlang. Sie sah nicht zurück, denn sie hatte die Blitze gespürt, die durch den Tunnel gejagt waren. Dieser Bengel wollte sie tatsächlich zur Strecke bringen! Was war das nur für ein abtrünniger Knabe? Was machte er mitten in der Wüste? In einem alten Gemäuer? Ob er auch hinter den Krafthandschuhen her war? Womöglich hatte diese schreckliche Frau auch ihn auf diese Wunderwaffe angesetzt! Vielleicht war das ja auch alles eine Falle! Schließlich war diese Frau eine Gerudo! Ein Luftzug kündigte das Ende des Tunnels an. Mehr noch, der Druck presste sie heraus und sie flog im hohen Bogen – gegen eine Säule. Platt wie eine Flunder! Ein tiefes Klagen und ein Flammenmeer aus reinem Blau. Dann war der Eisenprinz verschwunden. Link keuchte erleichtert aus. Das war ein harter Brocken gewesen. „Navi!“, keuchte er und fing sie auf bevor sie zu Boden gefallen wäre. „Navi, den Göttinnen sei Dank!“ Navi war noch ganz weggetreten. „Ich…ich…ich mag…nicht mehr!“ „Ist schon gut, Navi! Jetzt ruh dich aus, wir sind am Ziel!“ Darin war sich Link sicher. Er ließ sie zu ihrem vertrauten Platz kriechen, unter sein Schild. Dann trat er aus der Tür ins Freie. Heftiger Wind, gemischt mit Sandkörnern, schlug ihm ins Gesicht. Kurz war er geblendet, von der heiß glühenden Sonne. Die angenehme Kühle der Steinwände war verschwunden. Ersetzt durch die unerträgliche Hitze des Tages. Aber das war egal. Denn vor ihm stand die Schatztruhe! „Juhu!“, jubelte er und klopfte sich selbst auf die Schulter. „Ich bin ja so gut!“ Kräftig spuckte er in die Hände und hob den Deckel an. Tatsächlich! Da lagen sie, zwei Handschuhe aus bestem Leder. Mit offenen Fingern. Die obere Seite der Handschuhe war mit Schuppenplatten aus Silber besprenkelt. Seltsame Zeichen waren darin eingraviert, aber er konnte sie nicht lesen, es waren Runen der alten Sprache… Kim und Ashanti standen nur zwei Stockwerke weiter oben, im Mittelteil des Tempels und beugten sich behutsam über den Rand. Sie beobachteten den komischen grünen Jungen. Ashanti wollte sich gar nicht mehr einkriegen. „So ein mieser Dieb! Der stielt tatsächlich die silbernen Krafthandschuhe des Herrn! Was fällt ihm ein!“ Kim allerdings fand es noch lustiger als am Anfang. „Ist doch nicht so schlimm. Mein Meister hat doch noch die goldenen Krafthandschuhe und die verzwanzigfachen die Kraft!“ Wutverzerrt verzog Ashanti das Gesicht. „Es geht nicht um den Wert des gestohlenen Gegenstandes, kleiner Herr! Es geht darum, dass jemand überhaupt stielt! Er bestielt den Herrn und lässt uns alle in Schande geraten! Der Herr hat uns den Tempel anvertraut, damit wir alle Kostbarkeiten in dieser heiligen Stätte bewahren und nun das!“ Kim rollte die Augen. Ashanti allerdings zog ihr Wurfmesser hervor. „Ich werde diesen dreckigen Langfinger ins Jenseits…“ „Nein.“, wehrte Kim ab. „Ich mache das!“ Erstaunt ließ Ashanti die Waffe sinken. „Aber junger Herr…“ „Keine Widerrede! Ich bin der junge Herr und ich befehle dir, dich da raus zu halten!“, sagte er im gebieterischen Ton. Ashanti resignierte und nickte. Durchaus hätte Kim ihr das überlassen, sie war eine geschickte Werferin, um einiges geschickter als mit dem Säbel (darin war sie mies), doch es ging ihm weniger darum den Jungen als viel mehr die Fee tot zu sehen! Und die war wegen ihrer Winzigkeit und Schnelligkeit mit dem Wurfmesser kaum zu treffen. Er musste nun zum ersten Mal eine magische Energiekugel erzeugen. Bis jetzt waren ihm nur Faustgroße gelungen, die reichten sicher gerade um den Jungen zu kitzeln, doch er hatte Ganon so oft dabei zugesehen; heute musste ihm eine große gelingen, mit der er die beiden Eindringlinge tödlich treffen konnte! Es musste einfach klappen! Der Junge wandte ihm so schön den Rücken zu. Die perfekte Möglichkeit! Kim erhob sich. In seiner kleinen Hand sprühten Funken –
AAAAAAAHHHHHHHHHHHHHHHHHHHRRRRRRRRRRRRGGGGGGGGGGGG!“, schrie eine Stimme. „Link!“, rief Navi. „Schau! Da!“ Link wandte sich um und erstarrte. Da war die Frau, die ihn in den Tempel geführt hatte. Bereits zur Hälfte versunken, in einer lilafarbenen Pfütze aus Magie. Drohend und fluchend hob sie ihre Faust und schrie: „Ihr hässlichen alten Weiber! Was macht ihr mit mir?“ Ashanti atmete entsetzt auf. „Nabo…ru…“ Kim sah zu ihr und runzelte die Stirn, ehe er sich wieder interessiert dem Szenario zuwandte. Ebenso wie Link, dessen Augen aufgerissen waren. Seine Hand fuhr zu seinem Schwert. „Nein!“, flüsterte Navi. „Sie sind zu stark! Wir dürfen uns nicht verraten!