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Die Erben der Macht 2



Autor: Kim




13. Kapitel

„Das tut guuuuuuuuut!“, seufzte Navi. Navi war über einen vollen Teller gebeugt, mit Nudeln und Bolognesesauce. Sie waren wieder zurück in Herrn Stones Villa und hatten sich ausgeruht und gegessen. Beziehungsweise, Navi aß noch immer. Ihr sechster Teller. Die anderen konnten nicht anders als zu staunen. „Ah, herrlich! Ich hatte schon eine ganze Weile dieses komische Gefühl und habe es nicht losbekommen. Aber jetzt, wo ich das hier in mich aufnehme…endlich geht dieses unangenehme Gefühl weg!“ Alexa musterte sie auf eine Weise, die ihre wahren Gedanken verrieten. „Das nennt man Hunger. Und weil du jetzt isst befriedigst du dieses Gefühl. Wir müssen essen, sonst sterben wir!“ „Achso?“ Nun staunte Navi. „Ach darum! Darum musste sich Link immer irgendwas in den Mund stopften. Und ich Dummerchen habe ihn ständig getadelt, weil er so trödelte.“ Vivi ließ ihre Hand vor dem Gesicht winken, um allen zu verdeutlichen was sie von Navi hielt. „Wisst ihr“, fuhr Navi fröhlich fort. „Ich bin eine Fee gewesen, Feen brauchen das alles nicht. Sie essen nicht, sie trinken nicht, sie schlafen nicht. Aber jetzt bin ich ein Mensch. Ach, es ist so schwer ein Mensch zu sein! So viel laufen! Früher bin ich nur geflogen. Es ist schlimm so an die Erde gebunden zu sein!“ Die Anwesenden sahen ihr interessiert zu, mit aufgerissenen Augen. Nur Benny saß am anderen Ende des langen Tisches. Das Schwert in der Scheide vor ihm, musterte er es und strich mit den Fingerspitzen über die Verziehrungen aus reinem Gold. Vivi gesellte sich zu ihm, er saß so einsam da. „He, Benny? Geht’s dir gut?“ Benny sah auf. „Äh? Ach, jaja, mir geht’s gut.“ Vivi fixierte ihn ganz genau. Mit zusammengekniffenen Augen. „Was?“, fragte er. „Sag mal, kann es sein, dass du jünger geworden bist?“, stellte sie erstaunt fest. „Du siehst jetzt aus als seihst du nur noch dreizehn. Außerdem ist der schwarze Strich kleiner geworden!“ „Echt?“, staunte Benny. Und wurde rot, als er an den Fall seiner Hose dachte. Na wenigstens nicht noch das darunter! Er hatte gleich, noch bevor Dan seine Taschenlampe herausgeholt hatte, seine Hose hochgezogen und den Gürtel enger gemacht. Jetzt schlabberten ihm die Kleider um den Leib. Vivi seufzte. „Jetzt sag schon, Benny! Was ist los? Was macht dir Sorgen?“ Benny legte die Arme auf den Tisch und bettete seinen Kopf darauf. „Drei Tage! Nur noch drei Tage, dann geht die Welt unter!“ „Vielleicht blufft er nur um uns Angst zu machen.“, schlug Vivi tröstend vor. „Das war kein Bluff! Er meint es ernst! Und wir haben immer noch keine Spur! Wir wissen nicht wo Kim ist! Was sollen…“ „Oh, ich weiß es!“, rief Navi ihnen über den Tisch zu. Beide erschraken darüber, sie hatten doch extra geflüstert. Navi hatte wirklich gute Ohren. „Du weißt wo er ist?“ Benny traute dem einfach nicht. So oft hatte er gedacht jetzt endlich den Hauptturm gefunden zu haben und genauso oft wurde er enttäuscht. „Nun ja, nicht genau, aber vielleicht hilft es dir weiter.“, verbesserte Navi sich. Benny rutschte auf den Tisch zurück. „Ach das hilft uns doch auch nicht!“ „Und wo glaubst du?“, hackte Dan nach. Navi riss die Serviette an sich und wischte sich den Mund ab. Dann hatte sie ein Gesicht aufgesetzt wie eine Geschäftsfrau. „Es gibt nur einen einzigen Ort, der infrage kommt! Schließlich braucht der Großmeister des Bösen einen Ort, der vor den Augen der Menschheit verborgen bleibt, an den man nicht gelangen kann!“ „Und der ist?“, fragte Alexa ungeduldig. „Jetzt mach es nicht so spannend!“ „Der Turm der Götter!“ „Der Turm der Götter?“, fragten alle im Chor. „Den gibt es noch?“ „Natürlich!“, bestätigte Navi. „Nachdem das Triforce, die Verbindung der Erde zu den Schöpferinnen, verschwunden war – schließlich war die Trägerin ja noch nicht geboren – musste ein anderes Symbol als Vermittlung dienen! Darum erschufen die Göttinnen den Götterturm. Dieser war zwar nur eine Stätte, die die Menschen besuchen konnten um dort zu beten und ihre Bitten vorzutragen und nicht um Macht zu erhalten wie bei der heiligen Reliquie, doch immerhin konnten die Menschen dort zu den Göttinnen beten. Und vor allem waren sie dort alle gleich und behütet vor allem Bösen! Die Stätte ist so heilig wie damals nur die Zitadelle der Zeit!“ „Und Kim soll sich dort aufhalten?“, fragte Benny skeptisch. „Ich bin mir sogar sehr sicher! Solange er dort ist kann ihn niemand aufspüren, denn die Magie in dem Turm der Götter schützt ihn vor allem. Sogar vor den Augen der mächtigsten Menschen! Darum auch habt ihr ihn noch nicht gefunden!“ „Aber du sagtest doch, dass der Turm erbaut wurde um die Menschen in ihm vor allem Bösen zu schützen!“, erinnerte Dan sie an ihre eigenen Worte. „Wie also sollte er in eine heilige Stätte eindringen, die eigens dafür geschaffen wurde ihn draußen zu halten?“ Traurig schüttelte Navi den Kopf. „Du vergisst eine Tatsache – die Göttin ist in seiner Gewalt!“ „Die Göttin?“, hauchte Vivi. Nun nickte Navi, ebenso traurig und niedergeschlagen. „Ja, richtig! Das Triforce ruht in ihr, sie ist das mächtigste Wesen dieser Welt! Natürlich konnte er sich durch sie Zugang zum Turm verschaffen! Durch sie konnte er auch die Welt mit seinen schwarzen Türmen besetzen und mit ihrer Hilfe wird er auch die Welt neu ordnen können!“ „NEIN! NIEMALS!“ Benny war aufgesprungen. „Lin würde das niemals zulassen! Sie würde Kim niemals helfen! Niemals! Sie ist eine von uns!“ „Natürlich ist sie das!“, beschwichtige Navi ihn. „Aber was spielt das für eine Rolle? Sie weiß nichts von ihrer Macht und so lange sie hilflos ist, ist ihre Macht dem Großmeister des Bösen völlig ausgeliefert. Er kann sie nach belieben gebrauchen – oder denkt ihr er hat die schwarzen Türme ganz alleine errichtet?“ Die Anwesenden sogen entsetzt die Luft ein. „Hat er nicht?“, stieß nun Herr Liebgraf hervor. „Nun, die Türme schon – aber nicht die Speicher!“, antwortete Navi. „Zu so etwas wäre der Großmeister des Bösen nicht in der Lage! Er kann keine Speicher herstellen, die so viel Magie in sich aufnehmen! Es gibt nichts, das unbegrenzt ist! Selbst die magischsten Wesen, wie wir Feen zum Beispiel, können nur eine bestimmte Menge an Magie in uns tragen. Und diese winzigen Plastikteilchen könnten schon gar keine Magie aufnehmen! Er muss zur Herstellung etwas von der Göttin benutzt haben, vielleicht ein Haar oder ein Blutstropfen. Der Leib der Göttin ist der Einzige, der unbegrenzt ist. Sie hat bereits die gesamte Magie der Erde in sich aufgenommen, sie könnte alle Magie aufsaugen! Und diese kleinen Speicher nehmen doch die ganze Magie auf, die der Turm als Strom von den Menschen stielt und in Magie umwandelt. Oder nicht?