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Die Erben der Macht 2



Autor: Kim




8. Kapitel

„…müssen sterben…“
Vivi schreckte als erstes aus dem Schlaf. Eine Stimme in ihrem Traum ließ sie aufschrecken. Doch als sie wach war konnte sie sich nur an „müssen sterben“ erinnern. Sie lag in einem großen Himmelbett in einem riesigen rosa- und weiß gestrichenen und dekorierten Raum. Ein Prinzessinnenraum! Die Möbel waren in altem, viktorianischem Stiel. Die Stühle und das Sofa gepolstert. Von der Decke hing ein großer, mit Diamanten besetzter Kronleuchter. Auf etlichen der vielen Kommoden standen Parfümfläschchen, verziert auch von fein geblasenen Figuren aus Glas, die direkt von den Bläserinseln um Venedig stammten und daher sehr wertvoll waren. An der Wand hingen Auszeichnungen, von Musikwettbewerben, Schönheitswettbewerben, Ballsaren und anderen Veranstaltungen. Und natürlich gab es viele Spiegel. Neben ihr lag und schlief noch Alexandra. Es musste ihr Zimmer sein. „Geht’s dir gut, Schwesterchen?“ „Wie oft soll ich dir noch sagen, dass du mich nicht so nennen sollst!“, fluchte sie und wandte sich ihrem Bruder zu. Dan lächelte ihr zu. Verwundert sah sich Vivi um. „Was ist denn passiert?“ „Ihr seid mit einem Mal ohnmächtig geworden…nachdem ihr das Masterschwert gereinigt habt.“, antwortete Herr Liebgraf, der auf der Bettkante saß. Vivi runzelte verblüfft die Stirn. „Also“, begann eine vertraute Stimme. „Jetzt kannst du mir mal erzählen wie ihr das gemacht habt!“ Benny saß umgekehrt auf seinen Stuhl und stemmte sich gegen die Lehne. Sein Gesicht ebenso wie seine rechte Hand waren ein einbandagiert. Mit einem Schrei fuhr auch Alexandra auf. Alle zuckten zusammen. „Äh…“ Irritiert kreiste Alexandras Blick umher. „Wo…wie…was…“ „Du warst ohnmächtig, Schatz.“, sagte ihr Vater und strich ihr über die Wange. Das gab ihr Zeit, zu sich zu finden. „Wo ist das Mädchen hin?“, fragte sie verwundert. „Welches Mädchen?“, entgegnete Benny ebenso verwundert. „Habt ihr sie nicht gesehen?“, erwiderte Vivi. „Das Mädchen mit den blauen Haaren!“ „Blaue Haare?“, fragte Dan nach.

„Ja genau!“, versicherte Vivi. „Sie hat uns geholfen das Schwert wieder clean zu machen und sie hat so komisches Zeug gefaselt!“ Benny wurde hellhörig. „Wer war sie? Und was hat sie gesagt?“ Vivi öffnete den Mund, doch Alexandra kam ihr zuvor. „Wer sie ist wissen wir nicht. Aber sie sagte so was wie, dass wir dem Held der Zeit helfen müssen und dass wir das Böse besiegen müssen. Und wir müssen den Hass irgendwohin verbannen…“ „In den Hades, Alexa!“, verbesserte Vivi. „Genau und…wie hast du mich genannt?“, trotzte Alexandra. Vivi stöhnte. „Hey, wenn wir schon zusammenarbeiten müssen, dann komm mal runter auf mein Niveau, klar!“ Eigentlich will ich mir nur die vier Buchstaben sparen ^^ ich weiß, bin faul Nun öffnete Alexa den Mund und Vivi überging sie. „Aber sie sagte etwas von einer Göttin! Dass wir gemeinsam mit dieser Göttin den Hass in den Hades bannen müssen.“ „Göttin? Wer soll das sein?“, fragte Dan skeptisch. In seinen Personalien stand zwar „katholisch“, aber er war nicht der Typ, der jeden Sonntag artig in die Kirche ging. „Aber wir müssen das Mädchen mit den blauen Haaren finden!“, fuhr Vivi fort. „Nur mit ihr können wir erwachen!“ Die Drei, die das Mädchen nicht gesehen hatten, waren perplex. Sie verstanden kein Wort. Vivi riss die Decke beiseite und sprang auf die Beine. „Aber wo sollen wir sie suchen?“, fragte Alexa Vivi. Vivi überlegte. „Ich weiß es nicht. Gibt es nicht irgendwelche Anhaltspunkte? Hast du in dienen Recherven nichts über sie gefunden?“ Alexa schüttelte den Kopf. „Nichts, ich wusste noch nicht einmal was von ihr. Und von uns auch nicht!“ „Um was geht es denn, verflixt und zugenäht!“, verlangte Dan zu wissen. „Hallo? Dürften wir auch mitreden?“ „Wer ist dieses Mädchen?“, fragte Benny.

Vivi und Alexa verstummten und sahen sich einstimmig an, sie mussten gar nichts sagen. Dann brüllten sie, aus einem Munde, Benny an: „Wir wissen es nicht, Hohlkopf!“ Benny zitterte über die plötzliche Lautstärke und kippte vom Stuhl. Die Gemeinschaft war kurz überrascht, dann lachte sie. „Wir sollten klein Anfangen! Wenn wir nichts von dem blauhaarigen Mädchen wissen, sollten wir andere, bereits vorhandene, Spuren verfolgen.“, schlug Herr Liebgraf vor. „Stimmt! Und ich weiß wo wir anfangen! Der Chip, Benny!“, sprudelte Dan los. „Welcher Chip?“, fragte Alexa verwirrt. „Ja genau!“, fiel es Benny wieder ein. Vorsichtig griff er in seine Hosentasche und holte das winzige Quadrat heraus. Klein und schwarz. „Das ist das einzige was wir haben. Der Chip ist aus dem schwarzen Turm, den wir zerstört haben.“ Herr Liebgraf runzelte die Stirn. „Darf ich…?“ Er streckte die Hand fordernd aus. Benny übergab ihm den Chip. Genauestens musterte er das elektronische Teil. „Woher habt ihr es?“ Benny zuckte die Achseln, er war es schließlich nicht gewesen, der den Chip geholt hatte. Doch Vivi sprudelte los, sie erzählte alles was im Turm vorgefallen war, von Anfang an. Auch die Benny und Dan erfuhren zum ersten Mal was geschehen war, ganz oben, am Ende der langen Wendeltreppe. Als Vivi mit ihrem detailgetreuen Bericht geendet hatte – herrschte Stille. In allen Köpfen arbeitete es.
„Und was tun wir jetzt?“, durchbrach Alexa die Stille.
„Wir sollten sehen was auf dem Chip gespeichert ist.“, schlug ihr Vater vor und rief sogleich nach dem Butler.
Wie ein Schatten kam dieser hereingeschlichen. Ein Mann im perfekt gerichteten Anzug und ebenso perfektem Haar. „Sie wünschen?“
„Bringen Sie bitte meinen Arbeitslaptop hierher. Er liegt auf dem Tisch in der Bibliothek. Ach ja, und bitte noch den Werkzeugkasten!“
„Natürlich, Master.“, sagte der Butler, jedoch nicht ohne Staunen in der Stimme. Und tat wie ihm geheißen.
Eine peinliche Stille folgte. Keiner hatte dem anderen etwas zu sagen, nicht einmal sich selbst. Es waren einfach zu merkwürdige Zwischenfälle passiert. In so kurzer Zeit. Herr Liebgraf studierte das winzige Teil noch immer, als könne er ihm schon vorzeitig sein Geheimnis entlocken. Der Bedienstete kam mit dem Laptop an und stellte ihn auf Alexas Kommode. Ungeduldig erhob sich Herr Liebgraf noch ehe der Butler sich entfernen konnte und griff nach dem Schraubenschlüssel. Sofort sprangen alle auf die Füße und versammelten sich alle um den Mann und schauten ihm aufmerksam zu, wie er die Schrauben herausdrehte. Doch schon als er nur das Innenleben des Laptop zum Vorschein brachte, wusste er nicht weiter. „Nun“, räusperte er sich. „Ich muss gestehen, dass ich nicht das Geringste von so was verstehe.“ Dan beugte sich über die künstlichen Gedärme. „Hm… naja, ich kenne mich eigentlich eher mit Autos aus, aber ich könnte mal…“ Schon erhob sich Herr Liebgraf und hieß Dan an sich zu setzen und an seiner Stelle fortzufahren. „Du kannst das doch gar nicht!“, zischte Vivi.
„Aber Flo kann es! Der hat mir doch gezeigt wie mein ein Laufwerk baut!“, zischte ihr großer Bruder zurück. „Ja toll, aber nur weil du mal zugesehen hast, heißt dass noch lange nicht…“ „Halt die Klappe!“