“ Links ganzer Körper vibrierte, doch er wusste, dass er sich auf sie verlassen konnte, wenn sie von einem offensiven Kampf abriet. Die zwei Hexen, die sie umflogen, kicherten bösartig und herablassend. Es waren zwei grässliche uralte Weiber. Widerwärtig und runzlig saßen sie auf ihren Besen. „Hihihihi, Kotake schau nur! Wer sich trotz Verbannung hier im Tempel herumschleicht!“, lachte die rot gekleidete Hexe. „Hihihihi, ganz recht liebe Koume! Ob sie wohl Wind von dem Schatz bekommen hat?“, lachte auch die blaue Hexe. „Nun, wer weiß, Schwester. Aber solche Gesetzesbrecher sollten bestraft werden, findest du nicht?“ Naboru stampfte und trampelte und zappelte und wehrte sich mit aller Macht, gegen den Sog, der sie in die Magie zog. „Lasst mich! Lasst mich in Frieden, ihr hässlichen alten Schachteln! Ihr dreckiger Abschaum!“ Die Hexen waren kurz erstaunt, doch dann grinsten sie sich hämisch zu. „Schau nur, Koume. So wehrlos ist sie und dennoch übt sich ihre spitze Zunge früh!“ „Ja, Kotake. Man könnte meinen sie sei eine mächtige Königin! Hihihi.“ Naboru war fast vollständig in der Pfütze verschwunden. „Nein!“, schrie sie verzweifelt. „Nein! Ihr hässlichen Weiber! Ich werde…Link, flieh!“, stieß sie noch aus bevor ihr Kopf verschwand. Ihr rechter Arm wedelte hilflos in der Leere, ehe auch er von der Magie vollständig eingesogen wurde. Naboru war verschwunden. Auch die Magie verschwand und der Tempel lag so ruhig da wie zuvor, in der heißen Nachmittagssonne. „Hihihihihi.“, kicherten die alten Weiber. Mit einem letzten Tänzchen der Freude über ihre Boshaftigkeit flogen sie in den Tempel hinein und waren verschwunden. „Oh nein!“ Link war außer sich. „Die arme Frau! Wir müssen ihr helfen!“ „Nein, Link! Das können wir jetzt noch nicht!“ „Aber was sollen wir denn dann tun?“ Navi überlegte. „Lass uns zur Zitadelle zurückkehren. Wir können nur in der Zukunft etwas ausrichten, ohne das Masterschwert haben wir nicht die geringste Chance gegen diese Hexen!“ Link ließ verzweifelt die Schultern hängen. „Du hast Recht. Aber was mache ich damit?“ Er hielt ihr die Handschuhe hin. „Du Dummkopf! Nimm sie für dich!“ „Für mich? Aber die passen mir doch gar nicht! Siehst du?“ Demonstrativ zog er sie sich über. Viel zu groß waren sie für seine kleinen plumpen Hände. Navi viel aus allen Wolken, so schmerzhaft war Links Begriffsstutzigkeit. „Link! In der Zukunft bist du groß!“ „Achso! Stimmt ja, in der Zukunft!“ Nun dämmerte es Link und er nickte. „Genau! Ich werde gleich hierher zurückkehren!“ Damit setzte er die Okarina der Zeit an die Lippen. Eine sachte Melodie erfüllte die stille Luft. Ein Schleier sanften Wogens aus Magie. Dann löste sich der Held in strahlend gelbem Licht auf und das Licht flog davon, in die weite Ferne… Kim erhob sich. „Was war das?“ Doch Ashanti verbarg beschämt ihr Gesicht. Er war verblüfft darüber. „Ashanti? Weinst du?“ „N…nein…“, zitterte ihre Stimme. „Mir…mir ist ein Sandkorn ins Auge geflogen…“ Er ließ die Faust in die Hand sausen. „Was haben diese Gothama nun schon wieder gemacht? Was wollen sie von dieser Gerudo? Warum haben sie sie gefangen genommen?“ Ashanti sprang auf. „Gefangen…? Sie…sie haben sie nur gefangen genommen? Nicht getötet?“ Kim zeigte ihr den Vogel gabs das damals schon?. „Ne, das war nur ein Fangzauber.“ So unendlich erleichtert war Ashanti, dass aus ihr alle Kraft wich und sie auf den Boden zurücksackte. „Der Shjra sei Dank!“ „Diese grässliche Gothama! Denen werde ich es zeigen!“ Erneut wurde Ashanti unsanft gepackt und mitgerissen. „Komm mit!“ Lächelnd musste Ashanti feststellen, dass er sich den unverschämt höhnischen Befehlston seines Vaters angewöhnt hatte. Sie liefen durch die Gänge, schnell, schnell mussten sie sein. Sonst verschwanden die Hexen noch in ihrem Zimmer hoch oben im Gesicht der Statue. Die Flammen der Fackeln schlugen aus, als sie an ihnen vorbei brausten. Aufgescheuchte Wachen, noch ganz im Nebel des Kampfes mit dem Eindringling, sprangen ihm erschrocken aus dem Weg und hatten kaum die Zeit sich zu verbeugen. Sie erreichten den großen Saal und Ashanti war ganz außer Atem. Kim allerdings, es schien als hätte er sich rein gar nicht bewegt, so ruhig war seine Haltung. Im Saal unten waren niedere Monster damit beschäftigt den Boden zu säubern. Von den Tonscherben, Stofffetzen und dem Öl. Die beiden Hexen flogen langsam ihre Kreise und gaben dem Hauptmann der Monster ein paar letzte Anweisungen. „…und wir wollen nicht gestört werden!“, sprach Koume. „Erst recht nicht von…“ Sie begann zu kichern. „unserem neugierigen kleinen Schatz!“ „Gothama!