“ So langsam lichtete sich der Nebel und Benny wurde das ganze Ausmaß von Kims Plan bewusst. Laut schlug er mit der Faust auf den Tisch. „Dieser Blödmann! Wie kann er Lin nur…“ Vivi schlug noch lauter mit der Faust auf den Tisch. „Diese Schwuchtel!“ „Vivi!“ Auch Dan schlug auf den Tisch. „Ist doch wahr! Angeblich ist dieser Kim doch der Freund von Bennys Schwester, oder? Und jetzt missbraucht er ohne schlechten Gewissens ihre Kraft und das noch ohne dass sie etwas dagegen tun kann!“ „Aber wir wissen nicht wo dieser Turm der Götter liegt!“, führte Herr Liebgraf sie ins wichtigere Thema ein. „Wenn ich richtig verstanden habe, dann gibt es keine Möglichkeit diesen Turm zu orten. Weder mit der Karte noch mit Radar noch mit Satellit noch mit sonst etwas.“ Navi zuckte die Achseln. „Ich weiß nicht wo der Turm liegt. Tut mir leid!“ „What is the topic?“, fragte Herr Stone. Herr Liebgraf sagte es ihm. Das brachte Herrn Stone ins Grübeln. Dann redete er mit seinem Freund. Herr Liebgraf wirkte erstaunt, eifrig fragte er nach und eine hitzige Diskussion war die Folge. „Was? Um was geht es?“, fragte Vivi ungeduldig. „Mein Freund hat mir soeben von dem Standpunkt des Turmes in der damaligen Zeit erzählt. Als die Welt noch zerschlagen war.“ „Und wo ist dieser Ort gewesen?“, fragte Dan. „Der Götterturm lag inmitten dreier Inseln, den Triangelinseln. Auf diesen kleinen Inseln waren drei Statuen, zu Ehren der Göttinnen. Sie bildeten ein perfektes gleichschenkliges Dreieck und in dessen Mitte erschien der Turm der Götter.“ „Ein gleichwas?“, fragte Benny verwirrt. „Aber was bringt das?“, fragte Vivi skeptisch. „Die Erde hat sich doch dann wieder zusammenge…“ Sie brach ab. Denn ihr war die Lösung eingefallen. Ebenso wie den anderen Anwesenden. Außer natürlich Navi, die von Geometrie evolutionsbedingt nichts verstand und Benny, dessen Schulstoff dieses Fach noch nicht beinhaltete. „Was? Was wolltest du sagen? Vivi, was denn?“, bohrte Benny nervös nach. Ihm gefiel es nicht, dass sich alle jetzt so intensiv anblickten, als führten sie ein telepatisches Gespräch, von dem er ausgeschlossen war. „Aber das ist doch undurchführbar!“, sagte Alexa laut ohne ihn zu beachten. „Es gäbe viel zu viele Möglichkeiten! Wir würden hundert Jahre brauchen um alle Koordinaten zu überprüfen! Wir wissen ja nicht einmal ob wir im Atlantik oder im Pazifik suchen müssen!“ „Wovon redet ihr?“, fragte Benny. „Da stimme ich Alexa zu.“, mischte sich auch Dan ein ohne ihn zu beachten. „Und wir wissen nicht von welchen Kontinenten wir ausgehen müssen.“ „Wir müssten einen Anhaltspunkt haben, nur ein einziger würde reichen.“, sagte Herr Liebgraf. „Verdammt noch mal! Ich will auch was verstehen!“, fluchte Benny laut. Von seinem Ausbruch überrascht wandte sich ihre Aufmerksamkeit nun ihm zu. „In Ordnung, Benny. Entschuldige, du weißt ja nicht was wir meinen.“, beschwichtigte Herr Liebgraf ihn. „Es geht um dieses gleichschenklige Dreieck. Gleichschenklig bedeutet, dass die Seiten des Dreiecks alle gleichlang sind. Und wir glauben nun, dass der Götterturm noch immer in einem solchen Dreieck ist, das die Kontinente über eines der beiden großen Meere miteinander bilden. Das Problem ist nur, wir könnten zwar dieses Dreieck von einem Computer berechnen lassen, nur gäbe es da zigtausende Dreiecke, die er ausspucken würde.“ „Aber wenn wir nur eine Spitze hätten, dann gäbe es wesentlich weniger Dreiecke, die infrage kämen.“, fuhr Dan fort. „Eine Spitze?“ Navi wurde hellhörig. „Von dem Dreieck um den Turm der Götter? Aber die haben wir doch schon!“ „Was?“, schoss es aus allen Mündern. Navi freute sich riesig, dass sie wieder weiterhelfen konnte. „Natürlich! Der Tempel in dem ihr mich gefunden habt! Obendrüber ist doch ein kleiner Schrein gebaut! Das ist ein Eckpunkt, ein Schrein der Weisen – genauer gesagt der Schrein der Weisheit! Jede einzelne von uns Weisen wird sich in ihrem Schrein befinden, wenn die Göttin uns ruft. Damit wir ihr helfen ein letztes Mal das Tor zum Hades zu öffnen. Diese Schreine waren einmal die Triangelinseln. Und sie änderten ihre Position auch nicht, sie wurden so verschoben, dass sie weiterhin ein Dreieck bildeten, damit die bedürftigen Menschen jederzeit den Turm der Götter finden konnten. Was jetzt natürlich nicht mehr geht. Jetzt muss erst der Zauber gebrochen werden, der ihn umgibt und ihn unsichtbar macht.“ Alexa packte sie an der Gurgel. „Und das sagst du uns erst jetzt?“ „E…entschuldigung, ich…ich…“ „Das ist doch jetzt egal! Wir müssen sofort herausfinden wo die anderen Schreine sind!“, sagte Dan. „Wir haben schließlich nur noch drei Tage und die nicht mal mehr ganz! Wir müssen die infrage kommenden Dreiecke finden und herausbekommen bei welchem Dreieck alle Spitzen eine Ruine oder einen Tempel oder so was aufweißen.“ Herr Liebgraf rieb sich die Hände. „Gebt mir und meinem Freund Herrn Stone drei Stunden! Wir werden alles organisieren, danach bringen wir euch drei zu euren Schreinen und dann brechen wir auf zum Turm der Götter!“ „Aber“, protestierte Vivi. „Wenn ich dann in diesem Schrein des Mutes warten muss, wie soll ich Benny da unterstützen? Ich will mit zum Götterturm!“ Doch Benny packte sie am Ärmel. „Nein, Vivi! Keiner geht mit – ich mache das allein!“ „Aber allein schaffst du das nicht!“ „Ich muss es versuchen! Nur ich kann ihn aufhalten, ich bin doch schließlich der Held der Zeit! Und du bist eine Weise! Wenn du mir helfen willst, dann musst du in dem Schrein sein und Lin helfen dieses Tor zu öffnen! So wie die Weisen es für Link getan haben!“ Vivi wollte noch einmal den Mund öffnen um Widerwort einzulegen, doch dann nickte sie resignierend. „Du hast Recht, Benny. Ich bin eine Weise und habe nur einen Nutzen, wenn ich meine Bestimmung erfülle.“