Vivi hob drohend die Faust. „Und wenn du was kaputt machst? Bin ja mal gespannt was Mom und Dad dazu sagen werden!“ Herr Liebgraf musste anfangen zu lachen, was sie zusammenfahren ließ. „Ist schon in Ordnung, junge Dame. Auf dem Laptop ist nichts Wertvolles, was nicht verloren gehen dürfte. Wenn er kaputt geht, ist es nicht schlimm. Ich besorge uns einfach einen Neuen.“ Dan sah Vivi an als wolle er sagen „Na siehst du!“ Dann konzentrierte er sich auf seine Arbeit. Vorsichtig hob er die Graphikplatte heraus. „Naja, ich weiß nicht genau wo ich das einsetzen soll, aber…ich tu es einfach zum Prozessor…“ Gesagt getan. Gespannt verfolgte die Meute, wie der Chip im Elektrochaos verschwand. Gerade einmal die Graphikkarte konnte er wieder an ihren Platz setzen, doch den Innenraum wieder versiegeln, dazu hatte keiner die Geduld. „Mach schon!“, drängte Alexa, während Dan noch beschäftigt war den Laptop sachte umzudrehen. „Schalt ihn an!“ „Jaja, ich mach ja schon!“ Dann drückte auf den großen schwarzen Knopf. Ein erschrockenes Aufatmen ging durch die Gruppe… Eigentlich musste jetzt ein kleines Lichtchen andeuten, dass das Laufwerk hochfuhr, aber – nichts. Dan drückte erneut. Wieder geschah nichts. Weder auf der Symbolleiste noch auf dem Bildschirm tat sich etwas. „Lass mich mal!“, forderte Vivi. Auch sie drückte den Einschaltknopf, noch dazu einige Sekunden lang. Doch auch jetzt blieb alles schwarz. „Aber ich hab doch…“, versuchte sich Dan zu verteidigen. „Nichts hast du!“, knurrte Vivi. „Du hast bestimmt irgendwas kaputt gemacht. Der Laptop geht gar nicht!“ „Aber, aber!“, versuchte Herr Liebgraf die Situation zu entschärfen. „Das macht nichts. Bauen wir einfach den Chip wieder aus und…“ Herr Liebgraf sprach noch weiter. Doch Benny hörte es nicht. Da war so ein komisches Gefühl in ihm. So ein Druck. Der kam aber nicht aus seinem Inneren – sondern aus dem Laptop. Eine Welle purer Schwärze, so schien es, kam ihm entgegen geschwappt. Seltsam. Mit jeder Sekunde schien der Druck sich noch zu verstärken. Er wollte schon die Anderen darüber informieren. Doch es gelang ihn nicht. Vivi kam ihm nämlich zuvor. „Was ist das?“ Die Anwesenden schauten verwundert auf. „Was ist was?“, fragte Dan. „Na dieser komische Druck. Als ob wir mit dem Flugzeug fliegen. Aber nicht im sondern auf!“ „Wie, bitte? Wie meinst du das?“, fragte Herr Liebgraf erstaunt. „Mir tun die Ohren weh! Dieser Druck!“, klagte Vivi. Herr Liebgraf und Dan verstanden gar nichts. Sie konnten nur verwundert die Stirn runzeln. Doch Benny umso mehr. Der Druck wurde immer stärker. Und er kannte ihn. Er hatte ihn schon einmal gespürt. Damals in seinem eigenen Haus. Mit diesem Druck war er auch gegen Lins Tür geschleudert worden. Plötzlich atmete Alexa laut auf und röchelte hektisch. „Ich…bekomme keine…Luft!“ Hysterisch versuchte sie Luft in ihre Lungen zu bekommen. Da wurde Benny klar, in welcher Gefahr sie sich befanden. Sie waren in – Lebensgefahr! „Auf den Boden!“, kreischte er mit schriller Stimme. „Sofort!!!“ Er riss Dan an den Schultern nach hinten. Aus Reflex krallte der sich an die Tischkante, doch Benny riss sie los, damit Dan rücklings vom Stuhl fallen konnte. „Macht schon!“ Die anderen folgten, denn ihnen wurde klar, dass Benny wusste, was er tat. Gemeinsam legten sie sich zu Boden. Der Druck war bis zum Maximum angelangt. „Was soll…“, begann Herr Liebgraf verwundert. Doch weiter kam er nicht. Denn in diesem Moment brach der Druck aus.

Mit einem ohrenzerreißenden Geräusch explodierte der Laptop. Eine Welle reiner Magie, denn die erkannte Benny nun, walzte sich durch den Raum. Die Parfümfläschchen sprangen auf, der Inhalt schoss wie eine Fontäne nach oben, bevor das Glas zersprang. Die Figuren zerplatzen wie Seifenblasen, die scharfen Teilchen rieselten auf den Boden. Die Spiegel zersprangen und schleuderten ihre Scherben von sich. Die Fenster taten es ihnen gleich. Die Scherben verteilten sich im Gras. Die Steine des Kronleuchters zersprangen zu winzigen Glitzerstücken, die Glühbirnen platzen. Die ganze Lampe erzitterte, ehe sie mit lautem Krach auf dem Boden zerschellte. Die ganzen Wände bebten, weil die Magie wie ein tobendes Meer gegen sie schlug und drückte, als wolle sie aus einem Gefängnis ausbrechen. Es dauerte eine ganze Minute, ehe alle Magie aufgebraucht war und der Druck, der zwar langsam gestiegen, aber von einem Augenblick zum nächsten seine ganze Kraft verloren hatte, verschwunden war. Plötzlich lag das ganze Haus still da, wie zuvor. Nur war das ganze Zimmer demoliert. Total verwüstet, als hätte ein Einbrecher, der Alexa alles andere als leiden konnte, darin gewütet. Schützend hatten sich alle die Hände über den Kopf gelegt, sich mit aller Macht auf den Boden gedrückt und gebetet, dass die Hölle bald vorbei ging. Doch nun wagten sie es, die Arme zu senken und aufzusehen. „Was, zum Himmel, war das!“, stieß Vivi hervor. Doch Benny sprang auf die Beine und schrie auf: „Jetzt weiß ich es!“ Durch den erdbebengleichen Vorfall noch den Schreck im Mark, zuckten die Anwesenden zusammen und blickten irritiert an ihm hinauf. „Was weißt du?“, fragte Alexa und erhob sich langsam. Sie schüttelte sich um die kleinen Splitter, die auf sie hernieder geregnet waren, abzubekommen. Auch die anderen erhoben sich zögerlich. Benny packte Vivis Arm so unerwartet, dass sie zusammenzuckte. Ganz aufgeregt redete er auf sie ein. „Erinnerst du dich an den Turm? Im Park – erinnerst du dich genau, wie er aussah?“ Vivi zog die Augenbrauen nach oben. „Naja…er war schwarz…“ „Nein, das meine ich nicht! Erinnerst du dich daran, was an ihm dran war?“ „Die Stromkabel?“, fragte Dan verwundert. „Genau!“, sagte Benny, sichtlich bemüht seine Stimme unter Kontrolle zu haben. Zu sehr war er von seiner Einsicht begeistert. „Die Stromkabel…der Chip – er ist eine Art Speicher für die magische Energie! Ihr habt sie ja gesehen! Das war die ganze Magie in ihm!“ „Und was hat das mit den Stromkabeln zu tun?“, fragte Alexa. Plötzlich dämmerte es auch Dan. „Strom?“ „Genau!“, wiederholte Benny aufgeregt. „Die Türme werden dazu benutzt um Strom aus der Umgebung abzuzapfen und sie in reine Magie umzuwandeln! Der Chip speichert sie dann in sich. Deshalb ist wahrscheinlich auch der Turm zerstört worden, als Vivi den Chip herausgenommen hat, weil so der Stromfluss unterbrochen worden ist!“ „Was? Echt?“ Ungläubig zog Vivi die Nase kraus.