“, brüllte der neugierige kleine Schatz und sie alle fuhren zusammen. Mit herrscherischer Haltung und eiskaltem Gesicht flog Kim geschmeidig zu Boden und er sprach nicht, ehe er nicht unten war. Um seinem Prestige noch mehr Fülle zu verleihen. Die niederen Monster bebten vor Furcht. Sie hatten alle Angst vor ihm, weil sie wussten, dass er sie gerne als Zielscheibe seiner Übungen benutzte. Sie waren ja auch so schwach und bedeutungslos. „Gothama!“ Kim rümpfte die Nase. „Was fällt euch ein!“ Die Hexen sahen zu ihm herunter. Aus lauernden Augen. Und auch Karos hätte es getan, hätte er wahre Augen besessen. Hatten sie sonst nichts gemeinsam, so war es doch so, dass Koume, Kotake und Karos sich vereinten in ihrer Abneigung gegen den Sohn ihres Herren. Ein aufdringliches, unverschämtes, prüdes und viel zu kluges und mächtiges Balg. „Was fällt uns Eurer Meinung nach denn ein, junger Herr?“, fragte Kotake und bemühte sich um eine ruhige und freundliche Stimme. Ärgerlich verschränkte Kim die Arme vor der Brust. „Warum habt ihr die Gerudofrau gefangen genommen? Was habt ihr mit ihr vor?“ Karos fuhr auf. „Was? Eine Gerudofrau? Gefangen genommen?“ Mitten in ihrem Flug hielten die zwei Weiber inne. Das kleine Gör hatte sie tatsächlich beobachtet! Unfassbar! Das verhieß überhaupt nichts Gutes. Trotzdem stellten sie sich unwissend. „Wir sollen eine Gerudofrau gefangen genommen haben?“, wiederholte Koume und lachte schrill, dass es ihnen in den Ohren wehtat. „Junger Herr, Ihr müsst Euch irren. Vielleicht solltet Ihr Euch etwas hinlegen. Man wird ganz wirr, wenn man sein kleines süßes Köpflein überanstrengt. Ich werde Euch einen Schlaftrank zubereiten, dann wird es Euch…“ „Ich irre mich nicht! Ich irre mich nie!“, schrie Kim. „Ich weiß genau was ich gesehen habe!“ Nun mischte sich auch Kotake ein. „Junger Herr, ich versichere Euch, dass wir nur einen kleinen Spaziergang unternommen haben. Wir sind schon vierhundert Jahre alt, da lernt man erst die kleinen Dinge des Lebens zu schätzen. Aber wir nehmen doch keine Gerudos gefan…“ „Und ob!“, wurde sie unterbrochen. Von Ashanti. Ashanti konnte nicht schweben. Sie hatte die ganze Treppe hinunterlaufen müssen. Doch nun stellte sie sich neben Kim um ihn zu unterstützen. „Ich war dabei! Wir haben euch gesehen wie ihr Naboru gefangen genommen habt!“ „Naboru?“ Trotz seiner steifen Mimik war Karos doch der Schock anzusehen. „Naboru?“, murmelte auch Kim und leckte sich nachdenklich über die Unterlippe. „Doch nicht etwa…“, stockte der Stalfoshauptmann weiter. „Das ist doch nicht wahr!“ „Natürlich ist es nicht wahr!“, stimmte Kotake zu. „Was fällt euch ein!“ Ashanti kochte vor Wut. Sie war zwar nur ein Gerudomädchen, ein Kindermädchen, doch sie ließ ihrer Wut freien Lauf. „Wie konntet ihr das wagen? Ich werde den Herrn davon unterrichten! Verlasst euch darauf!“ „Das wirst du ganz sicher nicht tun, du dummes Mädchen!“, zischte Koume sie zornig an. „Dann ist es also doch wahr?“, stammelte Karos. „Ihr habt die Frau…die verbannte Gerudofrau gefangen genommen?“ Nun kicherten die Hexen wieder. „Aber sicher! Naboru ist eine vorzügliche Kriegerin! Sie wird dem Herrn eine nützliche Dienerin sein, wenn wir sie erst einmal einer Gehirnwäsche unterzogen haben!“ Karos schwang sein Schwert. „Nein! Als Hauptmann aller unhumanen Legionen des Herrn sage ich euch, es ist Unrecht! Der Herr hat die Frau verbannt und sie ist und wird verbannt bleiben! Soll der Herr entscheiden was er mit ihr macht, da sie unerlaubt sein Reich betreten hat! Aber ihr habt gewiss nicht das Recht dazu!“ Die Hexen kicherten nun wieder. „Hör nur, Kotake. Mit welcher Überzeugung sie sprechen.“ „Ja, Koume. Hihihihi, es ist wirklich erstaunlich.“ Beide streckten sie die Hände aus. „Allerdings gibt es da ein Problem.“, kicherte Koume nun an die Drei gewand. „Was wollt ihr dem Herrn berichten – wenn ihr vergesst was ihr gesehen und gehört habt?“ In ihren Händen formten sich Lichter aus reiner Magie. In Koumes Hand rot wie Feuer, in Kotakes Hand blau wie Eis. „Hier!“, schrieen sie gemeinsam und schleuderten ihre Magie auf die drei Gestalten unter ihnen. Ashanti und Karos waren geblendet, das Licht stach in ihre Körper. Doch Kim war es ein leichtes den Zauber abzuwehren, er war viel zu schwach als dass er ihm nicht widerstehen konnte. Er musste noch nicht einmal mit der Wimper zucken. Das Licht verging noch ehe es den ganzen Raum erfüllte. Und das eklige Kichern der Hexen erfüllte den Saal. Kim sah auf, zu Ashanti. Doch ihr Gesicht war so starr. Ihre Augen starrten ins Leere. Da wusste er, dass bei ihnen der Zauber gewirkt hatte. Dass er der Einzige war, der sein Gedächtnis behalten hatte. Kim seufzte.