Nur noch drei Tage, schoss es ihm durch den Kopf. Er hatte es selbst gesagt. Immerhin, es war alles vorbereitet. Alles! Die Magie in den Speichern der Türme war gesammelt, die Türme zerstört. Die magischen Satelliten waren in der Umlaufbahn und bereits getestet, dass ihre Wellen ja auch den kleinsten Winkel des Planeten erreichen. Ja! Es war alles vorbereitet. Bis auf das Kind. Vielleicht waren drei Tage doch zu wenig? Was war, wenn diese Tage umgingen und Lin nicht gebar? Das konnte er sich nicht leisten, dann müsste er eingreifen und das wäre ihr sicherer Tod. Verzweifelt fuhr Kim sich durch die Haare. Es drängte alles, die Zeit lag ihm im Nacken. Noch dazu ging es Lin sehr schlecht. Die Ärztin, die er hatte schicken lassen, hatte ihm von ihrem Zustand berichtet. Aus törichtem Stolz, um sein Gesicht gegenüber seinen Untertanen zu wahren und aus Verletzung darüber, dass sie ihr Wort gebrochen hatte, hatte er Lin in den letzten Tagen nicht einmal besucht. Warum nur? Warum ging es ihr auf einmal so schlecht? Ihr Zustand war doch die ganze Zeit über stabil gewesen, aber seit ihrer Flucht, seitdem er sie zurück in ihr Zimmer gebracht hatte, war ihr Wohl drastisch gesunken. Kim saß in seinem Sessel, zusammengesunken, und starrte in Gedanken versunken auf den schwarzen Bildschirm. Es klopfte an der Tür. Er antwortete nicht. Er wollte allein sein. Dennoch ging sie auf und die Person trat herein. Ohne sich umzudrehen, zischte er wütend: „Du wagst es mich ohne meine Erlaubnis zu stören?“ „Verzeiht, Herr.“, erwiderte Raik unbeeindruckt. „Aber Erika schickt mich. Die Herrin wünscht Euch sehen zu dürfen!“ „Lin?“ Erstaunt drehte er sich doch um. „Es sei sehr dringend, sagte sie.“ Kim erhob sich. War es so weit? Er ahnte nichts Gutes. Deshalb machte er sich unverzüglich auf den Weg. In dem Stockwerk, in dem der Fahrstuhl hielt gab es keine Tür mehr. Darum war nur noch er in der Lage die Wand zu öffnen um einen Durchgang zu schaffen. Allein er entschied über Ein- und Ausgang der Leute im Raum. Die Wand wich, damit sie den Raum betreten konnten. Um das Bett standen erschöpfte und ebenso verzweifelte Frauen, die hin und her hetzten um Wasser oder wohlduftende Tücher oder sonstiges zu bringen. Im Bett, fast verschlungen von den Kissen und Decken, lag Lin so reglos, dass man meinte sie sei tot. Erika saß zu ihrer linken und hörte nicht auf ihr weinend die Stirn abzutupfen. Zu ihrer rechten war die Ärztin gerade dabei ihren Puls an der Halsschlagader zu messen. Mit Blick auf ihre Uhr. Als er, mit Raik hinter sich, das Zimmer betrat unterbrachen sich alle Anwesenden und verbeugten sich. Er ignorierte alle bis auf die Ärztin. „Wie geht es ihr?“, fragte Kim. Die Ärztin rückte ihre Brille gerade und sprach im geschäftlichen Tonfall. „Ich würde sagen, dass sie mit achtundvierzig Grad Fieber tot ist. Seltsamerweise ist sie das nicht. Ich kann nichts machen. Ich habe noch keinen Patienten gehabt, dessen Körpertemperatur über dreiundvierzig Grad hinausgegangen wäre.“ Kim winkte sie aus dem Weg und auch Erika, die es nicht mehr wagte in seiner Gegenwart auch nur den Mund zu öffnen. Er setzte sich aufs Bett. Lin atmete sehr schwer. Der Schweiß rann ihr am Gesicht hinunter. Ihre Wangen waren rot vor Schwäche, sonst war sie kreideweiß. Der Bauch stach aus der Decke heraus. Es wirkte, als gehöre er gar nicht zu ihr, so schnell war er gewachsen. Er war groß, wie der einer Schwangeren kurz vor der Geburt. Er strich ihr eine klebrige Haarsträhne von der Wange. Mühsam öffneten sich ihre Augen. „Kim…?“, hauchte ihre dünne Stimme. Er nahm ihre Hand in die seinen und küsste ihre Finger. „Verzeih mir, dass ich so gemein zu dir war. Wie geht es dir?“ Ihre Augen suchten seinen Blick. „Nicht gut. Ich kann nicht mehr!“ Sie wusste genau was sie zu tun hatte. Sie konnte einfach nicht mehr, darum musste es jetzt so weit sein. Ihr Körper konnte das Kind nicht mehr tragen, das spürte sie. Sanft legte sich ihre zweite Hand auf seine. Das Triforce glänzte leicht vor sich hin. Kim hatte gedacht, es wäre eine Geste der Zuneigung gewesen. Bis er merkte was da wirklich vor sich ging. „Was tust du da, Lin?“, stieß er entsetzt hervor als er spürte wie die Kraft aus ihm gesogen wurde. Der Sog war so stark, dass es nur wenige Sekunden bedurfte als er seine Hand nicht mehr spürte. Sie saugte ihm tatsächlich die Magie aus dem Körper. Er versuchte sich aus ihrem Griff zu befreien – es ging nicht. „Lin! Das wird dich umbringen!“, keuchte er. Lin achtete nicht darauf. Es brannte in ihrem ganzen Leib. Die Schmerzen stiegen ins Unermessliche und ihr Bauch schien Feuer zu fangen. Tränen schossen ihr in die Augen. Aber sie musste es aushalten! Dann leuchtete das Triforce auf ihrem Handrücken auf. Es erstrahlte und tauchte das ganze Zimmer in einen goldenen Schein. Da wurde auch Kim klar, dass er ein Idiot gewesen war. Lin konnte gar nicht sterben, nicht solange das Triforce sie beschützte! Auch wenn das Kind ihr jetzt alle Lebenskraft raubte, so war sie noch immer im Besitz des Triforce! Auch er durchstand unsägliche Schmerzen. Das ging zu schnell. Er fühlte sich wie ein Tier, das ausgestopft werden sollte und gerade ausgenommen wurde. Eiskalt wurde es ihm. Und er konnte sich einfach nicht aus ihrem Griff befreien! Das Triforce strahlte immer intensiver und nahm allen Anwesenden das Sehvermögen. Sie wurden geblendet. Mit letzter Kraft packte Kim die Hand mit dem Triforce und riss sie sich ab. Damit war der Bann gelöst und das Licht explodierte in einem Schwall, der alle Anwesenden von den Füßen riss. Einschließlich Kim, der vom Bett geschleudert wurde. Dann war das Licht erloschen und das Triforce blinkte nur noch leicht. Zitternd und mit wahnsinnigen Kopfschmerzen stand Kim auf. Er war ausgelaugt und ihm war übel. „Herr, seid Ihr in Ordnung?“ Raik war an seiner Seite erschienen. Kalt sah er ihn an. „Mir geht es gut! Hör auf mich zu bevormunden!“ Um seine unheimliche Gemütsbewegung zu verschleiern drehte er sich um, machte zwei Schritte auf den wartenden Lift zu – und krachte bewusstlos zu Boden. Die Anwesenden waren vor Schreck so starr, dass keiner sich auch nur rührte. „Das habe ich mir schon gedacht.“, murmelte Raik. Die Ärztin machte anstallten sich auf ihn zu zu bewegen. „Warte! Ich kümmere mich um ihn. Du solltest bei der Herrin bleiben.“ Die Ärztin nickte. „Ist gut. Ich glaube…“ Ein herzzerreißender Schrei kam vom Bett her. Lin wand sich unter den Krämpfen. „Die…die Fruchtblase ist geplatzt!“, stotterte Erika. „Dann muss es jetzt schnell gehen! Kate, helfen Sie Raik bitte sich um den Herrn zu kümmern.“ „Yeah.“, antwortete die Angesprochene und half Raik sich den Bewusstlosen auf den Rücken zu hieven. Währenddessen gab die Ärztin die letzten Anweisungen und ehe die Wehen einsetzen war alles vorbereitet.