„Das heißt also, dein – unser – Feind sammelt in diesem Augenblick eine Unmenge an magischer Energie um sie…“, begann Herr Liebgraf, doch war außerstande seinen Satz zu beenden. „Um die Welt zu zerstören!“, kam ihm Benny zu Hilfe. „Das bedeutet seine Kraft allein reicht dazu nicht aus. Er braucht also eine große Menge und wiederum haben wir also noch etwas Zeit bis zum Ende der Welt!“ „Aber wie? Wie will er mit Magie die Welt zerstören?“, fragte sich Alexa laut. „Und woher weiß er überhaupt was Strom ist? Ich dachte der kommt aus dem Mittelalter!“, empörte sich Vivi. „Naja, er ist schon eine ganze Weile hier.“, überlegte Benny und kratzte sich am Kopf. „Außerdem hat er sicher sehr viele Anhänger aus unserer Zeit.“, setzte Dan hinzu. „Wenn euch schon einer angegriffen hat, wer weiß wie viele ihm unterstehen.“ „Trotzdem! Mir kommt das spanisch vor!“, rechtfertigte sich Vivi und verschränkte die Arme vor der Brust. „Mein ganzes Zimmer ist zerstört!“, heulte Alexa los. „Wie konnte so etwas passieren?“ Herr Liebgraf versuchte seine Tochter zu trösten. „Ist schon gut, ich werde alles genauso herrichten wie vorher.“ „Nein, Papa. Ich will ein noch viel schöneres und größeres Zimmer!“, forderte Alexa. Herr Liebgraf öffnete den Mund um es ihr zu versprechen, doch er kam gar nicht zu Wort. „Hey! Dein blödes Zimmer ist immer noch das kleinste Problem das wir haben!“, fauchte Vivi. Alexa strafte sie mit einem bösen Blick, was ihr nichts weiter ausmachte. „Was machen wir jetzt? Was bringt uns das?“, fragte Dan laut in die Runde, auch um einem Streit zwischen den zwei Mädchen vorzubeugen. „Wir müssen…“, begann Benny, doch auch er wurde unterbrochen. Nicht von Vivi, sondern von der sich öffnenden, und nun quietschenden, Tür. Völlig zerzaust und verängstigt trat der Butler ein. „Master! Es gab ein Erdbeben – hier! Bei uns! Das ist unbegreifbar, aber das ganze Haus ist zerstört. Alles ist zu Bruch gegangen und…“ „Ich weiß, beruhigen Sie sich erst einmal.“, redete Herr Liebgraf beruhigend auf seinen Bediensteten ein. Dann sah sich der Butler entsetzt um. „Das Zimmer des kleinen Fräuleins ist…oh Gott!“ „Bitte, sehen sie nach den anderen Gästen, die noch im Speisesaal verweilen müssten!“, verlangte der reiche Mann und schickte den Butler wieder weg. „Was wolltest du sagen, Benjamin? Fahre bitte fort.“ Von der förmlichen Höfflichkeit überschüttet war Benny kurz verwirrt, sammelte sich aber gleich wieder. „Wir müssen den Hauptturm finden!“ „Den Hauptturm?“

„Ja, ich habe eine Zeichnung von ihm. Dort müsste sich Kim aufhalten – und bestimmt auch meine Schwester! Aber ich weiß nicht wo er ist.“, setzte Benny nach. „Was machen wir jetzt?“, fragte Alexa ungeduldig. Herr Liebgraf schien angestrengt zu überlegen. „Hm… Erst einmal solltet ihr nach Hause gehen, eure Eltern machen sich bestimmt schon Sorgen!“ „Ganz sicher nicht!“, widersetze sich Vivi. „Das können wir gar nicht, nicht nach allem was passiert ist! Dan und ich sind sowieso allein, unsere Eltern sind für zwei Wochen verreist. Und Benny kann so bestimmt nicht einfach ins Haus platzen und seinen Eltern um den Hals fallen!“ Von der stürmischen Erklärung Vivis überrascht, lächelte Herr Liebgraf. „In Ordnung, du hast ja Recht. Dann bringe ich euch alle erst einmal in einem Hotel unter. Danach sehen wir weiter. Vorher, lasst uns erst zu euren Freunden gehen.“ Alle nickten einstimmig. Gemeinsam gingen sie zurück in den Speisesaal. Dort sah es nicht viel besser aus als in Alexas Zimmer. Die ganzen Speisen hatten sich am Fußboden verstreut. Die teuren Kristallgläser lagen zerbrochen unter ihnen. Ihre Freunde drängten sich Bange in eine Ecke des Zimmers, ebenso wie der Chauffeur James, und warteten auf ein weiteres Erdbeben. „Hey, was…was ist passiert?“, wagte Google mit zitternder Stimme zu fragen. Gummy war so aufgeregt, dass er ausnahmsweise vergas heftig auf seinem Kaugummi herumzukauen. Während Jessi sich hinter Joe gedrängt hatte, wobei er immer wieder versuchte sich hinter ihr zu verstecken, sie ihn aber nicht ließ und selbst als Schutzschild gebrauchte. „Der Chip ist zerstört. Das war die ganze Magie, die drin war.“, sagte Benny leichthin. „Mir reicht’s jetzt langsam!“, kreischte Jessi. „Ich habe die Nase gestrichen voll! Ich mache da nicht mehr mit.“ Sie war ganz außer Atem. „Ich geh nach Hause!“ „Ja, das ist wohl das Beste.“, stimmte Herr Liebgraf zu. Jessi und auch die anderen Vier, die nichts von alldem mitbekommen hatten, was in der letzen Stunde geschehen war, erschraken sich über diesen Vorschlag. Jessi besonders, denn sie hatte dies eigentlich nur gesagt um sich Luft zu verschaffen. „Aber…aber…“, stotterte sie beschämt. „Das können wir doch nicht!“, versicherte Joe. „Wir helfen…“ „Nein“, sagte der Mann fest. „Es ist besser, wenn ihr nach Hause geht. Ihr seid mehr durch Zufall als durch Schicksal in diese schlimme Sache hineingeraten. Es ist zu gefährlich und zu unverständlich für euch. Außerdem machen sich eure Eltern sonst Sorgen um euch, das könnte ich niemals verantworten!“ „Aber…“, versuchte es nun auch Gummy und kaute wieder auf seinem Kaugummi herum. „Das geht doch nicht…“ „Ja, genau! Wir waren mit im Turm dabei!“, argumentierte Joe. Doch Herr Liebgraf überging ihn und wandte sich an den noch immer verdutzt dreinblickenden Butler. „Holen Sie doch bitte schnell ein Taxi, beim Postamt stehen immer welche. Bringen Sie die Kinder nach Hause. Und nehmen Sie sich danach für ein paar Tage frei, ich kontaktiere Sie dann. Natürlich kriegen Sie weiterhin ihren Lohn, auf führ ihren plötzlichen Urlaub!“ Noch während er sprach und versicherte, holte der Mann seine Brieftasche heraus und zog ein paar Scheine heraus, die nach ziemlich viel aussahen. Der Butler nahm das Geld mit einer mechanischen Bewegung entgegen und ebenso wie ein Roboter wandte er sich um und hieß den vier Jugendlichen ihm zu folgen. Sie zögerten alle, keiner war damit zu Frieden an jetzt nur noch zu Hause untätig herumzusitzen und zu warten. Doch schließlich folgten sie dem Hausdiener nach draußen und sie sollten keinen derer wieder sehen, die sie jetzt in der brüchigen Villa zurückließen. Doch das wusste natürlich keiner von ihnen. Niemand wusste es. Benny, Vivi und Dan starrten ihnen nach. „Was machen wir jetzt?“, fragte Alexa. Kurz ließ sich ihr Vater Zeit mit seiner Antwort. Dann aber begann er seine weiteren geplanten Schritte kund zu geben. „James holen sie die Limousine – ich kann nur hoffen, dass sie nichts abbekommen hat – und fahren sie Alexandra und ihre Freunde zum Olymp. Mieten sie das beste Zimmer, das sie dort noch frei haben! Nehmen sie sich dann auch frei.“ „Und was machen Sie?“, fragte Benny. Herr Liebgraf lächelte. „Nicht so förmlich, duze mich nur. Schließlich sind wir doch so eine Art Partner. Jedenfalls, ich mache mich jetzt gleich auf die Suche nach einem funktionierenden Telefon. Ich muss ein paar Freunde anrufen, die uns sicher helfen können. Mach dir keine Sorgen und überlass das alles mir. Das Schwert bringe ich auch nach. In Ordnung? Und ihr“, fuhr Herr Liebgraf, an Dan und Vivi gewandt, fort. „ruft ja eure Eltern an, damit sie nicht irgendwann zu Hause anrufen und feststellen, dass keiner von euch dort ist!“ Vivi und Dan nickten. „Gut, dann sehen wir uns spätestens morgen wieder.“, versicherte Herr Liebgraf und verabschiedete sich von den Jugendlichen.