Die Hexen kicherten ob ihres geglaubten Triumphes. „Hauptmann, habt Ihr nicht zugehört?“, fragte Kotake scheinheilig. Karos schreckte aus seiner Trance. „Was? Wie?“ „Hauptmann, wir baten Euch die Wachen zu verstärken. Es kommen schlimme Zeiten auf uns zu, wenn der Herr so viel zu tun hat!“, setzte Koume kichernd nach. „Ach ja…“, murmelte Karos. „Das werde ich tun.“ Auch Ashanti war erwacht. Sie legte ihm den Arm um die Schulter. „Kleiner Herr, lasst uns wieder hinaufgehen. Ich werde Euch eine Früchteplatte anrichten und Ihr ruht Euch etwas aus.“ Unwillig verzog er das Gesicht. Doch sie murmelte abwesend wie verwundert sie war, dass sie sich nicht erinnern konnte wie sie hierher gekommen waren. Jäh öffnete sich die Tür und da erzitterten alle, wegen der Kälte, die Einzug in den Raum nahm. „Herr!“, kreischten die Gothama im Chor. Frohlockend. „Wir haben Euch gar nicht so früh erwartet!“ Die Anwesenden, besser gesagt die niederen Monster, fielen auf die Knie. Und auch Karos und Ashanti verbeugten sich tief. Nicht ohne einen Schauder über die Kälte. Auch die Hexen senkten den Kopf, wenn das auch eine sehr dezente Geste war und ihren hohen Stand unterstrich. Die Monster, die ihn geleitet hatten, kehrten nun entweder um oder nahmen neue Posten in anderen Räumen ein. Es war ein Getümmel wie in einem Ameisenhaufen. Kim aber schritt Ganon entgegen, nahm seine Hand, beugte sich vor und presste sie kurz an seine Stirn. Das war zu dieser Zeit Anstand, dass Kinder, Söhne wie Töchter, ihren Vätern zur Begrüßung die Stirn an die Hand legten oder die Hand gar küssten. Kim allerdings tat dies nur, wenn er Ganon gütig stimmen wollte. Mit anderen Worten, wenn er etwas ausgefressen hatte. Sicher, das wusste auch Ganon. Darum blickte er verwundert auf ihn herab. „Was hast du nun schon wieder angestellt?“, fragte er. „Nichts, Meister.“, erwiderte Kim heiter. Es war ausnahmsweise die Wahrheit. Weil das aber alles andere als gewöhnlich war, funkelte Ganon ihn misstrauisch an. Kim hielt dem Blick stand, was er niemals geschafft hatte, wenn er log, und lächelte ganz arglos. Karos, der ebenfalls um die unzähligen Strafen wusste, die auf seine Fluchten folgten (jeder im Gerudoreich, der Hirn besaß wusste davon und es wurde allseits darüber gesprochen, gewitzelt und gelacht, eben das Thema Nummer eins bei den Gerudos, die nur sehnsüchtig auf die nächste heiße Neuigkeit warteten) erkannte seine Chance. „Der junge Herr hat erneut versucht zu fliehen!“, sprach Karos. Kim starrte entsetzt zu ihm herüber. Innerlich war Karos erfüllt von Schadenfreude. „Wir haben ihn abgefangen und zurückgebracht.“ Nie – niemals – hatte Kim Karos mehr gehasst als in diesem Moment. Da er ihn so schamlos und ohne Ehrlichkeit in die Missgunst bringen wollte. Am liebsten hätte er ihn mit seiner Magie in seine ursprüngliche Form zurückgeschickt und einem der niederen Wolfsheimer zum Fraß vorgeworfen. „Das stimmt nicht!“, wehrte Kim sich aufgeregt. „Er lügt! Meister, er lügt!“ Ganon sah ihn hart an. Das wiederum stimmte Kim bitter. Wo doch einmal nichts – wirklich nichts – auf seine Kosten ging! „Das ist nicht wahr! Ich habe überhaupt nicht versucht zu fliehen! Dieser stinkende Knochen lügt wie gedruckt!“ Ganz überrascht verfolgte Ganon den ungezügelten Ausbruch seines Sohnes. „Das ist gelogen!“, unterstrich Kim erneut. „Das ist gelogen!“ Plötzlich brach Ganon in schallendes Gelächter aus. Die Anwesenden waren so erschrocken, es war ja gar schon abnormal, dass sie ihren Herrn lachen hörten, sie wichen zurück. Ganon fuhr seinem Sohn durch die Haare. „Natürlich ist es gelogen! Wie kommst du darauf, dass ich auch nur einen Augenblick an Karos Worte geglaubt hätte.“ Das kam natürlich so überraschend, dass alle für einen Moment verstummten. Dana durchschnitt den Überraschungsmoment. „Verschwindet ihr Viecher!“, zischte sie. Auf einem Bein sprang sie herum. Denn an dem Bein in der Luft hatten sich kleine lebende Russbüschel gehaftet, ein ungewolltes Nebenprodukt der gewaltigen Magie in diesem Tempel. Mit der Hand konnte sie sie nicht vertreiben, denn sie trug Pergamentrollen unter ihrem Arm. Heftig schüttelte sie ihr Bein. Bis alle abgefallen waren. „Hach! Warum muss diese heilige Stätte nur so von Unrat wimmeln!“, klagte sie ärgerlich. „Es sieht so aus als hausten deine Uhrahnen hier, nicht Dana?“, gab Ganon hämisch zurück. Dana funkelte ihn an, dann strich sie sich würdevoll eine Strähne aus dem verschwitzten Gesicht. „Deine wohnen ja unter der Erde, wie!“ Ganon lachte erneut. „Wenn du nicht so nützlich wärst, würde ich dich eigenhändig erdrosseln. Nur für deine dreisten Blicke!“ Sie schüttelte unstimmig den Kopf. „Ach ja, Karos!