Benny saß auf einem Sitzstein im Garten. Der Garten des Anwesens Stone war im traditionell japanischen Stiel. Die Felsen waren genau platziert und die Kieselsteine frisch gerecht. So sah ein japanischer Garten eben aus. Kein Gras, keine Blumen. Stattdessen sauber in einem Linienmuster angeordnete weiße Kieselsteine, mittendrin Steinplatten über die man treten musste (nichts, absolut nichts, durfte die Kiesel berühren um das Muster nicht zu beschädigen) um zu den Felsen zu gelangen, auf die man sitzen konnte und dem kleinen künstlich angelegten Wasserfall genießen, der am Westende leise platschte. Der alte Gärtner, ein gebürtiger Japaner, kam täglich hierher um den Garten zu inspizieren und notfalls mit einer langen Griffstange nach alten Blättern oder anderen Verunreinigungen zu greifen und sie aus dem Garten zu entfernen. Er genoss den Ausblick. Es war später Nachmittag. Sein Herz schlug schnell und in seinem Kopf hörte er immer wieder: Drei Tage…drei Tage…drei Tage… Zwei schwere Hände legten sich auf seine Schultern. „He! Rutsch mal rüber!“ Er tat es und Vivi setzte sich neben ihn. „Und wie geht’s?“ Sie war die Einzige, die von den Weisen noch hier war. Nach schon zweieinhalb Stunden waren sie startklar gewesen. Während sich die vier Jugendlichen ausgeruht und geschlafen hatten, waren Herr Liebgraf, Herr Stone, Dan und eigens für die Berechnungen eingeladene Fachspezialisten ans Werk gegangen. Mit Computerprogrammen hatten sie nicht nur die Dreiecke errechnen lassen, sondern noch herausgefunden wo die beiden anderen Schreine standen und sie hatten durch die Winkelhalbierenden im Dreieck die Koordinaten der Mitte und somit des Turm der Götter mitten im Atlantik errechnet. Dann hatten sie die Reisen organisiert. Herr Stone den Transport und Herr Liebgraf das Personal, das die Mädchen am Landeplatz erwarten und sie sicher zum Schrein bringen sollte. Alsbald war Navi mit einem Betreuer zur Ruine zurückgefahren, damit sie sich dort postieren konnte. Eigentlich hatten sie vorgeschlagen sie erst als Letzte in ihren Schrein zu bringen, da noch einige Stunden vergingen werden, bis die andern beiden Weisen den ihren erreichten. Doch sie hatte darauf bestanden so früh wie möglich bereit zu sein. Dann war für Alexa der Jet gekommen. Der Düsenjet, der sie nach Afrika befördern sollte, wo an einer Küste der Schrein der Kraft stand. Ein alter Masaistamm hatte dort sein Dorf errichtet und der Schrein diente dem Oberhaupt als Behausung. Es war sicher eine Herausforderung den Stamm dazu zu bewegen ihnen ihr Dorf für einige Tage zu überlassen, doch Herr Liebgraf war vom Erfolg überzeugt. Alexas Betreuer war ein eingefleischter dunkelhäutiger Reiseführer und ein sehr guter Freund von ihnen. Außerdem war er der Neffe des Häuptlings eines anderen Stammes. Salif hieß er. Irgendwie konnte Salif für Alexa alles zurechtbiegen. Das musste er einfach! Der Schrein des Mutes, Vivis Schrein, war da weniger ein Problem. Er lag an der Westküste Islands. Zwar war er eine Sehenswürdigkeit, doch mit etwas Geld ließ sich da gewiss etwas arrangieren. Vivi und Dan, der sie unbedingt begleiten wollte, was ja auch verständlich war, mussten noch etwas warten. Ihr Jet war eingetroffen und die letzten Vorkehrungen waren getroffen. Sie war auch schon bestens ausgerüstet, für die weniger sonnigen Temperaturen dort oben. Benny selbst sollte mit einer speziell für Geschwindigkeiten angefertigten Privatyacht Richtung Turm der Götter fahren. Herr Liebgraf wollte ihn begleiten. Der zweitreichste Mann der Welt wollte sich diesen Anblick einfach nicht entgehen lassen. „Na sag schon! Bist du aufgeregt?“ Benny sah sie entgeistert an. „Wir gehen doch nicht in den Zirkus!“ Vivi lachte. „Das weiß ich doch. Das Schicksal der Welt hängt von uns ab… Aber ein wenig aufgeregt bin ich schon. Es ist wie Joe gesagt hat – es kommt einen vor als sei man die Heldenfigur in einem Computerspiel.“ Sie kicherten beide. Ja, irgendwie wirkte alles so unglaublich unecht! Dann wurde plötzlich Vivi ernst. „Was ist?“, fragte Benny verwundert. Sie rang mit sich. „Weißt du, Benny…seit ich aufgewacht bin…habe ich so ein Gefühl, dass wir uns nie wieder sehen werden…vielleicht ist es ja magische Intuition, die ich als eine Weise habe…“ „Unsinn!“, winkte Benny ab. Er ergriff ihre Hand. „Wir werden uns wieder sehen, Vivi! Das verspreche ich dir! Ich werde – nein, wir werden das Böse besiegen und dann kommen wir beide hierher zurück und werden unseren Sieg feiern und soviel Cola trinken, dass wir Karies bekommen!“ Seine Worte brachten sie zum Schmunzeln und er war froh darüber. Er hatte Vivi noch nie ernst und resigniert erlebt und das wollte er nie. Jetzt schon gar nicht! „Versprichst du es mir? Wirklich?“ „Du kannst mir vertrauen, ich halte mein Versprechen! Wir sind doch Freunde, Vivi!“ Dann loderte erneut der Mut in ihren Augen. Die Unerschrockenheit der Weisen des Mutes. „Ja, Benny. Wir werden uns wieder sehen, weil wir Freunde sind!“ Ihr gutes Zureden aufeinander brachten sie zum Lachen. Sie wussten beide, dass sie nur so naiv daherredeten und dass Vivi mit ihrer Ahnung durchaus Recht haben konnte, doch das war ihnen in diesem Moment egal. Jäh, ohne jegliche Vorwarnung, schloss sie ihre Augen und ihr Mund war ganz nahe. Sein Herz klopfte wie wild, schlimmer als jemals in seinem Leben und Adrenalin schoss durch sein Blut, dass er glaubte gleich verrückt zu werden. Warme Lippen spürte er auf seinen. Der Moment war so schnell vorbei wie er gekommen war. Vivis Wangen liefen leicht rosa an. „Mein Gott, ich habe einen Achtjährigen geküsst! Ich bin pervers!“ „Ich…äh…“ Benny fehlten die Worte. „Es…war schön…“ Vor Verlegenheit lachten sie. Nervös. Sie erschraken sich als plötzlich die Verandatür aufgeschoben wurde. „Vivi?“, rief Dan ihnen zu. „Wir können los!“ „Ähm...ja…ich komme gleich.“ Dan verschwand. Aber sie blieben noch sitzen. „Jetzt ist es also wirklich so weit…“, seufzte Vivi. Sie wollte sich erheben, doch er hielt sie zurück. „Ich will dir etwas geben.“ Benny kramte in dem Rucksack herum und übergab ihr sein Geschenk. Vivi starrte auf den grünen Stoff in ihrer Hand. „Was ist das?