Die Limousine hatte zu ihrem Glück nichts abbekommen und nach ein paar Minuten standen sie vor dem Olymp. Der Olymp stellte sich als Fünf-Sterne-Hotel heraus. Sie bekamen die Suite erster Klasse im obersten Stockwerk. Die Zimmer waren luxuriös, eines besser als das Andere. Es gab zwei Badräume, die hatten sie unter sich und Jungen und Mädchen aufgeteilt. Und drei große Schlafräume. Sie schliefen jeweils zu zweit in einem. Benny mit Dan, Vivi mit Alexa. Das dritte blieb leer. Sie hofften auf das Eintreffen Herrn Liebgrafs. Benny hatte ein ausgiebiges Bad genommen, es war das erste seit Tagen, an denen so viel passiert war. Es war eine physische und mentale Wohltat gewesen. Mittlerweile war es später Abend geworden. Benny stand auf dem Balkon und ließ sich den Wind um die Ohren sausen. Die Aussicht war atemberaubend schön. Hinter den Wipfeln der entfernten Hügel sah er den leuchtend orangen Lichtball langsam unter den Horizont gleiten. Die Tür stand offen und er konnte Dan hören, wie er mit seiner Mutter am Telefon sprach und ihr versicherte, dass bei ihnen alles in Ordnung war und sie doch bitte einfach ihren Urlaub genießen solle, weil sie sich doch sonst nicht vom Alltagsstress erhole. Wo sie es doch so sehr verdient hatte wenigsten für zwei Wochen nur für sich und ihren Mann zu leben. Benny seufzte. Einerseits spürte er eine innere Erleichterung. Er hatte jetzt teure Freunde, die ihm ihre Hilfe in einem Kampf um die Welt zugesichert hatten und noch dazu hatte er Kim hörig eins ausgewischt und kam ihm langsam aber beständig auf die Schliche. Andererseits war das hier nicht mehr nur ein Herumsitzen und Daraufwarten, dass jemand kam und ihn rettete, so wie es im Wüstentempel der Fall gewesen war. Außerdem waren sie hier nicht in der Vergangenheit, alles was hier geschah hatte mehr denn je Auswirkungen auf seinen Alltag und sein Leben. Und seine Schwerster! Er machte sich so viele Sorgen um Lin. Sein Kopf drohte vor Sorge und Schuldgefühlten zu platzen. Er hätte es doch wissen müssen, dass da was faul war. Wie hatte er Kim – den Sohn von Links größtem Erzfeind – vertrauen können? Es war an ihm gewesen Kim zu durchschauen! Schließlich kannten niemand außer Lin und ihm Kim gut genug um, um seine Kräfte zu wissen. Und Lin hatte ja nichts dafür gekonnt, dass sie das Böse in Kim übersehen hatte, immerhin war sie in Kim verliebt gewesen. Liebe machte doch blind! Er selbst dagegen war alles andere als verliebt und trotzdem blind gewesen! Dummkopf was du doch bist, Benny! Deinetwegen ist es so weit gekommen! Er hörte Schritte hinter sich und schrak aus seinen Schuldzuweisungen auf. Blitzschnell drehte sich Benny um. „Entschuldigung, ich wollte dich nicht stören.“, sagte Vivi und schob die Tür hinter sich zu. „Es ist sonst so kalt in der Wohnung.“, erklärte sie. Ebenso wie Benny lehnte sie sich ans Gitter und sah in die Ferne. „Schöne Aussicht, nicht wahr?“ „Hmh“, nuschelte Benny. „Machst du dir Sorgen um deine Schwester?“, fragte Vivi direkt. Benny senkte den Blick. „Ja.“ Aufmunternd klopfte Vivi so stark sie konnte Benny auf den Rücken, wie sie nur konnte. „Ach jetzt hör auf, sonst machst du dich nur noch mehr runter! Deiner Schwester geht’s ganz bestimmt total gut! Schließlich ist sie ein Mädchen – und Mädchen zeigen Jungs immer wo es langgeht!“ Benny lächelte schwach. „Danke, Vivi.“ Vivi wollte noch etwas sagen, doch in diesem Moment ging die Tür auf. Dans Kopf lugte heraus. „Schwesterchen, komm und rede du mit Mom. Sag ihr, dass es dir gut geht und sie sich keine Sorgen um ihre kleine Prinzessin machen muss!“ „Nenn mich nicht so!“, fauchte Vivi und riss ihm den Hörer des schnurrlosen Telefons aus der Hand. Sie trat ein um ruhig mit ihrer Mutter zu reden. „Hey, Benny! Willst du nicht reinkommen? Der Service war schon da und hat das Abendessen gebracht.“, sagte Dan. „Ja, ich komme.“, sagte Benny, blickte noch einmal zum Horizont, wo die Sonne nur noch ihre letzten Strahlen auf sie fallen ließ, und drehte sich, etwas ermunterter als noch gerade eben, um. Da sah er einen Schatten auf dem Dach und erschrak sich fast zu Tode. Er blinzelte und starrte auf den Punkt auf dem Dach. Doch da war nichts. Gar nichts, nur das Dach. Mit gerunzelter Stirn suchte er das Dach nach dem Schemen um. „Ist was?“, fragte Dan.
Schulterzuckend gab Benny auf und schüttelte den Kopf. Er brauchte unbedingt ein paar Stunden gesunden Schlaf. Mit einem leichten Frösteln trat er in die Suite und schloss die Schiebetür hinter sich zu. Kohldampf hatte er tatsächlich, nachdem er in Alexandras Haus nichts angerührt hatte… Die Gestalt erhob sich aus ihrer Deckung auf dem Dach. Das war knapp gewesen. Beinahe hätte sie sich verraten. Aus dem Lüftungsschacht konnte sie die Stimmen der Jugendlichen ganz deutlich hören. Wie sie beim Essen miteinander sprachen. Sie setzte sich hin und lauschte. Die Spiegelscherbe lag ruhig in ihrer Hand.