“, kam Ganon aufs Thema zurück. Karos erstarrte zu Stein. „Mir scheint du hast vergessen wem du zu dienen hast, oder warum lügst du mich so dreist an? Wäre mein Sohn geflohen, hättest du ihn sicher nicht zu fassen bekommen. Das ist euch ganze sechsundneunzig Mal nicht gelungen, also ist es mehr als fragwürdig was du da von dir gibst! Vielleicht bist du deiner Aufgaben ja überdrüssig geworden und ziehst es vor dein Dasein wieder als Überrest eines ehemaligen Menschenarmes zu fristen?“ Karos fiel auf die Knie. „N…nein, Herr! Ich…“ „Entschuldige dich augenblicklich!“, befahl Ganon. „Ver…verzeiht mir, junger Herr. Dass ich Euch betrogen habe! Vergebt mir, ich flehe Euch an!“, winselte Karos unterwürfig. Aber Kim war gar nicht daran interessiert. „Du hast auch mitgezählt, Meister?“ „Sicher“, witzelte Ganon. „Ich warte auf das hundertige Jubiläum.“ Kims Erleichterung bekam einen Dämpfer. „Das ist nicht witzig.“ „Finde ich auch.“, stimmte Ganon zu. „Mir gehen langsam die Ideen aus dich zu bestrafen.“ Kim war beruhigt. Ganon war guter Laune. Wunderbar. Dann wurden seine Ohren und Nerven geschont. Erneut tätschelte Ganon seinen Kopf. „Um dem ein Ende zu setzen habe ich eine Überraschung für dich.“ Nun war es an Kim misstrauisch zu sein. Das war auch alles andere als gewöhnlich. „Was für eine Überraschung?“ „Ich bin der Einzige, der hier die Fragen stellt!“, entgegnete Ganon und dann richtete er sich an die Anwesenden. „Was ist hier geschehen? Warum der ganze Aufruhr im Tempel? Ashanti! Antworte du mir!“ Ashanti schreckte auf. „Äh…ich…ähm…“ Das Mädchen war sichtlich peinlich berührt, wegen der Gedächtnislücke. „Ashanti!“, zischte Dana und Ashanti kniff furchtvoll die Augen zusammen. „Hast du den Herrn nicht verstanden, oder was?“ Die Hexen kicherten schrill. „Das junge Ding ist nur etwas durcheinander.“, kicherte Koume. „Herr, wenn Ihr erlaubt, so werde ich Euch sagen was geschehen ist.“ Ganon nickte ihr zu. „Ein Eindringling war hier!“ Kims Herz klopfte. Was? Warum fing Koume damit an? Sie hatten ihnen doch extra das Gedächtnis gelöscht und dann wollten sie von Naboru berichten? Oder – Kim graute es noch mehr – hatten sie den hyrulianischen Jungen und die Fee entdeckt? Hatten die Weiber sie tatsächlich gesehen? „Einer dieser Sandkiller ist hierhinein gedrungen!“, fuhr Kotake fort. Kim wäre beinahe zusammengebrochen, so erleichtert war er. „Er hat den Tempel verwüstet, doch wir haben ihn rasch vernichtet.“ Ganon zog eine Augenbraue hoch. „Ein Sandkiller? Sind sie nicht an den Sand gebunden?“ Nun lachte Koume. „Es gibt immer wieder Wunder, die geschehen. Wenn Ihr uns dann entschuldigt.“ Beide Hexen flogen ihren Kreis und lachten dabei so laut, dass es in ihre Ohren schnitt. Wild drehten sie sich um sich selbst und lachten und lachten. Bis sie ihre Form verloren und zu einer roten und einer blauen Leuchtkugel wurden, die durch die Decke verschwanden. Die Anwesenden sahen ihnen nach. Kim sah mit zusammengekniffenen Augen zur hohen Decke. Und rümpfte die Nase. Hättest du mal mich gefragt, Meister, dachte er. Ich weiß genau was hier geschehen ist! Wer dir treu dient und wer nicht! Doch er wagte nicht etwas preiszugeben. Erstens hatte er nun einen Vorteil, die Hexen hielten ihn tatsächlich für ein dummes, schwaches Kind. Zweitens, sollte Ganon den Jungen mit seiner Fee begegnen und die Fee reden… Und was war, wenn sie redete? Vielleicht nicht zu Ganon aber zu ihrem Gefährten? Darüber mochte er gar nicht nachdenken. Vielleicht sollte er doch reden. Nein! Das war doch all zu dumm dieses Aas im Ärmel frühzeitig zu verspielen! Hehe! „Was zitterst du so?“, fragte Ganon. Dieses Mal log er. Er log sehr geschickt. „Ich hasse Überraschungen! Vor allem deine!“ „Oh, na wenn du nicht willst.“, gab Ganon zurück. „Ich dachte du wärst so versessen darauf den Tempel endlich zu verlassen, aber anscheinend hast du dich nun doch so blendend integriert.“ Kim horchte auf. „Was? Den Tempel verlassen? Wozu?“ „Als Zeichen meiner Güte, wozu sonst?“ Ganon nahm Dana eine Schriftrolle aus der Hand und zwar absichtlich so grob, dass ihr alle Pergamente aus der Hand fielen. Zornig funkelte sie ihn an, doch gleich darauf winkte sie Ashanti zu sich und gemeinsam lasen sie sie wieder auf. Währenddessen entrollte Ganon die Schriftrolle und hielt sie ihm vor die Nase. Es war eine Karte vom Gerudotal. „Ich habe mir gedacht, wir könnten die Grenze deiner Bewegungsfreiheit auf das Gerudotal ausweiten, ich finde du bist alt genug dir etwas mehr zu vertrauen.“ Kim blickte unverwandt auf die Karte. Darum bemerkte er die Hand zu spät, die sein Kinn packte und Ganon zog ihn dicht zu sich heran. „Aber eines solltest du dir merken!“, wisperte Ganon. „Solltest du das Gerudotal jemals ohne meine Anordnung verlassen, und sei es nur ein Schritt, dann bete zur Shjra, dass sie dir gnädig ist, denn ich werde es nicht sein! Hast du das verstanden, mein Sohn?