“ „Das ist die Mütze des Helden der Zeit, des Ersten, sie wurde in unserer Familie von Generation zu Generation weitergegeben.“ „Das willst du mir schenken?“ Benny nickte. „Nein, tut mir leid. Das kann ich nicht annehmen. Das ist doch so etwas wie ein Erbstück!“ „Ab jetzt nicht mehr. Ab jetzt ist es das Siegel unseres Versprechens! Dass wir uns wieder sehen!“, entgegnete Benny. „Na gut. Danke, Benny!“ Vivi umarmte ihn. „Pass auf dich auf!“ „Mach ich.“ Mit diesen Worten erhoben sie sich und sprangen spielerisch die Trittsteine zur Veranda zurück und gingen ins Haus. Noch ein letztes Mal ging Herr Liebgraf das Vorhaben mit ihnen durch. Dann verabschiedeten sie sich voneinander. Es war ein Abschied für immer, doch das wussten sie nicht. Sie verließen das Haus in verschiedenen Richtungen. Dan und Vivi gingen mit Herrn Stone, der sie nach Island begleitete, zum hauseigenen Landeplatz um in den Jet zu steigen. Vivi hatte die Mütze aufgesetzt und winkte ihm ein letztes Mal. Benny und Herr Liebgraf stiegen in die Limousine, die sie zum Hafen brachte und gemeinsam stiegen sie an Bord der Yacht. Die Sonne lag tief im Westen, das Wasser schimmerte atemberaubend unter den letzten Strahlen, die es kaum noch berühren konnten. „Na, Benny? Wie geht es dir?“, fragte Herr Liebgraf und legte ihm einen Arm um die Schultern. Benny grinste, so oft wie er diese Frage heute schon gehört hatte. „Den Umständen entsprechend.“, äußerte Benny. „Sind das die beiden Motorboote?“ „Ja.“, antwortete Herr Liebgraf. „Mit einem wirst du zum Turm gelangen…willst du wirklich ganz allein gehen? Soll ich dich nicht begleiten? Oder jemand, der…ich weiß nicht… vielleicht ein Bodygard oder dergleichen?“ Benny schüttelte aufmunternd lächelnd den Kopf. „Nein, das ist nicht nötig. Ich hab doch das!“ Er wackelte mit der Scheide, die hinten auf seinem Rücken gebunden war und in der der Griff des Masterschwertes heraushing. „Außerdem kann nur ich etwas ausrichten, es ist nicht nötig noch andere in Gefahr zu bringen.“ Herrn Liebgraf gefiel das gar nicht, aber er verstand Benny. „Das stimmt. Aber bitte sei vorsichtig, Benny! Ich habe am eigenen Leib zu spüren bekommen wie stark der Feind ist… Ich wüsste nicht was ich deinen Eltern sagen sollte, wenn du nicht zurückkommst.“ Benny blickte auf das Wasser, das leichte Wellen setzte, als die Yacht langsam in See stach. „Wenn ich versage ist das sowieso nicht nötig. Dann sind wir alle tot!“ Herr Liebgraf nickte und ließ ihn allein um mit dem Kapitän zu sprechen. Sie hatten vereinbart fünf Meilen vor den errechneten Koordinaten anzuhalten und Benny in einem der Motorboote abzusetzen, ein Spezialist sollte ihm den Umgang erklären. Alleine sollte er dann Richtung Turm fahren, denn sie hofften, dass die Koordinaten wirklich stimmten und der Turm sich vor ihnen erheben werde. Nun, da er allein war und auf die stille See blickte, hatte Benny zeit zum Nachdenken. Aber er dachte weder an die Freunde, die ihm beigestanden hatten, noch daran, dass er die ganze Zeit über mehr Glück als Verstand gehabt hatte, noch an den ihm bevorstehenden Kampf, er dachte an dieses…Lippe-auf-Lippe-Pressen, das man einen Kuss nannte. Er hatte ein Mädchen geküsst – er hatte ein Mädchen geküsst. Dabei konnte er Mädchen nicht einmal ausstehen! Nicht die in seiner Klasse, nicht die in seinen Nachmittagskursen…aber doch…Vivi konnte er ausstehen! Sogar ganz gut! Benny berührte seine Lippen. Sie fühlten sich normal an, aber irgendwie hatte er erwartet, dass sie sich nicht normal anfühlten… Was hatte er denn geglaubt wie sich ein Kuss anfühlte? Damals, als er Ashanti mitgeschleift hatte und sie heimlich beobachtet hatten wie Lin und Kim sich geküsst hatten, da hatte er angewidert das Gesicht verzogen. Mann, war das eklig gewesen! Das hatte er gedacht. So etwas Feuchtes und Nasses und der Speichel des anderen im eigenen Mund! Aber ein Kuss war doch etwas anderes. Ein wenig feucht vielleicht, aber auch warm und…schön… Er beschloss, sollte er tatsächlich sein Versprechen halten können und Vivi wieder sehen, so würde er sie fragen, ob sie das noch mal machten, dieses küssen. Aber dann ganz langsam, damit er feststellen konnte wie es sich genau anfühlte. Mit hochrotem Kopf blickte er da ins Wasser hinunter. Ja, er wollte das bald wieder machen und er schämte sich, weil es sich in seinem Alter nicht gehörte, so etwas zu mögen. Wo man doch schon die Wangenküsse der Großmutter zu verschmähen hatte! Ach egal! Dann war er eben frühreif! Der Gedanke brachte ihn zum Grinsen. Doch plötzlich, inmitten der heiteren Gedanken, drängte sich da diese eine beunruhigende Erinnerung auf. Die Erinnerung an die letzte Stunde. Als sie sich hingelegt und ein wenig geschlafen hatten. Als er aufgewacht war, weil die Blase ihr Recht einfordern wollte. Also war er brummend den lichtgedämpften Flur entlang geschlichen, auf der Suche nach dem Klo. Da war er fast mit Navi zusammengestoßen. Sie könnte es nicht mehr aushalten, hatte sie gejammert. Mit verheultem Gesicht. Sie wisse nicht was sie tun sollte, aber sie hatte so schreckliche Krämpfe im Bauch. Schlaftrunken hatte er die Stirn gerunzelt und sie gefragt ob sie denn schon auf dem Klo gewesen war und sie hatte ihn mit gerunzelter Stirn gefragt was ein Klo war. Da war die Sache klar gewesen. Nicht ohne verlegenes Stocken hatte er sie zur Toilette geführt und ihr erklärt wofür sie da war. Eingeleuchtet hatte es ihr, weil Link das auch hatte machen müssen (eine weitere Trödelei, wofür sie ihn getadelt hatte und ihr nun ein schlechtes Gewissen bereitete) und unbekümmert – hatte sie sich doch tatsächlich breitbeinig hingestellt und anstallten gemacht sich das Nachhemd hochzuziehen. Ganz schockiert hatte er sie aufgehalten um das Schlimmste zu verhindern. Sie hatte ihm erzählt wie oft sie Link beobachtet hatte wie er das machte und dass sie seinen Einwand jetzt nicht verstand. Noch verlegener hatte er ihr den Unterschied zwischen Männlein und Weiblein erklärt, dass Männer das eben im Stehen konnten, Frauen aber leider nicht, weil ihnen etwas Entscheidendes fehlte und sie somit alles vollsauen würde. Schulterzuckend hatte sie sich also überreden lassen sich hinzusetzen und er hatte geduldig gewartet bis sie fertig war, auch wenn er dachte gleich sterben zu müssen. Dann endlich war er an der Reihe gewesen und hatte sich, frohlockend, erleichtern können. Das aber war nicht das Beunruhigende gewesen, was ihn nun beschäftigte. Es waren Navis Worte gewesen, auf dem Rückweg zu den Schlafzimmern. „Ich verstehe nicht wie der junge Großmeister des Bösen in die heilige Zitadelle der Zeit eindringen konnte!