Völlig perplex stand sie da. Lin sah sich um. Sie sah sich die Hauptstraße entlanglaufen. Genau den Weg, den sie immer von der Schule nach Hause lief. Sie war gar nicht mehr verwundert. Denn sie erinnerte sich, dass sie im Raum, in dem sie gefangen war, eingeschlafen war, nachdem sie Erika endlich losgeworden war – nachdem sie noch dreimal erbrochen hatte. Sie hatte erbrochen, weil sie zu viel gegessen hatte. Unmengen an Nahrung hatte sie in sich hineingestopft. Es war furchtbar! Sie aß so schrecklich viel in letzter Zeit. Sie konnte gar nicht aufhören zu essen, weil sie nicht satt wurde. Und war sie es, nach Stunden, endlich einmal, hatte sie nach ein paar Minuten wieder dieses ordinäre Verlangen. Nicht einmal eine normale Schwangere aß solche Mengen. Es war furchtbar!!! Jedenfalls schlief sie nun. Und träumte. Sie träumte sie war wieder zu Hause. Und sie kam gerade von der Schule, denn sie spürte ihren Schulranzen auf dem Rücken. Aber es war bereits dunkel. Nein! Es war stockdunkel! Es brannte kein einziges Licht. In keinem Haus. Kein Auto mit leuchtenden Scheinwerfern fuhr vorbei. Nicht einmal die Laternen, die nachts hätten brennen müssen, schienen. Es war finster und ausgestorben. Nur der runde Vollmond schien auf sie herab und erhellte ihr den Weg. Lin blieb stehen. Was sollte sie tun? Nach Hause gehen? Wo sowieso niemand auf sie wartete, weil sie nur träumte? Es war menschenleer. Niemand war da, sie war allein. Und es war kalt. Ein eisiger Wind blies. Sie fröstelte.

Schließlich hatte sie nur den Minirock und das dünne Sweatshirt an. Die gleichen Sachen, die sie in ihrem letzten Traum angezogen hatte. Nun lief sie schneller, sie rannte die Straße entlang, weil ihr kalt war. Sie wollte nach Hause. Dort war zwar niemand, aber es war nicht minder verlassener als diese Straße und zumindest konnte sie dort die Heizung aufdrehen. Nur weg, ins Warme wollte sie. Sie wünschte sich doch die Bodenheizung. Sie hasste den Raum im Turm zwar, weil sie in ihm gefangen war, jedoch war ihr der Luxus sehr wohlgesonnen. Sie wünschte sich, sie möge erwachen! Im nächsten Moment wurde sie geblendet. Von einem hellen Neonlicht. Lin blieb stehen. Das Licht kam aus einem Haus auf der anderen Seite. Es war die Eisdiele. Oft war sie mit ihren Klassenkammeraden oder ihren Freundinnen dort hingegangen. Dort gab es das beste Eis weit und breit. Und Luigi, der italienische Besitzer, war der beste Eismischer weit und breit. Immer wenn es was zu feiern gab, dann hieß es „Gehen wir zu Luigi!“ oder „Heute wird bei Luigi gefeiert!“. *räusper* Klischee ;) Jetzt gab es nicht nur das beste Eis weit und breit, sondern auch das einzige Licht. Lin war in Versuchung ihrer Neugier zu erliegen. Sie wollte dem auf den Grund gehen. Vielleicht träumte sie ja von Luigi. Noch kurz rang sie mit sich und ihrer Vernunft, bis diese verlor. Langsam, wie ein Einbrecher schleichend, ging sie dem Licht entgegen. Von außen sah sie hinein und presste ihr Gesicht gegen die Scheibe. Niemand war in der Diele. Die Tische und Stühle ringsum waren unbesetzt. Und auch die Theke lag ruhig da. Durch die Scheibe sah man die vielen verschiedenen Eissorten. Sofort meldete sich auch ihr Magen. Er war schon wieder hungrig. Er hatte regelrechten Heißhunger! Doch Lin blieb noch stehen und vergewisserte sich, dass wirklich niemand da war. Dann erst schlich sie sich zur Tür hinein, in die warme Stube. Nicht warm aber wärmer als draußen. Sie stellte sich vor die Theke. Kurz zuckte sie zusammen, als der Perlenvorhang wehte, der die Verkaufsstube vom hinteren Teil des Gebäudes trennte. Doch es war nur der Wind, denn sie mit hineingebracht hatte. Ihr lief das Wasser im Mund zusammen, als sie die herrlich schimmernden Eis-Cremen sah. „Was darf es sein?“ Lin erschrak nicht, obwohl sie es hätte tun müssen. Sie sah nur auf. Ein junger Mann zog den Perlenvorhang beiseite und trat hinter die Theke. Er trug eine schwarze Hose und ein schwarzweiß gestreiftes Shirt und auf seinem Kopf war eine Kappe aus Pappe, genau die Arbeitskleidung, die Luigi täglich trug. Aber es war nicht Luigi. Denn Luigi war nicht jung. Luigi hatte keine feuerroten Haare. Und Luigi grinste auch nicht auf solch höhnische Art und Weise. Der Junge nahm den Eisschöpfer in die Hand und drückte die zwei Klappen auf und zu, sodass das Metall klapperte. „Zwei Kugeln Vanille!“, sagte Lin. Ganon griff nach einem der Becher und schöpfte zwei großzügige Kugeln aus dem Metallbehälter um sie in den Becher zu klatschen. Dann stellte er ihn auf die Theke. „Einen Euro zwanzig!“, forderte Ganon. Lin schwang den Rucksack von einer Schulter um an ihren Geldbeutel zu gelangen. Das Geld selbst legte sie nicht in Ganons ausgestreckte und wartende Hand, sondern auf den kleinen Porzelanteller. Ganon nahm es gelassen. Lin ergriff den Becher und wandte sich ab. Sie sah nach draußen, aber es war unmögliche etwas zu erkennen, wenn man im Licht stand. Also gab sie es auf und setzte sich in die hinterste Ecke des Raumes auf einen Stuhl. Die Schultasche neben ihr. Obwohl sie großen Hunger verspürte versuchte sie das Eis zu genießen. Sie nahm immer nur kleine Tupfer auf den Löffel. Sie überlegte wann sie das letzte Mal hier gewesen war. Nicht im Traum sondern in dieser Eisdiele. Mit ihren Freundinnen. Nein, eigentlich war sie mit jemand anderem das letzte Mal hier gewesen. Mit Kim… Ganon ließ sich auf dem Stuhl ihr gegenüber nieder. Und stellte die ganzen Eisbecher, die er trug, ab. Die Pappkappe hatte er abgelegt. Mit größter Vorfreude rieb er sich die Hände und überlegte angestrengt mit welcher Sorte er anfangen sollte. Vanille? Erdbeere? Banane? Oder Stratiatella? Er tauchte den Löffel in das Schokoladeneis. Lin sah ihm dabei zu, wie er von jeder Sorte ein gutes Stück kostete und es sich auf der Zunge zergehen ließ. Lin sah ihm dabei zu. Ihr mickriges Eis hatte sie schon ganz vergessen. So sehr faszinierte es sie wie wissenschaftlich Ganon die Eissorten analysierte. Als er bei Zitrone angelangt war, sagte er: „Mmh…das schmeckt am Besten!“ Und blieb bei dieser. Er verschlang eine Menge Eis. Schließlich war sie es, die den Löffel beiseite legte. „Warum isst du immer, wenn ich träume?“, fragte sie. Nun sah auch Ganon auf. „Soll ich dir denn nur zuschauen?“ Er lachte. „Du weißt genau wie ich das meine!“, entgegnete sie ärgerlich. Ganon verstummte und zuckte die Achseln. „Warum nicht? Ihr habt hier Leckeres zu essen. Viel besser als in meiner Zeit.“ „Aber…was soll das? Warum sitzen wir hier und unterhalten uns? Wir sind doch Feinde!“ Erneut lachte Ganon. Dunkler und bösartiger als zuvor. Wie ein Dämon. „Natürlich sind wir das! Und nichts tät ich lieber als deinen kleinen Hals zu würgen bis das Leben aus dir herausquellt. Aber das geht nun mal nicht.“ Lin öffnete den Mund um zu sprechen, doch Ganon schnitt ihr das Wort ab. „Du willst wissen warum? Weil ich tot bin und mit mir auch meine Macht. Ich bin nicht mehr, ich habe meinen Platz abgegeben. Es ist die Entscheidung meines Sohnes was mit dir geschieht nachdem du nutzlos geworden bist, aber so wie ich das sehe wird er nicht tun, was er tun müsste. Er wird dich nicht beseitigen, obwohl du eine große Gefahr darstellst. Welch ein Jammer dieses verfluchte Gefühl, dass sich Liebe nennt. Es hindert einen am klaren Denken!“ „Stimmt, man wird im wahrsten Sinne blind!“, sagte Lin. „Ein Glück, dass es ein solches Problem für dich nie gab! Da bist du deinem Sohn weit voraus!“ Ganon sah sie verwundert an. Er war verblüfft über ihren plötzlichen Ausbruch. Und über ihre gänzlich falsche Einschätzung von ihm. „Du hast eine überaus negative Einstellung mir gegenüber.“, schlussfolgerte er. Lin sprang auf die Beine. „Du Penner!“, schrie sie und ließ ihren Arm über den Tisch fegen, sodass alle Becher auf den Boden fielen und das Eis sich als bunte Brühen über die Fließen ergossen. Sie hatte Tränen in den Augen, so weh tat ihr dieses Gespräch. Sie wollte nur noch weg. Ihre Schultasche vergaß sie. Lin wandte sich nur um und wollte davonrennen. Doch es ging nicht. Sie war gelähmt. Denn sie stand nicht mehr in Luigis Eisdiele. Nein. Diesen Raum kannte sie. Es war der große Saal im Wüstentempel. Sie war starr vor Schreck. Was…?