“ Eingeschüchtert stotterte Kim: „J…ja…Meister.“ „Dann ist es ja gut.“, meinte Ganon zufrieden und ließ ihn los. Die Karte warf er über seine Schulter den Frauen vor die Füße. Zähneknirschend aber gelassen hob Dana auch diese Karte auf. Kim rieb sich seinen schmerzenden Kiefer. „I…ist das wirklich wahr? Ist das nicht wieder ein Trick um mich zu testen?“ „Nein, das ist mein voller Ernst. Aber wenn du nicht willst…“ „Doch, doch! Natürlich!!!“ Kim trat von einem Fuß auf das andere. „Darf ich wirklich hier weg? Darf ich mich frei im Tal bewegen?“ Dann verbeugte er sich ehrvoll und führte einen Freudentanz auf. Dana richtete sich auf. „Ach, der arme Junge.“, sagte sie sarkastisch. „Er ist so was von anspruchslos, dass er sich sogar darüber freut wie über den Eintritt ins Paradies.“ „Sei lieber nicht so zynisch, Dana. Sonst tauscht du mit ihm den Platz!“, entgegnete Ganon. Dana lachte… Dann war alles ruhig… Vollkommen still und starr… Alle Anwesenden erstarrten, der Staub erstarrte, die Luft erstarrte… Es war wie in einem gemalten Bild… Ihr Atem ging rasend und sie kam sich vor wie eine Einbrecherin. Kein Wunder, Lin war ja auch eine Einbrecherin, nicht in physischer Hinsicht, aber doch in mentaler. Sie hatte es Ganon einfach gleichgetan. Sie hatte sich in seine…seinen…hm…Kopf geschlichen! Ohne sein Wissen hatte sie sich in diese Erinnerung geschlichen. Die Zeit drängte! Sie musste die Lösung finden! Besser gesagt – sie hatte da schon so eine Vermutung, doch vorher wollte sie sich versichern. Sie musste! Denn schließlich war sie die Einzige! Bis jetzt hatte sie sich im Verborgenen gehalten, damit niemand verdacht schöpfte, was fatal gewesen wäre, doch nun, nun musste sie kämpfen! Sie wusste was sie zu tun hatte, sie musste etwas überprüfen… Allerdings konnte sie es nicht vermeiden, dass sie sich kurz ablenken ließ. Lin konnte einfach nicht anders als den kleinen Kim von allen Seiten zu betrachten. Er war ja so süß ^^! Sie konnte nur schwärmen. „Ach, Kim…“, seufzte sie. „Es tut mir so leid, aber ich kann nicht zulassen, dass du deine Aufgabe erfüllst. Ich werde dich besiegen!“ Sie nahm das kleine Gesicht in ihre Hände. Eigentlich hatte sie vorgehabt ihn auf den Mund zu küssen, aber das brachte sie nicht über sich. Dieser Kim war einfach zu klein dafür. Darum gab sie ihm den Kuss auf die Stirn. Was aber geschah, das hatte sie nicht, nie im Leben nicht, erwartet. Ja, es war gar schockierend! Kim, besser gesagt die Erinnerung seiner Gestalt, erwachte! Kim tanzte hin und her – bis er feststellte, dass etwas nicht stimmte. Es war so ruhig. „Meister?“, fragte er in die Leere. Ganon bewegte sich nicht. „Dana? Ashanti?“ Aber keiner bewegte sich, selbst die Monster nicht. Sie waren wie zu Stein erstarrt. „Was…? Was ist das?“, fragte er sich. „Das wüsste ich auch gerne!“, antwortete Lin. „Wie ist das nur möglich?“ Kim fuhr zusammen und drehte sich so schnell um, dass er um sein Gleichgewicht schwankte. Da sah er das fremde große Mädchen. In einem goldenen Kleid, die Haut so rein und leuchtend. Die tiefblauen Augen lächelten ihm warm zu. Doch sie hatte keine roten Haare! Ihr Haar war blond! Wie das von dem Eindringling! Sofort machte Kim sich kampfbereit. „Wer bist du? Was hast du mit ihnen gemacht?“ Das Mädchen lächelte ihm immer noch freundlich zu. „Ich heiße Lin! Ich habe gar nichts mit ihnen gemacht.“ „Du hast sie verflucht! Du hast sie in Stein verwandelt, nicht wahr?“ „Nein, das habe ich nicht.“ Kim baute sich vor ihr auf und funkelte ihr in die Augen. Lin war ganz verwirrt und doch belustigt von dem kleinen süßen Kim. „Bist du der Feind des Meisters?“ „Du meinst von Ganon?“, fragte Lin nach. „Ja! Vom großen König der Wüste!“ Augenrollend stimmte sie zu. „Ja, das bin ich.“ Kim sprang zurück und schrie ihr zu. „Dann bist du auch mein Feind! Ich töte dich!“ Eilig, bevor diese Feindin ihn auch in Stein verwandeln konnte, lief er zu seinem erstarrten Meister und griff an die Scheide. Mit einem Zischen glitt das Schwert heraus. Das schwarze Schwert. Mit beiden Händen hielt Kim es der Feindin entgegen. Ehrvoll und unerschrocken, wie es ihm stets eingetrichtert worden war. „Kämpfe! Ich habe keine Angst vor dir! Ich werde dich töten!“ Er machte zwei Schritte auf sie zu. Und Lin wurden die Augen groß. Der kleine Junge mit dem großen Schwert, das so lang war wie er groß. Damit wollte er sie umbringen? Es war erstaunlich, dass er es überhaupt halten konnte! Wie auf Kommando zitterten dem kleinen Jungen Arme und Beine. Der Schweiß trat ihm auf die Stirn und seine Muskeln schrieen nach Gnade. So viel Training für die Katz! Kim versuchte eisern zu bleiben…doch schließlich konnte er nicht mehr. Das Schwert fiel klirrend zu Boden und er rieb sich seine schmerzenden Muskeln. Lin prustete vor Lachen.