“ Benny, im Gegensatz zu ihr, hatte daran keinen einzigen Gedanken verschwendet. Ihm war es nicht verwunderlich. „Kim ist eben sehr stark! Außerdem hat die Zitadelle der Zeit keine Magie mehr. Lin hat sie damals aufgesaugt, mit all der anderen magischen Kraft aus der Erde!“ Navi schüttelte rätselnd den Kopf. „Das hat damit nichts zu tun! Der Held des Windes wusste davon. Darum hat er den unterirdischen Tempel, den er kurz nach dem Tod des heiligen Drachen errichtet hatte, neu geweiht! Mit Hilfe des Zephirweisen und der Terraweisen. Dazu noch die Heiligkeit des gnädigen Drachen – es hätte den Großmeister des Bösen, Kim, wie du ihn nennst, fernhalten müssen!“ Noch immer wunderte Benny sich nicht. Darum zuckte er nur mit den Achseln. „Ich verstehe nicht warum du so erstaunt bist.“ Abrupt blieb Navi stehen. „Held der Zeit, verstehst du denn nicht? Es hat mit der Größe der magischen Kraft nichts zu tun!“ Benny verzog fragend das Gesicht. „Was? Wie…was meinst du?“ Navi seufzte bedrückt. „Das ist das Gesetz von Gut und Böse! Die Fechter der schwarzen Magie dürfen nicht in die Heiligen Hallen der Tempel der Göttinnen eindringen und die Verbreiter des Guten wiederum können die Mauern des Bösen nicht überwinden! Nicht, wenn sie nicht geladen sind! Sonst hätte auch Link nicht in den Teufelsturm eindringen können, auch wenn er die Siegel brach. Nur weil der alte Großmeister des Bösen an sein Triforsfragment gelangen wollte hat er es zugelassen. Ebenso wie Zelda.“ „Das kann nicht sein! Bei Ganon war es doch genauso!“, versuchte Benny zu widerlegen. „Er ist sogar in die Zitadelle der Zeit eingedrungen, als sie noch magisch war und hat Zelda entführt, nachdem sie Link die Lichtpfeile…“ „Das stimmt nicht! Ganon hat niemals auch nur einen Fuß in die Zitadelle der Zeit setzen können!“ Nun wurde Benny doch stutzig. „Aber wie hat er…zum Beispiel das Fragment der Kraft! Wie hat er es dann in die Hände bekommen?“ Navi schüttelte den Kopf. „Das war alles nur ein Trick. Sowohl die Sache mit dem Fragment als auch die Entführung Zeldas! Mit einem Trick hat er bekommen was er wollte. Aber er selbst war nicht anwesend! Zu keiner Zeit! Ich kann es bezeugen, ich war dabei!“ „Dann ist Ganon nie in die Zitadelle der Zeit gelangt?“, staunte Benny. „Nein!“, bestätigte Navi felsenfest. „Niemals!“ „Aber wieso kann Kim es dann? Er ist doch böse und dürfte gar nicht in diesen Tempel gekommen sein! Auch nicht als Hologramm!“ „Nun, der Schutz der magischen Kraft der Guten hat ihn akzeptiert, aber er ist auf der Seite des Bösen - dafür gibt es nur eine logische Erklärung!“, schlussfolgerte Navi. „Kim ist kein Mensch!“ „Kein Mensch?“ Nun wurde es Benny doch zu bunt. Bei allem Schrecklichen, was er an Kim schon gesehen hatte, einschließlich dieser unheimlichen Metamorphose, die er im Geistertempel miterlebt hatte, so war Kim doch ein Mensch. Ein merkwürdiger Mensch, mit unvorstellbar starken magischen Kräften zwar, aber ein Mensch. „Wenn du es so siehst, dann ist Ganon auch kein Mensch gewesen.“, lachte er leise. Doch Navi war noch immer todernst. „Ich meine es ernst, Held der Zeit! Kim ist kein Mensch! Er ist nicht an das Gleichgewicht zwischen Gut und Böse gebunden und somit der Macht der drei heiligen Göttinnen überlegen!“ Benny verstand nichts mehr. „Hä? Was redest du da? Was ist er dann?“ Nun stockte Navi. Ihre Stirn lag in Falten. „Ich weiß es nicht…“

So! Endlich kommt die Auflösung was es nun geworden ist. Ein Junge oder ein Mädchen ;) Was glaubt ihr wohl?

Als Kim die Augen öffnete saß da eine Gestalt auf dem Stuhl neben dem Bett, in dem er lag. Einen kurzen Augenblick lang hatte er gedacht es wäre Ganon. Und für einen kurzen Moment dachte er, er wäre im Geistertempel und wieder ein kleiner Junge. War er schon wieder über seinen Aufgaben eingeschlafen? Ganon sah das überhaupt nicht gerne und er sah nicht gerne, wenn Ganon ihn erwischte. Denn das hieß, dass er ihn wieder ganz besonders hart ran nahm um ihm seine Müdigkeit schon noch auszutreiben. Aber dann erkannte er Raik und ihm fiel ein, dass diese Zeit längst Vergangenheit war. Mühsam erhob er sich und blickte sich um. Es war ein winziger Raum, mit einem winzigen Fenster. Ein einfaches Bett, ein Tisch und ein Schrank standen darin. Dunkel und armselig. „Wo bin ich?“ „In meinem Schlafzimmer, Herr. Im elften Stock.“, antwortete Raik. „Was ist geschehen?“ „Ihr seid ohnmächtig geworden.“ Kim blickte sich um. Er erinnerte sich. „Wie lange war ich weggetreten? Was ist mit meiner Frau?“ „Die ganze Nacht. Ihr scheint gefroren zu haben, darum ließ ich mehrere Decken…“ „Was ist mit Lin?“, unterbrach Kim. Raik ließ sich nicht aus dem Konzept bringen. „…bringen. Ich erhielt vor kurzem Nachricht. Die Herrin ist noch schwach, aber ihr geht es gut.“ Dann ließ er mit Absicht eine Künstlerpause vergehen ehe er fortfuhr: „Das Kind ist bei ihr!“ Kim schlug die Decken zurück, sprang aus dem Bett und eilte zur Tür. Raik sah ihm grinsend nach. Plötzlich jedoch blieb Kim zwischen Tür und Angel stehen. Mit herrscherischer Mine ließ er seinen Blick noch einmal durch den Raum schweifen. „Raik, treffe alle Vorkehrungen für den Umbau dieses Zimmers, wir werden hier einen Gast beherbergen. Du wirst in Matthews Zimmer verlegt, er kann meinetwegen auf dem Boden schlafen.“ Und noch während er dies sagte, wuchsen aus dem Fensterrahmen Schleimranken, die sich gerade nach oben schlängelten und als sie starr wurden, da glich das Fenster einem Fenster im Gefängnis. Raik wusste nun wer hier Gast sein werde. „Und sag meinem Spion, dass er seinen Auftrag zu meiner Zufriedenheit erfüllt und Befehl hat umgehend hierher zurückzukehren!