Plötzlich hörte sie ein Geräusch. Zwei helle Stimmen, die leise miteinander flüsterten und kicherten. Sie sah hinauf, zum Kopf der gigantischen Shjra-Statue… In der großen Halle, die Mitte des heiligen Gebäudes, bildeten sich zwei Kugeln, die die wild umher werkten und sich schnell um sich selbst drehten. Eine Rot, die andere Blau. „Du traust dich bestimmt nicht!“, flüsterte eine Stimme. „Und ob! Wollen wir wetten?“, erwiderte eine andere darauf. „Pah, sie werden dich bestrafen.“, gab die eine zurück. „Pah, das wagen die nicht!“ Aus den beiden Kugeln formten sich die beiden alten Hexen – Koume und Kotake. „Was für ein herrlicher Tag, Kotake!“, kicherte Koume. „Ganz recht, ganz recht, liebe Schwester. Wie geschaffen um den Unterricht vorzubereiten!“ „Aber dieses Mal keine Schonung!“ Koume gestikulierte wild mit den Armen. „Der Herr meint sonst, er muss schon in so jungen Jahren aufmüpfig…“ Ein Schatten sprang vom Kopf der steinernen Statue herunter – auf sie zu. Als sie ihn sah kreischte sie auf und wollte ihren Feuerzauber ausführen, aber es war bereits zu spät. Die schemenhafte Gestalt klammerte sich an das strohige Ende ihres Besens und riss sie davon herunter. Kopfüber flog sie auf den harten Grund zu und schrie um ihr Leben. Ihre Schwester Kotake, außer sich und ebenfalls laut kreischend, flog zu ihr und fing sie kurz vor dem Aufschlag. Durch das Gewicht und den Schwung verlor auch ihr Besen die Balance und beide knallten schmerzlich auf den Boden. Wenn das Ergebnis auch nicht schlimmer als ein großer blauer Fleck war, sie waren außer sich vor Zorn. Beide schleuderten sie ihre Zauber auf den dreisten Angreifer. Geschickt wich Ganon ihnen aus und konnte gar nicht aufhören zu lachen. „Ach kommt Gothama, vertragt ihr keinen Spaß?“ Schwerfällig versuchten die beiden Hexen ihre Fassung wiederzuerlangen. Mit einem schrecklich aufgesetzten Lächeln erwiderte Koume: „Junger Herr, das war wirklich unglaublich witzig, aber wir wären Euch ungemein verbunden, wenn ihr für euer Vergnügen ein anderes Leben als unseres aufs Spiel setztet.“ Ganon landete auf der rechten Hand der Priesterin Shjra und warf den, in die Jahre gekommenen, Besen der Alten 30 Meter in die Tiefe. Ein erneutes Aufklatschen – und der Besen zerschälte in unzählbar viele Holzsplitter. Entnervt beweinte die rote Hexe den Verlust, während bei Kotake das Fass zum Überlaufen gebracht worden war. „Ihr habt keinerlei Respekt vor uns. Waren es nicht wir, die Euch unter Anstrengungen und Mühen erzogen und gelehrt…“ „Nein!“, unterbrach Ganon sie. Er verschränkte die Arme vor der Brust und starrte eisern auf sie herab. „Es war Nebu! Ihr seid lediglich der elendige Teil meines Lebens!“ Seine Worte waren wie ein Wasserfall. Gewaltig und gnadenlos prasselten sie auf alles und jeden hernieder, der das Pech hatte genau darunter zu stehen… „Nun gut“, Kotake räusperte sich. „Da Ihr schon einmal da seid, können wir gleich früher…“ „Darum bin ich früher gekommen. Ich habe heute keine Lust auf Unterricht.“ „W…was?“, stotterte sie.
„I-c-h h-a-b-e h-e-u-t-e k-e-i-n-e L-u-s-t a-u-f U-N-T-E-R-R-I-C-H-T.“,