„Mach dich nicht lustig über mich!“, kreischte das angekratzte Ego des Jungen. „Ich töte dich!“ „Ist schon gut, Kim!“, winkte Lin strahlend ab. „Du bist halt noch so klein.“ Kim funkelte sie wütend an. „Kim? Wer ist das?“ Da fiel es ihr ein. „Stimmt ja! Wir sind uns ja noch nicht begegnet! Entschuldige… Ganondorf.“ Kim erschrak bis ins Mark. „Woher kennst du meinen Namen?“ Sie schüttelte lachend den Kopf. „Dumme Frage! Weil du ihn mir gesagt hast!“ „Ich soll ihn dir gesagt haben?“ Kim war nun völlig überzeugt, dass das eine Feindin war, die ein falsches Spiel mit ihm zu spielen versuchte. „Pah! Ich bin doch nicht blöd! Ich habe ihn dir ganz sicher nicht gesagt! Daran würde ich mich erinnern!“ „Das kannst du natürlich nicht.“ Lin holte tief Luft, eine Künstlerpause, die ihre Wirkung nicht verfehlte. „Weil du ihn mir noch nicht gesagt hast. Das kommt noch, in ein paar Jahren.“ Kims Augen strahlten. „Dann kommst du aus der Zukunft?“ Lin war total irritiert. „Du weißt schon darüber bescheid?“ „Bin ich in der Zukunft stark und mächtig? So wie es der Meister immer predigt?“, überging Kim sie. „Ähm…“ Sie überlegte was sie jetzt sagen sollte. Dann entschied sie sich für die Wahrheit. „Jaaa…das kann man schon sagen.“ „Und habe ich auch eine Frau?“, drängte Kim. Er kam jetzt ganz vertraulich näher, wie es ein Kind eben tat. Nun bekam Lin ganz rosige Wangen und ein abwesendes Lächeln zeigte sich auf ihren Lippen. „Hm…joah, das hast du.“ Kim stellte sich breitbeinig hin, zufrieden mit sich. „Natürlich ist sie die schönste Frau der ganzen Welt.“ Nun verschwand das Lächeln auf Lins Gesicht. „Sie ist bestimmt zierlich wie eine Blume!“, fuhr Kim ungeniert fort. „Und ihre Haut ist so weich wie kostbare Seide. Ihr Haar glänzt wie Diamant.“ Lins Mundwinkel wanderten immer weiter nach unten. „Und sie hat so einen großen Busen wie Dana!“ Lins Wangen liefen knallrot an und sie blickte an sich herab. Um seinen Worten Ausdruck zu verleihen, zeigte Kim noch gleich an sich selbst wie üppig er sich das vorstellte. „So gefällt es mir!“ Prompt bekam er eine saftige Ohrfeige von der Feindin. Seine Wange, besser gesagt der Abdruck auf seiner Wange, wurde knallrot. „Hey! Was soll das? Was fällt dir…“ Lin funkelte ihn scharf an. „So, deine Frau hat dir also zu kleine Brüste! Gut, dass sie jetzt bescheid weiß!“ Beleidigt rieb Kim sich seine Wange „Was regst du dich so auf, Feindin?“ Lin schüttelte verdrossen den Kopf. „Ich habe es den Mädels doch immer gesagt – alle Männer denken nur an das eine! Ausnahmslos!“ Doch Kim war zu neugierig geworden. „Los, sag schon! Welche Gerudo ist es? Welche werde ich später mal heiraten?“ Lin verschlug es die Sprache. „Gerudo? Eine Gerudofrau?“ Kim sah sie an als hielte er sie für geistig verwirrt. „Natürlich eine Gerudo! Ich binde mich doch nicht an irgendein unwürdiges Weib! Oder glaubst du auch noch ich nehme mir ein dreckiges Stück aus Hyrule? Pfui, niemals!“ Kim wischte diese Vorstellung angewidert beiseite. „Also? Wer ist es?“ Lin war nicht im Stande etwas zu erwidern. Doch das war gar nicht nötig. Kim war bereits genug mit sich selbst beschäftigt. „Aber doch nicht so eine wie Miram, die jüngere Schwester von Risaku, oder? Die ist dumm wie Stroh! Ich hasse dumme Frauen! Meine Frau muss klug und mutig sein! Sonst kann ich genauso gut ein Bild von einer Frau heiraten! Sie muss stark und anmutig sein und mächtig! Sie muss an meiner Seite stehen und wenn es sein muss für mich mit ihrem Leben kämpfen!“ Das Herz wurde Lin schwer. Denn sie wusste wie das alles enden werde. „Und ich will, dass…“ Lin legte ihm sachte ihren Finger auf die Lippen. Kim verstummte. Dann strich sie ihm so zärtlich über die Wange, dass sich seine Nackenhaare aufstellten. Er konnte ihr nur in die Augen starren. „Das wirst du, Kim! Ganz sicher!“ Dann konnte sie sich doch nicht mehr zurückhalten. Sie vergas einfach, das dieser Kim noch nicht der Kim war, in den sie sich verliebt hatte. Sie küsste ihn auf die Lippen. Es war ein langer Kuss. „Entschuldige, ich konnte einfach nicht anders.“, sagte sie leicht verlegen. Der Junge blieb wie angewurzelt stehen. Er konnte es sogar jetzt noch schmecken, spüren, fühlen. Nun aber musste Lin tun wozu sie gekommen war. Auf dem Absatz machte sie kehrt. Da stand also die erstarrte Gestalt Ganons, aus einer Erinnerung. Da war das ungute Gefühl wieder da und sie zögerte. Über die Schulter sah sie, an der großen Statue herauf. Die Frau, die im Schneidersitz die Hände empor hielt und die Schlange, die sich um ihren schlanken Körper wand. Ein Kristall hing in der Brust und einer auf der Stirn. Ja, das war es! Der Fluch! Lin wandte sich wieder um und stampfte entschlossen auf den starren König der Gerudos zu. Er trug eine glänzende schwarze Rüstung. Lin stöhnte. „Oh nein! Auch das noch!“ Aber es half nichts. Sie durfte sich keine Fehler erlauben also musste sie sich vergewissern! Lin fummelte am Saum der Rüstung um sie anzuheben. Da kam auch Kim wieder zu Besinnung. „Halt!“, kreischte er. „Du kannst doch den Meister nicht einfach anfassen!“ Ganz komisch sah sie ihn an. „Na sicher! Dir wäre es lieber ich würde dich anfassen, wie?“ Kim wurde rot. „Stimmt gar nicht!“ Lin fixierte ihn belehrend. „Jetzt vielleicht noch nicht.