“ Dann knallte die Tür zu. Vor Aufregung wollte Kim schier das Herz platzen. Seine Hände zitterten unaufhörlich und er rief sich Raiks Worte immer wieder in Erinnerung. War es wirklich wahr? War er schon Vater geworden? Während er bewusstlos war? Kim war so nervös, dass er kurz vor dem Lift über seine eigenen Füße stolperte. Noch bevor der Lift sich in Bewegung setzte rappelte er sich schwer atmend wieder auf und richtete sich. Strich über seine schwarze Tunika und fuhr mit der zitternden Hand durch die Haare. Krampfhaft versuchte er seinen Atem zu beruhigen. Er könnte sich ohrfeigen, dass er die Geburt verpasst hatte! An die Peinlichkeit, vor den Augen seiner Untergebenen, zusammengebrochen zu sein – daran mochte er gar nicht denken! Der Lift blieb stehen. Bis auf Erika und die Ärztin waren alle Frauen gegangen. Erika war damit beschäftigt ständig zwischen den Räumen hin und her zu hetzen. Sie war dabei ein Bad anzurichten und eilte immer wieder ans Bett um Fragen nach Temperatur, Aroma, Licht und sonstigem zu stellen, doch nur, weil sie sich nicht satt sehen konnte. Sie schien so überglücklich, als wäre sie selbst Mutter geworden. Tatsächlich aber war sie noch nicht einmal verheiratet. Ihr Verlobter dachte sie wäre in einem Auslandseinsatz, der ein halbes Jahr andauerte. Die Ärztin schien sich jedoch von ihren stetigen Unterbrechungen gestört zu fühlen. Denn sie sprach ausgiebig mit Lin. Lin wiederum lag erschöpft in den Kissen, in einem frischen und neu bezogenen Bett und in einem frisch gewaschenen schwarzen Seidenkleid mit Verziehrungen aus reinen Silberfäden. Die Haare zu einem Flechtzopf gebunden. Sie antwortete der Ärztin, doch schaute sie sie dabei nicht an. Nein, ihr Blick ruhte auf etwas neben ihr, das auf der Bettdecke saß, mit ihrem Armreif in der Hand und sich versuchte das Schmuckstück in den Mund zu schieben. Als er das Gemach betrat verstummten sie. Auch sein Blick blieb an dem Etwas kleben. An der kleinen Gestalt. Mit großen Augen trat er ans Bett und mit noch größeren setzte er sich darauf. Es war ein kleines Mädchen, das da saß. In einem rosafarbenen Kleid eingehüllt. Ein süßes Kleines mit buschigen hellblonden Haaren und rosiger Haut. Neugierig betrachtete es sein Nähertreten, ohne jedoch mit dem Lutschen am Armreif aufzuhören. Es hatte keine blauen Augen, wie es bei Kleinkindern üblich war, es hatte seine. Honigfarben. Doch die Pupillen waren rund. „Ich kann es nicht glauben!“, stieß Kim aus und streckte die Arme nach dem Bündel aus um es in die Arme zu nehmen. Die Ärztin wusste, dass sie fehl am Platz war – Erika war bereits ganz im Bad verschwunden – darum entfernte sie sich auch. Kim hielt das kleine Mädchen, das gerade vor wenigen Stunden geboren worden war, jedoch aussah als zählte sie bereits zwei, drei Jahre, über seinen Kopf. „Du bist ja so süß!“, lallte er ihr zu. Dem Mädchen schien das gar nicht zu gefallen, denn es verzog gefährlich das Gesicht. „Du hast das Beste verpasst.“, sagte Lin. „Innerhalb von zwei Stunden ist sie drei Jahre alt geworden. Oder sogar vier?“ Ohne das Mädchen aus den Augen zu lassen antwortete Kim. „Sie wird noch ein wenig weiter wachsen. Sie hat viel Magie abgesaugt, darum wächst sie so schnell. Aber das legt sich wieder.“ Das kleine Mädchen begann zu weinen und mit den Füßen zu strampeln. Kim war ganz erstaunt. „Oh, was hast du denn?“ Er ließ es sachte hinunter und kaum, dass es festen Boden unter den Füßen spürte, da krabbelte es schon zu Lin hinüber um sich in ihrer Seite einzukuscheln. Ganz genießerisch ließ es sich von Lin liebkosen. Kim war gekränkt. „Sie mag mich nicht!“, stellte er fest. Lin sah arrogant auf. „Das macht doch nichts, ich mag dich auch nicht!“ Kim lachte. „Das war jetzt aber sehr gemein von dir!“ Ungeniert legte er sich dazu und streichelte dem Mädchen, ihrer Tochter, über das kleine Ärmchen. „Weißt du, ich habe mich sehr gewundert, dass Erika gleich nach der Geburt mit einer rosanen Decke und rosa Kleidchen und Schleifchen und dergleichen ankam! Als ob sie regelrecht auf ein Mädchen gewartet hätte!“, zischte Lin, nicht unfreundlich, aber gefährlich nahe dran. „Oh, ich habe gewusst, dass es ein Mädchen wird.“, antwortete Kim ihr leichthin. „Du hast es gewusst?“ Lin traute ihren Ohren nicht. „Natürlich ein Mädchen, Lin! Schließlich hat sie die Magie der Erde, also die Magie, die die Göttinnen der Welt eingeflösst haben um Leben darauf entstehen lassen zu können. Wem sonst sollten die Göttinnen diese Macht vermachen? Einem Mann?“ Sie brachen so laut in Gelächter aus, dass ihre kleine Tochter, gerade im Dämmerzustand versunken gewesen, aufschrak und heulte. Lin wandte die Aufmerksamkeit sofort ihr zu. „Nicht weinen. Ist ja alles gut, Riha!“ In Kims Herz explodierte etwas und er spürte einen Stich so tief wie zehn Wespenstacheln aneinander. „Was hast du gesagt?“ Ganz unschuldig musterte Lin ihn. „Ich möchte sie Riha nennen!“ Aber sie hatte es schon beschlossen als sie das nackte, Blut und Fruchtwasser verschmierte Bündel gesehen hatte, als sie noch mit dem Bündel verbunden war. Sie wollte Kim Schmerz zufügen, genauso wie er ihr Schmerz zugefügt hatte. Sie wollte ihn bestrafen und doch gleichzeitig ihm von dem Leid erlösen sein Versprechen nicht eingehalten zu haben. Lin nahm ihre Tochter auf den Arm und drückte sie an ihre Brust. Sie war entsetzt und doch fasziniert von dieser Tatsache. „Ich kann es immer noch nicht glauben, dass ich ein Kind habe! Mein Gott!“ Von einem seltsamen Glücksgefühl gepackt küsste Lin ihre Tochter auf die Stirn. Kim setzte sich auf. „Da bin ich aber erleichtert!“ „Warum?“ „Naja…ich habe befürchtet, dass du sie ver…verstößt…weil…“ „Nein!“, winkte Lin abfällig ab. „Dass du ein Mistkerl bist, dafür kann Riha nichts!“ Kim seufzte. „Wenn du so gut mit dem Schwert umgehen könntest wie mit deiner Zunge, hättest du Kriege gewonnen!“ Er beugte sich vor und streichelte dem Mädchen über den Kopf, über die blonden Haare. „Dann heißt du also Riha? Was für ein schöner Name!“