wiederholte Ganon betont langsam und laut. „Aber, junger Herr. Das geht nicht…“, begann Koume. „Ach nein? Ich dachte ich bin der König. Ich mache was ich will!“ Die beiden Hexen waren kurz vor einem Nervenzusammenbruch. „Ohne jeden Zweifel macht Ihr das. Komm, liebe Schwester, wir sind hier nicht von Nöten.“ Koume sammelte die Einzelteile ihres Besens auf und verschwand in einer roten Leuchtkugel, die sich gleich darauf auflöste. Kotake tat es ihr nach, mit einem feindseligen Blick auf den Jungen, der unbekümmert auf der Steinhand saß, die Beine baumeln ließ und ihr fröhlich gehässig zum Abschied winkte. „WOW, denen hast du es aber gezeigt. Der geborene Herrscher!“ Naboru beugte sich über dem Kopf der Skulptur nach vorne. „Natürlich, was hast du erwartet?“, erwiderte Ganon in seiner überaus großen Bescheidenheit. „Und jetzt lass uns was machen, sonst wird mir langweilig!“ Das Mädchen stand auf und setzte an. Mit rasender Geschwindigkeit rannte sie über den Kopf die Schulter und den waagrechten Unterarm, auf dessen Handfläche sich Ganon befand. Er sprang auf. „Naboru, halt an!“, sagte er mit seiner gelassenen Stimme. „Kann nicht, bin zu schnell!“ „Halt an!“, japste er und sah sich nach einer Ausweichmöglichkeit um. Es gab keine – Mit einem lauten Pock knallten beide Stirn auf Stirn und durch den Schwung fielen sie kopfüber in die Tiefe. „*Schrei*, rette uns, RETTE UNS!!!“ Naboru krallte sich in den Stoff von Ganons Hemd. „Das versuche ich doch!“ Er schloss die Augen und versuchte sich krampfhaft zu konzentrieren. Ganon spürte wie ihn die Wellen seiner Magie durchströmten. Sie flossen durch sein Herz, durch seine Blutbahnen, durch jede einzelne Faser seines Körpers… Mit einem langen Ausatmen setzte er seine Macht frei um ihren Fall zu verlangsamen. Ein leiser, winziger Aufschlag und beide lagen keuchend aber unversehrt auf festem Boden. Die eine aus Erleichterung, der andere aus Anstrengung. „Sag mal, spinnst du? Du hättest uns umbringen können!“, herrschte er seine Spielkameradin an. „Entschuldige!“, sagte sie und lächelte. Nichts konnte sich mit ihrem Lachen vergleichen. Wie sich ihre roten Lippen in einem Bogen kräuselten und sich von ihrer hellbraunen Haut abhoben. Sie verbrachte viel mehr Zeit unter der gleißenden Sonne als er und trotzdem war er um einiges braungebrannter als sie. Ihre hohen Wangenknochen hoben sich an und betonten ihre Augen. Wie kleine grüne Steinchen sahen sie aus. Naboru wusste schon als 10jährige Göre ihre Waffen als zukünftige Frau zu gebrauchen. „Du verzeihst mir doch, oder?“ Sie trat einen Schritt auf ihn zu und sah ihm in die Augen. Und man hätte schwören können in seinen schmalen Schlitzpupillen ein kurzes Aufleuchten zu entdecken. „Ja, ja, und jetzt komm schon!“ Ganon packte sie am Handgelenk und zog sie hinter sich her. Mit einem triumphalen, selbstsicheren Lächeln ließ sie es zu.
***
„Aua, das gibt bestimmt eine riesige Beule!“, heulte der junge König. „Das ist deine Schuld.“ Er tauchte seine Hände in das noch kühle Wasser der Oase und ließ es über einen allmählich blau werdenden Fleck auf seiner Stirn fließen. „Ach sei still, du alter Jammerlappen.“, erwähnte Naboru möglichst nebenbei. Empört sah er auf. „Hab ich mich verhört oder hast du mich, den Regenten des Volkes der Wüste, dessen Untertan du bist gerade beleidigt?“ Das Mädchen kratzte sich am Hinterkopf und tat überlegend. „Ich bin mir nicht sicher, aber ich denke schon.“ Ganon stürzte sich auf Naboru und in einem wilden Gerangel wälzten sie sich über den Boden. Bis schließlich Naboru die Oberhand gewann und Ganon auf dem Boden festnagelte. „Willst du dich mit mir, das ältere Kind von uns beiden, anlegen?“ „Pah, älter um 40 Atemzüge!“ Sie verschränkte die Arme vor der Brust. „Aber immer noch stärker als du!“ Er verengte seine Augen zu Schlitzen. „Fragt sich nur wie lange noch.“ „Lang genug, um mich in deiner Unterlegenheit zu sonnen!“ „Sommersprossenvisage!“ Naboru war übersät von kleinen dunklen Sommersprossen. „Suchst du Ärger Fleckenfresse?“ „Was?“, fragte Ganon. Abrupt legte sich Naborus Stirn in Falten. „Komisch, aber sind die Flecken nicht größer geworden?“ Ganon schielte um seine Nasenspitze zu betrachten - „Was in aller Welt macht ihr da?“, rief eine Stimme plötzlich. Sie zuckten erschrocken zusammen. Eine junge Frau, mit dem Namen Dana, stand mit wissender Miene neben dem großen Felsen. „Anstatt euch darüber zu streiten wer von euch das Alphatierchen ist, solltest du“, sie zeigte auf Naboru. „beim Training sein und du“, sie deutete auf Ganon. „im Unterricht sitzen!“ Eilig standen die Kinder auf und klopften sich den Staub aus den Kleidern. „Der Unterricht fällt heute aus!“, erwiderte Ganon schnell. Dana verschränkte skeptisch die Arme vor der Brust. „Ach und warum das so plötzlich?“ „Nun…ja…“, wich Ganon aus um sich eine passende Ausrede zurechtzulegen. „Gothama haben gesagt, dass sie heute keine Zeit dazu hätten…“ „Ach wirklich? Ist das so? Gibt es irgendeinen bestimmten Grund warum sie heute ihrer bedeutsamsten Aufgabe, nämlich ihren Schützling in den Künsten der Magie zu unterweisen, nicht nachkommen können?“ „Ähm…sie haben gesagt, dass…äh…“ „Dass sie sich von den Strapazen der letzten Tage erholen müssen!“, kam Naboru ihrem Freund zu Hilfe. „Genau! Das haben sie gesagt!“, bestätigte Ganon. Doch natürlich konnten sie Dana nichts vormachen. Dana schüttelte ungerührt den Kopf. „Ihr hört jetzt sofort damit auf mir die Katze im Sack zu verkaufen und seht zu, dass ihr dahin geht wo ihr jetzt sein solltet! Aber sofort!“ Trotzig stemmte Ganon die Arme in die Hüften. „Ich bin der König! Du hast mir gar nichts zu befehlen!“ „Und ob ich das habe Eure Winzigkeit!“ Dana hob drohend die Hand. Ganon und Naboru zogen die Köpfe ein. „Abmarsch!“ „Ja, in Ordnung!“, brummte Ganon. „Aber ich will, dass Naboru mich begleitet, danach darf sie zur Festung gehen!“ Und noch bevor Dana etwas erwidern konnte – rannten Ganon und Naboru lachend wieder in den Tempel. Hahahaha… „Warum soll ich mitkommen?“, fragte Naboru. Ganon legte sich den Finger auf die Lippen und gebot ihr leiser zu sprechen. „Ich habe was für dich.“, flüsterte er. „Oh, ein Geschenk?“, frohlockte Naboru. „Was ist es denn?“ Sie quetschten sich nacheinander durch das kleine Loch in der linken Wand der Eingangshalle. Auf der anderen Seite angekommen klopften sie sich den Staub aus den Kleidern. „Also was hast du für mich?“, drängte Naboru. Ganon tat einige Schritte, er zählte sie ab. „Fünf…sechs…sieben!“ Dann blieb er stehen und bückte sich auf den Boden. „Was machst du da?“