“ Verständnislos runzelte der Junge die Stirn, hielt sich aber zurück. Lin konnte gar nicht hinsehen. Das war noch schlimmer als den Müll raus zu tragen. Sie schob ihre Hand unter die Rüstung. Kurz hielt sie inne um tief zu schlucken. Zum Glück war das Leinenhemd darunter hauchdünn. Lin konnte sie durch den Stoff hindurchfühlen. Die Narbe. Sie hatte die identischen Ausmaße von Kims Narbe. So schnell sie konnte zog sie ihren Arm wieder zurück. Ein Schauder fuhr durch ihren Körper. „Es ist also wirklich so!“, staunte sie, dann gab sie ein Lachen von sich, so dunkel und böse, dass man meinen könnte sie hätte tatsächlich die Seiten gewechselt. „Was ist so?“, mischte sich Kim ein. „Was hast du da gemacht?“ Lin tätschelte überlegen seinen Kopf. „Ich weiß nun endlich wie ich dich besiegen kann!“ Bis in sein tiefstes Mark erschrak Kim und sprang zurück. „Mich besiegen?“ „Natürlich! Schon vergessen, Dummerchen? Ich bin dein Feind!“ Dann wandte sie sich mit giftigem Blick um, zum Gesicht der Statue hinauf. „Aber keine Sorge, ich bin hinter jemand anderem her!“ Kim verstand gar nichts mehr, er war komplett verwirrt. Lin klopfte sich die Hände aus und wandte sich zufrieden um. Sie konnte diesen Ort nun – Die Augen des erstarrten Ganon funkelten ihr direkt in ihre Augen. Lin war starr vor Schreck. Sie wollte ausweichen, doch es war zu spät. Ganon packte ihren Arm. Denn es war keine Figur aus der Erinnerung mehr. „Du hast dich also tatsächlich hierher geschlichen! Du kleine Schlange!“ Lin wehrte sich. „Lass mich los!“ Mit ihrer freien Hand schlug und kratzte sie auf Ganons Hand ein, doch dann packte er auch diesen Arm. „Nein!“ „Ich hätte daran denken müssen, dass dir das gelingen könnte! Dumm von mir so unvorsichtig gewesen zu sein!“, zischte Ganon. „Du bist eine Gefahr für uns alle und wenn mein Sohn dich nicht töten kann, dann werde ich es jetzt tun!“ Lin wurde kreidebleich. Ohne den Blick von ihr zu wenden, griff er schnell an sein Schwert, um ebenso schnell festzustellen, dass es nicht in seiner Scheide war. Aus dem Augenwinkel sah er es am Boden liegen. Deshalb befahl er: „Reich mir das Schwert!“ Der kleine Kim fuhr zusammen. Er rührte sich nicht. „Meister! Ich…ich kann alles erklären…sie ist keine Feindin! Wirklich! Sie…“ „Hast du nicht gehört, du jämmerliche Erinnerung? Gib mir das Schwert!“ Da riss Kim die Augen auf. „Er…erinnerung?“ Nun da Ganon wusste, dass er keine Hilfe von dieser unechten Gestalt erwarten konnte, musste er anders vorgehen. „Na schön! Dann bringe ich zu Ende was ich damals nicht zu Ende brachte!“ Er packte Lin am Hals und drückte zu. Lins Augen waren groß vor Entsetzen. Auch Kims. „Warte, Meister!“ Er zog Ganon am Hemd. „Ich kann alles erklären…“ Wütend stieß Ganon ihn mit dem Fuß weg. Mit voller Wucht. Sodass der kleine Junge mehrere Meter über den Stein schliff. Dann wandte er sich wieder Lin zu. „Du gerissenes Biest! Du hast uns reingelegt! Dafür wirst du mit deinem Leben bezahlen!“ Lin bekam zwar kaum noch Luft, doch sie wollte sich nicht einfach so geschlagen geben! Nicht jetzt! Deshalb hob sie ihre Hand nicht um einen sinnlosen Versuch zu starten, die Finger von ihrem Hals zu lösen. Nein, ihre Finger sausten auf Ganons Augen zu. Aber Ganon war schneller. Kurz vor seinem Gesicht fing er die Hand mit seiner Freien ab. Und drückte sie zusammen. Es tat so unglaublich weh und sie hätte geschrieen, wenn sie gekonnt hätte. „Du bist verloren, Lin!“, lachte Ganon. Und wirklich, sie merkte wie sich ihre Lungen aufbäumten. Und ihr Herz raste. „NEINNN!“, schrie der kleine Junge. Kim eilte auf sie beide zu – Doch es war nicht Kim. Denn die Gestalt des kleinen Jungen veränderte sich. In einem fließenden Schein wuchs die Gestalt, der Schrei wurde tiefer, die Haare heller. Es war der erwachsene Link! Ganon war so erstaunt darüber, dass er kurz wie gelähmt war. Zeit genug, dass Link ihm einen geübten Kinnhacken verpasste. Ganon wurde zurückgeschleudert und musste Lin loslassen. Lin plumpste zu Boden und keuchte. Die Erinnerung verblasste und verschwamm. Alle Figuren lösten sich auf. Die Monster, Karos, der Kotzbrocken, Dana und Ashanti. Und auch der große Saal. Ganon rieb sich das schmerzende Kinn. „Du Elender! Dann werde ich euch beide beseitigen!“ Link lachte. „Hast du vergessen, ich bin schon tot!“, schrie er. „Jetzt!“ Von allen Seiten strömten Strahlen der Magie der Weisen auf Ganon ein. Ein gleißender Schmerz durchzuckte ihn. Schreiend verlor er das Gleichgewicht. „Los! Bannen wir ihn gemeinsam!“, rief Zelda. Link beugte sich zu Lin herunter und half ihr behutsam hoch. Ihr Hals tat weh. Ernst legte Link ihr die schweren Hände auf die Schultern. „Lin! Du musst fliehen, jetzt kannst du es noch!“ Irritiert blickte sie ihren Ahnen an. „Lin!“, rief nun Darunia. „Mach schon!“ „Aber ich muss Kim aufhalten!“ „Das kannst du nicht mehr!“, sprach Zelda verzweifelt. „Rette wenigstens dein Leben!“ Lin war felsenfest entschlossen. „Nein! Ich werde es schaffen.“ Sie schloss fest die Augen. „Ich muss aufwachen und kämpfen! Ich werde uns alle retten! Ich muss aufwachen!“ „Lin…Lin…“, rief Link ihr zu. „Lin…“ Und als Lin aufsah – Da lag sie wach. In dem Raum in dem sie die vielen letzten Tage gelegen war. Die frühe Sonne schien herein. Ganz schwach, hauchzart. Lin setzte sich auf. Ihr Atem ging noch schwer. Jetzt sah sie es. Verwundert konnte sie nicht anders als zu staunen. Sie griff in ihre Haare und zupfte sich dieses eine Haar aus. Es war kupferrot…



vorerst letzte Kapitel


by Kim

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