Der Aufruhr hatte sich gelegt und Benny hatte versucht wieder einzuschlafen, doch es ging nicht mehr. Er konnte nur an diese Gestalt denken! Ein paar Stunden war es nun her, seit ihrer Flucht. Keiner hatte von dem blinden Passagier gewusst, bis zu jenem Zeitpunkt mitten in der Nacht, da er die Schicht habenden Wachen niederschlug. Ein Mann hatte rechtzeitig Alarm geben könnten, bevor er niedergeschlagen worden war. Das hatte sie alle an Bord getrieben um zuzusehen wie die Gestalt, die sich einer der beiden Motorboote bemächtigt hatte, in der dichten Finsternis verschwand. Sie war in einem schwarzen Kapuzenmantel eingehüllt, sie verschmolz vollkommen mit der Dunkelheit. Nur ein leichtes Funkeln hatte in ihrer Hand gelegen. Wie ein winziger Spiegel. Sie hatten nicht das Geringste dagegen tun können. Und Benny war der Moment am Balkon des Hotels eingefallen. Auf dem Dach, die Gestalt, er hatte sie sich also doch nicht nur eingebildet. Darum auch hatte Kim zu jeder Zeit über ihre Pläne und ihren Aufenthaltsort bescheid gewusst – die Gestalt war ein Spion! Er könnte sich grün und blau ärgern, über seine Unvorsichtigkeit. Egal! Dass der Spion geflohen war, konnte nur bedeuten, dass sie kurz vorm Turm der Götter waren! Wie also sollte er da noch ruhig schlafen können? Nun tagte es allmählich. Im Osten tauchte der Himmel bereits in ein leichtes Oranges ein. Herr Liebgraf lehnte sich neben ihm über die Brüstung. „Herrlich, diese frische und salzige Luft!“ Er wusste, dass Herr Liebgraf ihn nur zu beruhigen suchte. „Was ist nun? Sind wir bald da?“ Herr Liebgraf sah ihm in die Augen. „Benny, wir sind schon da!“ Benny schreckte auf und sah sich um. „Was? Wo? Ich sehe nichts, nichts als Meer!“ „Das ist der Schutz, der den Turm umgibt. Nur du kannst ihn brechen.“ Entschlossen nickte Benny und zog das Schwert heraus, das in der Scheide auf seinem Rücken geruht hatte. „Ja, ich werde es tun! Ich werde den Großmeister des Bösen bezwingen!“ Mit einem Schrei schwang er sein Schwert und zerschnitt die Luft. Gen Osten, der Sonne entgegen. Einen Moment geschah gar nichts. Nichts… Dann verdichtete sich die Luft. Es war wie ein plötzlicher Nebel, der aufzog. Der so dicht war, dass man die Hand vor Augen nicht sah. Doch so schnell wie er gekommen war, verschwand er. Aber was nun zum Vorschein kam, war nicht mehr das einfache Morgengrauen! Genau vor dem Horizont, dort wo gerade die Sonne heraus kroch, erhob sich ein mächtiges Gebilde. Ein pechschwarzer Turm, dessen Boden vom Wasser noch verschlungen war und dessen Spitze in den Wolken verborgen lag. Hässlich ebenso sehr wie beeindruckend. „Das war es schon?“ Benny war enttäuscht. Er hatte sich ein spektakuläreres Ereignis vorgestellt. „Wie langweilig!“ Herr Liebgraf lachte. „Der Turm macht doch wohl alles wett, oder?“ Benny wurde wieder ernst. „Ich werde jetzt ins Boot steigen, ihr solltet nicht mehr weiterfahren. Kehrt um und fahrt erst in fünf Tagen wieder hierher.“ „In fünf Tagen?“, Herr Liebgraf war erstaunt. „Ist das dein Ernst?“ Benny nickte. „Hier ist es zu gefährlich! Und noch etwas“ Er reichte dem Mann seinen Rucksack. „Bitte bewahre das für mich auf.“ Lächelnd nahm Herr Liebgraf ihn entgegen. „Natürlich. Viel Glück, Benny. Rette uns alle!“ Wie im Traum war es ihm vorgekommen. Wie er ins Boot gestiegen und ins Wasser herabgelassen worden war, wie das Schiff immer kleiner geworden war, wie der Turm immer näher kam. Er achtete kaum darauf. Im monotonen Summen des Motors war er ganz in Konzentration verfallen. Er spürte das Schwert auf seinem Rücken, doch im Geiste hatte er es bereits in der Hand. Jetzt waren es nur noch ein paar Augenblicke. Dann begann der Kampf zwischen Gut und Böse… Sacht stieß das angeschwemmte Boot auf dem Sand. Benny setzte den ersten Fuß auf den sandigen Kiesboden. Der Turm erhob sich vor ihm wie ein böses Omen. So gewaltig, so schwarz und doch so prächtig. Die Kabel drangen aus der Erde wie die Wurzeln einer uralten Weide und schlangen sich den schwarzen Stein empor. Ja, es war der Turm auf der Zeichnung. Der Hauptturm. Schon lange nicht mehr der Turm der Götter – es war der neue Teufelsturm. Denn das gewaltige Einganstor hielt ein monströser Schädel im Maul. Ein gehörntes Tier mit reißenden Kalkzähnen. Es war der gleiche Eingang wie damals, in Ganons Schloss. Benny schluckte tief. Er spürte die Furcht, wie sie sein Bein hinaufkroch um an seinem Mut zu lecken. Er schüttelte heftig den Kopf um sie zu vertreiben. „Ich schaffe das! Ich habe es versprochen, also werde ich die Welt retten!“ Mit eiserner Faust zog er das Schwert und fühlte das kalte Metall in seiner Hand. Mit ruhigen Schritten verschwand er im Maul des Bestienschädels. Es war finster und kalt. Ein seichter Wind pfiff durch das Gemäuer. Es war nur der Gang, der einer feuchten Höhle glich. Am Ende dieses Ganges trat er in eine Empfangshalle. Die Decke spendete langweiliges Neonlicht. Sonst waren die Wände und der Boden vom schwarzen Marmor. Am anderen Ende des Raumes eine Tür aus schwerem Metall. Keine Tür, die aufschwang. Zwei Metallhälften, die noch aneinander klebten und ihr Geheimnis hüteten. Aber nicht mehr lange, dachte Benny und hob das Schwert. Kurz noch überlegte er wie er am besten vorgehen sollte. Großartig lärmen? Oder möglichst lange unentdeckt bleiben? Nein, Benny war sich fast sicher, dass bereits jeder in diesem Turm von seinem Eindringen wusste. Aber trotzdem? Ach… Ein Räuspern in seinem Rücken und er fuhr zusammen. Mit fahler Visage machte er auf den Absätzen kehrt. Das Schwert schwang in seiner Hand wild herum. Eine Gestalt hob sich im Dämmer des Ganges ab. Eingehüllt in einen pechschwarzen Mantel. Das Gesicht tief in der Kapuze verborgen. „Du!“, zischte Benny. „Du hast uns die ganze Zeit ausspioniert!“ Benny spürte sein Herz mit doppelter Geschwindigkeit schlagen. Sein erster Feind! Ob er jetzt kämpfen musste? Bestimmt! „Du Feigling! Zeig dein Gesicht und kämpfe wie ein Mann!“ Benny wartete nicht ab und stürzte vor, mit einem – etwas zittrigen – Kampfesschrei! Jäh rührte sich die Gestalt und Benny blieb erstaunt stehen. Die Hände der Gestalt hoben sich empor…ergriffen die Kapuze… Wie ein fließender Bach glitt der Stoff herab und gab das Gesicht frei. Die Klinge des Schwertes schlug auf den Boden. Bennys Arme waren schwer geworden, wie sein ganzer Körper. Die Augen vor Entsetzen geweitet. „Nein! Nein! Das…das ist nicht wahr… NEIN!“

und weiter geht´s


by Kim