„Sei doch nicht so ungeduldig, Naboru! Sonst schenk ich ihn dir nicht mehr!“, schnaufte Ganon und hievte eine Steinplatte aus dem Boden. Mit einem triumphalen Grinsen hielt er ihr den Lederbeutel hin. Naboru musterte ihn mit verzogenem Gesicht. „Toll! Ein Stück Leder! Danke!“, äußerte sie sarkastisch. „Mann, du blöde Kuh! Nicht der Lederbeutel sondern der Inhalt ist das Geschenk!“, fuhr Ganon sie an. „Was soll da schon drin sein, so klein wie…Oh wie schön!“, quietschte Naboru als sie den Armreif herausgeholt hatte. „Ist der wirklich für mich?“ Ganon zog stolz die Nase hoch. „Habe ich eigenhändig für dich gestohlen, und es war nicht leicht kann ich dir sagen! Ich musste der Hyrulianerin die Hand abschlagen, weil sie ihn mir nicht freiwillig geben wollte.“ Naboru zog den Armreif über ihre Hand und hielt ihn hoch, in den Schein der Fackel. Er schimmerte und die winzigen roten Rubine funkelten ihr ins Gesicht. „Er ist wunderschön!“ Vor Freude fiel sie Ganon um den Hals und küsste ihn auf die Wange. „Ist schon gut, schließlich beschenkt jeder Mann seine Frau. Und du wirst schließlich mal meine Frau und mit mir das Bett teilen.“ Naboru lachte. „Du darfst doch keine Kinder haben!“ „Ich rede doch nicht von Kindern, sondern von den höchsten Freuden des Menschseins!“ Sie zwickte ihm in die Wange. „Tja, dazu musst du es erst einmal schaffen, dass du oben liegst!“ Er boxte sie gegen den Arm. „Warte nur bis ich mir nehme was mir zusteht!“ Erneut brüllten sie vor lachen. Und plötzlich lachte da noch jemand mit. Ganon fuhr zusammen. „Wer ist da?“ Augenblicklich verstummte das Gelächter. Auch die fremde Stimme. Naboru sah ihn überrascht an. „Mit wem sprichst du?“ Ganon blickte sich nervös um. „Na mit der Stimme, die mitgelacht hat.“ Nun sah Naboru ihn an, als wäre er nicht mehr ganz klar im Kopf. „Ganon, wir sind allein!“ „Nein! Das sind wir nicht! Ich habe sie ganz deutlich…“ Da lachte die Stimme wieder. Es war eindeutig die einer Frau. Sie lachte und lachte. „Da ist sie, hörst du sie nicht?“ „Das bildest du dir ein…“ „Nein – tue ich nicht!“, schrie Ganon sie an. Naboru schüttelte den Kopf. War er wirklich bei klarem Verstand? Bildete er sich die Stimme nicht nur ein? Du hast Recht, du bildest sie dir nicht nur ein! Ich bin es, die spricht. Die Stimme dröhnte in seinen Ohren. Eine dunkle und bodenlos schwarze Stimme einer Frau. „Wer bist du?“, fragte er voller Furcht. Schick das Mädchen weg! Tu es! Naboru berührte ihn an der Schulter. „Was ist mit dir Ganon?“ „Geh zur Festung!“ Mitten in der Bewegung hielt sie inne. „Was?“ „Geh weg! Sofort!“, befahl Ganon. Beleidigt zog Naboru die Hand zurück und drehte sich um. „Du spinnst!“ Und verließ, durch das Loch, den Tempel. Gut so…, sagte die Stimme sanft. Und nun komm. Komm zu mir, mein kleiner Ganon. Folge meiner Stimme und komm zu mir! Die Stimme war die einer verführenden Frau. Er konnte sich ihrer Verlockung nicht entziehen. Ganon folgte der Stimme durch den Tempel. Er folgte ihrer Verführung bis tief in die Eingeweide des Tempels. Es war als stünde er unter einem Bann. Er konnte sich nicht wehren, die Stimme schien seinen Körper zu kontrollieren. Wie ein Gaukler seine Marionetten, so zog sie an den Fäden seiner Gelenke. Bis in den Raum hinter dem Gesicht der Statue. Es war vollkommen still. Nichts war zu hören. Gar nichts. Die Stille machte ihm Angst. Er wollte weg aber etwas hielt ihn fest. Wie zwei riesige Hände, die ihn umklammert hielten. Mein kleiner Krieger, mein kleiner Liebling… „Wer bist du?“, fragte er erneut. Da erklang wieder das Lachen. Und mit einem Mal war der ganze Raum von einer Magie erfüllt, wie er sie nicht bei sich selbst kannte. So schwarz war diese Magie. Du bist stark und klug, mein kleiner Ganon. Du bist perfekt! Du bist bereit meine Feinde zu strafen. Du bist fähig meine Rache zu vollenden! Die Furcht in Ganon stieg weiter. Er wollte weg von hier – Und dann spürte er wie das Blut aus seiner Brust floss. Und er schrie

Naboru war stocksauer. Als sie in der Festung angekommen war – war sie stocksauer in ihr Zimmer marschiert und hatte über Ganon geflucht. Dieser großkotzige Möchtegernkönig! Dabei war er jünger und um ein gutes Stück kleiner als sie! Aber sie konnte ihm natürlich nicht lange böse sein. Schließlich waren sie die besten Gefährten! Und als sie den Armreif gesehen hatte, sein Geschenk an sie, da hatte sie ihm dieses plötzliche Anschreien verziehen. Außerdem hätte sie gar nicht mehr Zeit gehabt zu schreien, denn sie hatte gewaltigen Ärger bekommen, weil sie das Training geschwänzt hatte. Die anderen Mädchen waren eifersüchtig auf sie, weil Ganon sie mehr mochte und sie jede freie Zeit gemeinsam verbrachten. Ja, sie mochte ihn und ja sie wollte seine Frau werden. Und ihretwegen auch ihm ihr Fleisch schenken. Naboru spielte mit dem Armreif an ihrem Aberarm. Er war ein gutes Stück zu groß für sie, aber sie wuchs sicher in ihn hinein… In diesem Moment schrie Dana: „Öffnet das Tor! Der junge König ist da!“ Freudestrahlend sprang Naboru auf die Füße und rannte aus der Festung, zum Tor, das zur Wüste führte. Doch als sie nach draußen trat, da traf sie die Stille. Nichts als Stille. Die Gerudofrauen standen da wie versteinert und blickten den kleinen Jungen an, der an ihren Reihen vorbei schritt. Natürlich dachte sich Naboru nichts dabei, sie rannte auf ihn zu und fiel ihm um den Hals. „Ganon, du Idiot! Ich verlange sofort eine Entschuldigung von dir!“ Mit einer einzigen blitzartigen Bewegung packte er sie am Oberarm und stieß sie so hart von sich weg, dass sie auf dem sandigen Boden aufschlug. Naboru wusste gar nicht wie ihr geschah. „Fass mich nicht an!“, zischte er ihr entgegen. Mit einer Stimme so kalt wie Stein in einer eisigen Nacht. Mit entsetztem Blick starrte sie ihn an. Starrte ihm in die gelb schimmernden Augen – und in die Pupillen. Seine Pupillen waren nicht mehr klein und rund wie bei jedem Menschen. Sie waren zu langen und schmalen Schlitzen geworden. Und Naboru wusste jetzt, dass der Ganon, den sie kannte, dass es ihn nicht mehr gab… Lin fuhr aus dem Schlaf. Sie war schweißnass und keuchte. Es war ein schrecklicher Alptraum gewesen. Sie hatte langsam aber sicher die Nase voll von den visuellen Besuchen Ganons. Sie wollte ihn aus ihrem Kopf verbannen! Außerdem war ihr jetzt wieder schlecht und der Bauch tat ihr höllisch weh. Ja genau, mit noch geschlossenen Augen rieb sie sich über den schmerzenden und heißen Bauch – Sie hatte wohl kaum einen solchen eisigen und bitteren Schreck bekommen wie in diesem Moment. Sie riss die Augen auf und starrte auf ihren Bauch. Sie konnte es nicht fassen! Hastig und ungeschickt riss Lin ihr Kleid hoch, bis unter die Brust. Es war ein Berg, der sich da aus ihr erhob! Es… Ihr Bauch war von einem Tag auf den anderen zur doppelten Größe aufgeschwollen. Sie tastete den Bauch mit den Fingern ab. Ihr liefen die Tränen die Wangen hinunter.


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by Kim